mini|Traditionelle Poi aus modernen Materialien mini|Schweif-Poi gibt es in verschiedenen Ausführungen
Ein Poi (Māori: „Ball“, Plural: Poi) ist ein Spinningelement,Michal Kahn, Lucy J. Batchelor: Poi Spinning: A Jam-packed Guide. Jonglerie Diffusion, 2002, ISBN 1-898591-19-9. das innerhalb der Artistik zur Darbietung von Bewegungskunst Verwendung findet. Es besteht aus einem Ball, der an einer Schnur gehalten und im Kreis geschwungen wird. Poi spinning ist kinästhetisch mit Stabdrehen oder Penspinning verwandt, da hier die Manipulation eines sich drehenden Objektes um sein kinetisches Zentrum überkreuz, vor und neben beiden Körperhälften im Mittelpunkt steht und nicht das Werfen und Fangen von Objekten. Das traditionelle Poi-Spiel ist ca. tausend Jahre alt und gilt bei den Nachfahren der neuseeländischen Ureinwohner noch heute als Kulturtradition.
Beim „Poi-Spiel“ wird üblicherweise in jeder Hand ein Poi durch Ausnutzung der Zentrifugalkraft in abwechslungsreichen, kreisähnlichen Bahnen um den Körper geschwungen. Für viele Spieler ist es erklärtes Ziel, die Flugbahnen beider Poi möglichst kunstvoll und abwechslungsreich zu kombinieren, bis hin zum Spiel mit zwei Poi in einer Hand, mit beiden Füßen oder auch mit dem Mund. Das Spinning mit Feuerpoi ist für die Mehrzahl der Poispieler nach einer Übungsphase ohne Feuer obligatorisch. Einige Künstler treten regelmäßig vor Publikum auf, sehr vereinzelt auch als Haupterwerbsquelle mit selbst entwickelten Choreografien und in Verbindung mit Tanz oder Akrobatik.
Geschichte mini|links|Traditionelle Verwendung von Poi bei den Māori
„Poi“ als Kunstform haben ihren Ursprung bei den Māori in Neuseeland. Der Ursprung von Poi ist an sich relativ wenig erforscht, da überwiegend mündliche Überlieferungen bekannt sind. Die Ur-Poi waren eine Erfindung der Māori-Frauen und bestanden aus zwei gleich langen Ästen, die an ihren Enden mit Flachs verbunden waren. Die anderen Enden legte man ins Feuer und brachte diese zum Brennen, um in der Dunkelheit einen Effekt zu erzielen. Der Poi-Tanz wurde ursprünglich von den Māori-Frauen dazu benutzt, die Beweglichkeit ihrer Hände zu erhalten, und von den Männern, um die bei einem Kampf erforderliche Stärke und Koordination zu fördern. Poi wurden aber auch als Trainingsmittel für andere alte Waffen eingesetzt, wie Mere oder Patu (Kurz-Club).homeofpoi.com Poi entwickelte sich ständig weiter und bekam im Laufe der Zeit Verzierungen aus Tierhaar oder Federn, die man an Bällen befestigte, woher auch der Name (Poi „Ball“) stammt. Der traditionelle Māori-Stil hat nur noch verhältnismäßig wenig mit den zeitgemäßen Stilformen zu tun.
Ein wesentlicher Unterschied zu dem Poi, wie wir es kennen, liegt auch in der Darbietung von Geschichten, die von den Frauen zumeist im Chor zum Poi gesungen werden. Die Themen der Gesänge variieren zwischen glorifizierenden Beschreibungen der Dorfgeschichte und von einschneidenden Erlebnissen der Dorfgemeinschaft, über Berichte von Trauerfällen und Katastrophen bis hin zu humorvollen Darbietungen, bei denen der eine oder die andere Person aus dem Dorf liebevoll auf den Arm genommen werden. Natürlich bleibt anzumerken, dass die traditionellen Poiübungen der Frauen nicht selten als Anlass zur Brautschau genommen wurden, in denen die Frauen ihre motorischen Fähigkeiten unter Beweis stellten.
Die Bedeutung der Māori-Kultur nimmt in Neuseeland gegenwärtig wieder einen höheren Stellenwert ein und neben der Māorisprache als Unterrichtsfach haben mittlerweile viele Schulen Poi als AG in den Stundenplan aufgenommen um die alten Traditionen lebendig zu halten. Im Unterschied zu den in Europa, Asien und USA bekannten Lang-Poi spielen die Māori bis heute traditionell viel mit Kurz-Poi, bei denen natürlich dann auch andere Figuren gespielt werden. Hier werden viele Stopp-Moves mit Körperkontakt an Armen, Beinen und auf dem Rücken gespielt. Aber auch die moderne Variante des Poi mit langer Schnur, Feuer und den vielen Varianten in same-time, split-time, in-spin und anti-spin sowie hybrid haben große Verbreitung gefunden und werden gleichermaßen von Māoris und Pakehas (Weiße, bzw. Nicht-Polynesier) ausgeführt. Auf diese Weise hat das Poispielen den Weg aus dem Traditionellen in die heutige Zeit und unsere moderne Auffassung von Poi genommen.
Im Shaolin Kung-Fu gibt es die zum Poi sehr ähnliche Neunteilige Peitsche, die seit der Jin-Dynastie (ca. 300 AD) verwendet wird und in Form der double chain whipYoutube-Video zur Neunteiligen Peitsche (englisch): Kung Fu Weapons - Nine Section Whip, abgerufen am 26. September 2014. das moderne Poispiel und dessen Verbreitung stark beeinflusst hat, zunächst in Asien, aber spätestens seit dem Boom der asiatischen Kampfsportarten in den 1970er Jahren auch in Amerika und Europa. Zum weit verbreiteten Missverständnis einer Verwandtschaft von Poi mit dem japanischen Nunchaku kann festgestellt werden, dass das Nunchaku eine der traditionellen Bauernwaffen im Kobudō war und auf Okinawa (Japan) aus einem Dreschflegel, also einem bäuerlichen Alltagsgegenstand, der einem bewaffneten Satsuma-Samurai gefährlich werden konnte entwickelt wurde. Nach einer alten chinesischen Legende soll während der nördlichen Song-Dynastie, gegründet um 960 n. Chr. (und somit tatsächlich zeitgleich mit der Erfindung von Poi auf Neuseeland), der Kaiser Chao K'ung Yin / Zhao Kuangyin (Taizu) den Vorläufer des Nunchaku erfunden haben. Beide Kulturen haben sich jedoch unabhängig voneinander entwickelt und eine historische Parallele kann für Poi nicht nachgewiesen werden. Auch eine Verwandtschaft mit dem sog. Morgenstern, obwohl ebenfalls etwa im 11. Jahrhundert gleichwohl als Abkömmling des antiken Knüppels oder des Dreschflegels zur Verteidigung der Bauern in Europa entstanden, hat keinerlei historische Parallele.
Gegenwart
In allen Ländern der Welt hat Poi viele Anhänger gefunden. Das Freizeitspiel mit Poi wurde spätestens in den 1990er Jahren in Thailand (Rai Leh Beach in Krabi, Haad Rin auf Ko Pha-ngan) und in Australien (Byron Bay, NSW) populär. Heute finden sich Poi-Spieler auf der ganzen Welt, die sowohl mit den Übungs-Varianten als auch mit Feuerpoi spielen. Häufig treffen sich diese mit anderen Feuerkünstlern (Devilstick-Spieler, Feuerschlucker, Keulenschwinger, Stabdrehern und „klassischen“ Jongleuren) auf Festen, Jonglier-Conventions (wie z. B. die Europäische Jonglierconvention), bei Mittelalterfesten oder Festivals und schwingen ihre Poi zu elektronischer Tanzmusik auf Goa- oder Tekno-Partys. In größeren Städten Deutschlands, wie Berlin, Hamburg oder München, gibt es regelmäßige Treffen und Workshops und auch sogenannte Conventions.
Das Spiel mit Feuerpoi, welches auch bereits auf Neuseeland bekannt war, nimmt heute einen besonders großen Stellenwert in der Poi-Community ein. Auf überregionalen Festivals und Conventions richten erfahrene Feuerartisten auch Spielflächen für Feuerspieler ein und stehen den Veranstaltern dort als Ansprechpartner zur Integration der Feuerartistik in den Veranstaltungsablauf zur Verfügung (Kulturansatz).
Neben den schon etablierten Show-Bereichen, wie Zirkusse, Altertumsmärkte und Festivals, gibt es inzwischen vereinzelte Poi-Performer,loooop.org die bestimmte Tanzstile, wie z. B. Tango oder Bauchtanz, mit dem Poispielen kombinieren. Sie schaffen damit eine Symbiose aus Bewegung, Bühnenbild, Artistik und Rolle. So kristallisierten sich mit der Zeit zwei kreative Grundströmungen heraus: einerseits technisches Poi-Spinning (möglichst viele und kompliziertere Tricks) und andererseits das tänzerische Poi-Spinning (Integration der Figuren in Tanzdarstellungen). Dieser Stil wird auch zunehmend in Shows verwendet, die dem Cabaret ähneln. Die Vorführung verknüpft das Spinning mit Showeinlagen und stellt das Poi-Spiel selbst weniger in den Vordergrund als zur Jahrtausendwende. Poi werden hier als Stilelemente und Beigaben verwendet und sind nicht mehr alleiniges Hauptaugenmerk.
Daneben gibt es einen dritten methodischen Ansatz, Poi als Hilfsmittel in der Kinder- und Seniorenbetreuung oder im klinischen Bereich als Nachsorge-Instrument z. B. für Reha-Patienten einzusetzen („Poi als Methode“). Auch die sozialen Aspekte eines nicht wettbewerbsorientierten Gemeinschaftsspieles in Mutter-Kind-Einrichtungen, mit Jugendlichen in der Sozialarbeit oder im Justizvollzug mit gemeinsam erarbeiteten Auftritten werden vereinzelt aufgegriffen. Der ehemalige Fachverband in Europa, Poi & Feuerartistik e. V, mit Sitz in Berlin vertrat diese Ansätze und bemühte sich um eine breitere öffentliche Wahrnehmung des Poi-Spiel, auch im nicht-kunstbetonten Bereich.
Kategorisierung Es existiert keine eindeutige wissenschaftliche Kategorisierung dieser Gegenstände innerhalb der Artistik bzw. Straßenkunst. Da sich auch die Sportwissenschaft dem Thema noch nicht angenähert hat, fehlen wissenschaftlich Quellen zur Referenzierung dieser Klein- und Straßenkunst. Eine Ein- bzw. Unterordnung zur Jonglage findet in der Praxis allerdings auch nicht statt, da weithin als Jonglage immer noch die klassische Wurfjonglage verstanden wird. Als unstrittige Hauptkategorie gehört Poi sicher zu den sogenannten Bewegungskünsten. Hierzu zählt neben der Gleichgewichtskunst (Equilibristik oder Balance-Akrobatik) und der Sportakrobatik auch die Jonglage, das Spinning und im weiteren Sinne die Eurythmie. So bildet sich auch eine gefestigte Meinung unter Künstlern und Spielern heraus, dass Poi aufgrund der methodischen Gleichheit einer Überkreuzbewegung mit Wurfjonglage (rechte/linke Körperhälfte überkreuzen sich) sowie der sich spieltechnisch auflösenden Grenzen zwischen Wurfjonglage und Spinning, das Poi-Spiel zwar als eigenständige Disziplin innerhalb der Bewegungskünste zu betrachten, Poi aber nicht direkt als Jonglage zu bezeichnen. Beim Spinning kommt es zunächst weniger auf Werfen und Fangen an, sondern viel mehr auf das Einbeziehen des gesamten Körpers als bewegliches Drehzentrum, was beim Jonglieren erst einmal nicht der Fall ist. Mit zunehmendem Können, sowie mit Würfen und Partnerfiguren (ähnlich dem Passing bei der Jonglage) verschmelzen die Disziplinen dann wieder mehr und mehr, was eine eindeutige Unter- oder Einsortierung letztlich auch ad absurdum führt.
Eine Kategorisierung der Spielgeräte ergibt sich aus den Händlerangeboten im Internet und vereinzelter Literatur. So hat sich als Gattungsbegriff für die Übungs-Poi mit Drachenschwanz (Komet-Tail) der von der Firma „Active People“ verwendete Produktname Kiwido etabliert. Ein weiterer Name für Poi ist der vor allem im spanischen Sprachraum gebräuchliche Begriff Cariocas. Sehr vereinzelt wird vor allem für das Spiel mit Kindern oder älteren Menschen im deutschsprachigen Raum auch mit eingedeutschten Begriffen für die Figuren gearbeitet.
Allgemeine Kategorisierung Sockenpoi Reis-, Erbsen-, Mais-, Granulatsäckchen im Stoffschlauch Cometpoi Tennisbälle o. ä. mit langer Stofffahne (häufig fluoreszierend) Medusenpoi gewickelter Gummikern mit kurzem Tuch und/oder Glöckchen Maoripoi Flachs- oder Papierkugeln in leichter Stoffhülle, mit kurzer Schnur Seil-Poi Styropor-Schwimmkörper, die auf einer Schnur aufgezogen sind Flaggenpoi große, speziell genähte Tücher mit runden Ecken und Haltegriffen Contactpoi größere Hohlbälle aus Gummi mit Schnur und kleiner Haltekugel LED-Poi Halb transparente Kugeln oder Tubes mit LED-Elektronik und Batterie Feuerpoi Brennköpfe aus gewickeltem oder geflochtenem Aramit/Kevlar Feuerseile mehrfach geflochtene Kevlarstränge mit eher kurzen Ketten Funkenpoi Drahtkörbchen mit glühender Holzkohle oder Stahlwolle Pyropoi Nicht bestimmungsgemäßer Gebrauch von Kleinfeuerwerk als Poi*