T Coronae Borealis (kurz T CrB) ist ein kataklysmisch veränderlicher Stern im Sternbild Nördliche Krone.

T Coronae Borealis ist circa 2.700 Lichtjahre entfernt. Der Stern ist normalerweise 10,8 mag hell und wird ungefähr alle 80 Jahre als rekurrierende (wiederkehrende) Nova über tausendmal so hell. Bei den beiden letzten Ausbrüchen 1866 und 1946 erreichte er 2,0 mag, so dass er dann sogar heller als der ansonsten hellste Stern Gemma im Sternbild Nördliche Krone und freiäugig sichtbar war.

Beschreibung mini|links|Künstlerische Darstellung des Szenarios mit einem Roten Riesen, der die Akkretionsscheibe eines Weißen Zwergs speist.

Es handelt sich um einen sogenannten symbiotischen Stern, also ein Doppelsternsystem, bei dem sich ein ausgedehnter Roter Riese und ein kompakter Weißer Zwerg in relativ engem Abstand umkreisen. Der Abstand beträgt eine halbe Astronomische Einheit und die Umlaufzeit ungefähr 228 Tage. Die Materie aus der Gashülle des Roten Riesen strömt auf den Weißen Zwerg über, der sich vermutlich bereits innerhalb der Roche-Grenze befindet. Wird eine kritische Masse erreicht, setzen Fusionsprozesse ein, die als explosionsartige Helligkeitsausbrüche (Novae) beobachtet werden können, die nach drei bis vier Wochen abgeklungen sind, nachdem der Wasserstoff in der Atmosphäre des Weißen Zwerges verbraucht ist. Danach strahlt der Weiße Zwerg mit seiner normalen Helligkeit weiter.

Der Buchstabe „T“ vor dem Namen identifiziert nach den Konventionen zur Benennung veränderlicher Sterne diesen Stern als den dritten, der im Sternbild Nördliche Krone entdeckt wurde.

Historische Beobachtungen

Für das Jahr 1217 gibt es einen Augenzeugenbericht vom Mönch Burchard von Ursberg (1177–1231) über einen schnell heller werdenden Stern im Sternbild Nördliche Krone, der mehrere Tage lang mit bloßem Auge zu sehen war. Im Dezember 1787 beobachtete der englische Astronom Francis Wollaston (1731–1815), Vater von William Hyde Wollaston (1766–1828), den aufgehellten Stern, der damals mindestens eine scheinbare Helligkeit von 7,8 mag erreicht haben musste, damit er ihn feststellen konnte. Die Nova wurde am 12. Mai 1866 erneut von John Birmingham (1816–1884) beobachtet und beschrieben. Der englische Astronom William Huggins (1824–1910) konnte bei der spektroskopischen Beobachtung dieses Ausbruchs feststellen, dass die Hülle der hellen Nova aus Wasserstoff besteht. Der letzte beobachtete Ausbruch wurde kurz vorher von Pawel Petrowitsch Parenago und Boris Wassiljewitsch Kukarkin prognostiziert und begann am 9. Februar 1946.

Aus diesen Beobachtungen ergibt sich eine mittlere Periode von 80,7 Jahren, die zu den folgenden Zeitangaben für die Nova-Ausbrüche führt:

Datum Jahr Abstand Beobachtung 1217 – Burchard von Ursberg 570 Jahre zwischen mehreren Ereignissen ≈20. Dez. 1787 1788,0 – Francis Wollaston 12. Mai 1866 1866,4 78,4 Jahre John Birmingham 9. Feb. 1946 1946,1 79,8 Jahre mehrere 2026,7 bis 2027 >80,6 Jahre Prognose

Prognose

Bradley E. Schaefer, Astronom an der Louisiana State University und langjähriger Beobachter von T CrB, prognostizierte 2023 einen möglichen erneuten Ausbruch zwischen Februar 2024 und September 2026.

Jean Schneider veröffentlichte 2024 mehrere prognostizierte Zeitpunkte (in Abständen von 228 Tagen) für einen erneuten Ausbruch: ca. 27. März 2025, ca. 10. November 2025, ca. 25. Juni 2026 oder ca. 8. Februar 2027. Von den bisherigen Zeitpunkten trat keiner ein.

Beobachtung Bei einer scheinbaren Helligkeit der zweiten Größenklasse, die für einen Ausbruch der Nova zu erwarten ist, muss T Coronae Borealis mindestens drei Grad über dem Horizont stehen, um freiäugig gesehen werden zu können, da das Licht durch die Extinktion in der Troposphäre sonst zu stark abgeschwächt wird. Ferner sollte die astronomische Dämmerung erreicht sein, weil sonst das Restlicht der Sonnenstrahlung das Sternenlicht überdeckt.

mini|links|hochkant=2|Die Beobachtungszeiten (grauer Bereich) für den Stern T Coronae Borealis für Berlin. Das Sternbild Nördliche Krone ist in Deutschland ganzjährig zu beobachten, von Januar bis September kann es gegen Mitternacht bei Sonnentiefststand gesehen werden. In der Darstellung sind die Beobachtungsfenster für die Beobachtung von T Coronae Borealis in den Monaten von Februar bis August angegeben. Im Februar geht der Stern am späten Abend im Nordosten auf. Der Meridiandurchgang im Süden kann ab März in den späten Nachtstunden kurz vor Ende der astronomischen Dämmerung beobachtet werden. Wegen der Sommersonnenwende ist das Beobachtungsfenster im Juni nur ungefähr drei Stunden groß und danach kann der Meridiandurchgang nicht mehr beobachtet werden. Im Laufe des Augusts geht der Stern bereits vor dem Ende der astronomischen Dämmerung unter.

Literatur Bradley E. Schaefer: The recurrent nova T CrB had prior eruptions observed near December 1787 and October 1217 AD. preprint 2023. (arxiv.org/abs/2308.13668)

Weblinks

Jonas Glatthard u. a.: Nova «T Coronae Borealis» - Diese 3000 Jahre alte Sternexplosion leuchtet bald am Himmel In: srf.ch. 8. Februar 2024. Peter Kroll: Nova-Explosion schon 2024? • T CrB (Youtube). Einmal im Leben eine Nova sehen bei tagesschau.de vom 2. Juni 2024 Beth Ridgeway: NASA, Global Astronomers Await Rare Nova Explosion (NASA) vom 6. Juni 2024 Beobachtungskampagne an der Thüringer Landessternwarte Tautenburg zu T Coronae Borealis vom 7. August 2024 Tautenburger Wissenschaftler beobachten auffällige Veränderung im Spektrum der wiederkehrenden Nova T CrB vom 7. Februar 2025

Einzelnachweise

Coronae Borealis Kategorie:Weißer Zwerg Kategorie:Roter Riese (Typ M)