mini|hochkant=1.3|Kollektionsschau der Kölner Pelzkonfektionäre (ca. 1980) Pelzkonfektionäre vertreiben als Großhandelskaufleute fertig gearbeitete Pelzprodukte. Als Berufsbezeichnung meint es den Inhaber eines Pelzgroßhandelsbetriebes, umgangssprachlich dessen Unternehmen. Seine Abnehmer sind der Bekleidungseinzelhandel einschließlich Kürschnereien sowie die Kaufhäuser und Versandhäuser, über die der Verkauf an den Endverbraucher erfolgt.

Im Jahr 1966, während der Expansionszeit des Pelzabsatzes, führte der Winckelmann, das Fachverzeichnis der Pelzbranche, für Berlin 22 Pelzkonfektionäre oder Vertretungen auf, für Frankfurt am Main etwa 80.

Geschichte In Europa begann mit der ersten größeren Produktion von Pelzkonfektion das 1839 gegründete Haus Revillon Frères in Paris. Das Unternehmen erlangte Weltgeltung, der Firmenname Revillon blieb bis in die heutige Zeit erhalten. Weitere bedeutende erste Pelzwarenfabriken waren insbesondere die Firma Josef Toch in Wien sowie H. Wolff in Berlin.

Deutschland, Firmengründung vor 1945 (Auswahl) Die Berliner Pelzkonfektion begann im Jahr 1855 mit dem Unternehmen H. Wolff, das anfangs eine Fabrik für Lackhüte betrieb. Hermann Wolff hatte auf seinen Verkaufsfahrten festgestellt, dass die Kürschner, bedingt durch die produktionsbedingt hohen Preise, nur wenig Pelzmützen verkauften. Er stellte daraufhin die Herrenmützen und auch Muffe fabrikmäßig her. Nach anfänglicher Zurückhaltung der Kürschnerkunden war er damit überaus erfolgreich. Zu Beginn hatte die Firma kaum Konkurrenz. Ein zweites Unternehmen, Abrahamsohn und Reschofsky, entstand und gelangte schnell zu Ansehen und Bedeutung, anfangs noch getrennt, dann in einer Firma vereint. 1871 kam in Berlin der Niederländer Abraham Citroen hinzu. Häufig nahmen Fellhändler im Laufe ihres Bestehens Pelzkonfektion in ihr Angebot auf oder entwickelten sich sogar zu reinen Konfektionären, dagegen wurde nur sehr selten ein Mitglied der Konfektionsbranche Rauchwarenhändler.Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900-1940, Versuch einer Geschichte. Berlin 1941 Band 3. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 214 (→ Inhaltsverzeichnis).

Die Berliner Damenkonfektion und mit ihr die Pelzkonfektion hatten zu einem ganz erheblichen Teil jüdische Inhaber. Nach der Machtübernahme im Jahr 1933 und der Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten gaben sie ihre Unternehmen auf, oder sie wurden von „arischen“ Geschäftsleuten übernommen, in der Regel und auf staatliche Weisung ohne Fortführung des auf den bisherigen jüdischen Besitzer hinweisenden Firmennamens.

Die Geschichte der Pelzkonfektion und des Rauchwarenhandels, insbesondere in Berlin, wurde von Philipp Manes (geb. 1875; ermordet 1944) festgehalten. Als Funktionär des Berliner Pelzverbands, Autor für die Zeitung Der Rauchwarenmarkt, Vertreter für Fellhandelsfirmen usw. hatte er engen Kontakt mit den Inhabern und Mitarbeitern der Firmen der Pelzbranche. Er schaute hinter die Kulissen und berichtete in seiner Branchenchronik über Vorgänge und Zusammenhänge, die in keiner Firmendarstellung zu lesen sind. Als Jude konnte er die letzten Jahre, bevor er 1942 in das KZ Auschwitz-Birkenau verschleppt und umgebracht wurde, nicht mehr beruflich tätig sein. Schon immer besonders arbeitsam und engagiert, nutzte er diese Zeit, um trotz seiner stark geschrumpften Informationsmöglichkeiten, mit seinen privat verbliebenen Unterlagen und anhand der persönlichen Erinnerung, die Mitglieder der Pelzbranche nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Er erlebte noch das Verschwinden aller jüdischen Betriebe oder ihrer Inhaber, enthielt sich aber in dem 4-bändigen, 1941 beendeten Werk, sicherlich zum Selbstschutz, jeder offenen Kritik am System des Nationalsozialismus, das ihm in seinem mörderischen Umfang auch noch kaum bekannt sein konnte. Jedoch hatten fast alle, ihm eng vertrauten, nach der Machtübernahme zwangsweise verschwundenen Konfektionsbetriebe jüdischstämmige Inhaber.

Carl Salbach mini|hochkant|Carl Salbach, „wadenlanger Pelzmantel mit Trompetenärmeln und breitem Schalkragen“ (nach 1900)

Das Berliner Pelzmodellhaus Carl Salbach, „en gros et en détail“, wurde im Jahr 1820 gegründet und nach dem Zweiten Weltkrieg weiter geführt. Es gehörte zu den exklusivsten Kürschnereien seiner Zeit. Neben dem hauptsächlichen Detailgeschäft betrieb das Unternehmen einen Großhandel. Auf einem Foto aus dem Welthandelszentrum des Leipziger Brühl zur Messezeit ist ein Firmenschild „Carl Salbach von Berlin, Pelzwaaren Confection“ zu sehen, mit dem die Firma auf sich als Großhändler aufmerksam macht. Im Leipziger Adressbuch der Jahre scheint er jedoch nicht verzeichnet zu sein. Sehr wahrscheinlich hatte die Firma einen Rauchwaren-Kommissionär auf dem Brühl, eventuell beschränkte sich die Aktivität dort auch nur auf ein Lager während der Messe. Wie die Berliner Pelzmodellfirmen Adolf Doll & Söhne, C. A. Herpich Söhne und Bisegger bot auch Salbach auf der Leipziger Messe seine Konfektion im gehobenen Genre an.

Etwa 1966 hat das Unternehmen seine Tätigkeit eingestellt.

C. A. Herpich Söhne mini|hochkant|C. A. Herpich Söhne, Anzeige „Moderne Pelzmäntel“ (1913)

C. A. Herpich Söhne war ein 1835 in Berlin gegründetes Modehaus. Ursprünglich eine Kürschnerei mit einem kleinen Pelzgeschäft, entwickelte sich Herpich zu einem Modehaus „in einer großartigen und vornehmen Aufmachung“ und einem der angesehensten Anbieter hochwertiger Pelze und zu einem Großhandelsunternehmen für Pelzkonfektion und Felle.

Von der neben dem Detailgeschäft gehandelten Pelzkonfektion und den Fellen wurden große Mengen auch in das Ausland geliefert. Der Einkauf erfolgte direkt, auf den großen Pelzmärkten in Leipzig und London. Philipp Manes schrieb in einer Würdigung: „Die Firma darf sich schmeicheln, die auserlesensten und kostbarsten Zobel, Silberfüchse, Blaufüchse und andere Edelpelze zu besitzen, wie es zum zweiten Male kaum in der Branche zu finden sein dürfte. Ein weiterer Vorzug der Herpich’schen Erzeugnisse liegt in ihrer tadellosen, soliden Verarbeitung, die fast ausschließlich in den eigenen Werkstätten geschieht“.Philipp Manes: C. A. Herpich Söhne, Berlin. In: Die Pelzkonfektion. Nr. 1, März 1925, Berlin, S. 82–86.

Auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg galt der Düsseldorfer Firmenzweig im Hotel Breidenbacher Hof, Seite Heinrich-Heine-Allee, als besonders exklusive Pelzadresse. Am 25. August 1949 eröffnete die Julius Herpich K.-G. dort in der damaligen Theodor-Körner-Straße ein Modellhaus. Noch 1981 ist Herpich im Fachadressbuch dort vermerkt. 1991 ist die Firma dann unter der noch feineren Anschrift Königsallee 30 im neu erbauten Kö-Center angegeben.

Zuletzt am 15. November 2001 erfolgte ein Eintrag in das Handelsregister als Julius Herpich GmbH Pelze & Modellbekleidung,moneyhouse.de abgerufen am 28. November 2014. vier Tage später wurde der Eintrag wieder gelöscht.Julius-Herpich-KG-Pelze-Modellkleidung. firmenkontor24.com; abgerufen am 28. November 2014.

B. Freystadt & Co.

B. Freystadt & Co. war ein deutsches Pelzhersteller- und -handelsunternehmen in Berlin. Die Firma wurde 1842 als J. Freystadt gegründet. Der spätere Inhaber Bernhardt Freystadt und sein Branchenkollege Wilhelm Reineke waren die „Pioniere der Berliner Pelzkonfektion“, das Unternehmen war im Jahr 1942 das in Deutschland älteste seiner Branche. Freystadt & Sohn unternahm als erstes deutsches Unternehmen den Versuch, seinen Einzelhandelskunden auch Pelzkleidung zu liefern. Bis zu dieser Zeit gab es in Deutschland keine fabrikmäßige Herstellung von Pelzprodukten.

Im Jahr 1842 hatte der Berliner Rauchwarenhändler Michael Brass, Vater von Emil Brass, im Pelzhandelszentrum Leipziger Brühl das Grundstück Brühl 19 erworben. Da es jüdischen Händlern um diese Zeit in Leipzig noch nicht gestattet war, Grund und Boden zu besitzen, ließ er J. Freystadt als Inhaber und Firmennamen eintragen. In den 1870er Jahren übernahm Bernhardt Freystadt die in Leipzig gegründete, von seinem Onkel geführte Firma. Im Jahr 1887 ist Freystadt dort mit der Adresse Brühl 44 verzeichnet. Im Katalog zur Berliner Gewerbe-Ausstellung im Jahr 1879 ist „J. Freystadt, Kürschner-Waaren, Inh. E. Freystadt“ mit der Berliner Adresse Raupachstraße 1 eingetragen. In den 1930er Jahren war die Geschäftsadresse der Pelz-, Hut- und Mützenfabrik: Berlin C2 (Berlin-Mitte), Oranienburger Straße 2.

Im Nachkriegs-Adressverzeichnis der Berliner Pelzbranche von 1950, Ost- und Westberlin, ist kein Unternehmen unter den Namen Freystadt, Irrgang oder Höhle mehr aufgeführt.Wegweiser durch den Brühl und die Berliner Pelzbranche, Jahrgang 1950. Otto Teubel, Leipzig.

H. Wolff mini|hochkant|H. Wolff, Muffe und Stolen (1912)

Die Firma H. Wolff in Berlin war in ihrer Blütezeit, neben der Pariser Firma Revillon Frères, das größte Unternehmen der Pelzbranche auf dem europäischen Kontinent, gegründet von Heimann Wolff (1830–1913) im Jahr 1850. Über Victor Wolff (1858–1928), den Sohn des Firmengründers, hieß es: „Kommerzienrat Victor Wolff ist der Bahnbrecher der Berliner Pelzkonfektionsbranche und diejenige Persönlichkeit, die den Begriff des organisierten, modern geleiteten Grossbetriebes erst in die Berliner Pelzkonfektion eingeführt und ihn verwirklicht hat“. Seine Werkstatt galt als „die hohe Schule aller Kürschner“.Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900–1940, Versuch einer Geschichte. Berlin 1941 Band 2. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 23a (Kollektion G. & C. Franke).

Als die Firma H. Wolff im Jahr 1850 von Heimann Wolff in Greifenhagen (Gryfino) in Pommern ins Leben gerufen wurde, geschah dies in der Verbindung mit einer Lederlackierfabrik und einer Fabrikation von Mützenschirmen. Die meisten der Kunden Heimann Wolffs waren Kürschner, die er im Rahmen seiner Geschäftsverbindungen in Pommern, West- und Ostpreußen besuchte. Es lag nahe, dass die Kürschner auch Felle bei ihm kaufen wollten. So begann er damit, zunächst in bescheidenem Umfang, später in größerer Menge, Kaninchenfelle zu handeln. Bald verlegte er seinen allmählich größer werdenden Betrieb nach Berlin-Mitte in die Chausseestraße 67, allerdings weit draußen, vor dem Oranienburger Tor. Als Mitinhaber der Firma Bambus & Co. begründete er 1856 in Berlin zusätzlich eine Hutfabrik. Als erste Firma nahmen sie neben der Produktion von Herrenhüten auch die Fabrikation von Pelzmützen auf, außerdem wurden Muffe und Kragen aus Hasenfell hergestellt.

Die Firma H. Wolff jr. GmbH wurde 1932 liquidiert. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten mit Beginn der Judenverfolgung verließ Herbert Wolff im Jahr 1933 Deutschland und ging mit seiner Familie nach Palästina. Sein Unternehmen war von H. Diamand und Robert J. Schäfer († 1922) übernommen worden. Deren Firma bestand noch 1941.

A. B. Citroen mini|hochkant|A. B. Citroen, Firmenlogo

Der Niederländer Abraham Citroen, als „Stammvater der Berliner Pelzindustrie“ bezeichnet, hatte es verstanden, sich den Bedürfnissen der Stoffmantelindustrie anzupassen, die einen billigen Pelzbesatz verlangte. Die meisten weiteren Firmen entstanden aus den Reihen seiner Mitarbeiter. Er befasste sich viel mit den Problemen des Pelzfärbens und begründete die erste größere Berliner Pelzfärberei.

Abraham Barend Citroen (* 25. Februar 1848 in Amsterdam; † 9. Juni 1928 in Berlin) war der Sohn des Juweliers Barend Roelof Citroen und dessen Ehefrau Netje Josepha geb. Rooseboom. Er heiratete am 25. Januar 1884 in Magdeburg Martha Goldstein (* 21. November 1858 in Zerbst), Tochter des Kaufmanns Simon Goldstein und dessen Ehefrau Julia Goldstein geb. Wolff. Nachdem die französische Hauptstadt Paris, wo er als Geselle gearbeitet hatte, im Deutsch-Französischen Krieg (1870 bis 1871) von der Einschließung bedroht war, ging er zuerst nach Brüssel, wo er als tüchtiger Arbeiter auch gute Aufnahme fand.