mini|Konfektionierter nerzgefütterter Wollmantel (2021)

Als Pelzkonfektion werden zum Verkauf fertig gearbeitete Pelzbekleidungsstücke bezeichnet, im engeren Sinn die von Pelzkonfektionären oder anderen Großhandels-Vertriebsformen für den Einzelhandel angebotene Pelzbekleidung.

Das Pelzlexikon von 1950 definierte „Konfektionieren“ aus der Sicht des handwerklichen Kürschners: „Das Wort bedeutet soviel wie anfertigen und doch unterscheiden wir in der Pelzwirtschaft zwischen Kürschnerware und Konfektion. Letztere ist mehr Schablonenarbeit für Pelzhandelsgeschäfte, Warenhäuser etc., die von Konfektionsgrossisten oder Pelzgrossisten beliefert werden. Der Kürschner hingegen wird für seine Detailkundschaft individueller schaffen und den Zug ins allgemeine, massenhafte, vermeiden. Darin besteht der wesentliche Unterschied zwischen Kürschnerware und Konfektionieren“.

Die Branche der Pelzkonfektion, eine Sparte der Rauchwarenwirtschaft, beschäftigt sich mit der Herstellung fertiger Pelzbekleidung aus einzelnen Fellen und Halbfertigprodukten und deren Vertrieb als Großhandel. Der Unterschied einer industriellen Pelzfertigung besteht weniger in den dazu notwendigen Tätigkeiten, die weitgehend die gleichen wie beim klassischen Kürschnerhandwerk sind. Der Unterschied liegt mehr in der industriellen Aufteilung der einzelnen Arbeitsschritte, den höheren Produktionszahlen, insgesamt und vom gleichen Modell, sowie eventuell in einem weniger großen Anspruch an handwerkliche Feinheiten der Verarbeitung. Eine Spezialisierung innerhalb der Konfektionsfirmen fand im Wesentlichen zwischen den Herstellern von Pelzmänteln, Pelzjacken und ähnlichen größeren Pelzbekleidungsstücken und denen von Pelzkopfbedeckungen statt, wobei letztere auch andere Pelzkleinteile herstellten und vertrieben. Stoffmäntel mit Pelzbesatz gehörten ebenfalls zum Angebot mancher Pelzkonfektionsfirmen. Kaufhaus- und Textilketten ließen sie, soweit angeboten, jedoch großteils im Eigenauftrag bei Zwischenmeistern herstellen.

Geschichte Die gewaltige Entwicklung der Pelzmode seit Ende des 19. Jahrhunderts geschah wesentlich durch die Großbetriebe der Pelzbranche. Begünstigt wurde dies durch die Erfindung und Einführung der Pelznähmaschine, die eine sehr viel schnellere und damit kostengünstige Herstellung der Pelzbekleidung ermöglichte.Alexander Tuma: Die Geschichte der Kürschnerei. Verlag Alexander Tuma, Wien 1967, S. 239.

Das erste, zumindest größere europäische Pelzkonfektionsunternehmen war Revillon Frères in Paris.

Ursprünglich befanden sich die Produktion und der Absatz der Pelzwaren in einer Hand, beim Kürschner. Er kaufte die Rohfelle, richtete sie zu und stellte daraus die Handelsware her, um sie dann direkt an den Endverbraucher zu verkaufen. Einzelne Kürschner begannen damit, die von ihnen gegerbten Felle im Wiederverkauf auch an Kollegen abzugeben. Eine erste Spezialisierung erfolgte durch die Trennung der die Felle zubereitenden und veredelnden Betriebe, den Pelzzurichtern und/oder Pelzveredlern, von den die Pelzsachen herstellenden Kürschnern. Der Großhandel mit Pelzkonfektion geschah zuerst ausschließlich durch Kürschner, die weiterhin ein Detailgeschäft unterhielten. Später kamen Fellhändler hinzu, die in eigener Werkstatt oder mit Zwischenmeistern hergestellte Pelzhalbfabrikate oder fertige Pelzwaren vertrieben. Anfangs waren es hauptsächlich Galanterieartikel die konfektioniert wurden, wie Muffe, Pelzbaretts, Pelzkrawatten, Pelzkolliers, Pelzboas, Pelzkragen, Pelzschärpen und verschiedene Formen kleiner Capes und Schals aus Fell. In wesentlichem Umfang folgte die sogenannte Großkonfektion, die Herstellung von Bolerojäckchen, Pelzjacken und -mänteln, erst später. Das erste Material, das für Damenjacken und -mäntel mit dem Fell nach außen verarbeitet wurde, war das Sealfell, das vom Oberhaar befreite Fell der Pelz- oder Ohrenrobbe.

Nach dem Einstieg einzelner Kürschner in den Pelzwarengroßhandel und der Gründung von Pelzgroßhandlungen belieferten diese Unternehmen nicht nur Pelzgeschäfte, sondern bald, in zumeist größerem Ausmaß, den Bekleidungseinzelhandel, einschließlich der Kauf- und Versandhäuser. Sie trugen dadurch entscheidend zur allgemeinen Verbreitung des Pelzes auch in der weniger wohlhabenden Bevölkerung bei.Peter Melchers: Die Großhandelsbetriebe in der Rauchwarenwirtschaft. Wirtschaftswissenschaftliche Schriften 1, Westkulturverlag Anton Hain, Meisenheim, Wien 1953, S. 46–47.

Große Kürschnereien verlegten den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit in die kaufmännische Leitung ihres Geschäfts, das jetzt anstelle nur Einzelanfertigung eigene und fremdkonfektionierte Ware vorrätig hielt. Der Berliner Kürschnermeister Paul Larisch, mit langer Berufserfahrung als Werkstattleiter bei Revillon in Paris, stellte 1928 fest: „Dem kleinen, wirtschaftlich schwachen Kürschner wird es immer schwerer einen eigenen Laden zu behaupten Ihm fallen hauptsächlich undankbare Reparaturen und Flickarbeiten zu. Ein anderer Teil wird, freiwillig oder gezwungen, Lohngewerbetreibender. […] Die jetzt schon ersichtliche gefährliche Auswirkung der Industrialisierung zeigt sich besonders in dem Faktum, dass der eigentliche gelernte Kürschner im Produktionsprozess, neben der kaufmännischen und künstlerischen Leitung, mehr und mehr nur auf die Ausführung der technischen Arbeit zurückgedrängt, oder im Falle er ein eigenes Geschäft besitzt, oft nur zum Verkäufer fertiger Gegenstände wird. Je mehr diese Entwicklung aber zunimmt, desto gefährlicher wird für den Kürschner die Konkurrenz der Kaufhäuser und Modesalons. […] Repräsentiert das Kaufhaus die kapitalistische Betriebsweise per exellence, und besitzt es durch die Möglichkeit einer großen Auswahl und die Annehmlichkeiten des Besuches, eine große Anziehungskraft besonders auf weibliche Konsumenten, so ist der Modesalon, als hochwertiger Produktionsapparat dadurch gegen den Kürschner im Vorteil, dass er sich viel intensiver mit modischen Erzeugnissen (auch der Stoffkonfektion) befasst.“

Die etwas düstere Prognose von Larisch bewahrheitete sich eher nicht. Der Werbeaufwand der Großunternehmen verstärkte den Pelzabsatz auch der kleinen Kürschnereien. Hinzu kam, dass die wenigsten Textiliten einen Pelzservice anboten, dies übernahmen größtenteils die Kürschnerbetriebe.

Seit dem extremen Rückgang des Pelzumsatzes in der westlichen Welt, beginnend etwa vor 2000, befindet sich das Pelzgeschäft in Europa zunehmend wieder bei den verbliebenen Kürschnerbetrieben, einschließlich des damit verbundenen Service, wie Pelzumgestaltung und Änderung, Pelzkonservierung, Pelzreinigung usw.

Deutschland mini|„Die Pelzkonfektion“, Titel einer Fachzeitschrift (1925)

Bis in das erste Drittel des 19. Jahrhunderts hielt der Kürschner noch wenig fertige Ware vorrätig, wie Muffen, Pelzkragen, Pelzmützen und andere kleine Pelzteile. Er arbeitete auf Bestellung, machte Reparaturen, unterhielt eine Pelzsommeraufbewahrung. Erst um die 1830er Jahre wurde es üblich, auch Herren- und Damenpelze und „überhaupt feine Pelze“ fertig zu führen und die Ladenflächen dafür zu vergrößern und auszustatten. Einige der ersten Berliner Firmen waren Herpich, Michelet, Zeitz und Braß.

Die sogenannten Engrosbetriebe traten verhältnismäßig spät auf. In den 1850er Jahren bestanden bereits einige Firmen, die der hauptsächlichen Pelzmode entsprechend Bisammuffe und Ähnliches im Großhandelsverkauf anboten, aber nur in geringem Umfang und in den nachgefragtesten Fellarten. Erst mit dem Aufschwung der Stoffmantelkonfektion bildete sich auch eine Pelz-Großhandelskonfektion. Während der internationale Fellhandel, die Fellzurichtung und -veredlung wesentlich über Leipzig erfolgte, kam die deutsche Pelzkonfektion zumeist aus Berlin.J. Adler: Schwerpunktverschiebung im Rauchwarenhandel - Leipzig und New York. In: Wiener Kürschner-Zeitung, A. Tuma, Wien, 25. Juli 1926, S. 5. Begründet wurde sie in Berlin durch die Firmen H. Wolff, A. & S. Segall, es folgten Gebr. Hermann und andere. Neben dem innerdeutschen Geschäft wurde nach England, Skandinavien, Südamerika und andere Länder exportiert. Außer Muffen, Pelerinen und Pelzstolas wurden bald in großer Zahl auch Pelzmäntel fabriziert. Auch Fellboas aus Feh- und Fuchsschweifen wurden von Schweifdrehern in großem Umfang hergestellt und in Berlin vertrieben. Anfang der 1890er Jahre, trat „namentlich mit der Einführung der Stola, ein großer Umschwung ein. Die Mode begünstigte Pelzwaren und der Bedarf wurde ein ungeheurer“.

Anfang der 1920er Jahre waren in Berlin 80 größere und kleine Engrosfabrikanten tätig, die zusammen jährlich durchschnittlich über 40 Millionen Mark umsetzten und mehrere Tausend Mitarbeiter beschäftigten. Daneben hatten sich sehr viele Mantelkonfektionsfirmen in den großen deutschen Warenhäusern eigene Kürschnerwerkstätten eingerichtet. Die Zahl der Kürschner-Detailgeschäfte in Deutschland betrug etwa 6000, von denen ein Großteil jetzt seinen hauptsächlichen Bedarf fertig bezog und sich nur noch mit Reparaturen, Änderungen, Pelzkonservierung und anderen Dienstleistungen beschäftigte. Als Nebenartikel führten viele Mützen, Hüte, Schirme und andere Waren.

Die Berliner Großhandels- und Detailgeschäfte beschäftigten um 1925 zusammen etwa 2000 männliche und 3000 weibliche Arbeitskräfte, das kaufmännische Personal nicht mitgezählt. Außerhalb Berlins bestand noch eine große Pelzwarenfabrik in Hamburg, eine große und mehrere kleine in Breslau und etwa sechs Firmen in Nordrhein-Westfalen, die mit der Herstellung von Pelzkonfektion beschäftigt waren. Um diese Zeit hatte mit dem Erstarken der Produktion in England der Export nach dort stark nachgelassen. Dagegen nahm die Ausfuhr nach Frankreich, Skandinavien, Belgien, die Niederlande, Südamerika und anderen Ländern stark zu. Einzelne Unternehmen hatten Filialen in Paris, London, Amsterdam. Brüssel usw. Alle Exporteure unterhielten zudem Reisende im In- und Ausland.

Der Verband der Konfektionskürschner zu Leipzig war bis zur Neuorganisation des deutschen Handwerks unter den Nationalsozialisten im Jahr 1933 mit sämtlichen Mitgliedern dem Reichsbund der Deutschen Kürschner angeschlossen.Von Rauchwaren, Borsten, Häuten und Leder. In: Stadtrat Dr. Leiske (Hrsg.): Leipzig und Mitteldeutschland - Denkschrift für Rat und Stadtverordnete zu Leipzig. Leipzig, September 1928, S. 304. Im Rahmen der Eindeutschung fremdländischer Begriffe teilte die Industrie- und Handelskammer Berlin mit, dass die Bezeichnung Konfektion nur noch bis zum 31. Oktober 1936 benutzt werden dürfe. Stattdessen sollte künftig nur noch die Bezeichnung „Kleidung“, „Bekleidung“ beziehungsweise „Bekleidungsindustrie“ verwendet werden.Ute Westphal: Berliner Konfektion und Mode - 1936-1939 - Die Zerstörung einer Tradition. Edition Hentrich Berlin, 1. Auflage, S. 120, ISBN 3-926175-04-4.

Die aufwändig gestaltete Zeitschrift „Die Pelzkonfektion“ wurde vom Berliner Verlag Carl Schmalfeldt herausgegeben. Die erste Ausgabe von 1925 umfasste 114 Seiten und enthielt unter anderem extra eingeklebte Pelzmodegrafiken.

Bundesrepublik mini|„Kaninmäntel“, Anzeige des Berliner Pelzkonfektionärs Rudolf Mittelstädt in einer Pelzfachzeitschrift (1949)