mini|Joachim Staritz bei einer Hörspielproduktion Anfang der 1990er-Jahre, Foto von Werner Bethsold
Joachim Staritz (* 12. November 1932 in Berlin; † 17. Mai 2001 in München) war ein deutscher Hörspielregisseur.Matthias Thalheim: Eine Erinnerung an den Hörspielregisseur Joachim Staritz: Die Kaderinstrukteurin senkte den Blick in der Berliner Zeitung vom 1. September 2001, abgerufen am 18. März 2014
Leben Joachim Staritz stammte aus einer Berliner Schauspielerfamilie und war der ältere Bruder von Dietrich Staritz. Nach dem Abitur 1953 an einer Ost-Berliner Oberschule begann er ein Studium der Theaterwissenschaften an der Humboldt-Universität. Im Jahr 1955 wurde er aus der SED ausgeschlossen und es erfolgte eine Relegation. Einer angebotenen „Bewährung in der Produktion“ entzog er sich und setzte sein Studium in Hannover und Paris, später an der Freien Universität Berlin fort. Im März 1958 wurde Staritz in Ost-Berlin verhaftet und wegen angeblichen Staatsverrats zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Seine vorzeitige Haftentlassung im Jahr 1962 erfolgte unter der Regie des Staatssicherheitsdienstes, dem er sich im Zuchthaus Brandenburg verpflichtet hatte (Deckname „Robert“).Jochen Staadt: Hundertfünfzig Stücke – Hörspielregisseur Joachim Staritz und sein Alter ego „Robert“. In: FAZ vom 11. September 2001, S. 55 Nach der Entlassung führte er seit Mitte der 60er Jahre Hörspielregie beim Rundfunk der DDR.Matthias Thalheim: Nachsatz zum Nachruf auf den Hörspielregisseur Joachim Staritz: Ungebremster Mann der Kunst in der Berliner Zeitung vom 13. September 2001, abgerufen am 18. März 2014 1977 erhielt er seinen ersten Regie-Preis der Hörspielkritikerjury der DDR.
Seit Anfang der 80er Jahre war er für zahlreiche Regiearbeiten für ARD-Hörspielabteilungen und in der Schweiz und war auch dort bis zur Wende für die Stasi aktiv.Die Stasi in der Schweiz auf Swissinfo.ch, abgerufen am 14. September 2018 1997 erhielt er für die Inszenierung des Stücks Compagnons und Concurrenten von Ingomar von Kieseritzky den renommierten Hörspielpreis der Kriegsblinden. Für den MDR inszenierte er u. a. Thomas Braschs Mercedes, Dylan Thomas’ Margate, Karl Mickels Irrgangs Beichte, Jens Sparschuhs Der große Coup und Isaak Babels Die Reiterarmee. Letztere Regiearbeit und Bearbeitung durch Staritz wurde 2003 als Bestes Hörbuch mit dem Deutschen Hörbuchpreis geehrt.
Joachim Staritz hat sich mit eigenen Rundfunkumsetzungen von Werken Bertolt Brechts, Volker Brauns aber auch jüngerer Autoren wie Oliver Bukowski und Holger Böhme verdient gemacht.
Hörspiel-Inszenierungen Rundfunk der DDR 1966: Manfred Streubel: Nico im Eis – (Kinderhörspiel) 1967: Die Umfrage der Frau Mitschuleit von Jutta Bartus 1967: Hans Siebe: Spuren im Sand (Kriminalhörspiel) 1968: Untersuchung eines Lokalereignisses von Claude Prin 1969: Kellergespräche von Wilfried Schilling 1970: Werner Gawande: Die Kündigung (Hörspiel) 1971: Meine weißen Berge von Lia Pirskawetz nach W. Koslow 1972: Eine schlimme Sache und Der Fehltritt von Joachim Staritz nach Anton Pawlowitsch Tschechow 1973: Von morgens bis mitternachts von Georg Kaiser 1973: Linda Teßmer: Am schwarzen Mann 1974: Zweite Aufforderung von Klaus Poche; Die merkwürdige Verwandlung der Jenny K. von Hans-Jürgen Bloch 1974: Hans-Jürgen Bloch: Hundert Mark für eine Unterschrift (Hörspielreihe: Tatbestand, Nr. 4) 1974: Hans-Jürgen Bloch: Nicht nur tausendjährige Eichen 1975: Die Ausgezeichneten von Regina Weicker 1975: Gerhard Rentzsch: Der Nachlaß 1976: Roald Dahl: Der Mantel (Kriminalhörspiel) 1976: Heinrich von Kleist: Prinz Friedrich von Homburg 1976: Helmut Bez: Zwiesprache halten 1976: Ich will nicht leise sterben von Martin Stephan 1976: Antonio Skármeta: Die Suche – (Hörspiel) 1977: Roald Dahl: Die Freude des Pfarrers – (Kriminalhörspiel) 1977: Nerz und Masche von Roald Dahl; Ich war 'ne Wildgans, Sir nach Lord Dunsany 1977: Peter Goslicki/Peter Troche: Glassplitter 1977: Juri Trifonow: Der Tausch 1978: Karel Čapek: Taschenspiele 1978: Isaak Babel: Maria 1978: Brigitte Hähnel: Kassensturz 1978: Die Tage der Kommune von Bertolt Brecht; Der Tausch von Juri Trifonow; Horacker oder Das liebliche Abderra von Wilhelm Raabe 1978: Phineas Taylor Barnum: Alles Humbug 1979: Bockshorn von Christoph Meckel; Der Fahrer und die Köchin von Albert Wendt 1979: Wibke Martin: Die Bürgen 1980: Das klare Wort der Schrift von Ernst-Frieder Kratochwil, nicht gesendet; Im Lerchengrund von Peter Goslicki 1980: Georg Büchner: Dantons Tod 1980: Elisabeth Panknin: Prinz Rosenrot und Prinzessin Lilienweiß oder die bezauberte Lilie (Kinderhörspiel) 1981: Alte Frau am Tisch von Lothar Gitzel 1985: Darf ich wieder zu Napoleon? Nachmittagsplaudereien auf Sankt Helena von Gerhard Rentzsch 1986: Dubrowski vom Alexander Puschkin 1986: Georg Büchner: Woyzeck 1987: Fabian oder Der Gang vor die Hunde von Erich Kästner; Veltliner und Betrogen von Michael Köhlmeier 1988: Bumsvallera von Andreas Anden; 1988: Krankensaal Nr. 6 von Andrea Czesienski nach Tschechow; Berliner November von Holger Teschke 1989: Santerre von Peter Braschalle bis hier genannten Inszenierungen entstanden im Rundfunk der DDR 1990: Das kleine Fest zur letzten Sitzung von Bert Koß, Funkhaus Berlin 1991: Klappe zu von Norbert Marohn, Sachsen Radio; Der war das ganz allein von Gerhard Pötzsch, Sachsen Radio/HR
ARD und DeutschlandRadio 1992: Seelsorge am Gletscher nach Halldór Laxness, MDR; Mercedes von Thomas Brasch, MDR 1993: Die heilige Familie im Personalbüro von Gerhard Zwerenz, ORB; Mann im Zug, Mann im Haus, Mann im Strauch von Andreas Knaup, MDR 1993: Andreas Berger: Bankraub (Kriminalhörspiel – MDR) 1994: Das Floß der Medusa von Georg Kaiser, MDR; Täuschung von Philip Roth, SDR; Krauses Tod von Holger Böhme 1995: Wiesau ist das Tor zur Welt von Irmgard Maenner, SDR; Unta de Dächa von Ingo Schramm, ORB; Totentrompeten von Einar Schleef, MDR; Monis Männer von Oliver Bukowski, DLR; Schlachthaus von Andreas Knaup, DLR/SDR 1996: Compagnons und Concurrenten oder Die wahren Künste von Ingomar von Kieseritzky, SDR/DLR; Herr der Fliegen von William Golding, MDR; Margate von Dylan Thomas, MDR 1996: Holger Böhme: Stillleben mit Dorf und Leichen (Hörspiel – ORB/RB) 1997: Bahlkes letzte Liebe von Oliver Bukowski, DLR; Irrgangs Beichte von Karl Mickel, MDR; Still Mutter von Holger Böhme, MDR 1998: Das Badener Lehrstück vom Einverständnis von Bertolt Brecht, SFB-ORB/MDR; Der grosse Coup von Jens Sparschuh, MDR; 1998: Pierre Bourgeade: Der Pass (Hörspiel – MDR) 1998: Volker Braun: Der Staub von Brandenburg (Hörspiel – DLF/SFB) 1999: Isaak Babel: Die Reiterarmee (Auch mehrere Sprechrollen) (Hörspiel (3 Teile) – MDR/DLR) 2000: Düsterfisch von Joachim John, SFB-ORB; Night Train von Martin Amis MDR/SWR 2001: Spenderherz von Torsten Enders, MDR; Sonnenwende.Toter Hund von Holger Böhme, SFB-ORB/NDR
Fernseh-Inszenierungen 1970: Pferdediebe von Arkansas, nach Friedrich Gerstäcker, Fernsehversion der Inszenierung Naturbühne Steinbach-Langenbach / Theater Meiningen 1974: Der Fehltritt, nach Tschechow, Fernsehtheater Moritzburg, Studio Halle
Preise 1977 Regiepreis der Kritikerjury für seine Inszenierung An einem verregneten Morgen von Hans D. Brandt, Rundfunk der DDR 1997 Hörspielpreis der Kriegsblinden für seine Inszenierung Compagnons und Concurrenten oder Die wahren Künste von Ingomar von Kieseritzky, SDR/DLR 2001 Deutscher Hörbuchpreis „Bestes Hörbuch“ für seine Inszenierung Die Reiterarmee von Isaak Babel, MDR/DLR
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Hörspielregisseur Kategorie:Person (Rundfunk der DDR) Kategorie:Inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1932 Kategorie:Gestorben 2001 Kategorie:Mann