mini|Howard Hughes (1940er-Jahre) rahmenlos|klasse=skin-invert-image Howard Robard Hughes, Jr. (* 24. Dezember 1905 in Humble oder Houston, beides Texas; † 5. April 1976 in einem Flugzeug über Texas) war ein US-amerikanischer Unternehmer, Filmproduzent, Regisseur und Luftfahrtpionier.

Hughes war der Haupterbe der Werkzeugfirma Hughes Tool Company, sein Vermögen investierte er in weitere Unternehmungen in der Luftfahrt und im Filmgeschäft. In den 1930er- und 1940er-Jahren stellte seine Hughes Aircraft einige Geschwindigkeitsrekorde auf, bei denen er teilweise selbst am Steuer saß, und er besaß zeitweise die weltweit agierende Fluggesellschaft Trans World Airlines. Als Filmproduzent drehte er 1930 mit Höllenflieger den damals teuersten Film der Welt und brachte kontroverse Stoffe wie Scarface (1932) ins Kino. Sein exzentrischer Lebensstil – der zunächst sehr glamourös in Hollywood ausfiel, ab den späten 1940er-Jahren aber von großer Zurückgezogenheit und mehreren Krankheiten geprägt war – führte zu vielen Spekulationen und Mythenbildungen um ihn.

Leben Geburt Es existieren zwei Geburtsdaten von Howard Hughes; das erste Datum (24. September) basiert auf dem Taufregister der St. John’s Church in Keokuk, Iowa, dem Wohnort von Hughes’ Großeltern, vom Oktober 1906; eine Geburtsurkunde wurde jedoch nicht erstellt.Charles Higham: Das geheime Leben des Howard Hughes. 2005, S. 17.Richard Hack: Hughes. The Private Diaries, Memos and Letters. The definitive Biography of the first American Billionaire. Phoenix Books, Beverly Hills CA 2007, ISBN 978-1-59777-510-6, S. 20.Philip Kaplan: Big Wings. Pen & Sword Aviation, Barnsley 2005, ISBN 1-84415-178-6, S. 183.

Das zweite Geburtsdatum (24. Dezember) basiert auf einer nachträglichen Geburtsurkunde in Form einer eidesstattlichen Versicherung aus dem familiären Umfeld von 1941.John N. Ingham: Biographical Dictionary of American Business Leaders. Band 2: H – M. Greenwood Press, Westport CT 1983, ISBN 0-313-23908-8, S. 635.James Phelan: Howard Hughes. The Hidden Years. Random House, New York NY 1976, S. VI.Tony Thomas: Howard Hughes in Hollywood. 1985, S. 12.

Jugend und Hollywood Hughes war das einzige Kind des wohlhabenden Geschäftsmanns und Ölsuchers Howard Robard „Bo“ Hughes (1869–1924) und dessen Frau Allene Stone Gano (1883–1922), einer reichen Erbin aus Dallas. Howard kam mit einem angeborenen Hörleiden (Otosklerose) zur Welt. Er besuchte die exklusive Thacher School in Kalifornien, jedoch ohne Abschluss. Seine Mutter starb im Alter von 38 Jahren an den Folgen einer Extrauteringravidität, sein Vater erlag mit 54 Jahren einem Herzinfarkt. Wegen des Todes seines Vaters verließ der junge Hughes die Rice University, die er bis dahin besucht hatte, und übernahm die Hughes Tool Company, die dank ihres Monopols auf Erdöl-Bohrmeißel jährlich Millionengewinne erwirtschaftete. „Mein erstes Ziel ist es, der beste Golfspieler der Welt zu werden. Zweitens der beste Flieger zu werden und drittens der berühmteste Filmproduzent. Und dann will ich, dass Sie mich zum reichsten Mann der Welt machen“, sagte Howard Hughes zu seinem Generalbevollmächtigten Noah Dietrich, den er 1925 eingestellt hatte und der es bis 1957 bleiben sollte.

Mit der finanziellen Sicherheit der Hughes Tool Company im Rücken ging Hughes nach Hollywood, um sich als Filmproduzent und Regisseur zu betätigen. Er heiratete am 1. Juni 1925 Ella Rice aus Houston, Texas, von der er sich am 9. Dezember 1929 wieder scheiden ließ. Mit der Filmschauspielerin Katharine Hepburn war er einige Jahre liiert. Seine zweite Ehe schloss Hughes am 12. Januar 1957 mit der Schauspielerin Jean Peters. Das Paar trennte sich jedoch bald wieder, und 1971 reichte Peters die Scheidung ein. Howard Hughes zeichnete verantwortlich für Filme wie Die Schlachtenbummler (1927), The Racket (1928), Scarface (1932), Geächtet (1943) sowie zahlreiche weniger bekannte, von denen einige floppten. Erfolgreichere Produktionen wie Höllenflieger (1930, der bis dahin teuerste Film der Welt) und The Front Page (1931) wurden für den Oscar nominiert. Als Regisseur entdeckte er Jean Harlow und Jane Russell, die er zu Filmstars machte. 1948 kaufte er das angeschlagene Hollywood-Studio RKO. Er nahm viel Einfluss auf die laufenden Produktionen, stoppte diese teils sogar für Wochen und verkaufte das Unternehmen 1955 an die General Tire and Rubber Company. Die dazugehörige Kinokette wurde aus Kartellgründen abgespalten.

Die Fliegerei Parallel zu den Aktivitäten im Filmgeschäft begann sich Hughes für die Fliegerei zu interessieren und bezog eine Baracke in Burbank (Los Angeles County), um Flugzeuge zu entwickeln, die er als Pilot selbst testete. Mit diesen selbstentwickelten Flugzeugen stellte er einige Rekorde auf, unter anderem 1935 den Geschwindigkeitsrekord von 567 km/h und die Rekordzeit von 7 Stunden, 28 Minuten und 25 Sekunden für die Strecke Los Angeles – New York. Auch sein Rekord der schnellsten Weltumrundung mit 91 Stunden im Jahr 1938 brachte ihm Anerkennung ein: Am 14. Juli 1938 traf er mit seinen Begleitern nach einem Flug in einer Lockheed 14 über Paris–Moskau–Omsk–Jakutsk–Anchorage–Minneapolis wieder am Abflughafen in New York City ein.UNLV Libraries: Nur für kurze Zeit trug der William P. Hobby Airport in Houston seinen Namen, denn nach Protesten gegen die Benennung nach einer noch lebenden Person wurde diese Ehrung zurückgenommen.

Aus Hughes’ Baracke in Burbank ging schließlich Hughes Aircraft hervor, und 1938/39 wurde Hughes Mehrheitsaktionär der Fluggesellschaft Transcontinental and Western Air (TWA), die später in Trans World Airlines umbenannt wurde. Der TWA-Chef William John Frye finanzierte mit Hughes Geld den Kauf des Boeing 307 Stratoliner. Von Hughes stammte auch die Grundidee für die Lockheed Constellation (als Weiterentwicklung Super Constellation), eines der ersten Passagierflugzeuge mit Druckkabine, von der TWA exklusiv die ersten Exemplare erwarb.

mini|Die Spruce Goose (Hughes H-4 Hercules) Da 1942 zahlreiche Transportschiffe der Alliierten von deutschen U-Booten versenkt wurden, entwickelte Hughes den Plan, riesige Wasserflugzeuge zu bauen, die Soldaten und anderes Kriegsmaterial nach Europa transportieren sollten. Es gelang ihm, dazu einen Regierungsauftrag zu erhalten. Aber bevor ein Flugboot einsatzfähig war, war der Krieg beendet. Erst 1947 war ein Exemplar der Hughes H-4 Hercules fertiggestellt. Es wurde nur einmal von Hughes selbst im Bereich des Bodeneffekts über die Distanz einer Meile geflogen. Sie hielt 72 Jahre den Rekord des Flugzeugs mit der größten Spannweite. Heute ist dieses Flugzeug, Spruce Goose (Fichtengans) genannt, eine Touristenattraktion im Evergreen Aviation Museum in McMinnville im US-Bundesstaat Oregon.

Mit dem Prototyp einer weiteren eigenen Flugzeugkonstruktion, der Hughes XF-11, hatte Hughes am 7. Juli 1946 einen schweren Unfall, als er mit dieser Maschine bei einem Testflug über Beverly Hills in unmittelbarer Nähe des Country-Club-Golfplatzes abstürzte und drei Häuser beschädigte. Das Flugzeug ging in Flammen auf. Hughes zog sich schwere Verletzungen an Kopf und Rücken zu, von denen er sich nie vollständig erholte.

Da Hughes Aircraft nach dem Krieg ohne Geschäftszweck war, beschloss Hughes, in die sich gerade neu entwickelnde Luftfahrt- und Rüstungselektronik einzusteigen, und stellte aus allen namhaften Universitäten Experten ein. Zeitweise beschäftigte Hughes Aircraft 3300 promovierte Physiker. Der Aufwand zahlte sich aus, und die Firma wurde zum Monopolisten für Rüstungselektronik, zu dem das US-Verteidigungsministerium lange Zeit keine Alternative hatte. Sie war einer der bedeutendsten Rüstungskonzerne und stellte Marschflugkörper, Raketen, Satelliten, Hubschrauber und Elektroniksysteme aller Art her. Im Laufe der 1970er- und 1980er-Jahre wurden immer wieder Teile der Firma verkauft, so dass heute keine der Sparten mehr unter dem Namen Hughes firmiert.

Um Steuern zu sparen, gründete Howard Hughes 1953 die Stiftung Howard Hughes Medical Institute, der er die Inhaberschaft an Hughes Aircraft übertrug.

Zu dieser Zeit begann auch sein langjähriger Streit um die Fluggesellschaft TWA, die mittlerweile die größte der Welt war und die ihm zu 75 % gehörte. Da Hughes sich mit dem Management nicht über die Finanzierung der neuen Düsenflugzeuge einigen konnte und überdies kaum erreichbar war, verklagte ihn das Management seiner eigenen Gesellschaft auf Zahlung von 135 Millionen US-Dollar. Weil Hughes, der sich seit 1958 völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, nie zu Gerichtsterminen erschien, verlor er die Kontrolle über TWA und verkaufte sie 1966 für 546 Millionen Dollar. In den 1970er-Jahren stieg er nochmals in das Fluggesellschaften-Geschäft ein und kaufte Air West.

Las Vegas Am 24. November 1966 traf Hughes in seinem extra für ihn hergerichteten Spezialzug der Union Pacific Railroad in Las Vegas einIn Las Vegas digital.library.unlv.edu, englisch, abgerufen am 22. Juli 2013. und mietete zwei komplette Etagen des Desert Inn. Das Desert Inn befand sich seit 1949 im Eigentum des der Kosher Nostra zugerechneten Moe Dalitz. Die Hotelkasinos in Las Vegas waren zu jenem Zeitpunkt zu weiten Teilen unter Kontrolle der US-amerikanischen Mafia oder mit ihnen verbündeten Personen wie Dalitz. Allerdings kam Dalitz zu der Auffassung, dass die Aktivitäten der Mafia in der Kasino-Branche Las Vegas’ nicht mehr haltbar seien. Im März 1967 verkaufte er für 13 Mio. US-Dollar das Desert Inn an Howard Hughes. Dieser Kauf wurde der Startpunkt für weitere Übernahmen.

Insgesamt erwarb Hughes sieben Kasinos in Las Vegas, darunter das Castaways, das New Frontier, das Landmark, das Sands sowie das Silver Slipper. Letzteres wurde von Hughes nur deshalb übernommen, weil dessen Leuchtreklame in sein Schlafzimmer strahlte.Bob Thomas: Liberace. The True Story. St. Martin’s Press, New York NY 1987, ISBN 0-312-01469-4, S. 41.

Hughes war 1966 an Thanksgiving in Las Vegas eingetroffen, und soweit bekannt, verließ er seine dortigen Hotelräume nie. An Thanksgiving 1970 verließ er Las Vegas und kehrte niemals zurück. auf onlinenevada.org (englisch).

Watergate Nixon fürchtete, dass der Leiter des Wahlkampfkomitees der Demokraten, Larry O’Brien, Unterlagen über Zahlungen von Hughes an Nixon in sechsstelliger Höhe besitze, die zu Wahlkampfzwecken und zur Unterstützung für Nixons bankrotten Bruder Donald Nixon geflossen waren. Dies war jedoch eine gezielte Fehlinformation. Diese Dokumente sowie Beweise für O’Briens eigene Verbindung zu Hughes sollten durch den Einbruch im Watergate-Hotel beschafft werden.

Beteiligung am Azorian-Projekt der CIA 1968 sank das sowjetische U-Boot K-129. Die United States Navy lokalisierte das Wrack rund 1500 Seemeilen nordwestlich von Hawaii in einer Tiefe von rund 5000 Metern. Die CIA plante die Bergung des Schiffes (Azorian-Projekt), und Hughes wurde 1972 zur Tarnung kontaktiert, um vorgeblich die Tiefsee zu erforschen und dort Erze, insbesondere Manganknollen, abzubauen. Zur Durchführung der Operation wurde mit der Hughes Glomar Explorer ein Spezialschiff gebaut; außerdem wurde zur eigentlichen Bergung eine tauchfähige Schute (Hughes Mining Barge) entwickelt. Die Kosten sollen bei rund 350 Millionen US-Dollar gelegen haben.Norman Polmar: Naval Institute Guide to the Ships and Aircraft of the U.S. Fleet. 18th edition. US Naval Institute Press, Annapolis MD 2005, ISBN 1-59114-685-2, S. 251. Im Sommer 1974 begann die Bergung des sowjetischen U-Bootes, jedoch brach es aufgrund mechanischen Versagens in zwei Teile, und einer davon sank wieder zum Meeresboden. Das gesamte Azorian-Projekt wurde 1975 bekannt, nachdem bei einem Einbruch im Juli 1974 in das Hughes-Hauptquartier Tausende von Dokumenten entwendet worden waren.

Tod und Nachlass