mini|Alexander Dibelius (2015) Alexander C. Dibelius (* 23. Oktober 1959 in München In: WirtschaftsWoche online) ist ein deutscher Finanzmanager.
Von Dezember 2004 bis 2015 war er alleiniger Geschäftsleiter der US-amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs für Deutschland, Österreich, Russland sowie Zentral- und Osteuropa. Dibelius ist seit 2015 Deutschlandleiter, auf cvc.com der Private-Equity-Gesellschaft CVC Capital Partners.
In den letzten Jahren stießen seine Geschäftspraktiken zunehmend auf Kritik: Unter anderem, weil er Anfang 2010 die Gemeinwohl-Verantwortung von Banken verneinte.Klage gegen US-Bank. Goldman Sachs fällt in Ungnade. Süddeutsche Zeitung, 20. April 2010.
Dibelius war Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel und gemeinsam mit weiteren Vertrauten von Goldman Sachs, u. a. Phil Murphy (bis 2013 US-Botschafter in Berlin), Mitglied im deutsch-amerikanischen Elitenetzwerk Atlantik-Brücke. , S. 96 (PDF; S. 49/75 der PDF-Seitenzählung; 6,7 MB), Foto von A. Dibelius mit namentlicher Nennung; „Es lohnt sich, Atlantik-Brücke-Mitglied zu sein“
Leben Alexander Dibelius ist der älteste Sohn neben zwei jüngeren Schwestern des Musikwissenschaftlers und -kritikers Ulrich Dibelius.Ulrike Posche: Der talentierte Herr Dibelius. Er ist der Statthalter der US-Investmentbank Goldman Sachs in Deutschland. Alexander Dibelius war Arzt in Südafrika, dann wechselte er ins Reich der Gier. Besuch bei einem smarten Dealer. In: stern, Nr. 18/2010, S. 124–128, . Sein Großonkel war Otto Dibelius, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg und Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland von 1949 bis 1961.
Alexander Dibelius begann nach dem Abitur am Otto-von-Taube-Gymnasium in Gauting ein Medizinstudium. Trotz seiner Abiturnote von 1,0 wurde seine Bewerbung für ein Stipendium der Stiftung Maximilianeum in München wegen „charakterlich-sittlicher“ Mängel abgelehnt. Das Studium in München und Freiburg schloss er 1984 mit seiner Approbation ab. Nach fünf Monaten wurde er zum Wehrdienst eingezogen, den er als Offizier und Stabsarzt an der Sanitätsakademie beendete. Bis 1987 arbeitete er als Assistenzarzt für Herzchirurgie am Universitätsklinikum Freiburg und am Baragwanath Hospital in Johannesburg sowie im Groote Schuur Hospital in Kapstadt, Südafrika. (PDF; 63 kB) In: Wincor Nixdorf, abgerufen am 5. August 2010. Während seiner Ausbildung zum Facharzt arbeitete er für einige Wochen bei der Unternehmensberatung McKinsey & Company. Nach seinen Angaben animierte ihn dazu ein Titelbild des manager magazins über McKinsey (Die eiskalte Elite. In: manager magazin, 1984, Nr. 11), während ihn die sich wiederholenden Routinetätigkeiten zunehmend langweiltenGerald Braunberger: Von der Uni direkt als CEO bewerben? In: Crosswater Job Guide, 28. November 2009„Bypass, Herzklappe, Visite, Bypass, Herzklappe, Visite.“ und ihn die Berufshierarchie zunehmend frustrierte. 1987 brach er seine Weiterbildung zum Facharzt ab und stieg bei McKinsey als Berater ein. Dort wurde er von dem damaligen Deutschland-Chef Herbert Henzler gefördert, der auch zu seinem Mentor wurde, und stieg nach viereinhalb Jahren zum „Partner“ (Teilhaber) auf.Karen Lowry Miller: Germany’s Deal Doctor. Alexander Dibelius, Goldman Sachs. In: Businessweek, 5. April 1999.
Nach sechs Jahren wechselte Dibelius zur Investmentbank Goldman Sachs,Claudia Reischauer, Wolfgang Zdral: In: Capital, 12. Juli 2006, archiviert von Internet Archive. wo er 1998 zum Abteilungsleiter für den Geschäftsbereich Mergers & Acquisitions (M&A) aufstieg. Als es ihm 1998 gelang, den Zuschlag für die Fusion von Daimler-Benz mit Chrysler zu erhalten und er diese auch durchführen konnte, wurde er im selben Jahr zum „Partner“ (Teilhaber) berufen.
Nach dem Weggang des damaligen Deutschlandchefs von Goldman Sachs, Paul Achleitner, zur Allianz beförderte man ihn im Dezember 2002 zusammen mit dem US-Kollegen Wayne Moore zum Gesamtgeschäftsführer in Deutschland; zwei Jahre später wurde er alleiniger Geschäftsleiter für den deutschsprachigen Raum.
Geschäfte Gemeinsam mit dem damaligen Daimler-Benz-Strategie-Vorstand Eckhard Cordes hatte er seit 1998 maßgeblich die Übernahme von Chrysler durch Daimler-Benz trotz interner Einwände herbei- und durchgeführt. Cordes lernte Dibelius 1994 kennen und schätzen, als Dibelius den Bushersteller Kässbohrer beim Verkauf an Daimler-Benz beriet. Die Fusion mit Chrysler wurde zunächst in kleinstem Kreise vorbereitet. Im Jahr 2000 bereiteten Dibelius und Cordes die Übernahme von 34 Prozent an der Mitsubishi Motors Corporation (MMC) durch DaimlerChrysler vor.Marco Dalan: Daimler-Chrysler steigt nächste Woche bei Mitsubishi ein. In: Die Welt, 24. März 2000. Im April 2004 wurden die Anteile wieder verkauft, die Beteiligung hatte sich als Fehlinvestition erwiesen.DaimlerChrysler lässt Mitsubishi fallen. In: Deutsche Welle, 1. Mai 2004 Ungeachtet der hohen Verluste durch die Fusion und trotz einer Auftragssperre für Goldman SachsSven Clausen, Steffen Klusmann, Klaus Max Smolka, Angela Maier: In: Financial Times Deutschland, 12. Juli 2007. wurde er 2007 erneut engagiert, um den Chrysler-Käufer Cerberus bei der Trennung von Chrysler und Daimler AG zu beraten.Robert Landgraf: Investmentbanker der Extreme: Dibelius. In: Handelsblatt, 12. Juni 2009.Hans G. Nagl: Deutschland-Chef Dibelius geht auf Tauchstation. In: Handelsblatt, 23. April 2010.
An der feindlichen Übernahme von Mannesmann durch Vodafone war er ebenfalls wesentlich beteiligt; Vodafone wuchs dadurch zum größten Telekommunikationskonzern der Welt. 2003 wurde Dibelius im Mannesmann-Prozess unter anderem gegen die Deutsche Bank als Zeuge geladen. Dort entlastete Dibelius in entscheidender Weise Josef Ackermann, den damaligen Vorstand der Deutschen Bank.Banker von Goldman Sachs entlastet Ackermann. In: FAZ, 15. April 2004 „Prämien spielten bei der Mannesmann-Übernahme keine Rolle“, äußerte Dibelius,Investmentbanker: Prämien spielten keine Rolle. Die umstrittenen Millionenprämien haben bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone nach Aussage des Deutschland-Chefs von Goldman Christoph Alexander Dibelius, keine zentrale Rolle gespielt. In: Handelsblatt, 15. April 2004, S. 22. was zur Einstellung des Verfahrens im November 2006 beitrug.
2006 konnte er den damaligen KarstadtQuelle-Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff davon überzeugen, die KarstadtQuelle AG mit dem Verkauf ihrer Warenhaus-Immobilien zu sanieren und Goldman Sachs den Zuschlag für den Kauf zu erteilen. Dibelius gründete daraufhin mittels der Goldman-Sachs-Immobilientochter Whitehall das Immobilien-Konsortium Highstreet, bei dem Whitehall 51 % Anteile hält. Er ließ zunächst ebenfalls 51 % an Karstadt-Immobilien aufkaufen, 2008 in einem zweiten Transfer den Rest und vermietete seine 86 Filialen wieder an KarstadtQuelle. Der Kaufpreis von 3,7 Mrd. Euro (offiziell: 4,5 Mrd. EuroKarstadt-Vermieter bereiten sich auf Insolvenz vor. In: Spiegel Online, 29. Mai 2009.„Middelhoff hatte die Immobilien an Highstreet offiziell für insgesamt 4,5 Milliarden Euro verkauft – dabei gehen Insider davon aus, dass nach Abzug von Provisionen und Ausschüttungen an Investoren deutlich weniger als 4,5 Milliarden bei Karstadt ankamen.“) wurde während des damaligen Immobilienbooms als günstig angesehen.Sven Clausen, Steffen Klusmann, Klaus Max Smolka, Angela Maier: In: Financial Times Deutschland, 12. Juli 2007.„‚Für ihn war DaimlerChrysler das Ticket, um endlich als Partner von Goldman Sachs berufen zu werden‘, sagt einer seiner alten Weggefährten.“ Anfang Juli 2010 wurde bekannt, dass sich Goldman Sachs bzw. Whitehall einen Teil der Kaufsumme (850 Mio. Euro) von der Karstadt Hypothekenbank AG (heute: Valovis Bank) geliehen hatte.Weniger Gegenwehr gegen Berggruen. In: Handelsblatt, 6. Juli 2010. Da die Karstadt Hypothekenbank AG auch die Pensionen der Mitarbeiter verwaltete, wurde die Karstadt-Belegschaft durch die weit überhöhten Mieten in doppelter Weise belastet.
Siemens beauftragte 2007 Dibelius, ihren Automobilzulieferer VDO an die Continental AG zu verkaufen. Die Kaufsumme von 11,4 Mrd. Euro belastet Continental bis heute. Der spätere Continental-Eigentümer Schaeffler-Gruppe ließ daher Mitte Dezember 2009 zwei Großbanken, die Deutsche Bank und JPMorgan Chase, eine Kapitalerhöhung des Grundkapitals von Continental in Höhe von einer Mrd. Euro durchführen. Die Banken befürchteten Verluste und zögerten, weil sie dabei einen Mindestpreis von 32 € je Aktie garantieren mussten und der Anteil der Schaeffler-Gruppe bei Continental damals nicht unter 75 % fallen sollte. Schnell entschlossen wandte sich Dibelius kurz vor Weihnachten 2009 an den Continental-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle, einen alten Geschäftspartner, und erhielt dessen Unterstützung für diese Transaktion.Michael Freitag: In: manager magazin, 2010, Nr. 2, S. 18, (PDF; 219 kB). Ende Dezember 2009 holte Dibelius in Kitzbühel die Zustimmung von Maria-Elisabeth Schaeffler ein, der Gesellschafterin der Schaeffler-Gruppe, die Kapitalerhöhung Goldman Sachs zu überlassen. Anstelle einer mehrwöchigen Zeichnungsfrist mit dem Risiko eines sinkenden Aktienkurses garantierte er ihr eine rasche Abwicklung.Sven Clausen, Guido Warlimont: In: Financial Times Deutschland, 7. Januar 2010. Schaeffler ließ sich überzeugen und übergab am nächsten Tag ihrem Finanzchef Klaus Rosenfeld die Vollmacht zur Kooperation mit Goldman Sachs, den wiederum Dibelius sehr gut kannte.Axel Höpner, Hans G. Nagl und Mark Christian Schneider: Klaus Rosenfeld: Ein Workaholic mit Gespür für Timing. In: Handelsblatt, 10. Januar 2010. Die Deutsche Bank und JPMorgan Chase wurden vor vollendete Tatsachen gestellt und mussten sich bei der Platzierung der Aktien mit wesentlich weniger Beratungsgebühren begnügen.
Kontroversen Erhebliche Kritik erntete Dibelius mit seiner Ansicht „Banken … haben keine Verpflichtung, das Gemeinwohl zu fördern“ in einem Vortrag am 14. Januar 2010 während der 10. Studentenkonferenz „Campus for Finance“ in der WHU – Otto Beisheim School of Management.Banken müssen nicht das Gemeinwohl fördern. In: Handelsblatt, 14. Januar 2010. Eine Unternehmenssprecherin qualifizierte diese Äußerung als eine ungenaue Übersetzung des englischen Vortrages.Goldman-Banker bringt Koalition in Rage. In: Handelsblatt, 15. Januar 2010. In der Folge distanzierten sich führende Politiker der Regierungskoalition von Dibelius. Ein ranghoher Vertreter des Bundesfinanzministeriums hielt die Bemerkung für einen „Fauxpas, den man der Öffentlichkeit nicht erklären kann.“Ulrich Reitz: Das Schweigen von Goldman-Europa-Chef Dibelius. In: WirtschaftsWoche, 5. August 2010. Nachdem im Februar 2010 bekannt geworden war, dass Goldman Sachs der griechischen Regierung beim Verschleiern der Verschuldung geholfen hatte, um die EU-Kriterien zu erfüllen,Markus Diem Meier: Wie Goldman Sachs den Griechen half, Schulden zu verschleiern. In: Basler Zeitung, 15. Februar 2010.cis: Defizit-Kosmetik. Griechenland zahlte 300 Millionen Dollar an Goldman Sachs. In: Spiegel online, 14. Februar 2010. äußerte ein Vertrauter von Merkel: „Das Maß ist eigentlich voll. Eine Bank, die sich so verhält, darf nicht mit öffentlichen Aufträgen belohnt werden.“„Das Maß ist eigentlich voll“: Goldman Sachs am Pranger. In: Handelsblatt, 20. April 2010. Dibelius beriet Bundeskanzlerin Merkel vor allem bei den Privatisierungsplänen von Staatseigentum wie an der Deutschen Bahn.Klage gegen US-Bank. Goldman Sachs fällt in Ungnade. In: Süddeutsche Zeitung, 20. April 2010.