mini|hochkant|Brian Crozier bei einem Termin mit US-Präsident Reagan im Oval Office im Mai 1985 Brian Rossiter Crozier (* 4. August 1918 in Kuridala, Cloncurry Shire, Queensland; † 4. August 2012) war ein Journalist, der in der Nachkriegszeit über antikoloniale Rebellion, Krieg und Terrorismus berichtete.
Leben Kindheit und Jugend Crozier wurde 1918 in einem kleinen Dorf in Australien geboren, wo sein Vater als Bergbauingenieur arbeitete. Die Familie emigrierte 1923 nach England, ging wegen Brians schwacher Gesundheit aber gleich weiter nach Frankreich und kam 1930 zurück nach England. Er besuchte das College in Peterborough und erhielt ein Stipendium, um Piano und Komposition am Trinity College of Music in London zu studieren. Während seiner Studienzeit dort begann er, Artikel über Musik und Kunst zu schreiben.
Vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs sympathisierte Crozier mit dem Kommunismus. Er lernte zahlreiche Kommunisten kennen und war von ihrer Prinzipientreue beeindruckt.
1936–1964: Journalist Nachdem er für englische Lokalzeitungen geschrieben hatte, wurde Crozier 1943 Teil der Londoner Niederlassung von Reuters. Ein Jahr darauf wechselte er als Redakteur zum News Chronicle. Von 1948 bis 1951 lebte er in Australien und war Redakteur für den Sydney Morning Herald. Anschließend war er in Südostasien als Auslandskorrespondent für Reuters bzw. die Australian Associated Press tätig. Aus Indonesien, Singapur und Vietnam berichtete Crozier über den Indochinakrieg und die Malayan Emergency.
Nach Ende des Indochinakriegs kehrte Crozier in das Vereinigte Königreich zurück. 1954 wurde er Redakteur für Auslandsberichte und leitender Autor beim Economist. In dieser Funktion edierte er den „Foreign Report“, eine Zusammenstellung unbestätigter Meldungen aus aller Welt. In diesem Verlagshaus arbeitete Crozier bis 1964; parallel war er zweimal wöchentlich als französisch- und spanischsprachiger Kommentator für den BBC Overseas Service tätig.
Bereits 1952/53 hatte Crozier in Südostasien erste Kontakte in britischen und französischen Geheimdienstkreisen geknüpft. Nach seiner Rückkehr nach London konnte er diese Kontakte ausweiten. In seinen Memoiren hält Crozier fest, er habe diese Kontakte zu diesem Zeitpunkt rein als nützliche Quellen für journalistische Scoops und Hintergrundgespräche angesehen. Besonders für den „Foreign Report“ griff Crozier auf Geheimdienstquellen zurück, durchschnittlich 20 bis 30 Prozent der Meldungen basierten etwa auf Informationen aus dem IRD des britischen Außenministeriums.
In dieser Zeit schrieb Crozier erste Artikel und Bücher über Terrorismus und Aufstandsbekämpfung. Diese hatten starken Einfluss auf die Terrorismusforschung. Im Artikel 'The Anatomy of Terrorism’ (1959) für The Nation beschrieb er Terrorismus als ersten Schritt des Widerstands – der zweite Schritt sei der Guerillakrieg, der dritte ein konventioneller Krieg. Der Artikel diskutiert antikoloniale Aufstände in Algerien, Vietnam, Malaya, Zypern, Iran, Palästina und am Suezkanal. Sein Buch The Rebels (1960) und viele seiner damaliger Werke behandeln ähnliche Themen.
1964–1974: Direktor des Forum World Features Der US-amerikanische Botschafter im Vereinigten Königreich 1957–1961, John Hay Whitney, lud Crozier wiederholt zu Mahlzeiten im kleinen Kreise ein – Crozier erinnert sich in seiner Autobiografie, einer der „wenigen privilegierten Journalisten“ mit Einladung gewesen zu sein. Whitney übernahm nach Ende seiner Amtszeit als Botschafter 1961 die Zeitung New York Herald Tribune und besaß über eine Firmenkonstruktion das britische Forum World Features (FWF). Nach seinem Abschied beim Economist wurde Brian Crozier 1965 Direktor dieser Organisation, die aus den Presseservices des Kongress für kulturelle Freiheit (CCF) hervorgegangen war.
Die Organisation fungierte als kommerzielle Nachrichtenagentur, die Artikel von verschiedenen Journalisten kaufte und an englischsprachige Zeitungen in der ganzen Welt weiterverkaufte. Einige wenige dieser Artikel sollen darauf ausgerichtet gewesen sein, die US-amerikanische Intervention im Vietnam positiv darzustellen.Ian Mather, 'Secret Service story led to deport’, The Observer, 21 November 1976, p.1. https://www.newspapers.com/clip/60828181/secret-service-story-led-to-deport/ Zudem begann man, das Journal Conflict Studies herauszugeben. 1970 wurde dies an die Tochterunternehmung Institute for the Study of Conflict (ISC) ausgelagert.
1964 nahm Crozier zudem ein Angebot des Information Research Department (IRD) des britischen Außenministeriums an und hatte eine Teilzeit-Beratungstätigkeit in dieser Abteilung inne. Im Dezember 1968 behauptete die russische Zeitung Iswestija, Crozier sei Mitglied eines britischen Geheimdienstes.Izvestia, 20 December 1968, and the British Times, 21 December 1968.; zit. n. Inside Boss, S. 170Gordon Winter, Inside BOSS (New York: Penguin Books, 1981), p. 170.
Am 30. Juni 1974 zog sich Crozier als Präsident des FWF zurück, sein Nachfolger wurde Iain Hamilton.
1975 tauchten in westlichen Medien erste Gerüchte auf, dass die CIA Journalisten zur Spionage und für Propaganda benutzt habe. Im April 1975 stießen britische Journalisten des TV-Programms „World in Action“ auf ein Memo aus dem Mai 1968, das eine „operative Zusammenfassung“ der Tätigkeiten des FWF für den damaligen CIA-Direktor Richard Helms lieferte. Im Memo wurde behauptet, das FWF würde von der CIA „mit dem Wissen und der Kooperation der britischen Geheimdienste“ betrieben. Der Chefredakteur von „World in Action“ befand, dass das Memo zu sensibel für eine Behandlung im Fernsehen war und gab die Rechercheergebnisse an das Londoner Wochenmagazin Time Out weiter. Von dort kam die Information in die Redaktionen des Guardian, der Irish Times und der Washington Post. Als das Church Committee wenig später den Einfluss der CIA auf Journalisten und Medien untersuchte, war das FWF bereits seit Juli 1975 geschlossen. Crozier beschuldigte die Journalisten von Time Out, Teil einer Verschwörung zu sein und gestohlene Unterlagen aus dem ISC zu verwenden.
Im Dezember 1976 berichtete der Guardian in einem Artikel über Details der Verbindungen der CIA zum FWF. Daraufhin wurde am 31. Dezember 1976 im Guardian ein Statement von Brian Crozier veröffentlicht, das Teile seines Briefverkehrs enthielt. Crozier betonte, 1965 mehrmals gegen die Aufforderungen des CCF, bestimmte Artikel zu verwenden, protestiert zu haben. Nachdem er gedroht habe, zurückzutreten, sei ab 1966 kein Druck mehr auf ihn ausgeübt worden. Die Guardian-Autoren kommentierten, „es gibt keine Zweifel, dass Mr. Crozier unzufrieden mit der Rolle der CIA war“. Crozier stand in seiner Tätigkeit im Kontakt mit John Hunt und Michael Josselson vom CCF sowie mit den Financiers John Hay Whitney und Richard Scaife. In seinem Buch Free Agent (1993) schreibt Crozier, er habe in seinem Statement 1976 „nicht die ganze Wahrheit über die noch geheime Rolle der CIA“ geäußert.
Der südafrikanische Spitzel Gordon Winter, der zeitweise Autor für das FWF war, gibt an, gezielt Desinformationsartikel platziert zu haben, mit denen die CIA Einstellungen und Reaktionen von verschiedenen Regierungen abtesten wollte. Der Sachbuchautor und Geheimdienstexperte Brian Freemantle sieht in Forum World Features eine Covert-Aktivität der CIA. Laut dem Guardian standen zwei ehemalige CIA-Agenten hinter der Enttarnung des FWF.
1974–1989: Think-Tank und geheimdienstliche Projekte 1976 wurde Crozier Teil des geheimen Beraterkomitees „Shield“ für die Oppositionsführerin Margaret Thatcher. Das Komitee sollte Thatcher und ihr Schattenkabinett in sicherheitspolitischen Fragen briefen, es produzierte mehrere Strategiepapiere in Hinblick auf eine angestrebte künftige Tory-Regierung. Seine Hoffnungen, nach der gewonnenen Wahl 1979 ein enger Berater Thatchers zu werden, zerschlugen sich jedoch.Staff writer (Aug. 8, 2012). „Brian Crozier“ (obituary). The Telegraph. Archived from the original.
Crozier leitete bis 1979 das als Tochterunternehmung des FWF gegründeten Institute for the Study of Conflict (ISC). Dieses sollte ihm zufolge die „Irrtümer der 'Entspannung'“ aufdecken und „den Westen vor den Gefahren einer Politik der Illusion“ warnen.Brian Crozier, Free Agent (Harper Collins, 1993) page number needed Er sah sich selber als Kämpfer gegen den Kommunismus.
Laut einem Porträt im National Review war das ISC der erste private Think-Tank, der sich dem Studium des Terrorismus und der Subversion verschrieb. Unter Croziers Führung spezialisierte sich das Institut auf die Analyse der sowjetischen Strategien in Friedenszeiten. Die Analysen des ISC, inklusive des zehn Jahre lang herausgegebenen Annual of Power and Conflict, wurden in Militärcolleges im „Westen“ verwendet.
1979 wurde Crozier aus dem Institut hinausgedrängt; der Economist beschrieb die Ereignisse später als „Palastcoup“.'Anti-communism; The life of Brian', The Economist, 31 July 1993 1976 war Louis Le Bailly nach seinem Ausscheiden als Generaldirektor für Intelligence aus dem Verteidigungsministerium Vizevorsitzender des Instituts geworden. Er soll sich beschwert haben, Croziers „persönlicher Kreuzzug gegen die bösen Mächte aus Russland“ würde die Reputation des Instituts negativ beeinflussen.Robin Lustig, 'Books: How I Won the Cold War for the West’, The Observer, 25 July 1993 Crozier sah seine Entfernung aus dem Institut als einen Versuch der britischen Regierung, dessen Kritik an der britischen Außenpolitik einzustellen und das Institut regierungsfreundlich aufzustellen.Brian Crozier, Free Agent, (Harper Collins, 1993) pp. 176–177
1999 nannte Crozier einen anderen Grund für seinen Abschied: Sein Involvement in das Unternehmen „The 61“ habe den Entscheidern im Institut nicht gefallen.Brian Crozier, 'Does Jack Straw still support communism to the extent of being blind to its sickening acculmulation of crimes against humanity?', The Times, 13 September 1999 1977 war Crozier in die Gründung dieses nachrichtendienstlichen Unternehmens im Privatsektor involviert gewesen. Es sollte nachrichtendienstliche Erkenntnisse in Bereichen liefern, in denen Regierungen nicht tätig werden durften, und Antisubversionsmaßnahmen in verschiedenen Ländern durchführen.Joseph C. Goulden, 'Crozier, covert acts, CIA and Cold War', The Washington Times, 15 May 1994 Die Existenz dieses Unternehmens ist primär aus Croziers Memoiren Free Agent bekannt, Details bleiben vage. Der Guardian berichtete, dass „The 61“ von der CIA gegründet worden seien, daraufhin schrieb Crozier einen Brief an die Zeitung und gab an: „Der Großteil der finanziellen Mittel kam von reichen Personen und wenigen privaten Firmen. Der Anteil der CIA am Budget betrug in den 10 Jahren der Existenz nie mehr als 5 Prozent.“Brian Crozier, 'Letters: Churchill, the CIA and Clinton', The Guardian, 3 August 1998
1982 wurde durch den Spiegel publik gemacht, dass Crozier eine führende Rolle im konservativen außenpolitischen Forum Le Cercle innehatte. Der bayrische Nachrichtendienstmitarbeiter Hans Langemann hatte an Innenminister Tandler berichtet, der „militant-konservative“ Crozier habe im Vorjahr dem Kreis ein Papier vorgelegt, in dem er einen Regierungswechsel in Deutschland als Ziel angab. Langemann behauptete weiters, Crozier nutze seine Verbindungen zu Robert Moss, Fred Luchsinger und Gerhard Löwenthal für das Einstreuen medialer Propaganda. Außerdem war er Informant des deutschen Stauffenberg-Dienstes.
1988 wurde Crozier im Guinness Book of World Records als jener Autor genannt, der die meisten Staatsoberhäupter interviewt hat – 58 Oberhäupter von 36 Ländern zwischen 1948 und 1985.
Ruhestand Als Crozier 1993 seine Memoiren Free Agent ankündigte, drohte ihm das Cabinet Office mit einer Klage, da das MI6 das Bekanntwerden von geheimen Informationen befürchtete. Crozier erwiderte, es gäbe einen Unterschied zwischen der „Sicherheit eines Geheimdienstes und der Staatssicherheit“.