Seitenwechsel () ist der zweite Roman der afroamerikanischen Autorin Nella Larsen und wurde erstmals 1929 in New York veröffentlicht. Die erste deutsche Übersetzung erschien 2011 im Dörlemann Verlag in Zürich. Der Roman befasst sich mit dem Leben der Schwarzen Frauen Irene und Clare, die beide als weiß durchgehen können.

Das Magazin Der Spiegel zählt den Roman zu den besten 100 zwischen 1925 und 2025.

Inhalt Handlung Erster Teil – Die Begegnung

Irene Redfield erhält einen Brief von ihrer Kindheitsfreundin Clare Kendry und öffnet ihn widerwillig. Er enthält die sehnsüchtige Bitte, Irene wiederzusehen, nachdem die beiden sich vor zwei Jahren zufällig in Chicago getroffen hatten. Immer noch wütend und gedemütigt, erinnert sich Irene an dieses Treffen zurück.

Irene war für einige Tage nach Chicago gereist und wollte an einem besonders heißen Tag Geschenke für ihre Söhne kaufen. Um der Hitze zu entkommen, beschloss sie in das Restaurant auf dem Dach des Drayton Hotels zu gehen. Ihren Tee trinkend, bemerkte sie den Blick einer fremden attraktiven Frau auf sich und sorgte sich, als Schwarze erkannt worden zu sein. Die Unbekannte kam auf Irene zu und behauptete sie, Irene Westover, zu kennen. Erst nach einiger Überlegung erkannte Irene die Frau, bei der es sich um ihre alte Freundin Clare Kendry handelte, die sie seit zwölf Jahren nicht mehr gesehen hatte. Clare war nach dem Tod ihres Vaters zu ihren weißen Tanten gekommen und seitdem nicht mehr gesehen worden, wodurch Irene sie vergessen hatte. Irene erklärte Clare, dass sie den Schwarzen Arzt Brian geheiratet und mit diesem zwei Söhne habe und daher nun Redfield heiße. Clare erzählte, dass ihre weißen Tanten ihr verboten hatten jemandem zu sagen, dass sie Schwarz war, dass sie hart arbeiten hatte müssen und ihre Schwarzen Freundinnen um deren Leben beneidet hatte. Nach einer Weile hatte sie den jungen, weißen und reichen John kennengelernt, mit dem sie mit 18 weggelaufen war. John wusste nicht, dass Clare eine Schwarze war und es erzählte ihm auch niemand. Clare wirkte auf Irene, als wäre sie zufrieden mit ihrem Leben als weiße Frau. Sie bat Irene, sie am folgenden Dienstag zu besuchen und Irene stimmte zu, bereute dies aber bereits am Heimweg und beschloss Clare nicht wieder zu sehen.

Am darauffolgenden Dienstag hörte das Telefon nicht auf zu klingeln und Irene nahm resigniert nach einigen Stunden den Anruf an. Es war Clare, die sie überredete zu ihr zu kommen. Bei Clare angekommen, traf Irene auch deren alte Bekannte Gertrude wieder, die mit Clare gerade darüber redete, wie froh sie war, kein Schwarzes Kind zur Welt gebracht zu haben. Irene war empört, da einer ihrer Söhne Schwarz war. Als Irene später bereits gehen wollte, kam Clares Ehemann, John Bellew nach Hause und begrüßte Clare mit den Worten „Hallo, Nig“. Er erklärte den Spitznamen auf Clares Aufforderung hin so, dass Clares Haut „weiß wie eine Lilie“ gewesen sei, als sie geheiratet hatten, aber sie immer dunkler geworden war. Wenn Clare nicht aufpasste, würde sie eines Tages als „Nigger“ erwachen. Alle lachten, so auch Irene, da sie die Situation so absurd fand. Auf Clares Aussage, dass es nach all den Jahren keinen Unterschied machen würde, wäre sie zu ein, oder zwei Prozent Schwarz, erwiderte John nur, dass er wisse, dass Clare nicht Schwarz sei, und dies dadurch gar kein Thema wäre. Auf Irenes Frage, ob John Schwarze nicht möge, antwortete er, dass er Schwarze hasse und bezeichnete Schwarze als „Drecksteufel“. Irene fiel es immer schwerer ihre Verärgerung zu verbergen. Sie ließ die restlichen Gespräche über sich ergehen und machte sich später gekränkt, gedemütigt und wütend darüber, dass Clare sie dieser Situation ausgesetzt hatte, auf den Heimweg.

Am Tag ihrer Abreise erhielt Irene einen Brief von Clare, den sie zuerst nicht lesen wollte, ihn aber im Zug Richtung New York letztendlich doch las. Clare bedankte sich darin für Irenes Besuch und teilte ihr mit, wie sehr sie sich gefreut hatte, sie zu sehen. Sie äußerte auch den Wunsch Irene wieder zu treffen. Irene war immer noch wütend und von dem Brief nicht beschwichtigt, weshalb sie diesen zerriss und endgültig nichts mehr mit Clare zu tun haben wollte.

Zweiter Teil – Erneute Begegnung

Im Oktober, zwei Jahre nach dem ersten Treffen mit Clare, hält Irene Clares zweiten Brief in Händen. Immer noch wütend auf Clare, will sie ihrer Bitte, sie wieder zu sehen, nicht nachkommen. Sie zeigt ihrem Ehemann Brian den Brief, woraufhin er sie indirekt ermahnt, Clare nicht wieder zu treffen. Brian äußert in dem Gespräch auch wieder, dass er mit seinem Job unglücklich sei, wodurch in Irene die Sorge aufkommt, dass Brians Wunsch nach Brasilien auszuwandern wieder stärker geworden sein könnte. Sie redet sich ein, dass diese Unzufriedenheit schon irgendwann verschwinden würde, und dass er letztendlich einsehen würde, dass es die bessere Entscheidung gewesen war, in den USA zu bleiben. Brian bringt Irene zur Druckerei, in der sie noch etwas für die Veranstaltung, die sie mitorganisiert, erledigen muss. Im Auto spricht Irene ihre Bedenken aus, dass das Umfeld der Schule ihres Sohnes Junior für diesen nicht geeignet wäre, da die älteren Jungen Witze über Sex machen und Junior diese aufschnappen würde. Brian ärgert das und er meint, es sei gut so, denn Sex sei sowieso ein Witz und je früher Junior dies lerne, desto eher würden ihm später Enttäuschungen erspart bleiben. Irene antwortet darauf nicht und verlässt verbittert und wütend das Auto.

Nachdem Irene Clare nicht auf ihren Brief geantwortet hat, steht Clare Mitte Oktober plötzlich vor Irenes Haustür. Irene will Clare endlich loswerden, jedoch kommt es nicht dazu, da Clare Irene fragt, ob sie denn nicht vorgehabt habe auf den Brief zu antworten. Irene meint, dass Clares Anwesenheit in Harlem für Clare gefährlich sei und sie Clare schützen wollte, wegen Johns Einstellung Schwarzen gegenüber. Clare meint, dass sie sich nach jemandem sehne, mit dem sie offen reden könne. Irene hat Mitgefühl für Clare und entschuldigt sich bei ihr dafür, nicht geantwortet zu haben. Ein Anruf von Mr. Wentworth unterbricht die Unterhaltung. Es geht dabei um die Benefizveranstaltung der „Negro Welfare League“, die Irene mitorganisiert. Als Irene auflegt, überredet Clare sie, auch zu der Veranstaltung kommen zu dürfen. Irene versucht an Clares Vernunft zu appellieren und spricht von der Gefahr, dass John es herausfinden könnte. Clare gibt jedoch nicht auf und so stimmt Irene zu. Als Clare gegangen ist, ärgert sich Irene darüber, erneut nachgegeben zu haben.

Auf der Veranstaltung hetzt Irene herum und sieht Clare immer wieder mit Schwarzen, Weißen und Brian tanzen und war froh, dass Brian Clare nett behandelte, obwohl er nicht Clares größter Fan war. Irene unterhält sich mit Hugh Wentworth, einem weißen Autor, über die verschiedenen Gäste der Veranstaltung und über die Anziehungskraft, die Schwarze Männer scheinbar auf weiße Frauen ausüben. Brian schlägt vor, Clare nach Hause zu bringen, aber Irene hat dies bereits so organisiert, dass Bianca Wentworth Clare zu Hause absetzen würde. Irene kommt der Rest der Veranstaltung verschwommen und nicht wirklich relevant vor. Dennoch war die Veranstaltung ausschlaggebend für einen neuen Abschnitt in ihrem Leben, da sie das Wiederaufleben der Freundschaft mit Clare Kendry markiert.

Clare kommt von da an häufig zu den Redfields, was in Irene eine Mischung aus Freude und Verdruss auslöst. Brian amüsiert die Lage und er beschwert sich nie über Clares Anwesenheit. Nach der Veranstaltung ist Clare auch im Freundes- und Bekanntenkreis der Redfields beliebt und bleibt durch ihre nicht vorhersagbare Anwesenheit bei Abendessen und Feiern stets mysteriös und geheimnisvoll. Clares Tochter Margery geht mittlerweile auf ein Schweizer Internat und Clare kommt nun auch zu den Redfields, wenn John in New York ist. Irene sorgt sich immer weniger darum, dass Clares Geheimnis auffliegen könnte, während Clare sich häufig darüber beschwert, dass sie im Vorfrühling mit John ebenfalls in die Schweiz zurückkehren würde müssen. Irene erinnert Clare daran, dass sie dann auch Margery wiedersehen würde. Clare quittiert dies mit der Aussage, dass Kinder nicht alles seien, und dass sie alles tun würde, um zu bekommen, was sie wollte.

Dritter Teil – Finale

Im Dezember ist Irene erschöpft, macht sich Sorgen um Brians Ruhelosigkeit, für die sie den Auslöser nicht kennt und ist gar nicht in Weihnachtsstimmung. Ihr Unwissen des Grundes von Brians schlechter Stimmung macht ihr Angst, da sie so nichts dagegen tun kann. Außerdem hat sich Brian von Irene distanziert, wodurch sie das Gefühl hat, nicht mehr an ihn heranzukommen. Nach einem morgendlichen Bummel in der Stadt, legt sich Irene schlafen und wird Stunden später von Brian aufgeweckt, der ihr sagt, dass schon alles fertig für die Party wäre und Clare schon da sei. Irene ist wütend darüber, dass Clare da ist, da sie sie nicht eingeladen hat. Brian sagt kurz darauf, dass er sie eingeladen habe, was Irene noch mehr erzürnt. Als sie Brians verteidigende Haltung bemerkt, kommt ihr der Gedanke, dass Clare und Brian eine Affäre haben könnten, die der Auslöser für Brians ungewöhnliches Verhalten sein könnte. Sie fängt sich wieder und geht zu der Teeparty, die ihr Ablenkung bietet. Innerlich ist sie völlig am Boden, versucht jedoch die Fassade aufrechtzuerhalten. Nachdem alle Gäste gegangen sind und Brian ebenfalls das Haus verlässt, kommt der Schmerz wieder in Irene hoch.

Sie versucht ihren Verdacht zu verleugnen, um dem Kummer zu entgehen, da sie keine Beweise für eine Affäre hat und Brian ihr eigentlich nie einen Grund gegeben hatte, Untreue zu vermuten. Weihnachten hat Irene Ablenkung geboten und sie war froh darüber, dass Clare die ganze Zeit abwesend war, da John ihre Anwesenheit gefordert hatte. Brian war geistig abwesend und Irene sehnt sich nach März, in dem Clare und John in die Schweiz ziehen würden. Irene kommt der Gedanke, dass sie Clare los wäre, würde John erfahren, dass Clare Schwarz ist. Irene ist im Zwiespalt ihrer Loyalität sich selbst und der ihrer „Rasse“ gegenüber. Sie wünscht sich zum ersten Mal nicht Schwarz zu sein, um nicht die Bürde ihrer „Rasse“ tragen zu müssen und hofft, dass John ohne ihr Zutun herausfinden würde, dass Clare während seiner Abwesenheit ständig im Schwarzen Harlem unterwegs war. Am nächsten Tag trifft Irene zufällig John Bellew, als sie mit ihrer Schwarzen Freundin, Felise Freeland, unterwegs ist. Als John Irene erkennt und Felise sieht, die in ihrem Arm eingehakt ist, zeigt sich Erkenntnis auf seinem Gesicht. Er streckt Irene die Hand zu Begrüßung hin, die Irene aber nicht nimmt und mit Felise einfach weiter geht. Irene ärgert sich im Nachhinein darüber, nichts gesagt zu haben, aus Loyalität ihrer „Rasse“ gegenüber, obwohl Clare nie Rücksicht auf die Schwarze Gemeinschaft genommen hat. Sie erzählt weder Clare, noch Brian von dem Treffen.