mini|hochkant=1.3|Reste des Rheingauer Gebücks um 1895 nach Karl August von Cohausen

mini|Umzäunung aus lebendem Gehölz nach Johann Georg Krünitz: Oeconomische Encyclopädie. Band 16, Berlin 1787 (Figur 856) mini|Neuanlage eines Knicks nach Nicolaus Oest: Oeconomisch-practische Anweisung der Einfriedigung der Ländereien. Flensburg 1767 Ein Gebück (verwandt auch: Knick, Geknick, Hag, Gehag, HeegeHorst W. Müller: Die mittelhessischen Landheegen, Heegen legten bereits im 14. Jahrhundert Bad Endbachs Außengrenzen fest. In: Hinterländer Geschichtsblätter, Biedenkopf, Dezember 2010, 89 Jahrgang, Nr. 4.) ist ein Annäherungshindernis in Form einer undurchdringlichen Hecke, in der Regel als Bestandteil einer Landwehr. Die meisten Landwehren bestanden aus Wall und Graben, meistens in Verbindung mit einem Gebück, als „einem mehrere Meter breiten Streifen Geländes, in dem miteinander verflochtene Bäume und Sträucher ein Eindringen unmöglich machten – es handelt sich also um die Verwendung von lebendem Holz als Baustoff.“Olaf Wagener: „Archäologie auf dem Holzweg“: Literaturüberblick zu hölzernen Befestigungen in der Neuzeit in Bild und Befund. In: Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit, 2012, 24, S. 261–272, Zitat auf S. 262. Das Gebück war meist das stärkste Hindernis der Landwehranlagen.Markus Poggel: Lebendige Zäune von Dornen – Einige Anmerkungen zu Territorialgrenzen im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit am Beispiel des „Kölschen Hecks“. In: Concilium medii aevi, 2009, 12, S. 89–96. Je nach konkreter Ausführung konnte das Gebück mit einem oder mit zwei Erdwällen und Gräben verbunden werden und erreichte dann zusammen etwa 15 bis 25 Meter Breite. mini|Querschnitt durch eine klassische Heege

Ein Gebück wurde erzeugt, indem junge Bäume gepflanzt werden, deren Stämme nach unten gebogen bzw. gebeugt (gebückt) oder geknickt und miteinander verflochten werden. Die Lautähnlichkeit des Wortes Gebück mit Gebüsch ist trotz sachlicher Nähe rein zufällig.

Der Ausdruck „Gebück“, andere Formen Gebuck, Gebücke, Gebick, Gebicke, ist in dieser Form nur in Westdeutschland, vor allem im Rheinland, gebräuchlich gewesen. Unter anderen Namen, zum Beispiel Verhau, Wehrbusch, Hahn, Gedörne, Schutzdorn (fränkisch), Kai, Grünhag wurden dieselben Schutzbaue in anderen Landschaften bezeichnet,Werner Konold: Militärische Schichten in Kulturlandschaften zwischen Wertschätzung und Unbehagen. In: Werner Konold, R. Johanna Regnath (Hrsg.): Militärische Schichten der Kulturlandschaft. Landespflege – Denkmalschutz – Erinnerungskultur. Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2014, ISBN 978-3-7995-0575-8. es gibt zahlreiche weitere Bezeichnungen. Entsprechend ist altfranzösisch fraite oder italienisch fratta (von lateinisch fracta).G.Baist: fraite. Vermischtes II, zur Wortgeschichte. In: Zeitschrift für romanische Philologie, 1899, 23 (4), S. 535–536; archive.org (PDF)

Die Gebücke bestanden im heute deutschsprachigen Raum hauptsächlich aus Hainbuchen. Diese wurden in ähnlicher Form in nicht-militärischen Grenz- oder Weidezäunen verwendet, die dann stattdessen Hag genannt wurden.Im Reich der Bäume, virtueller Rundgang durch den Forstbotanischen Garten Göttingen. Hainbuche: Brauchtum. uni-goettingen.de Gebück wurden sie nur dann genannt, wenn sie nicht nur zur Grenzmarkierung, sondern zur Abwehr dienen sollten. Neben Hainbuchen finden sich meist dornige Heckensträucher, insbesondere Weißdorn.Tom Steinlein, Max Lendzian: Hainbuche und Weißdorn – Kennarten auf mittelalterlichen Landwehren. In: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde, 2014, 83, S. 137–150.

Als eine der ältesten literarischen Erwähnungen eines Gebücks als Landwehr stammt aus Caesars Werk De bello Gallico bei der Schilderung seines Feldzugs gegen die Nervier:

Weitere verstreute BemerkungenLandwehr. In: Johannes Hoops (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Dritter Teilband: K-Ro. Verlag von Karl J. Trübner, Straßburg 1915. zeigen eine weite Verbreitung an. mini|Mittelhessische Landheegen, Wall der Innen-Heege an der Gemarkungsgrenze zwischen Römershausen (Gladenbach) und Wommelshausen (Bad Endbach) Gebücke haben in der Neuzeit ihre Funktion verloren und existieren heute nur noch in Form von Überresten in der Landschaft. Werden Gebücke nicht mehr gepflegt, so wachsen die jungen Triebe der Bäume ungehindert in die Senkrechte. Dennoch sind z. B. vom Rheingauer Gebück noch heute vereinzelte Bäume anhand ihres Alters und ihres vom früheren Bücken geprägten Wachstums als ehemaliger Teil der Anlage erkennbar. An die meisten von ihnen erinnern nur noch Flurnamen. Vom Gebück abgeleitete Flurnamen sind etwa in Hessen weit verbreitet.„Gebück“, in Hessische Flurnamen LAGIS Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen. mini|hochkant|Ausgewachsene ehemalige Gebückbuchen in der Nähe der Mapper Schanze mini|Die Landwehr bei Wersau ist heute noch von typischem Gebück-Gehölz umgeben

Gebücke waren üblich als Bestandteil von Landwehren, die die Feldfluren von Städten und Dörfern vor Räubern und Dieben schützen sollten. Daneben gab es ausgedehnte Anlagen, die ganze Territorien schützen sollten. Bekanntestes Beispiel ist das „Rheingauer Gebück“, das den gesamten kurmainzischen Rheingau umgab. Ein weiteres Beispiel ist das „Kölsche Heck“, das das gesamte Fürstentum Nassau-Siegen einschloss und dieses vor allem gegen das kurkölnische Herzogtum Westfalen schützen sollte. Nicht wie diese als Relikte in der Feldflur, sondern nur literarisch überliefert sind die „preseka“ genannten Anlagen, die Schlesien gegen Polen und Böhmen schützen sollte und eine ähnliche Grenzanlage, die ganz Böhmen umgeben haben soll.

Siehe auch Wallhecke Bocage

Literatur August Demmin: Encyclopädie der Schriften-, Bilder- und Wappenkunde, Trachten, Geräthkunst, Gefässkunde, der bürgerlichen und kirchlichen Baukunst, Kriegsbaukunst und Schiffsbaukunst. Karl Schulze, Leipzig 1877, S. 299/300: Germanische Wälle. Hage, Gebücke (Handbuch der Bildenden & Gewerblichen Künste, Band 1); Digitalisat der Universitätsbibliothek Heidelberg. Ernst Götzinger: Reallexicon der deutschen Altertümer. Ein Hand- und Nachschlagebuch der Kulturgeschichte des deutschen Volkes. 2., vollständig umgearbeitete Auflage. Waldemar Urban, Leipzig 1885, S. 53–54: Befestigungen der alten Germanen; . Johann Georg Krünitz: Oeconomische Encyclopädie, oder allgemeines System der Land-, Haus- und Staats-Wirthschaft in alphabetischer Ordnung. Band 16. Joachim Pauli, Berlin 1787, Figur Nº 856 (Digitalisat der BSB). Nicolaus Oest: Oeconomisch-practische Anweisung der Einfriedigung der Ländereien nebst einem Anhang von der Art und Weise, wie die Feldsteine können gesprenget und gespalten werden, auch nöthigen Kupfern. Johann Christoph Korte, Flensburg 1767 (Digitalisat der ULB Sachsen-Anhalt).

Einzelnachweise

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