Wiener Totenlieder ist ein 2015 im Marion von Schröder Verlag veröffentlichter Kriminalroman der Autorin, Schauspielerin und Regisseurin Theresa Prammer und der erste Band der Trilogie um die Privatermittlerin Carlotta Fiore. Das Buch handelt von einer fiktionalen Mordserie an der Wiener Oper und wurde 2015 mit dem Leo-Perutz-Preis ausgezeichnet.
Inhalt
Handlung
Zu Beginn des Romans wird während einer Aufführung von Mozarts Zauberflöte an der Wiener Oper der Tenor Wilhelm Neumann ermordet. Er stirbt durch einen Stich mit einer Metallplatte, die Teil seines Kostüms ist, auf offener Bühne. Die gescheiterte Opernsängerin und Polizeischülerin Carlotta Fiore, genannt Lotta, arbeitet derweil als Hausdetektivin in einem Wiener Einkaufszentrum. Zum wiederholten Mal schlägt sie sich mit einer immer wiederkehrenden Diebin herum, Henriette Manzini, die in einer Nervenheilanstalt wohnt. Beim Aufnehmen ihrer Daten lädt Carlotta sie stets auf einen Kaffee in ihrem Büro ein. An diesem Tag stattet Lotta ihr früherer Liebhaber, der Polizist Hannes Fischer, einen Besuch ab. Dieser berichtet ihr von zwei Morden an der Wiener Oper, auch eine Soubrette ist von einem Kulissenstück erschlagen worden. Er ersucht sie gegen eine Gage von 10.000 € als Statistin an der Oper verdeckt zu ermitteln. Das Geld sei auf einem anonym eingerichteten Bankkonto bereitgestellt worden. Widerwillig nimmt sie den Auftrag an. Schließlich ist in der Opernwelt ist ihr musikalisches Versagen in den Fußstapfen ihrer umjubelten Mutter, der verstorbenen Star-Sopranistin Maria Fiore, weithin bekannt.
Im Wiener Prater trifft sie zusammen mit Hannes auf ihren Ko-Ermittler Konrad Fürst. Dieser ist einst Ermittler bei der Mordkommission gewesen und tritt nun beruflich als Clown Foxi auf. Als Lotta im Gespräch der beiden Männer als Eintrittskarte zur Oper bezeichnet wird, weigert sie sich zu ermitteln.
Hannes versucht sie am nächsten Tag im Kaufhaus erneut zu überzeugen, während diese wieder mit Henriette beschäftigt ist. Lotta verdeutlicht ihm dabei, dass er sich stets mehr von ihrer Beziehung erwartet hatte als sie und weist ihn harsch zurück. Erst eine rätselhafte Aussage von Henriette überzeugt sie den Auftrag anzunehmen: „Pastellrosa, Nudelsuppe, 5“. Die Worte verweisen auf Lottas Gabe, einer Person mit einem Blick in die Augen die Lieblingsfarbe, die letzte Mahlzeit und das Alter abzulesen.
Vor der ersten Probe als Statisten an der Oper besprechen Lotta und Konrad in einem Kaffeehaus ihre Vorgehensweise. Dabei versucht sie mit ihm zu flirten. Er erklärt, er wolle nichts mit ihr anfangen, da sie bei dem Altersunterschied seine Tochter sein könne. Später wird Lotta in der Oper von Sängern überschwänglich begrüßt und während der Probe kommen immer wieder Leute auf sie zu. Anschließend geht sie mit Konrad in die Hongkong Bar. Wie so oft trinkt sie reichlich Alkoholisches und beginnt mit einem Mann namens Sven Munz zu flirten, den sie nachhause begleitet. Am selben Abend wird eine Sopranistin während einer Aufführung von West Side Story vergiftet. Ein Getränk, das diese als Teil der Choreographie getrunken hat, war mit Aspirin versetzt worden, worauf sie mit einem tödlichen allergischen Schock reagiert hat.
Als Lotta am Morgen Sven verlässt, hinterlässt sie einen Zettel mit der Behauptung, sie müsse rechtzeitig daheim sein, bevor ihr Mann aufwache. In ihrer Wohnung angekommen ruft Konrad an und meint, er stehe vor dem Haus. Sie öffnet ihm und geht duschen. Danach trifft sie ihn nicht an und entdeckt eine weiße Rose, wie beim Begräbnis ihrer Mutter, und eine CD mit einer Aufzeichnung von La Bohème mit ihrer Mutter in Covent Garden. Sie begreift, dass sie den Mörder hereingelassen hat. Dieser schafft unerkannt zu entkommen.
Am selben Tag erleben die Statisten bei den Proben zur Operette Die Csárdásfürstin einen Aufstand der elfjährigen Fanny, einer talentierten aber nicht sonderlich gutaussehenden Sängerin. Unterdessen begegnet Lotta altbekannten Personen: dem alten, berühmten Regisseur Heinz Zehberg, dem Kostümbildner Clemens Lenauer, dem Sänger Bernhard Riedler und der Trägerin des Maria-Fiore-Rings für hervorragende Sopranistinnen, Katharina Seliger. Als Zehberg einen glimpflichen Herzanfall hat, wird die Probe vorzeitig abgebrochen. Anschließend erzählt Fanny in der Opernkantine Konrad und Lotta, dass Die Csárdásfürstin verschoben wird. Die Operndirektorin Susanne Supritsch, genannt Susu, verrät, dass die Oper jedoch geöffnet bleibt. Sie bietet den beiden Statisten ihre Loge für die Abendvorstellung der Zauberflöte an.
Während der Vorführung der Zauberflöte wird die Souffleuse Beate Friedmann vergiftet. Sie steigt im Wahn aus dem Souffleurkasten auf die Bühne und sackt tot zusammen. Konrad befürchtet daraufhin vom Chef der Mordkommission Heinz Krump entdeckt zu werden, der nichts von den geheimen Ermittlungen der Statisten weiß. Wegen eines früheren Konflikts hat er ihm mit einer Gefängnisstrafe gedroht, sollte er ihn bei Ermittlungsarbeiten erwischen. Daher fliehen Konrad und Lotta mit Hannes Fischers Hilfe unbemerkt aus dem Gebäude. Konrad eröffnet Lotta unterdessen, dass er als Clown auftritt, weil seine Tochter Julia bei einem Fest im Stadtpark verschwunden sei und er sie bei seinen Auftritten suche. Bevor er diese Auftritte gemacht hat, sei er außerdem alkoholabhängig gewesen.
Draußen macht sich Lotta auf den Weg in die Hongkong Bar, wo sie auf einen äußerst zerknirschten Sven trifft. Er schlägt ihr vor, in Ruhe vor dem Lokal zu reden. Dort versucht er sie zu vergewaltigen. Konrad schafft es Sven zu überwältigen und fährt mit Carlotta zu seiner Wohnung, wo er sich liebevoll um sie kümmert.
Am nächsten Morgen kommt Hannes zu Konrad nachhause, um zu berichten, dass nach Katharina Seliger, der besten Freundin der zuletzt Ermordeten gefahndet werde. Als er Lotta nach der morgendlichen Dusche sieht, vermutet er, sie hätte eine Affäre mit Konrad, weil sie Mitleid mit ihm habe. Entrüstet erzählt er, dass Konrads Hoffnungen, dass seine Tochter noch am Leben sei, illusorisch seien. Julia sei von der Strömung des an den Park angrenzenden Flusses mitgerissen worden, da die Polizei ihren Rucksack dort gefunden habe. Danach kommen sich Hannes und Lotta kommen am Gang vor der Wohnung näher, er küsst sie und läuft gleich davon. Nun begegnet Lotta noch Konrads Nachbarin Anuschka, die sich Anna nennt, eine rauchende Lungenärztin. Lotta schlägt Konrad sofort vor, mit ihr auszugehen.
Später beruft Direktorin Supritsch eine Generalversammlung auf der Probebühne der Oper ein, um mitzuteilen, dass die Oper weiterhin geöffnet bleibt und, dass Katharina Seliger verschwunden sei. In diesem Moment erscheint sie. Als sie von Beate Friedmanns Tod erfährt, bricht sie in einen entsetzten Schrei aus. Sofort wird die Versammlung aufgelöst. Clemens Lenauer und Lotta bleiben zurück. Auf seine Sticheleien hin wünscht sie ihm zum nächste Opfer zu werden. Lotta geht in die Kantine mit Fanny, die ihr dort einen Zettel in die Hand drückt. Die Balletttänzerinnen umgeben dort die Direktorin, um ihr Trost zu spenden. In Gedanken verloren stimmt Lotta der Bitte des Sängers Erich Freiwerf zu, am Nachmittag in der Probe für eine andere Sängerin einzuspringen. Dort ist sie von ihrer Leistung enttäuscht, doch Konrad muntert sie auf. Schließlich befolgen sie die Anweisung auf Fannys Zettel und an die angegebene Adresse zu dieser nachhause.
An diesem Abend wird während einer Vorstellung der Fledermaus Clemens Lenauer mit einem metallenen Seil erdrosselt, das ihn mit dem Vorhang gegen die Decke hebt. Fanny eröffnet Konrad und Lotta derweil, dass sie wisse, dass die beiden nicht bloß Statisten seien. Sie wolle ihnen ein Geheimnis über Direktorin Supritsch solange nicht eröffnen, solange sie sich nicht offenbaren. Als Hinweis gibt sie den beiden jedoch den Film Tootsie mit. Aufgrund zahlreicher Indizien ist Carlotta überzeugt, dass Fanny Konrads verschwundene Tochter ist. Dieser erklärt ihr, dass Julia schon seit 23 Jahren verschollen sei.
In dieser Nacht wird Lotta gegen vier Uhr im Auftrag von Heinz Krump aufs Polizeirevier bestellt. Er verhört wegen ihres Streits mit Clemens Lenauer vom Vortag. Krump redet auch über Lottas Aufnahmetest der Polizeischule, den sie hat abbrechen müssen, weil sie einen Suizidversuch verschwiegen hat. Sie offenbart, dass Clemens an ihrem Suizidversuch eine Mitschuld hat. Als enger Vertrauter hat er ihrer Mutter die Idee präsentiert, die Treue von Lottas Verlobtem Bernhard Riedler auszutesten, indem sie sich an ihn heranmacht, um zu beweisen, dass Riedler Lotta nur für seine Karriere ausnutze. Der Versuch gelingt. Nach dem Verhör spricht Carlotta auf der Straße mit Hannes. Sie habe durch Selbstmordversuch auch ihre Schwangerschaft beendet, von der sie nichts gewusst hatte und ertränke seitdem ihren Kummer im Alkohol. Erneut gesteht Hannes ihr erneut seine Liebe, küsst und umarmt Lotta, bis er plötzlich rücklings von Sven niedergestochen wird. Hannes wird auf die Intensivstation transportiert und Lotta fährt mit dem Taxi zu Konrad.
In Konrads Wohnung kümmert sich seine Nachbarin Anna um Lotta während er Nachforschungen über Sven anstellt. Auf einen Anruf hin fahren Lotta und Konrad auf zu Chefinspektor Krump. Als sie am Polizeirevier auf ihren Termin warten, gerät Konrad im Gespräch über Anna in Verlegenheit und fühlt sich an seine Tochter erinnert, als ihm Carlotta die Frisur richtet. Anschließend konfrontiert Konrad Krump in dessen Büro und erfährt, dass dieser über die geheimen Ermittlungen an der Oper Bescheid weiß. Konrad und Carlotta stellen umfangreichere Forderungen, um die Ermittlungen fortzusetzen und der Chefinspektor bietet an, den Fall von Julia Fürsts Verschwinden neu aufzurollen.
Zu ihrer eigenen Sicherheit soll Lotta nun für die nächsten Tage zu Konrad Fürst ziehen. Die beiden fahren zu ihrer Wohnung, die völlig verwüstet ist. Eine hämische Botschaft an der Wand beweist, dass Lottas One-Night-Stand hier gewesen ist. Verstört läuft Lotta davon. Am Telefon spricht sie mit Anna. Diese erzählt ihr, dass sie vom behandelnden Arzt wisse, dass Hannes’ Behandlung wirke.
Zurück in Konrads Wohnung schauen Lotta und er den Film Tootsie und rätseln, was er ihnen über Susu Supritsch verraten sollte. Danach fahren sie in die Oper, wo nun die Operette Das Land des Lächelns am Plan steht, mit Konrad und Lotta als die einzig übrigen Statisten. Sie begegnen Fanny und geben sich als verdeckte Ermittler zu erkennen. Nun erfahren sie, dass Supritschs Geheimnis ihre Homosexualität ist, dass sie ihre Ehe nur zum Schein führt und dass sie die Besetzungen im Ballett mit Sex regelt.
Die Probe findet unter der Leitung von Regieassistentin Alex und in stark ausgedünnter Besetzung statt. Da die Sänger große Schwierigkeiten mit dem Text und der Bewegung auf der Bühne haben, läuft die Probe chaotisch ab. Einzig die drei Balletttänzerinnen Viktoria, Pauli und Tanja sind routiniert. Auffällig ist, dass Tanja einmal mit Supritsch fortgeht und mit verkehrtem T-Shirt zurückkommt. Nachher besuchen Lotta und Konrad Hannes auf der Intensivstation. Zurück in Konrads Wohnung erzählt er, dass sich Julias Mutter Eva zwei Jahre nach ihrem Verschwinden das Leben genommen hat, da sie überzeugt gewesen ist, dass ihre Tochter tot sei.