mini|500px|Korpsabzeichen der Bundessicherheitswache mini|Uniformkappe der Bundessicherheitswache Das Bundessicherheitswachekorps (kurz: Sicherheitswache (SW) genannt) war ein bewaffneter und uniformierter ziviler, jedoch nach militärischem Muster eingerichteter Wachkörper der Republik Österreich, der den Bundespolizeidirektionen Eisenstadt, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Leoben, Linz, Salzburg, Schwechat, Steyr, St. Pölten, Villach, Wels, Wien und Wiener Neustadt zur Wahrnehmung des Exekutivdiensts (Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit) beigegeben war. Das Korps bestand von 1869 bis zur Zusammenlegung mit Bundesgendarmerie und Kriminalbeamtenkorps zum Wachkörper Bundespolizei im Jahr 2005.
Geschichte Wien Vorläufer des Sicherheitswachekorps Im Jahr 1754 werden drei Polizeiaufseher für Wien ernannt, die der niederösterreichischen Statthalterei unterstellt sind. Josef II. schafft die Stelle eines Polizei-Oberdirektors, der den Geheimdienst unabhängig von der Landesregierung zu führen hat. 1789 kommt es in Österreich zu einer Zentralisierung des Polizeiwesens und 1793 wird ein Polizeiminister ernannt. Bis in das 13. Jahrhundert zurück reichen die Anfänge der Wiener Sicherheitswache, die sich aus dem Leopoldinischen Stadtrecht von 1221 ableitet. Damals wurde zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung eine Art Selbstschutzvereinigung der Wiener Bürger, deren Mitglieder zur Gerichts- und Landfolge verpflichtet waren, das heißt, in gleichmäßigem Wechsel Streifendienste durch die Straßen versehen mussten.
Zur Durchführung dieser Streifgänge war das ganze Stadtgebiet in vier Viertel eingeteilt, die nach den vier großen Stadttoren, das Wiedner-, Kärntner-, Stuben- und Schottenviertel hießen und je einem Viertelmeister unterstanden, der für die Einteilung und Überwachung dieses Dienstes der Stadtbehörde verantwortlich war. Da die Bürger aber diesen Selbstschutzdienst mit der Zeit als lästig und drückend empfanden, bezahlten sie eigene Ersatzmänner. Dieses Söldnerwesen geriet jedoch bald in Unordnung und verfiel ganz.
Daher sah sich der Wiener Stadtmagistrat im Jahr 1531 genötigt, sogenannte „Feuer- und Stundenrufer“ in den Dienst zu stellen. Sie hießen auch Wachter auf den Mauern, Stadtknechte, Viertelknechte, Torsteer und Torschützen, worunter besoldete Stadtbedienstete zu verstehen waren, deren Beruf die Verhütung von Bränden war. Außer diesen Feuerrufern gab es noch eine Truppe, die für den Sicherheitsdienst zu sorgen hatte, die sogenannte Stadtguardia. Diese wurde 1546 geschaffen, setzte sich aus entlassenen Landsknechten und Stadtwächtern zusammen und wuchs im Laufe ihres zweihundertjährigen Bestehens von 60 auf 1200 Mann an. Sie war ursprünglich eine städtische Einrichtung, die Mannschaft unterstand der Befehlsgewalt des Stadtguardiahauptmannes, dem zur Unterstützung ein Leutnant und mehrere Chargen (der Fendrich, Wachtmaister, Waibeln und Bevelshaber) zugeteilt waren. Diese Stadtwacht, die in einigen Quellen als Wienerische Knechte bezeichnet wird, wurde in der Folge vom Staat übernommen, hieß seit 1582 kayserliches Fändl und wurde 1618 in ein kayserliches Regiment umgewandelt, wodurch es als militärische Einheit dem Hofkriegsrat unterstellt war. Ihre Bekleidung bestand aus roten Pluderhosen, weißen Waffenröcken, weißen weitkrempigen Hüten mit rot-weißer Schnur und weißen Strümpfen.
Oft blieb der Sold monatelang aus und die Bediensteten vertröstet, weshalb die Stadtguardisten durch unbefugte Gewerbeausübung, besonders des Fürkaufs (Einkauf von Waren vor den Stadttoren und Verkauf mit Aufschlag auf den Märkten) und das Winkel-Leuthgeben (Ausübung des unbefugten Schankrechtes) den Zorn der Wiener Bürgerschaft erregten.
Das Bild von der Stadtguardia rundet sich durch den Bericht des Obersten Mansfeld von 1641, wonach er „mehr alte, krumpe und lambe Weinhacker, denn Soldaten“ habe. Doch schlugen sich diese bei der Türkenbelagerung von 1683 recht tapfer.
Neben der Stadtguardia entwickelte sich aus den früher genannten Feuer- und Stundenrufern seit 1547 eine Sicherheits-Tag und Sicherheits-Nachtwache. Die Sicherheits-Tagwachter hatten besonders auf die Reinhaltung der Straßen und die Bekämpfung der Bettlerplage zu achten, weshalb sie im Volksmund auch Bettelfanger genannt wurden, während sich die Sicherheits-Nachtwachter hauptsächlich auf das Stundenausrufen und das Lampenputzen zu beschränken hatte. Das Wachlokal befand sich im Brunnhäusl am Hohen Markt.
Die Unsicherheit griff jedoch so stark um sich, dass es im Jahr 1646 zur Aufstellung der Rumorwache kam, die wegen ihrer inneren Einrichtung und Zweckbestimmung als eigentliche erste Vorläuferin der Sicherheitswache anzusehen ist. Ihr ganzer Titel lautete Rumor- und Stadtsicherheitswache. Wegen ihrer gelben Rockaufschläge hieß sie im Volksmund die Schwefelbande oder Schwefelquart. Durch einen Zeitraum von über hundert Jahren lag die Rumorwache mit der Stadtguardia in einem erbitterten Streit. Deshalb löste Kaiser Karl VI. nach der sogenannten Schuhknechtrevolte im Jahr 1722 die Stadtguardia auf, ohne dass dies aber vom kaiserlichen Befehl Notiz genommen hätte. Kaiserin Maria Theresia ordnete mit Schreiben vom 20. November 1741 neuerlich die sofortig Auflösung der Stadtguardia an. Die Stadtguardisten widersetzten sich zwar auch dieser kaiserlichen Verfügung, mussten sich aber schließlich fügen.
Am 2. März 1776 wurde die Sicherheits-Tag- und Nachtwache aufgelöst und die k.u.k. Militärpolizeiwache aufgestellt. Diese bestand aus Soldaten der Linienregimenter, die sich freiwillig zu dem neuen Wachkorps meldeten, oder wenn zu wenig Meldungen einliefen, einfach dahin abkommandiert wurden. Die Soldaten standen ihrem neuen, unmilitärischem Dienst völlig teilnahmslos gegenüber, zumal ihre Instruktion mangelhaft und die Besoldung schlechter war, als jene der Linienregimenter.
Auf polizeiliche Fachkenntnisse wurde keinerlei Wert gelegt. Durch ihr brutales Vorgehen machte sich die Militärpolizei bei der Wiener Bevölkerung ebenso unbeliebt wie die frühere Stadtguardia. Nachdem die Rumorwache 1791 unter Kaiser Leopold II. aufgelöst worden war und die Unsicherheit in den Vorstädten sprunghaft anstieg, sollte 1792 eine uniformierte Civil-Polizei- und Bezirkswache in der Stärke von 64 Mann aufgestellt werden. Dieser Plan scheiterte an den Einsprüchen der militärischen Dienststellen. Jedoch wurde der Plan 1807 verwirklicht und bewährte sich.
Als die Militärpolizeiwache im Revolutionsjahr 1848 anlässlich außerhalb Wien stark verringert wurde, trat vorübergehend von 1848 bis 1851 eine Munizipalgarde als städtische Sicherheitswache an ihre Stelle. Aber schon 1851 wurde die k.u.k. Militärpolizeiwache neuerlich aktiviert und auf den Stand von 1675 Mann erhöht, während die Zivil-Polizeibezirkswache 1852 ihre Uniformen ablegte, aber Exekutivpolizei blieb und somit zur Keimzelle des Polizeiagentenkorps, dem Vorläufer des Kriminalbeamtenkorps, wurde. Die Militärpolizisten, die im Volksmund wegen ihres unhöflichen und barschen Einschreitens Zarrucks (von: „zurück!“) genannt wurden, beherrschten vielfach nicht einmal die deutsche Sprache, so dass sie die meisten Parteien mit der stereotypen Auskunft „nix Deitsch“ abweisen mussten, was schließlich zu einer allgemeinen und bequemen Form für die Ablehnung einer Amtshandlung wurde. Sie wurden den Anforderungen einer modernen Sicherheitstruppe nicht mehr gerecht und waren in der Bevölkerung so unbeliebt, dass gegen sie auch bereits tätliche Angriffe geführt wurden. Die Militär-Polizeiwache wurde im Jahr 1851 auf 2668 Mann gebracht und auch dem Namen nach reorganisiert, der Geist der Wache aber blieb derselbe.
Das Sicherheitswachekorps mini|Angehörige der Wiener Sicherheitswache im Prater um 1900 mini|Dienststelle der Sicherheitswache um 1900
Mit Allerhöchster Entschließung vom 2. Februar 1869 genehmigte Kaiser Franz Joseph I. auf Vorschlag von Sicherheitsminister Graf Eduard Taaffe die Errichtung der k.k. Sicherheitswache in Wien. Die Wiener Sicherheitswache wurde damit, nach den Revolutionswirren des Jahres 1848, als sogenanntes Zivilinstitut gebildet und für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit zuständig. Ihre Vorbilder waren u. a. ihre Schwesterorganisationen in Paris und Berlin. Am 15. Juni 1869 trat die Wiener Sicherheitswache, vorerst mit 122 Mann ihren Dienst an, am 15. Dezember 1869 verschwand der letzte Militärpolizist aus Wien. Von großer interner Bedeutung war die Einteilung des Dienstes. Zuerst erfuhr der Dienst eine Dreiteilung, später eine Zweiteilung. Am einfachsten und reibungslosesten wickelte sich der Dienst bei der Dreiteilung ab. Diese Diensteinteilung stammt aus dem Militärbereich und hatte sich über Jahrhunderte bewährt. Bereits in den Instruktionen für die Rumorwache aus dem Jahr 1706 wurde dieses System beschrieben, welches aus Dienst, Reserve und Freizeit bestand. Dieses System wurde in weiterer Folge allerdings solange durchbrochen, bis eine Zweiteilung daraus entstand.
Die Aufstellung der Sicherheitswache war jedoch nichts fundamental Neues, da schon die Rumorwache im Wesentlichen dieselbe Stellung einnahm. Jedem Einfluss der Militärbehörde entzogen, dabei doch auf militärischer Grundlage fußend, und einer staatlichen Zivilbehörde unterstehend, alles das gilt sowohl für die Rumor- als auch für die Sicherheitswache. Selbst die Ursache des Entstehens ist in beiden Fällen die gleiche. Im Jahr 1646 kam man mit der Aufstellung der Rumorwache der Bevölkerung entgegen, welche mit dem Dienst der Stadtguardia unzufrieden war, 1869 versuchte man mit der Errichtung der Sicherheitswache gleichfalls die unzufriedene Bevölkerung zu beschwichtigen. Somit kann die Sicherheitswache von 1869 in ihrer Stellung als natürliche Nachfolgerin der Rumorwache gesehen werden.
1869 betrug der Personalstand 1277 Mann. In den nächsten Jahrzehnten wuchs der Wiener Polizeirayon durch Eingemeindungen ständig, der Personalstand der Sicherheitswache konnte damit jedoch nicht mithalten. 1914 betrug der Personalstand 4350 Mann. 1873 war das Gründungsjahr der Verkehrsabteilung der Polizeidirektion Wien. Ende des 19. Jahrhunderts wurden durch die sozialen Gegensätze die Unruheherde im Kaiserreich immer mannigfacher. Große polizeiliche Ordnungsdienste sowohl friedlicher als auch unfriedlicher Natur waren an der Tagesordnung. Der damalige Personalstand betrug ca. 4400 Mann. 800 von ihnen wurden im Jahr des Beginns des Ersten Weltkriegs zum Kriegsdienst eingezogen und viele von ihnen fielen.https://www.bmi.gv.at/magazinfiles/2019/03_04/150_jahre_sicherheitswache_teil_1.pdf
Erste Republik Nach Ende des Krieges und der Konstituierung der Ersten Republik wurde Johann Schober, bis dahin nur (kommissarischer) Leiter der Polizeidirektion, zum neuen Wiener Polizeipräsidenten ernannt, zum bekanntesten der Zwischenkriegszeit. (Schober fungierte auch dreimal für kurze Zeit als Bundeskanzler; siehe Bundesregierung Schober I bis III.)
Er setzte die Strukturierungsmaßnahmen fort, die von seinen Vorgängern begonnen worden waren. Die Polizeidirektion Wien war in Zentralämter unterteilt. Wien selbst war in 22 Polizeikommissariate (21 Bezirkspolizeikommissariate für die damaligen 21 Wiener Gemeindebezirke und das Kommissariat Prater) mit je einer Sicherheitswacheabteilung unterteilt, die exekutive Dienststellen der Polizeidirektion waren. Jede Sicherheitswacheabteilung wurde von einem Abteilungsinspektor geleitet.