miniatur|hochkant=1.66|Yanomami Das Volk der Yanomami, Yanomama oder Yanomamö (besonders in der angelsächsischen Literatur)Weitere Schreibvarianten sind: Yanoama, Yanomani, Ianomami lebt im venezolanisch-brasilianischen Grenzgebiet an der 1500 Meter hohen Serra Parima, zwischen den Flüssen Orinoco und Amazonas. Die 27.000 bis 35.000 Yanomami bilden die größte indigene Volksgruppe im Amazonas-Gebiet.Ca. 19.400 leben in den brasilianischen Bundesstaaten Roraima und Amazonas (DSEI Yanomami – Sesai 2011) sowie ca. 16.000 in den venezolanischen Bundesstaaten Bolivar und Amazonas (2009) Seit dem Eindringen von Goldsuchern in den 1970er Jahren sind ihre dortigen Lebensgrundlagen gefährdet. Kulturell zählen die Yanomami zu den Orinoko-Parima-Kulturen.

Die heute allgemein durch Anthropologen verwendete Volksbezeichnung als Yanomami geht zurück auf das Wort yanõmami, welches in der Wendung yanõmami thëpë oder yanomae thëpë, „Menschen“ oder „menschliche Wesen“ bedeutet. Dieser Ausdruck steht für die Yanomami im Gegensatz zu den yaro oder yaropë („Tiere“, „Wild“) und yai oder yai thëpë, also den nicht-menschlichen Wesen („unsichtbare oder namenlose Wesen/Dinge“), aber auch zu napë oder napëpë („Feind“, „Fremder“, „Weißer“).Instituto Socioambiental – The name Yanomami In: socioambiental.org, abgerufen am 17. Januar 2017 Viele der teilweise heute noch weit verbreiteten Ansichten über die Lebens- und Verhaltensweisen der Yanomami beruhen auf Berichten von Expeditionen unter der Führung der Anthropologen Napoleon Chagnon und Jacques Lizot.

Lebensraum miniatur|hochkant|Lebensraum der Yanomami Ursprüngliches Stammesgebiet Laut der mündlichen Überlieferung der Yanomami sowie den ersten schriftlichen Dokumenten, in denen sie erwähnt werden, befand sich ihr einstiges Stammland in der Serra Parima (in Venezuela: Sierra Parima), der Wasserscheide zwischen dem Alto Orinoco (auch Paraguá) und den rechten Nebenflüssen des Rio Branco (port. für „Weißer Fluss“), einem linken Zufluss des Rio Negro (port. und span. für „Schwarzer Fluss“). Dies ist immer noch das am dichtesten besiedelte Gebiet innerhalb ihres Territoriums. Wahrscheinlich begann die Wanderung der Yanomami-Gruppen von der Serra Parima in das umliegende Tiefland in der ersten Hälfte des 19. Jh., nachdem die Kolonialmächte Spanien und Portugal in die Region des Alto Orinoco, des Rio Negro und Rio Branco in der zweiten Hälfte des 18. Jh. vorgedrungen waren. Das heutige Stammesgebiet der Yanomami hat seinen Ursprung in dieser Wanderungsbewegung.

Diese territoriale Expansion der Yanomami war möglich, da sie zwischen Anfang des 19. und des 20. Jh. ein enormes Bevölkerungswachstum erlebten. Eine Reihe von Anthropologen glauben, dass dieses Bevölkerungswachstum auf Grund von wirtschaftlichen Veränderungen durch den Erwerb von neuen Kulturpflanzen sowie von Werkzeugen aus Metall durch Austausch oder Kriegsführung mit benachbarten indigenen Gruppen (Kariben im Norden und Osten: Ye’kuana, Purukoto, Sapara, Pauxiana; Arawak im Süden und Westen: Bahuana, Mandahuaca (Mandawaka), Yabaâna (Yabaána, Yabahana), Baniwa (Baniva, Baniua, Curipaco, Walimanai), Kuripako (Curipaco, Curripaco, Coripaco), Kuriobana, Manao, Baré (Hanera)) oder Arutani-Sapé (Awake (Arutani) – Kaliana/Kariana (Sapé)), Marakana oder Máku von RoraimaGoethe Institut – Die Yanomami in Brasilien ausgelöst wurde. Diese benachbarten indigenen Gruppen unterhielten wiederum direkte Handelsbeziehungen zu den Grenzsiedlungen. Durch den Kontakt zur dortigen weißen Bevölkerung jedoch erkrankten viele dieser Stämme während des 19. Jh. an ihnen vorher nicht bekannten Krankheiten (Malaria, Tuberkulose, Masern, Influenza, Keuchhusten), so dass durch immer wieder auftretende Epidemien viele Stämme ausstarben oder stark dezimiert wurden. Daher waren verschiedene Stammesgruppen der Kariben und Arawak bald nicht mehr in der Lage, sich erfolgreich den Überfällen der in ihr Gebiet vordringenden Yanomami zu widersetzen, so dass diese bald deren Gebiet besetzten und sodann als ihr eigenes Stammesgebiet betrachteten.Instituto Socioambiental – The ancient Yanomami

Bedeutung des Urihi (Wald-Land) Das Yanomami-Wort urihi bezeichnet sowohl den Wald als auch dessen Boden, es bedeutet auch Territorium oder Land: ipa urihi – „mein (Stammes-)Land“ kann sowohl den Ort der Geburt als auch das Stammesgebiet bezeichnen, dem der Sprecher angehört. Yanomae thëpë urihipë – „der Wald der Menschen“ ist daher der Wald, den der Gott Omama den Yanomami (d. h. den Menschen) zum Leben für alle folgenden Generationen gegeben hat – oder einfach „Yanomami-Land“. Urihi kann auch als Name für die gesamte Welt stehen; urihi a pree – „das große Wald-Land“ bezeichnet hingegen die kosmologische Geographie der Yanomami.

Urihi („Wald-Land“) ist zwar die Quelle von Ressourcen für die Yanomami, jedoch nicht einfach oberflächlich dem Willen der Menschen unterworfen. Es ist vielmehr eine lebendige Einheit, bestehend aus urihinari („wesenhaften Bild“), wixia („Atem“) sowie hauptsächlich në rope („immaterielle Fruchtbarkeit“). So betrachten sie Yanomae thëpë urihipë nicht als Sache oder gar Eigentum, über das man verfügen kann, wie und wann man will – sondern als eine Art Lebewesen mit eigenem Willen, dem sich der Wille des Menschen nicht aufdrängen darf.Instituto Socioambiental – Urihi, the forest-land

Heutige Reservate und Schutzgebiete In Venezuela leben die verschiedenen Yanomami-Gruppen im Biosphärenreservat Alto Orinoco-Casiquiare entlang des Brazo Casiquiare in den Bundesstaaten Bolivar sowie Amazonas auf einer Fläche von über 82.000 km². Im Nordwesten Brasiliens umfasst das Territorium weitere 96.650 km² in den Bundesstaaten Roraima und Amazonas, das im November 1991 amtlich bestätigt und endgültig durch ein Dekret des Präsidenten im Mai 1992 als Terra Indígena Yanomami („Territorium der indigenen Yanomami“) anerkannt. Dieses Territorium, fast doppelt so groß wie die Schweiz, umfasst eine große Vielfalt von Naturlandschaften, dichte tropische Regenwälder im Tiefland sowie tropische Urwälder und Savannen des Hochlands. Darüber hinaus wird es von den Wissenschaftlern als vorrangige Region für den Schutz der Artenvielfalt des brasilianischen Amazoniens betrachtet. Zusammen bildet dieses Gebiet den weltweit größten indigenen Lebensraum im tropischen Regenwald.

Unkontaktierte Yanomami Einige Yanomami haben berichtet, dass sie unkontaktierte Yanomami in ihrem Gebiet gesehen haben.Die brasilianische Regierungsbehörde FUNAI und andere Experten gehen von über 100 nicht kontaktierten indigenen Völkern in Brasilien aus. Ein Teil davon ist sicher nachgewiesen, für die Existenz der übrigen gibt es eindeutige Indizien wie verlassene Felder und Häuser, Funde von Pfeilen und anderen Objekten. Die kontaktierten Yanomami nennen sie Moxateteu. Es wird angenommen, dass die Moxateteu in einem Gebiet leben, in dem in großem Umfang illegal Gold geschürft wird. Kontakt mit den Goldgräbern (Garimpeiros genannt) könnte für die Moxateteu sehr gefährlich sein und gewaltsame Konflikte könnten folgen. Es soll zwei Gruppen der Moxateteu geben, und zwar eine, die entlang des Oberlaufs des Rio Marauiá, eines linken Nebenflusses des Rio Negro im Reservat lebt, sowie eine zweite zwischen Rio Demini, einem linken Nebenfluss des Rio Negro, und dem Rio Catrimani, einem rechten Nebenfluss des Rio Branco, die zwar außerhalb des Reservats, aber im Rio Branco Nationalpark lebt.

Bedrohung des Lebensraumes mini|„Shabono“, das traditionelle Rundhaus In den frühen 1970er Jahren ließ die damalige brasilianische Militärregierung eine Bundesstraße, die „Perimetral Norte“, durch das Yanomami-Territorium bauen, was für die Stammesangehörigen einen verheerenden Einschnitt in ihr Leben bedeutete. Bauarbeiter und Siedler schleppten Krankheiten ein, gegen welche die Yanomami nicht immun waren, so dass es zu zahlreichen Todesfällen kam und zwei Dörfer ausgelöscht wurden. Anfang der 1980er Jahre wurden unter anderem Gold, Uran und andere Bodenschätze gefunden. Diese Funde lösten einen Raubbau an der Natur der Yanomami aus, welcher ihren Lebensraum bedrohlich einschränkte.Und der Kaiman lachte. Zur Bedeutung des Feuers bei den Yanomami in Nordamazonien (Gabriele Herzog-Schröder) (PDF; 215 kB) Ende der 1980er Jahre schätzte die brasilianische Bischofskonferenz die Zahl der Goldschürfer, die in das Gebiet der Yanomami eingedrungen waren, auf 65.000. Die Goldschürfer schleppten viele Krankheiten ein, zerstörten viele Dörfer und erschossen die Indigenen, so dass in nur sieben Jahren 20 % der Yanomami starben. Besonders bekannt ist das Massaker von 1993 im Dorf Haximu. Illegale Goldgräber töteten 16 Menschen mit Schusswaffen und Macheten. Damals wurden fünf von 22 Goldgräbern verurteilt, doch teilweise halten sich dieselben noch immer im gleichen Gebiet auf. Obwohl die brasilianische Regierung versucht, gegen die illegalen Goldgräber vorzugehen, zerstören sie weiter den Wald und verschmutzen die Flüsse mit Quecksilber.Pressemeldung 20 Jahre nach Yanomami-Massaker Abgerufen am 15. August 2013

In Deutschland wurden die Yanomami bekannter durch Rüdiger Nehberg und Christina Haverkamp, die Anfang der 1980er Jahre regelmäßigen Kontakt mit den Yanomami hatten. Sie veröffentlichten mehrere Bücher über die Volksgruppe und machten die Öffentlichkeit auf die Missstände und die Ausbeutung ihres Lebensraumes aufmerksam. Haverkamp gründete außerdem im Jahre 2006 den gemeinnützigen Verein Yanomami-Hilfe e. V. Weiterhin trugen Forschungen und entsprechende Berichte bzw. Radio-Interviews der Ethnologin Gabriele Herzog-Schröder dazu bei.

Im Jahre 1992 wurde das angestammte Land der Yanomami als „Yanomami Park“ abgegrenzt, wodurch sich die Situation der Yanomami erheblich verbesserte, auch wenn sie immer noch gegen die Bedrohung ihres Lebensraums kämpfen müssen. Spätestens um das Jahr 2021 flammte der Konflikt mit den Goldsuchern, die mit Schusswaffen und Tränengasgranaten die Indigenen zu vertreiben suchen, erneut auf. Stand 2021 stehen den Yanomami schätzungsweise mehr als 20.000 zum Teil schwer bewaffnete Goldsucher gegenüber. Die Goldgräber stellen auch ein Gesundheitsrisiko dar, da sie den Urwald abholzen, Flüsse verunreinigen und den Urwald in eine Schlammlandschaft aus Tümpeln und Wasserlöchern verwandeln, wodurch Moskitos, die die Malaria übertragen, noch bessere Brutplätze vorfinden. Außerdem schleppten Goldgräber selbst Malaria und SARS-CoV-2 in das Amazonasgebiet ein. Im Jahr 2023 starben mehr als 300 Yanomami an Unterernährung, Lungenentzündung, Malaria oder anderen Infektionskrankheiten infolge der zunehmenden Zerstörung des Regenwaldes, die meisten davon unter fünf Jahren.

Echte Besitzrechte über ihr Land werden den Yanomami bis heute von der brasilianischen Regierung verweigert, obwohl diese damit die von ihr unterzeichnete internationale Konvention (ILO 169) verletzt.

Einteilung Dialektgruppen Die Yanomami sprechen mehrere Varianten und Dialekte der Yanomam-Sprachen, die sich oftmals so voneinander unterscheiden, dass sich Yanomami benachbarter Dörfer nicht immer gegenseitig verstehen können. Die Yanomami-Gruppen haben zudem keinen Sammelbegriff für alle Yanomam-Sprecher – jeder einzelne Stamm oder jede Gruppe sowie Dorfgemeinschaft (oftmals bildet diese schon den Stamm) haben für sich jeweils eine autonome Bezeichnung. Heute unterscheidet man vier große Dialekt- und Stammesgruppen innerhalb der Yanomami:

eigentliche Yanomami oder Yanomamö (sprechen Yanomamö, aka Yanomame, eigentliches Yanomami, ca. 17.640 Sprecher) Waika (Guaica) oder Yanomam (sprechen Yanomámi, aka Yanomam, Waiká, ca. 9000 Sprecher) Sanema (sprechen Sanumá, aka Tsanuma, Sanima, ca. 6410 Sprecher, manche Gruppen in Venezuela sprechen zudem Maquiritari [mch] der benachbarten Ye’kuana) Yanam oder Ninam (sprechen Yanam, aka Niman, Yanam-Ninam, ca. 560 Sprecher (2014)nsf.gov abgerufen am 1. November 2024., manche Gruppen in Venezuela sprechen zudem Pemón der benachbarten Pemón sowie Spanisch)