mini|Collane des Ordens des Goldenen Adlers Der Ritterorden des Goldenen Adlers, 1702 als Württembergischer Ritterorden von der Jagd gestiftet, war 1807–1818 der höchste Ritterorden im Königreich Württemberg. Zuvor war er der Ritterorden der Herzöge von Württemberg.

Geschichte Der Württembergische Jagdorden, nach dem Schutzpatron der Jagd Hubertus von Lüttich auch Hubertusorden genannt, wurde von Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg 1702 gestiftet. Ihm wurde der Westflügel der Ludwigsburg als Sitz zugewiesen, wo jährlich zum Hubertustag (3. November) die Ordensversammlung und eine gemeinsame Jagd stattfand.

Der Orden war auf 24 Ritter begrenzt, zuzüglich dem Herzog als Ordensherren und fürstlichen Rittern. Der älteste fürstliche Ritter war Großkanzler, einer der anderen Ritter Zeremonienmeister. Daneben war ein Ordenssekretär für die Anfertigung der Wappen und Diplome zuständig. Den ersten Ritterschlag erhielt Friedrich Wilhelm von Hohenzollern-Hechingen, der somit auch erster Großkanzler wurde. Erster Ordenssekretär wurde der Diplomat Anton Günther von Heespen. mini|Insignien des Jagdordens In den von Carl Eugen 1763 erneuerten Statuten wurde der Orden nurmehr als „Herzoglich-Württembergischer Ritterorden“ bezeichnet. Aus dem Jagdorden wurde ein Hausorden, zum Ordenstag wurde der 4. November (Namenstag Karl Borromäus’) bestimmt. Die Anzahl der Ritter wurde erhöht:

Prinzen des herzoglichen Hauses, die von Geburt an Ordensritter waren und aus denen der Großkanzler erwählt wurde eine unbegrenzte Zahl regierender Fürsten 12 Reichsgrafen 50 weitere Adlige

Nach den württembergischen Gebietserweiterungen im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses und der Annahme der Königswürde durch Friedrich I. erhielt der Orden neue Statuten und wurde am 6. März 1807 in „Ritterorden des Goldenen Adlers“ umbenannt.

Der Orden war, neben regierenden Fürsten, auf 50 Ritter begrenzt, die edler Herkunft sein oder eine Stelle bekleiden mussten, die mindestens dem Rang eines Generalfeldmarschallleutnants entsprach. Ausgenommen waren die Kinder des Königs, die den Orden nach ihrer Taufe, die des Kronprinzen, die den Orden mit einem Jahr, Enkel des Königs und des Kronprinzen sowie andere Angehörige des königlichen Hauses, die den Orden im Alter von sieben bzw. vierzehn Jahren erhielten. Der Großkanzler (bis zum Ende des Ordens war dies Georg Ernst Levin von Wintzingerode) wurde von nun an vom König bestimmt, der Ordenstag auf den 6. März gelegt.

Ab 1818 wurde der Orden des Goldenen Adlers, wie der Zivilverdienstorden, nicht mehr verliehen. Stattdessen wurde der Orden der Württembergischen Krone gestiftet, dessen Großkreuz die Aufgabe des Ordens des Goldenen Adlers übernahm.

Ordensdekoration Das Ordenszeichen des Jagdordens war ein goldenes, rot emailliertes Malteserkreuz mit goldenen Adlern in den Winkeln und goldenen Jagdhörnern zwischen den Spitzen. In der Mitte befand sich ein grün emailliertes Medaillon mit einem goldenen, mit der Herzogskrone gekröntem im Avers und drei Jagdhörnern im Revers. Der gestickte silberne Bruststern zeigte das Ordenszeichen und die Ordensdevise in einem grünen Ring.

mini|Friedrich I. in Ordenskleidung, mit Hermelinkragen

1807 wurde das Ordenszeichen leicht abgeändert: das Medaillon im Avers zeigte nun die mit der Königskrone gekrönten Initialen , im Revers einen goldenen Adler. Für das Ordensfest wurde eine Collane und eine Ordenskleidung eingeführt, das aus einem grünen Oberrock mit goldfarbenen Aufschlägen, einer goldfarbenen Weste, einer grünen Kniehose, weißen Kniestrümpfen und schwarzen Schuhen mit weißen Maschen bestand. Darüber wurde ein roter Mantel getragen. Oberrock und Mantel waren mit weißen Satin gefüttert und, wie die Hose, aus Samt, Aufschläge und Weste aus Glacéleder.

Die Glieder der Collane zeigten abwechselnd goldene Adler, drei verschränkte Jagdhörner und die gekrönten Initialen .

Trageweise Das Ordenszeichen wurde an einem roten Schulterband unter dem Oberrock von der linken Schulter zur rechten Hüfte getragen, der Ordensstern auf dem Rock.

Wer von einem Ordensritter ohne Ordensdekoration angetroffen wurde, musste dem Ordensherrn eine Flinte und dem anzeigenden Ordensritter zwei Pistolen sowie zehn Reichstaler zugunsten der Armen spenden. Mit der Streichung der Bezügen zur Jagd 1763 entfiel die Verpflichtung zur Übergabe der Jagdwaffen, die Geldstrafe wurde auf 50 Reichstaler erhöht.

Wer die Insignien eines höherrangigen, d. h. kaiserlichen oder königlichen, Ritterordens trug (bspw. Elefanten-Orden oder Schwarzer Adlerorden), war das Tragen des Ordenszeichens am Hals und des Sterns am Kamisol vorgeschrieben. Nach der Erhebung zum Königreich betraf dies nur noch ausländische Souveräne und deren Untertanen.

An den Ordensfesten wurde das Schulterband über dem Oberrock getragen, nach 1807 die Collane über der Ordenskleidung.

Ordensmitglieder Das Königlich-Württembergische Staatshandbuch auf die Jahre 1807 und 1808 nennt den Ordensherrn und gliedert die Ritter in „Ritter aus dem Königlichen Hause“, „Gekrönte Häupter und regierende Herren“ und „Übrige Ritter“. Die folgende Liste übernimmt diese Gliederung und Reihenfolge; Verleihungsdaten werden angegeben, soweit sie durch zeitgenössische Quellen nachgewiesen sind.Königlich-Württembergisches Staatshandbuch auf die Jahre 1807 und 1808. Stuttgart 1808, S. 17–19 (Digitalisat S. 17, S. 18, S. 19).

Ordensherr und Oberhaupt König Friedrich

Ritter aus dem Königlichen Hause Friedrich, Kronprinz Paul, Königlicher Prinz Ludwig, Herzog Eugen, Herzog Wilhelm, Herzog Ferdinand, Herzog Alexander, Herzog Heinrich, Herzog Adam, Prinz Eugen, Prinz Paul, Prinz Friderich Carl August, Königlicher Prinz – erstmals im Hof- und Staats-Handbuch 1809/10 verzeichnetKöniglich-Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch, 1809/10, S. 13 (Digitalisat). Alexander, Prinz – 9. September 1811Königlich-Württembergisches Staats- und Regierungsblatt, 1811, S. 248 (Digitalisat).

Gekrönte Häupter und regierende Herren Napoleon, Kaiser der Franzosen, König von Italien etc. – erstmals im Staatshandbuch 1807/08 verzeichnetKöniglich-Württembergisches Staatshandbuch 1807/08, S. 18 (Digitalisat). Jerome Napoleon, König von Westphalen – erstmals im Staatshandbuch 1807/08 verzeichnet Louis Napoleon, König von Holland – erstmals im Staatshandbuch 1807/08 verzeichnet Franz, Herzog von Mecklenburg-Schwerin – erstmals im Staatshandbuch 1807/08 verzeichnet Maximilian Joseph, König von Baiern – erstmals im Hof- und Staats-Handbuch 1809/10 verzeichnetKöniglich-Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch, 1809/10, S. 13 (Digitalisat). Ludwig Carl August, Kronprinz von Baiern – erstmals im Hof- und Staats-Handbuch 1809/10 verzeichnet Napoleon Louis, Kronprinz von Holland, Großherzog von Berg und Cleve – erstmals im Hof- und Staats-Handbuch 1809/10 verzeichnet Joachim Napoleon, König von Neapel – erstmals im Hof- und Staats-Handbuch 1812 verzeichnetKöniglich-Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch 1812, S. 13 (Digitalisat). Napoleon Achilles, Kronprinz von Neapel – erstmals im Hof- und Staats-Handbuch 1812 verzeichnet Carl Ludwig Friderich, Großherzog von Baden – erstmals im Hof- und Staats-Handbuch 1813 verzeichnetKöniglich-Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch 1813, S. 13 (Digitalisat). Friderich Wilhelm, König von Preußen – Verleihung erwähnt in der Mitteilung vom 15. November 1812Königlich-Württembergisches Staats- und Regierungsblatt, 1812, S. 289–290 (Digitalisat S. 289, S. 290). Friderich Wilhelm, Kronprinz von Preußen – Verleihung erwähnt in der Mitteilung vom 15. November 1812

Übrige Ritter Friedrich Emich Johann von Uexküll-Gyllenband Karl Alexander von Thurn und Taxis Friedrich Philipp Carl, Graf von Pückler Hermann Friedrich Otto, Fürst von Hohenzollern-Hechingen Christoph Albrecht von Seckendorff Carl August Gottfried, Freiherr von Seckendorff Alexander Ernst, Freiherr von Seckendorff Christian Friedrich, Freiherr von Behr Rudolph August Lebrecht, Freiherr von Taubenheim Carl Kraft Ludwig, Fürst von Oettingen-Wallerstein Friedrich Kraft Heinrich, Fürst von Oettingen-Wallerstein Carl Joseph Ernst, Fürst zu Hohenlohe-Bartenstein Carl Ludwig Georg, Freiherr von Wöllwarth Albrecht Friedrich Carl zu Castell-Castell Johann Carl Christoph, Freiherr von Seckendorff 14. Mai 1801:Albert Raff: Die Ritter des herzoglich württembergischen Ritterordens von der Jagd (1702–1806). Verleihungsliste. Stuttgart 2013, S. 12 (Digitalisat); Schwäbische Chronik, 17. Mai 1801, S. 177 (Digitalisat). Ulrich Lebrecht von Mandelsloh, württembergischer Geheimer Rat 28. Oktober 1801:Albert Raff: Die Ritter des herzoglich württembergischen Ritterordens von der Jagd (1702–1806). Verleihungsliste. Stuttgart 2013, S. 12 (Digitalisat); Schwäbische Chronik, 1. November 1801, S. 381 (Digitalisat). Georg Ernst Levin von Wintzingerode, württembergischer Staats- und Konferenzminister und Wirklicher Geheimer Rat 25. Mai 1802:Schwäbische Chronik, 28. Mai 1802, S. 233 (Digitalisat); Churfürstlich-Württembergisches Adreß-Buch auf das Jahr 1803, S. 51 (Digitalisat). Philipp Christian Freiherr von Normann, Staats- und Konferenz-Minister Friedrich Hermann, Erbprinz zu Hohenzollern-Hechingen Franz Carl Joseph, Fürst zu Hohenlohe Johann Aloys, Fürst zu Oettingen-Spielberg 6. November 1804:Churfürstlich-Württembergisches Adreß-Buch auf das Jahr 1805, S. 45 (Digitalisat).Albert Raff: Die Ritter des herzoglich württembergischen Ritterordens von der Jagd (1702–1806). Verleihungsliste. Stuttgart 2013, S. 12 (Digitalisat).Churfürstlich privilegirte Stuttgartische Zeitung, Nr. 181 vom 10. November 1804 (Digitalisat). August Carl Heinrich, Freiherr von Beulwitz, General-Lieutenant, Gouverneur von Ludwigsburg und Commandeur des Churfürstlichen Militair-Verdienst-Ordens Franz, Reichsgraf von Jenison-Wallworth, wirklicher adeliger Geheimer Rat, Obrist-Kammerherr und Ritter des Malteser-Ordens Adolph Wilhelm Gottlob, Freiherr von Münchhausen, wirklicher adeliger Geheimer Rat und Ober-Hofmarschall Maximilian Constantin, Freiherr Wurmser von Wendenheim, General-Lieutenant, Capitaine des Gardes und Trabanten-Hauptmann Georg Ludwig, Erbgraf zu Löwenstein 6. November 1804Albert Raff: Die Ritter des herzoglich württembergischen Ritterordens von der Jagd (1702–1806). Verleihungsliste, S. 12 (Digitalisat). bzw. 8. November 1804Churfürstlich-Württembergisches Adreß-Buch auf das Jahr 1805, S. 43 (Digitalisat).: Franz, regierender Fürst und Altgraf zu Salm-Reifferscheid-Krautheim Friedrich Carl, Graf zu Wertheim 15. Oktober 1805 (?)Albert Raff: Die Ritter des herzoglich württembergischen Ritterordens von der Jagd (1702–1806). Verleihungsliste, S. 13 (Digitalisat).Königlich-Württembergisches Adreß-Buch auf das Jahr 1806, S. 48 (Digitalisat); dort ohne Verleihungsdatum.: Joseph Fouché, kaiserlich französischer Polizei-Minister 6. Oktober 1805Königlich-Württembergisches Adreß-Buch auf das Jahr 1806, S. 48 (Digitalisat). bzw. 15. Oktober 1805Albert Raff: Die Ritter des herzoglich württembergischen Ritterordens von der Jagd (1702–1806). Verleihungsliste, S. 13 (Digitalisat).: Louis-Auguste d’Harville, Sénateur, Oberstallmeister Ihrer Majestät der Kaiserin von Frankreich und Groß-Officier der Ehrenlegion François-Christophe Kellermann, Marschall von Frankreich Auguste de Marmont, kaiserlich französischer General Jean Léonor François Le Marois Christian Friedrich Karl zu Hohenlohe-Kirchberg Maximilian Wunibald, Fürst zu Zeil Eberhard Ernst, Fürst zu Zeil-Wurzach 4. September 1807:Königlich-Württembergisches Staats- und Regierungsblatt, 1807, S. 396. Louis-Alexandre Berthier, Fürst von Neuchâtel Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord, Fürst von Benevent Jean-Baptiste Bessières Géraud Christophe Michel Duroc 3. Oktober 1807:Königlich-Württembergisches Staats- und Regierungsblatt, 1807, S. 463. Michel Louis Étienne Regnaud de Saint-Jean d’Angély Pierre Alexandre le Camus