Die Stechäpfel (Datura) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Die weltweit etwa 9 bis 14 Arten sind alle stark giftig.
Beschreibung mini|links|Illustration aus Blanco des Indischen Stechapfels (Datura metel ) mini|Habitus, Laubblätter und Blüten von Datura discolor mini|Frucht des Gemeinen Stechapfels (Datura stramonium) mini|Samen vom Großblütigen Stechapfel (Datura inoxia) mini|Samen des Gemeinen Stechapfels (Datura stramonium) unter dem Rasterelektronenmikroskop
Vegetative Merkmale Stechapfel-Arten sind einjährige oder kurzlebige ausdauernde, krautige Pflanzen, die Wuchshöhen von meist 0,5 bis 1,2 (0,2 bis 2) m erreichen. Die oberirdischen Pflanzenteile können unbehaart, behaart oder flaumig sein, wobei die Trichome in vielen verschiedenen Typen, beispielsweise aufrecht, niederliegend, nach oben oder unten gewandt, konisch, einfach, drüsig oder nicht-drüsig, vorkommen können. Oftmals ist die Behaarung an jungen Pflanzenteilen dicht bis sehr dicht, während sie an älteren Pflanzenteilen nachlässt oder sogar ganz verschwindet. Die sich dichotom verzweigenden Sprossachsen sind meist massiv, nur bei der Art Datura ceratocaula sind sie hohl.
Die Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattstiele sind meist 5 bis 10 (2 bis 16) cm lang. Die einfachen Blattspreiten sind bei einer Länge von meist 8 bis 18 (5 bis 30) cm eiförmig bis eiförmig-lanzettlich mit meist ungleichmäßig bis fast gleichmäßig gestalteter Spreitenbasis und zugespitztem oberen Ende. Der Blattrand ist ganzrandig, zurückgebogen, stark oder auch leicht wellenförmig gezähnt bis gelappt.
Generative Merkmale Die Blüten stehen in den Verzweigungen der Sprossachsen aufrecht oder schräg an, mit Längen von meist 7 bis 15 (5 bis 25) mm, relativ kurzen Blütenstielen.
Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der zylindrische Kelch ist 2,5 bis 14 (16) mm lang und besitzt meist fünf, selten auch drei bis sechs Kelchlappen oder Kelchzähne, die dreieckig, gleich oder ungleich geformt und zugespitzt bis spitz sind. Die Länge der Kelchlappen oder -zähne liegt meist bei 6 bis 12 mm, kann aber auch 13 bis 35 mm betragen, gelegentlich ist die Trennung der Kelchzähne nicht klar auszumachen. Eine Art, Datura ceratocaula, besitzt einen auf einer Seite gespaltenen Kelch, so dass dieser einem einzelnen Hochblatt ähnelt. Nach der Blühphase fällt der Kelch ab, so dass nur an der Basis ein kreisförmiger Rest bestehen bleibt. Die sich in den Abendstunden öffnende Blütenkrone ist grob trichter- oder trompetenförmig, in Ausnahmefällen auch doppelt oder dreifach gefüllt. Sie ist einheitlich weiß, lavendelfarbig oder violett gefärbt. Je nach Art sind die Kronblätter 4 bis 6 (9,5) cm oder (8) 15 bis 21 cm lang. Der Rand der Kronblätter ist fünflappig. Bei einigen Arten treten sekundäre Kronlappen auf, sodass die Blüten einen zehnlappigen Eindruck machen.
Die Staubblätter befinden sich für gewöhnlich in der Krone, die Staubfäden sind in der unteren Hälfte der Krone fixiert. Nur dort sind die Staubfäden mit Trichomen besetzt. Die linear-elliptischen Antheren kommen artabhängig in zwei verschiedenen Größen vor, zum einen 2 bis 5 mm, zum anderen 5 bis 12 (15) mm. Entlang der Aufplatzlinie der Antheren sind sehr lange fadenförmige Trichome zu finden. Der Fruchtknoten ist konisch geformt, zum Teil unterständig, durch die Ausbildung eines falschen Septums in der unteren Hälfte oft vierkammrig. Oft ist der Fruchtknoten mit unterschiedlich vielen kleinen, fleischigen Stacheln versehen, die sich gelegentlich in der Frucht vergrößern und versteifen. Die Narbe ist zweilappig, feucht und warzig.
Außer bei der Art Datura ceratocaula, die nicht aufspringende, weiche Beeren ausbildet, sind die Früchte aller Stechapfel-Arten eiförmige, elliptische oder kugelförmige vierkammrige Kapselfrüchte, die aufrecht oder zurückgebogen an der Pflanze stehen. Die Kapselfrüchte springen an zwei, selten an vier Klappen auf, die manchmal unregelmäßig angeordnet sind. Das Perikarp der Früchte ist meist schwach flaumartig behaart und mit bis zu 200 gleichförmigen, schlanken, mit bis zu 50 verschiedenartig geformten scharfen Stacheln, mit schwach behaarten Borsten oder zahlreichen stumpfen Höckerchen besetzt. Die Länge der Stacheln variiert zwischen 0,5 und 3,2 cm. In allen Arten steht der Frucht entgegengesetzt der kreisförmige, zurückgebogene Überrest des Kelches. In den Früchten befinden sich (25) 150 bis 300 (500) scheiben- bis nierenförmige Samen, mit einer Länge von meist 4 bis 5 (2,5 bis 6) mm. Sie sind schwarz, gelb oder braun, teilweise mit weißen oder gelblichen Elaiosomen versehen.
Verbreitung, Herkunft Arten der Gattung Datura wachsen überall außer in polaren und subpolaren Klimazonen. Einige Arten stammen aus Asien, andere aus Amerika. Bei jetzt kosmopolitischen Arten, wie Datura stramonium, ist die ursprüngliche Herkunft unsicher. Der Gattungsname Datura kommt über das Portugiesische aus einer indischen Sprache, vgl. Hindi dhatūra. Der Name ist bereits im Sanskrit als dhattūra belegt.
Systematik Die Gattung enthielt früher auch die mittlerweile als eigene Gattung abgesetzten Engelstrompeten (Brugmansia). Aufgrund phylogenetischer Untersuchungen können die verbleibenden Arten in vier Sektionen geteilt werden:
mini|Gemeiner Stechapfel (Datura stramonium) mini|Frucht des Dornigen Stechapfels (Datura ferox) mini|Habitus, Laubblätter und Blüten von Wrights Stechapfel (Datura wrightii)
Sektion Stramonium : Dorniger Stechapfel (Datura ferox ) Datura quercifolia : Sie kommt in den US-Bundesstaaten Colorado, Oklahoma, Texas und Arizona, in Mexiko und Honduras vor. Gemeiner Stechapfel (Datura stramonium , Syn.: Datura bernhardii )
Sektion Dutra : Großblütiger Stechapfel (Datura inoxia ): Er kommt ursprünglich in Arizona, Texas und Mexiko vor. Datura lanosa ex : Sie kommt im nördlichen Mexiko vor. Datura leichhardtii ex : Ursprünglich im zentralen und südwestlichen Mexiko. Ist in Australien ein Neophyt. Indischer Stechapfel (Datura metel ): Kultursippe, vor allem in Asien verbreitet, vielleicht in Kultur aus Datura inoxia hervorgegangen. Nach POWO kommt sie ursprünglich von Texas bis Kolumbien vor. Datura pruinosa : Sie kommt im südwestlichen Mexiko vor. Wrights Stechapfel (Datura wrightii ): Sie ist von den zentralen und westlichen Vereinigten Staaten bis Mexiko verbreitet.
Sektion Ceratocaulis Datura ceratocaula : Sie kommt in Mexiko vor.
Sektion Discolor: Datura discolor : Sie kommt in Arizona, Colorado, Kalifornien und in Mexiko vor.
Ohne Zuordnung zu einer Sektion: Datura kymatocarpa : Zentrales und südwestliches Mexiko. Datura reburra : Mexikanische Bundesstaaten Sonora und Sinaloa. Im Jahr 2013 wurde durch die Botaniker Bye und Luna eine weitere Art, Datura arenicola , beschrieben. D.R.A.Watson schlug für sie eine neue Sektion Discola vor. Die Art kommt als Lokalendemit nur in einem kleinen Gebiet auf der mexikanischen Halbinsel Niederkalifornien vor.D. Robert A. Watson (2013): Datura arenicola (Solanaceae): A New Species in the New Section Discola from Baja California Sur, Mexico. Madroño 60(3): 217–228. doi:10.3120/0024-9637-60.3.217
Brugmansia Growers International, früher International Brugmansia & Datura Society (IBADS/iBrugs) ist die offizielle International Cultivar Registration Authority (ICRA) für die Gattung Datura. Diese Rolle wurde im Jahr 2002 von der International Society for Horticultural Sciences (ISHS) zuerst an die American Brugmansia And Datura Society (ABADS) übertragen. Im August 2010 wechselte ABADS offiziell ihren Namen in IBADS/iBrugs. Heute lautet die Selbstbezeichnung Brugmansia Growers International. Die Arten der Gattung Datura, die als Zierpflanzen gegenüber den Engelstrompeten mindere Bedeutung besitzen, werden aber weiterhin von ihr mitbetreut.
Rauschmittel und Zierpflanze In Kulturen amerikanischer Ureinwohner besitzen diese Pflanzenarten sowohl zeremonielle als auch medizinische Bedeutung. Neben der medizinischen Bedeutung wurde und wird Datura als Rauschmittel zur Bewusstseinsveränderung verwendet. Zuni-Priester benutzten die Pflanze, um die Geister der Ahnen zu kontaktieren oder die Identität von Dieben zu ermitteln. In den westlichen Industrienationen war die Verwendung vor allem in den 1970er Jahren bei jugendlichen Konsumenten zeitweise in Mode, dies wird vor allem auf die damals populären Werke von Carlos Castaneda zurückgeführt, in denen der Gebrauch erwähnt wird. Heute noch auftretende Vergiftungsfälle betreffen aber weitaus häufiger die verwandten Engelstrompeten (Brugmansia).Jochen Gartz, Alexander Ochse: Naturdrogen und ihr Gebrauch. Nachtschatten Verlag, Solothurn 2012. ISBN 978-3-03788-224-5. Abschnitt 4.2.1 Der Stechapfel (Datura sp.) Die Rolle der Datura-Drogen in den europäischen „Hexensalben“ und bei den Gebräuchen der Sinti und Roma wird kontrovers beurteilt.Heinrich Marzell. Stechapfel. In: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Band 8, Berlin 1937, Sp. 359–361
Üblich sei die Zubereitung als Tee oder die orale Aufnahme von Samen. Wirksam sind die halluzinogenen psychoaktiven Substanzen Hyoscyamin und Scopolamin. Berichtet wird von lebhaften szenischen Halluzinationen und der Unterdrückung unangenehmer Emotionen, allerdings verbunden mit motorischer Unruhe. Bei höherer Dosierung kommt es zum Delir und schweren atropinergen Wirkungen, die lebensbedrohend sein können.F. Löhrer, R.Kaiser (1999): Biogene Suchtmittel. Neue Konsumgewohnheiten bei jungen Abhängigen? Der Nervenarzt 70: 1029–1033. Vom Konsum des Stechapfels sei dringend abzuraten – der Wirkstoffgehalt der hochgiftigen Pflanze könne sehr unterschiedlich sein, weshalb die Gefahr einer tödlichen Überdosierung sehr hoch sei.Drogenlexikon: Stechapfel, Mitteilung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), abgerufen am 19. Sep. 2020
Stechäpfel werden teilweise als Zierpflanze verwendet, allerdings weitaus seltener als die ähnlichen Engelstrompeten (die früher auch zur Gattung Datura gerechnet wurden). Vor dieser Nutzung wird allerdings wegen der Giftigkeit beider Gattungen teilweise gewarnt.Stechapfel wurde gepflanzt: Giftpflanzen auf städtischen Flächen. Schaufenster Mettmann, City Anzeigenblatt GmbH, vom 23. Oktober 2019.Lebensgefahr für Kinder und Tiere: Diese giftigen Pflanzen im Garten nicht unterschätzen. HNA Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 6. Juli 2021. Eine entsprechende Vorschrift dazu besteht allerdings nicht, Fachleute halten ein generelles Verbot nicht für zielführend.Ursula Maier: Giftpflanzen. Beschauen, nicht kauen! Broschüre, herausgegeben von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung e. V. (DGUV), November 2006. DGUV Information 202-023. PDFBundesamt für Naturschutz (BfN) (Herausgeber): Leitfaden Naturerfahrungsräume in Großstädten – Eine Arbeitshilfe für Vorbereitung, Planung, Einrichtung und Betrieb. Bonn, Bad Godesberg 2020. PDF Nach der DIN 18034: Spielplätze – Vorgaben zu Einfriedung, Spielsand und Wasser vom 1. April 2021 wird allerdings von der Verwendung von Stechapfel und Engelstrompete, wie aller auf der Giftpflanzenliste des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit vom 17. April 2000 aufgeführten PflanzenartenListe giftiger Pflanzenarten. Bundesanzeiger 52 (86) vom 06. Mai 2000, S. 8517., an Spielplätzen abgeraten.
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