Die Tschifflicker Burg östlich von Zweibrücken in Rheinland-Pfalz ist eine abgegangene salierzeitliche Turmhügelburg (Motte).

Beschreibung Die einzige bekannte historische Erwähnung findet sich in der Landesaufnahme der Ämter Zweibrücken und Kirkel durch Tilemann Stella aus dem Jahr 1564. Er führt bei den Wüstungen in den Ämtern Zweibrücken und Kirkel auf:Tilemann Stella: Gründliche und warhafftige beschreibung der baider ambter Zweibrücken und Kirckel, wie dieselbigen gelegen 1564. Bearbeiter: Eginhard Scharf. Historischer Verein Zweibrücken. Zweibrücken 1993, ISBN 978-3-924171-15-5. S. 237.

Im Unterschied zu anderen Wüstungen findet sich diese nur im Text erwähnt, aber nicht auf der Karte eingezeichnet. Auf Stellas Karte 11 im Maßstab sind zwar südlich von Niederauerbach am Nordende des Ehrtals (heute: Tschifflicker Dell) der Erwag und westlich davon der Wald Eicholtz lagerichtig eingezeichnet, jedoch an der Burgstelle selbst weder der namenlose alte Burgstall noch die namenlose Quelle.

Es finden sich allerdings auf Stellas Karte 11 im Maßstab und auf Stellas Übersichtskarte im Maßstab nicht allzu weit entfernt von der Burgstelle zwei andere benannte Objekte eingezeichnet, einmal 1 km westlich der Burgstelle der in der Art einer kleinen Kirche eingezeichnete Marienstein, der zu Stellas Zeit noch bestandTilemann Stella: Gründliche und warhafftige beschreibung der baider ambter Zweibrücken und Kirckel, wie dieselbigen gelegen 1564. Bearbeiter: Eginhard Scharf. Historischer Verein Zweibrücken. Zweibrücken 1993, ISBN 978-3-924171-15-5. S. 146–147. und zum anderen ca. 800 m südlich der Burgstelle in einem westlichen Seitentälchen des Ehrtals der starke Quell Erborn und das in der Art einer Turmburg eingezeichnete Ehrhaus, das Stella als Lusthaus mit einem schönen Forellenweiher beschreibtTilemann Stella: Gründliche und warhafftige beschreibung der baider ambter Zweibrücken und Kirckel, wie dieselbigen gelegen 1564. Bearbeiter: Eginhard Scharf. Historischer Verein Zweibrücken. Zweibrücken 1993, ISBN 978-3-924171-15-5. S. 124–125. und das genau die Stelle des im frühen 18. Jahrhundert erbauten Landhauses Tschifflik besetzt. Diese beiden Objekte können nicht mit dem namenlosen alten Burgstall identifiziert werden. Stella kannte die Gegend gut, da er 1563 hier Vermessungen vornahm, um das Wasser des Erborns mittels Deicheln in das damalige Zweibrücker Herzogsschloss nahe dem heutigen Schloss Zweibrücken zu leiten, was dann 1563/1564 auch so realisiert wurde. Das Schloss hatte vor Stellas Zeit einmal sein Wasser aus dem Felsborn, einem näher bei Zweibrücken gelegenen Quell, bezogen.Tilemann Stella: Gründliche und warhafftige beschreibung der baider ambter Zweibrücken und Kirckel, wie dieselbigen gelegen 1564. Bearbeiter: Eginhard Scharf. Historischer Verein Zweibrücken. Zweibrücken 1993, ISBN 978-3-924171-15-5. S. 144.

Die Burgstelle lag zudem an einer bereits 1564 bestehenden west-östlichen Wegeführung (heutige Annweiler Straße in Zweibrücken), die das Schwarzbachtal dem Verkehr erschloss; eine Schwarzbachquerung durch eine nord-südliche Wegeführung, wie sie heute hier besteht (heutige Fasaneriestraße in Zweibrücken) ist allerdings 1564 nicht eingezeichnet.

mini|Grundriss der Tschifflicker Burg Die Burgstelle wurde in den Mauerbering des Wildparks um das im frühen 18. Jahrhundert erbaute Landhaus Tschifflik einbezogen. Sie diente vermutlich als Steinbruch für die Mauer und für benachbarte Gebäude wie die am Nordende der Tschifflicker Dell gelegene Tschiffliker Mühle am Erwag, weswegen oberirdisch alles abgetragen ist. In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Burgstelle wiederentdeckt und beachtliche Reste der Grundmauern freigelegt.

Die Ruine einer Turmhügelburg des frühen 12. Jahrhunderts umfasst Grundmauern eines rechteckigen Turmhauses, zweier Zisternen, der Ringmauer, der Schildmauer der Vorburg und Halsgrabenreste.

Reste grünglasierter Ofenkacheln machen wahrscheinlich, dass die Burg noch bis ins 15. Jahrhundert bewohnt war.

Literatur Horst Wolfgang Böhme (HG): Burgen der Salierzeit, Teil 2, Sigmaringen 1991. Jürgen Keddigkeit, Stefan Ulrich: Niederauerbach. In: Jürgen Keddigkeit, Ulrich Burkart, Rolf Übel: Pfälzisches Burgenlexikon III (I–N). Kaiserslautern 2005, (formal falsch). S. 810–814. (Kommentar: Der dort mit „Niederauerbach“ angegebene Ort der Burg ist unrichtig, da die Burg nicht auf Niederauerbacher, sondern auf Zweibrücker Gemarkung liegt.)

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Belege

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