BiberBiber: von althochdeutsch bibar, „Braunbrauner“, dunkelbraunes Tier, Biber; Reduplikation zu bër, Brauner, und wie lateinisch fiber von indogermanisch bher(o), braun. Vgl. Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage, hrsg. von Walther Mitzka, De Gruyter, Berlin/New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 73 f. (Castoridae) sind eine Familie in der Ordnung der Nagetiere (Rodentia). Sie sind – nach den Capybaras – die zweitgrößten lebenden Nagetiere der Erde. Die Familie besteht heute aus einer einzigen Gattung, Castor, der zwei Arten angehören: der Europäische Biber (Castor fiber), auch Eurasischer Biber genannt, und der Kanadische Biber (Castor canadensis). Manche Zoologen betrachten den Kanadischen Biber als eine Unterart des Europäischen Bibers; dieser Auffassung steht die unterschiedliche Chromosomenzahl (48 beim Europäischen, 40 beim Kanadischen) entgegen. Nach Heidecke werden acht Unterarten unterschieden. D. Heidecke: Taxonomische Aspekte des Artenschutzes am Beispiel der Biber Eurasiens. In: Hercynia. NF Bd. 22, Nr. 2, 1986, , S. 146–161.
Der Europäische Biber ist in Europa durch die FFH-Richtlinie (Anhänge II und IV) besonders geschützt.. In: EUR-Lex. Er unterliegt in Deutschland nicht dem Jagdrecht nach dem Bundesjagdgesetz. Die Jagd auf den Kanadischen Biber ist in Kanada und den verschiedenen Bundesstaaten der USA unterschiedlich geregelt. Teilweise dürfen dort Biber gejagt oder gefangen werden.
Merkmale mini|Biber am Kieferbach bei Kiefersfelden mini|Biber im Naturschutzgebiet Nordufer Plauer See Der Kanadische Biber erreicht bei einer Gesamtlänge (einschließlich des Schwanzes) von 90 bis 120 Zentimetern eine typische Körpermasse von 17 bis 32 Kilogramm (in Ausnahmefällen bis 45 Kilogramm) und wird 10 bis 12 Jahre alt; Tiere in Gefangenschaft erreichten schon ein Alter von 19 Jahren.Nordamerikanischer Biber (PDF; 39 kB) auf Alaska.gov. Der Europäische Biber hingegen ist etwas kleiner und weist im Mittel eine Körpermasse von rund 18 Kilogramm (das schwerste gemessene Exemplar wog 31,7 Kilogramm) auf.Andrew Kitchener: Beavers. Whittet, London 2001, ISBN 1-873580-55-X, S. 144.
Eurasische und Kanadische Biber sind äußerlich nur schwer zu unterscheiden, haben aber deutliche Unterschiede im Genom und den Schädelknochen. Auch die Geschlechter unterscheiden sich äußerlich kaum. Nur säugende Weibchen sind an den größeren Zitzen als Weibchen zu erkennen; ansonsten muss die Kloake nach einem Penisknochen abgetastet werden.Gerold Stocker: (PDF; 13,6 MB). Eidgenössische Anstalt für das forstliche Versuchswesen, August 1985. S. 12. Stocker verweist auf: Richard, P.B., 1962: Détermination du sexe du castor vivant (Castor fiber). Das meist braune Fell des Bibers ist mit 230 Haaren pro Quadratmillimeter (Mensch: bis zu 6) sehr dicht und schützt vor Nässe und Auskühlung. Der Pelz wird regelmäßig gereinigt und mit einem fetthaltigen Sekret, dem Bibergeil (Castoreum), gepflegt.
Mit seinem spindelförmigen Körper, einem breiten, abgeplatteten, mit lederartiger Haut bedeckten und unbehaarten Schwanz, Kelle genannt, und den Schwimmhäuten zwischen den Zehen ist das Tier an das Leben im Wasser angepasst. Die Kelle dient als Steuer beim Abtauchen sowie zur Temperaturregulation und als Fettdepot. Beim Tauchen werden Nase und Ohren verschlossen; so können Biber bis zu 15 Minuten tauchen.Andreas Krebs: In: Natürlich. Ausgabe 1/2007, abgerufen am 17. Januar 2014 (PDF).
Verbreitung mini|Nach einer starken Schneeschmelze hat ein Biber tiefer am Stamm neu angefangen (Kanada) Der Europäische Biber war ursprünglich in Europa und weiten Teilen Asiens heimisch, ist dann aber durch Bejagung (dichtes Fell, essbares Fleisch) in weiten Teilen Europas ausgerottet worden. Durch konsequenten Schutz und Auswilderungen im 20. Jahrhundert haben sich die Bestände des Europäischen Bibers in den letzten Jahrzehnten wieder erholt. Für Details zur Verbreitung siehe: Europäischer Biber.
Der Kanadische Biber ist noch weit in Nordamerika verbreitet. Trotz intensiver Nutzung wurde dort die Population nicht nachhaltig zerstört. Teilweise erlauben die Bestände wieder die Jagd auf Biber (Fallenstellen). Durch Auswilderung wurde auf Feuerland und in Finnland eine Population von Kanadischen Bibern geschaffen. Auch in Österreich wurden einige Kanadische Biber freigelassen, später aber wieder abgefangen.
Lebensraum Der Biber ist ein semiaquatisches Säugetier, das heißt sein Lebensraum sind fließende und stehende Gewässer und deren Uferbereiche. An Land bewegt er sich aufgrund seines plumpen Körperbaus nur langsam. Sein Körperbau ist dem Leben im und am Wasser ausgezeichnet angepasst (Kelle als Steuer und Antriebsruder, Schwimmhäute an den Hinterfüßen, bis zu 230 Haare pro Quadratmillimeter Körperoberfläche und 120 Haare pro Quadratmillimeter am Rücken, Möglichkeit das Fell einzufetten, Geschlechtsorgane im Körperinneren, effiziente Ausnutzung des Sauerstoffs, wodurch er bis zu 20 Minuten lang tauchen kann). Der Biber besiedelt Fließgewässer in allen Größenkategorien, vom Fluss erster Ordnung bis hin zum Entwässerungsgraben. Ebenso kann er alle Formen von Stillgewässern annehmen, vom Weiher oder Altwasser bis hin zum See. Stehen ihm nur mangelhafte Lebensräume zur Verfügung, zeigt sich der Biber mitunter sehr anpassungsfähig und siedelt sich auch an außergewöhnlichen Plätzen an, beispielsweise inmitten von Ortschaften oder direkt an Autobahnen, wo dann Gehölzpflanzungen nicht selten die wichtigste Nahrungsquelle darstellen.
Lebensweise mini|Querschnitt eines Biberbaus
Biber leben monogam. Das Revier einer Biberfamilie, die aus dem Elternpaar und zwei Generationen von Jungtieren besteht, umfasst je nach der Qualität des Biotops 1 bis 3 Kilometer Fließgewässerstrecke. Die Reviergrenzen werden mit einem öligen Sekret (Bibergeil) aus Gewebe im Afterbereich markiert und gegen Eindringlinge verteidigt.
In der Biberburg leben die Altbiber mit bis zu vier Jungen, oft noch zusätzlich mit Jungtieren aus dem Vorjahr. Im Mai wird der behaarte und von Geburt an sehende Nachwuchs geboren, davor müssen die vorjährigen Jungen den Bau verlassen haben. Die jungen Biber sind anfangs wasserscheu, werden aber von der Mutter einfach ins Wasser geworfen und so an das Leben im Wasser gewöhnt. Sie werden in der Regel zwei Monate lang von der Mutter gesäugt und erlangen nach etwa drei Jahren die Geschlechtsreife. Dann werden sie von den Eltern aus dem Revier vertrieben, um sich einen Partner zu suchen und selbst ein Revier zu gründen. Sie wandern dafür im Mittel etwa 25 Kilometer, zum Teil auch mehr als 100 Kilometer weit.
Der Biber ist ein reiner Pflanzenfresser. Er bevorzugt Kräuter, Sträucher und Wasserpflanzen, sowie Zweige, Astrinde und Blätter der von ihm gefällten Laubbäumen, wie Espen, Erlen und Pappeln. Als pflanzlicher Allesfresser ernährt er sich auch von Gräsern und Schilf. Er verzehrt über 300 verschiedene Pflanzenarten.
Der Biber ist dämmerungs- und nachtaktiv. Beim Abholzen benagt er den Stamm rundum in der sogenannten Sanduhrtechnik, wodurch sich dieser auf mittlerer Nagehöhe so stark verjüngt, dass der Baum fällt. Je nach Härte des Holzes kann ein Biber in einer Nacht einen bis zu 50 Zentimeter dicken Baum fällen.
Biber halten keinen Winterschlaf. Sie sind auch im Winter im Wasser und an Land aktiv und auf Nahrungssuche.Gerhard Schwab: Biologie des Bibers. Seminarmanuskript 2004 PDF-Datei. Als zusätzlichen Nahrungsvorrat lagern die Biber im Herbst direkt vor dem Eingang der Burg Zweige und Äste. Wenn die Wasseroberfläche mit dickem Eis bedeckt ist und die Biber gezwungen sind, in der Burg zu bleiben, können sie die gelagerten Äste tauchend erreichen und sich von der Rinde ernähren. Im Januar bis Februar findet die Paarung statt.
In ihren Revieren, vor allem in der Nähe der Burg, haben Biber bestimmte Stellen, an denen sie bevorzugt aus dem Wasser aussteigen und an Land auf Nahrungssuche gehen. An diese Ausstiegsstellen schließen sich regelrechte Trampelpfade an, die wegen der regelmäßigen Benutzung meist frei von Vegetation sind. Dort, wo die Biber bei der Nahrungsaufnahme nicht gestört werden, reichen ihre Pfade mitunter bis zu 50 m weit vom Wasser weg. Neben den Nagespuren an den Bäumen sind diese Biberwechsel oft die ersten und einzigen Merkmale, an denen das Vorhandensein von Bibern bemerkt wird.
Biberbauten Die Biberbauten bestehen aus Wohnbauten und Biberdamm, teils ins ufernahe Erdreich gegraben, teils aus herbeigeschlepptem Baumaterial errichtet: lose (abgenagte) Äste, Zweige, Steine, Schlamm. Biber nutzen auch, am Fallort, von ihnen gefällte Bäume bis zu einem Stammdurchmesser von 80 Zentimetern.
Wohnbauten mini|Biberburg in der Schweiz Im Biberrevier befinden sich in der Regel zwei bis vier (manchmal bis zu zehn) Wohnbaue unterschiedlichster Form. Der Eingang zum Wohnkessel ist immer unter dem Wasserspiegel, der Wohnkessel selbst liegt über Wasser. Der Wohnraum im Inneren kann einen Durchmesser bis zu 120 Zentimetern und eine Höhe bis zu 60 Zentimetern erreichen. Ist die Uferböschung steil genug, gräbt sich der Biber eine Höhle hinein und vernetzt sie mit Biberröhren. Das können Fressröhren, Fluchtröhren und Spielröhren sein. Befindet sich im Biberdamm oder in einem inselartigen, vollständig von Wasser umgebenen Bauwerk aus geeignetem Baumaterial ein Wohnbau, spricht man von Biberburg. Fällt der Wohnbau trocken, wird er verlassen, da dann Feinde erleichterten Zugang haben.
Biberdämme mini|Biberdamm an der Briese in Brandenburg mini|Biberdamm im Nationalpark Tierra del Fuego bei Ushuaia
Biber sind für ihre Dammbauten bekannt, mit denen sie Bäche aufstauen und sogar künstliche Teiche anlegen. Der Damm trägt primär dazu bei, einen Wasserstand über dem Eingang zum Wohnbau von möglichst 60 Zentimetern und einen sichernden Wasserbereich um die Burg herum zu gewährleisten. Biberdämme in fließenden Gewässern sind bei starken Regenfällen bedroht, fortgerissen zu werden. Biber können ihren Damm öffnen, um Hochwasser rascher ablaufen zu lassen und ihren Damm so zu schützen. Damit regulieren sie den Wasserstand ihres Gewässerbereiches und ermöglichen so, dass auch empfindlichere Wasserpflanzen im Teich gedeihen, welche dem Biber als Nahrung dienen können. Biberdämme bedürfen insbesondere in Fließgewässern ständiger Aufwendungen.
Der vermutlich größte Biberdamm im Wood-Buffalo-Nationalpark in Alberta in Nordwestkanada ist 850 Meter lang. Entsprechend den Forschungen von Jean Thie haben wohl viele Generationen in Jahrzehnten an diesem Damm gebaut. vom 12. Mai 2010, gesehen am 25. Oktober 2015; ORF-Artikel enthält URL zu Jean Thie sowie dem Original-Artikel der Los Angeles Times
Der Dammbau des Bibers bewirkt, dass es zu einer Hebung des Grundwasserspiegels kommt. Vom Biber gestaltete Landschaften wirken als Retentionsraum, und das durch Dämme zurückgehaltene Wasser kann übermäßiger Trockenheit in der Landwirtschaft entgegenwirken. https://www.noe.gv.at/noe/Naturschutz/Wildtier_Biber.html Land NÖ: Der Biber (Castor fiber): Der Biber als Landschaftsgestalter; abgerufen am 26. März 2023
Zudem weisen aktuelle Untersuchungen darauf hin, dass Biberdämme auch für bedrohte Fledermausarten positive habitatbezogene Effekte haben. Einer im September 2025 veröffentlichten Studie des Forschungsteams um Valentin Moser von der WSL zufolge jagen in Biberrevieren signifikant mehr Fledermäuse, insbesondere insektenfressende Arten, was mit einem erhöhten Nahrungsangebot und verfügbaren Schlafplätzen in Zusammenhang gebracht wurde.
Natürliche Feinde Prinzipiell kommen Braunbär, Eurasischer Luchs, Puma und Wolf als Jäger in Frage. Der Jagddruck hängt dabei natürlich vom Vorkommen dieser Arten ab und ist regional sehr unterschiedlich. Wölfe können Biberbestände deutlich regulieren, mit Auswirkungen auf den Wasserhaushalt ganzer Ökosysteme.
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