Laichingen ist eine Kleinstadt im Alb-Donau-Kreis in Baden-Württemberg.

Trotz ihrer geringen Größe ist Laichingen die größte Stadt in der Umgebung. Sie nimmt deshalb gemeinsam mit Blaubeuren die Funktion eines Mittelzentrums wahr. Sie gilt als die Leinenweberstadt auf der Schwäbischen Alb.

Geographie Laichingen liegt auf der Laichinger Alb, einem Teilgebiet der Schwäbischen Alb. Es liegt auf einem früheren Vulkanschlot auf der Albhochfläche, etwa 25 Kilometer westlich von Ulm.

Nachbargemeinden Die Gemeinde grenzt im Norden an Hohenstadt im Landkreis Göppingen, im Osten an Merklingen und Dornstadt, im Süden an Berghülen, die Stadt Blaubeuren und Heroldstatt sowie im Westen an den Gutsbezirk Münsingen und an Römerstein, beide im Landkreis Reutlingen und an Westerheim.

Schutzgebiete

mini|links|Doline Maierwiesen In Laichingen liegen die vier Naturschutzgebiete Laichinger Eichberg, Galgenberg, Heiden im Langen Tal und Kuhberg. Einige Landschaftsteile auf dem Stadtgebiet wurden als Landschaftsschutzgebiet Laichingen ausgewiesen. Die Stadt hat Anteile an den FFH-Gebieten Kuppenalb bei Laichingen und Lonetal und Münsinger Alb sowie am Vogelschutzgebiet Mittlere Schwäbische Alb.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte mini|Laichingen um 1900 mini|Luftbild (September 2002) mini|Luftbild (August 2018) mini|Luftbild (Oktober 2023)

Mittelalter Der Name Laichingen soll auf den Alemannenhäuptling Laicho zurückgehen, der dort im 5. Jahrhundert nach Christus eine Siedlung gründete. Im Hochmittelalter war Laichingen Bestandteil des Herzogtums Schwaben. 1364 bot Kaiser Karl IV. den Einwohnern das Stadtrecht an. Diese lehnten jedoch ab, da sie angeblich keine Stadtmauer bauen wollten.

Altwürttembergische Zeit Laichingen gehörte schon im Spätmittelalter zum Kloster Blaubeuren und damit seit der Reformation 1534 zum Herzogtum Württemberg. Es war ein Unteramt im Amt Urach.

Eine Volksschule bestand mindestens seit 1557.

Bis ins Mittelalter reicht die Tradition der Laichinger Leinenweberei zurück. Die kargen Böden auf der Alb gaben nicht mehr her, und so verlegten sich die Bewohner auf den Flachsanbau und auf den Broterwerb durch Handel mit der etwa 25 Kilometer entfernten Reichsstadt Ulm.

Früher war im Stadtzentrum Laichingens eine sogenannte Hüle. Hülen bestanden aus verwittertem Vulkantuff. In ihnen sammelte sich Wasser und sie bildeten die Grundlage für viele Siedlungen auf der Schwäbischen Alb. Die Hüle diente als Viehtränke und zu Feuerlöschzwecken. Das Trinkwasser wurde mühsam aus den Tälern herangeschafft.

Im Dreißigjährigen Krieg kam es nach der für Württemberg verlorenen Schlacht bei Nördlingen 1634 durch die in vielen Teilen des Landes marodierenden Truppen des siegreichen Kaisers zur weitgehenden Zerstörung Laichingens.

Bestandteil des Königreichs Württemberg Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im Königreich Württemberg kam Laichingen 1808 zum Oberamt Münsingen. Ein großer Brand führte 1852 erneut zu großen Schäden in der Bausubstanz des Ortes. Ab 1871 wurde die Albwasserversorgung geplant und gebaut, an die auch Laichingen angeschlossen wurde.

20. Jahrhundert Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Laichingen 1938 zum Landkreis Münsingen. 1945 wurde der Ort Teil der französischen Besatzungszone und wurde 1947 dem neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern zugeordnet, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.

Im Jahr 1950 erhielt Laichingen erneut das Stadtrecht und verzeichnete ein deutliches Wachstum. In den 1950er Jahren wurde die Hüle zugeschüttet und wich dem heutigen Marktplatz.

Durch die Kreisreform in Baden-Württemberg kam Laichingen 1973 zum Alb-Donau-Kreis.

In den 1970er Jahren wurden einige umliegende Orte eingemeindet. Sie bilden heute die Stadtteile Laichingens (siehe dazu auch: Gemeindegebietsreform in Laichingen).

1987 wurde die sogenannte Laichinger Hungerchronik als antijüdische Fälschung entlarvt.

Noch heute sind viele Webereibetriebe in Laichingen ansässig, die aber inzwischen industriell fertigen. Eines der um 1677 errichtete Weberhäuser stand bis 2002 in Laichingen. Es wurde abgebaut und ist jetzt neu aufgebaut im Freilichtmuseum Beuren zu besichtigen.

Einwohnerentwicklung Es handelt sich um Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze). Jahr Einwohner 1. Dezember 1871 ¹ 4.571 1. Dezember 1880 ¹ 4.897 1. Dezember 1890 ¹ 4.910 1. Dezember 1900 ¹ 4.822 1. Dezember 1910 ¹ 5.225 16. Juni 1925 ¹ 5.163 16. Juni 1933 ¹ 5.237 17. Mai 1939 ¹ 5.216 13. September 1950 ¹ 6.435 6. Juni 1961 ¹ 7.108 Jahr Einwohner 27. Mai 1970 ¹ 8.057 31. Dezember 1980 8.419 27. Mai 1987 ¹ 8.714 31. Dezember 1990 9.219 31. Dezember 1995 10.083 31. Dezember 2000 10.787 31. Dezember 2005 10.990 31. Dezember 2010 10.867 31. Dezember 2015 11.175 31. Dezember 2020 11.951

Konfessionen Eine Kirche und Pfarrei St. Alban wurde bereits um 1100 erwähnt. Der Kirchensatz gelangte über die Pfalzgrafen von Tübingen an das Kloster Blaubeuren, dem sie mit dem gesamten Umland 1421 inkorporiert wurde. 1534 wurde die Reformation eingeführt. Seither ist Laichingen überwiegend protestantisch. Die evangelische Kirchengemeinde LaichingenWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Laichingen umfasst die Kernstadt. Der Stadtteil Feldstetten bildet eine eigene Kirchengemeinde,Website der Evangelischen Kirchengemeinde Feldstetten die im Rahmen von Pfarrstellen-Einsparungen ab Herbst 2020 von einem der beiden Laichinger Pfarrämter betreut wird. Beide Kirchengemeinden gehören zum Kirchenbezirk Bad Urach-Münsingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die Stadtteile Machtolsheim und Suppingen bilden ebenfalls eigene Kirchengemeinden, jedoch innerhalb des Kirchenbezirks Blaubeuren. Seit 2009 ist aus Suppingen und Machtolsheim eine gemeinsame Kirchengemeinde geworden. Neben diesen evangelischen Kirchengemeinden gibt es in Laichingen eine katholische, evangelisch-methodistische und eine neuapostolische Kirche und einen Königreichssaal der Zeugen Jehovas.

Gemeindegebietsreform mini|Blick auf Feldstetten. Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg wurden am 1. Januar 1972 Suppingen und am 1. Januar 1975 Feldstetten und Machtolsheim der Stadt Laichingen zugeordnet.

Laichingen bildet den größten Teilort der Stadt.

Wappen der Gemeinden

Politik mini|Marktplatz in Laichingen Laichingen ist die größte Gemeinde im Gemeindeverwaltungsverband Laichinger Alb mit Merklingen, Nellingen und Westerheim und Heroldstatt, wo auch dessen Sitz ist.

Bürgermeister

1972–1980: Horst Wurz

1980–1996: Andreas Raab, parteilos bis 1984, danach CDU, 1996–2012: Friedhelm Werner, FWV seit Dezember 2012: Klaus Kaufmann, parteilos

Der Bürgermeister wird für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Die erste Amtszeit von Friedhelm Werner endete am 18. Dezember 2004. Am 10. Oktober 2004 wurde er mit 68 % der Stimmen für eine zweite Amtszeit wiedergewählt.

Gemeinderat In Laichingen wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem vorläufigen Endergebnis. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 BWV Bürgerliche Wählervereinigung 41,3 9 34,2 8 LAB Laichinger Allgemeine Bürgerliste 24,0 6 27,2 7 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 18,5 4 12,9 3 IGEL Initiative Gemeinsam Engagiert für Laichingen 13,4 3 24,3 6SPDSozialdemokratische Partei Deutschland2,81—— BbW Bündnis für bezahlbaren Wohnraum — — 1,3 0 Gesamt 10023 100 24 Wahlbeteiligung57,1 % 56,1 %

Wappen

Städtepartnerschaften Seit 1986 besteht eine Partnerschaft mit der französischen Stadt Ducey.Städtepartnerschaften auf laichingen.de, abgerufen am 28. April 2023. Seit 1990 werden freundschaftliche Beziehungen zur „Töpferstadt“ Kohren-Sahlis in Sachsen gepflegt. Seit 1993 bestehen freundschaftliche Beziehungen mit und humanitäre Hilfe für Njaswisch in Belarus.Nesvish auf laichingen.de, abgerufen am 28. April 2023.

Wirtschaft und Infrastruktur Traditionell sind in Laichingen Weberbetriebe ansässig. Auch die Eisenverarbeitung, insbesondere der Werkzeugbau blühte im 20. Jahrhundert in Laichingen auf.

Die zum Stada-Konzern gehörende Aliud Pharma GmbH hat ihren Sitz in Laichingen.

Laichingen beheimatet das Interkommunale Industrie- und Gewerbegebiet Laichinger Alb (IIG) des Zweckverbandes mit Heroldstatt, Merklingen, Nellingen und Westerheim.

Laichinger Textilindustrie Die Leinenweberei war ein bedeutender Wirtschaftszweig.Hans Medick: Weben und Überleben in Laichingen 1650–1900: Lokalgeschichte als allgemeine Geschichte. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1996.Geschichtsverein Laichinger Alb e. V.: Der Leineweber im Blauhemd – Das Laichinger Wirtschaftswunder. Werner Mangold, Geiger-Verlag, 2010. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Folgen des Kriegs in der kleinen Stadt Laichingen an der Grenze der amerikanischen Besatzungszone noch sehr zu spüren. Viele der Laichinger Firmen wurden während des Krieges zur Herstellung von kriegsnotwendigen Materialien, wie Fallschirme, benutzt oder ganz ausgeräumt um für die Metallindustrie genutzt zu werden. Nach Kriegsende bekamen sechs Laichinger Firmen eine Genehmigung der amerikanischen Militärregierung, ihre Produktion wieder aufzunehmen.

So wurden viele Webstühle wieder aufgebaut und in Gang gesetzt. Als Laichingen in die Französische Besatzungszone überging, mussten die Textilbetriebe viele ihrer Waren als Reparationszahlungen an die französische Besatzungsregierung abgeben. Mit der Währungsreform füllten sich die Schaufenster und auch die Laichinger Textilindustrie konnte davon profitieren. Die Nachfrage an Textilien stieg nach dem Krieg enorm an und vor allem Bettwäsche der Laichinger Leinenweber war nun gefragt. Dies führte zu einem Aufschwung dieses Industriezweigs. Im Jahre 1948 waren alle Betriebe in Laichingen vollbeschäftigt und von 1950 bis 1960 gab es eine Welle von Unternehmensgründungen. In den folgenden zehn Jahren wurden viele Textilwaren in Laichingen hergestellt. Es entstanden große und namhafte Firmen wie etwa Pichler Textilien und Wäschekrone Laichingen.

Verkehr mini|Bis 1985 hatte Laichingen einen Bahnanschluss Der ÖPNV wird durch den Donau-Iller-Nahverkehrsverbund gewährleistet. Von 1901 bis 1985 war Laichingen über die Bahnstrecke Amstetten–Laichingen der Württembergischen Eisenbahngesellschaft (WEG) an das Schienennetz angeschlossen. Im Rahmen der am 11. Dezember 2022 eröffneten Schnellfahrstrecke Wendlingen–Ulm wurde der Bahnhof Merklingen – Schwäbische Alb errichtet, an dessen Kosten sich Laichingen finanziell beteiligte.

Der frühere Landes-Radfernweg Alb-Neckar-Radweg wurde durch den Württemberger Tälerradweg abgelöst. Er führt von Crailsheim über Aalen und Heidenheim nach Ulm und von dort über Blaubeuren und Heroldstatt nach Laichingen. Weiter verläuft er über Westerheim nach Römerstein (Ortsteile Donnstetten und Böhringen) und schließlich über Göppingen nach Schwäbisch Gmünd. Der Albtäler-Radweg führt ebenfalls als Landes-Fernradweg durch die Stadt; es handelt sich um einen Rundkurs zwischen Römerstein und Giengen an der Brenz. Er verläuft von Wiesensteig an Donnstetten vorbei über Westerheim nach Laichingen und weiter über den Stadtteil Machtolsheim und über Merklingen und Nellingen nach Amstetten.

Laichingen verfügt über einen eigenen Flugplatz, der seit 1964 durch den Flugsportverein Laichingen e. V. betrieben wird.