mini|Innerstädtische Kanäle von Hamburg Der Goldbekkanal ist ein Kanal in Hamburg-Winterhude.

Zur Förderung der industriellen Entwicklung von Winterhude wurde in den 1860er Jahren die Goldbek über einen Teilabschnitt, dem „unteren Goldbekkanal“, schiffbar gemacht und 1914 weiter ausgebaut. Er erstreckt sich vom Rondeelkanal (), der mit der nördlichen Außenalster verbunden ist, bis zum Stadtpark, wo er sich mit dem Barmbeker Stichkanal und über diesen mit dem Osterbekkanal verbindet ().

Historie mini|Café Seeterrasse auf dem südlichen Anleger im Stadtparkhafen mini|Stadthallenbrücke – Südseite, Blick auf den nördlichen Anleger

Der Goldbekkanal ist ein langsam fließendes, bis 135 cm tiefes GewässerHans-Joachim Györffy: Hamburg. Polyglott on tour mit Cityflip, Polyglott-Verlag, 2005, ISBN 978-3-493-56611-6, S. 86., das ursprünglich aus einem Bach, der Goldbek, aus dem Moor bei der Fuhlsbüttler Straße und von den Winterhuder Höhen gespeist wurde. Die Wortbedeutung der Goldbek beruht gemäß Hans Bahlow nicht auf dem Wort Gold, sondern „Gol“ für Schmutzwasser und Morast. Die Alsterkanäle dienten ursprünglich vor allem als Überlauf für das alte Sielsystem. Bei starken Regenfällen floss das Wasser über sie in die Alster ab.Lebensadern der Großstadt: Hamburgs Kanäle, NDR.de, 16. September 2015 (abgerufen am 3. Februar 2017).

Zur Erschließung Winterhudes wurden in den 1860er Jahren von Adolph Sierich die Straßen, Brücken und Kanäle ausgebaut. Zu den Gewässern zählen der Leinpfadkanal, Rondeelteich, Rondeelkanal, Mühlenkampkanal sowie der „untere Goldbekkanal“. Letzterer, der ursprünglich Winterhuder Kanal hieß, wurde 1888 vom Moorfuhrtweg bis zur Barmbeker Straße in 15 Meter Breite ausgegraben. Die ursprünglich im Privatbesitz befindlichen Straßen, Brücken und Kanäle gingen zu deren Ausbau und Unterhalt in den Besitz des Hamburger Staates über.Karte von 1895, Hamburg und Umgebung, Sect. Eppendorf, Wilhelm Melhop (Hrsg.): Karten zur Topographie von Hamburg 1880–1895 (abgerufen am 3. Februar 2017).Objekt-Nr.: 176 Goldbekkanal, Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (abgerufen am 3. Februar 2017). Die Kanäle dienten vor allem als Verkehrswege, auf denen Schiffe und Schuten die Rohstoffe zu den Fabriken brachten und die fertigen Waren abtransportierten. Hierzu zählt die 1908 am Goldbekkanal/Goldbekplatz errichtete Metallwarenfabrik Rieck & Melzian, deren Gebäude heute unter Denkmalschutz stehen (29604).Der Clou des Neubaus liegt im Ensemble, Die Welt, 28. Juli 2001 (abgerufen am 2. Februar 2017).

1914 wurde der Goldbekkanal bis zum Stadtpark ausgebaut, um weitere Fabriken in Winterhude, wie den Desinfektionsmittelhersteller Schülke & Mayr zu versorgen, dessen Stammhaus heute das Stadtteilkulturzentrum Goldbekhaus ist.Goldbekhaus. 1915 wurde der Kanal mit dem Barmbeker Stichkanal verbunden, der zum Kohletransport für das ab 1907 an der Hellbrookstraße gebaute Kraftwerk zur Stromversorgung der Anfang 1912 in Betrieb genommenen Hamburger Hochbahn genutzt wurde..

Um 1924 wurde auf dem Goldbekkanal für den Personentransport bei Großveranstaltungen in der Stadthalle am Stadtpark ein Barkassen-Pendelverkehr zwischen Mühlenkamp und der Stadthalle eingerichtet. Zu beiden Seiten der Stadthallenbrücke wurden im Kanal geräumige Steganlagen gebaut, die noch heute existieren. Ein Anleger war zum Einsteigen und der andere zum Aussteigen vorgesehen, da nicht an Bord, sondern am Steg kassiert wurde. Zum Wenden der Barkassen wurde in diesem Bereich der Kanal verbreitert und erhielt den Namen Stadtparkhafen.Historische Bilder vom Stadtparkhafen von 1925 und 1930, Bildarchiv-Hamburg. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde der Barkassenverkehr eingestellt. Nach dem Krieg, die Stadthalle war ausgebrannt und wurde später abgerissen, wurde der Barkassenbetrieb nur noch einmal 1965 für einige Monate aufgenommen.Jürgen Blunck: Geschichte der Alsterschiffahrt, Husum-Verlag, ISBN 978-3-88042-256-8, 272 Seiten.

Am Ufer des Kanals sind heute noch einige Schiffswerften ansässig, die auch Bootslagerung und einen Bootsverleih betreiben.

Kanal-Brücken Der Goldbekkanal wird von acht Straßen- und einer U-Bahnbrücke überspannt (mit Angaben zum Baujahr / Nr. Kulturdenkmalliste Hamburg-Winterhude / Nr. Liste von Werken Fritz Schumachers): Saarlandbrücke (1916 / 21970) Stadthallenbrücke (1916 / 22022 / 183) U-Bahnbrücke U3 (1911) Wiesendammbrücke (1928 / 22108 / 308) Barmbeker Straßenbrücke Moorfuhrtbrücke (1912 / 20448) Dorotheenstraßenbrücke Sierichstraßenbrücke Bellevuebrücke (1929 / 21516 / 262)

Die Moorfuhrt-, Dorotheenstraßen-, Sierichstraßen- und Bellevuebrücke wurden mit dem Bau des „unteren Goldbekkanals“ bereits um 1860 errichtet, wie den Hamburger Stadtplänen von 1887 und 1895 zu entnehmen ist.Hamburg-Karte von 1887, Deutscher Verein von Gas- und Wasserfachmännern, Hamburg, 1887 (abgerufen am 3. Februar 2017). Mit der Erweiterung des Goldbekkanals bis zum Stadtpark um 1914 wurde neben den oben genannten Brücken eine weitere Brücke zum Stadtpark mit der Straßenbezeichnung „Feldweg“ gebaut, die heute nicht mehr existiert.Hamburg-Karte von 1913 (Feldweg-Brücke), Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs, 1913 (abgerufen am 3. Februar 2017).

Fauna Im Goldbekkanal kommen Rotaugen und Brassen häufig vor sowie bis 50 cm große Alande. Im Wendebecken der Alsterschiffe (von Bewohnern oft als „das U“ bezeichnet) leben zwischen den Teichrosenfeldern Karpfen und Schleien. Unter den Raubfischen dominieren kleine Flussbarsche, Zander, Hechte und Aale.Freie und Angelstadt Hamburg, Hamburger Abendblatt, 15. Oktober 2005 (abgerufen am 2. Februar 2017). In den Sommermonaten kommen Rapfen oft in Trupps an die Wasseroberfläche.Udo Schroeter: Der Angelführer Hamburg – Freie Gewässer. Die besten 150 Angelplätze der Stadt, Herausgeber Die Rapsbande, Fehmarn, 2005, S. 21–25, ISBN 978-3-937868-11-0. Im Bereich Stadtparksee können auf Seerosenblättern und Wurzelwerk Rotwangen-Schmuckschildkröten beobachtet werden. Ebenfalls kommen Flusskrebse vor.Natur in Hamburg, Welt am Sonntag, 16. September 2001 (abgerufen am 2. Februar 2017).

mini|Alsterschiff Goldbek auf dem Goldbekkanal, im Hintergrund die Wiesendammbrücke

Heutige Nutzung Der Goldbekkanal wird von Alsterschiffen im Rahmen der Kanalfahrten befahren. Hierzu zählen regelmäßige Fahrtrouten der ATG Alster-Touristik GmbH mit dem Alsterschiff „Goldbek“.Schiffscharter. Abgerufen am 2. Juni 2024. Der Kanal wird auch für den Freizeitverkehr mit Ruder- und Paddelbooten genutzt, mit denen auch der schmalere Mühlenkampkanal befahren werden kann, eine weitere Verbindung besteht zwischen dem Goldbek- und Osterbekkanal.

Am Goldbekkanal befindet sich das Kulturzentrum Goldbekhaus sowie der Kleingartenverein Goldbek e. V. und die Kleingartenkolonie Borgweg e. V. Dreimal wöchentlich findet am Goldbekufer der Goldbekmarkt statt, ein größerer Wochenmarkt.

Die in 2020 abgebrannte Bootswerft Gustävel wurde 2024 wieder eröffnet. In den Hallen der Bootswerft lagern im Winter bis zu 350 Boote.Jürgen Tietz: Schöner Schuppen. In: Architektur in Hamburg. Jahrbuch 2025/26. Hamburg 2025, S. 132–135.

Weblinks

Wochenmarkt am Goldbekufer Goldbekhaus

Einzelnachweise

Kategorie:Verkehrsbauwerk im Bezirk Hamburg-Nord Kategorie:Kanal in Hamburg KGoldbek Kategorie:Hamburg-Winterhude Kategorie:Kanal in Europa Kategorie:Verkehrsbauwerk in Europa