mini|291x291px|Neustädter Innenstadt Neustadt in Holstein (niederdeutsch: Niestadt in Holsteen) ist eine Kleinstadt im Kreis Ostholstein in Schleswig-Holstein. Gegründet wurde sie bereits um 1239 vom Schauenburger Grafen Adolf IV. von Holstein und erhielt im Jahre 1244 lübsche Stadtrechte, was fälschlicherweise als Stadtgründung gesehen wird. Neustadt in Holstein war ehemals für seine Hafenanlagen bekannt, heute ist es Reiseziel vieler Touristen und dient als Erholungs- und Kulturort.
Geografie Neustadt in Holstein ist eine Hafenstadt in Wagrien an der Lübecker Bucht (Ostsee), 32 km nördlich von Lübeck und 67 km südöstlich von Kiel. In der Nähe liegende größere Orte sind an der Lübecker Bucht im Süden Sierksdorf und Scharbeutz, im Osten Grömitz, ferner westlich liegend Rogerfelde, ein Ortsteil der Gemeinde Altenkrempe und nordöstlich Merkendorf, ein Ortsteil der Gemeinde Schashagen.
Natur Nordwestlich der Stadt befindet sich das Naturschutzgebiet Neustädter Binnenwasser, ein Brackwassersee mit angrenzenden Salzwiesen. Neustadt ist von vielen Äckern mit Knicks umgeben. 292x292px|mini|Übersicht Hafen, Altstadt und Kirche
Stadtteile Neustadt in Holstein gliedert sich in die Stadtteile Neustadt, Pelzerhaken und Rettin.
Pelzerhaken liegt etwa 4 km südöstlich der Kernstadt. Es ist durch sein unbebautes direktes Hinterland und seine Nähe zum Strand geprägt. Pelzerhaken bietet Urlaubsgästen circa 2200 Übernachtungsmöglichkeiten, die meisten davon auf Campingplätzen. Das frühere Gelände der Bundeswehr wird zum Bau von Ferienhäusern genutzt.
Die Rettiner Wiesen trennen Pelzerhaken von Rettin im Osten. Rettin ist ebenfalls touristisch geprägt und verfügt über Sandstrände, Ferienwohnungen, Campingplätze sowie eine Mini-Golf-Anlage.
Nachbargemeinden
Geschichte 13. Jahrhundert mini|hochkant|Stadtkirche Neustadt, Südseite Um 1140 unterwarf Graf Adolf II. von Schauenburg das slawische Ostholstein mit militärischer Gewalt. Die fortschreitende Besiedlung im südlichen Teil Wagriens im 13. Jahrhundert und die Erschließung des bäuerlichen Hinterlands erforderten dann die Gründung wirtschaftlicher Mittelpunkte und den Zugang zum Ostseehandelsverkehr. Hierzu zählen die von Graf Adolf IV. von Schauenburg im Jahr 1244 gegründeten Neusiedlungen Neustadt (als Nighestad von Altenkrempe) und Kiel. Altenkrempe liegt landeinwärts am flachen Binnenwasser.
Neustadt (21 ha Bebauungsfläche) und Kiel (17 ha) wurden nach einem gleichen Schema – ähnlich wie bereits für Lübeck (107 ha) – ausgeführt. In der Ortsmitte befinden sich die Kirche und der Marktplatz, von denen rechtwinklige Straßen abgingen. Zur Verteidigung wurden die Siedlungen von einer Mauer und einem äußeren Befestigungsring umschlossen. Bei der Standortwahl nutzte man Geländegegebenheiten zum Schutz der Siedlung, für Neustadt das angrenzende Binnenwasser und seine Verbindung zur Ostsee, dem heutigen Hafen.
Die ehemalige Siedlungsstruktur von Neustadt mit der Stadtkirche, dem Marktplatz und den anbindenden Straßen ist heute noch weitgehend erhalten. Die Grabenstraße, Waschgrabenallee, Schiffbrücke, Untere Querstraße, Am Binnenwasser und Haakengraben umschließen (im Uhrzeigersinn) die ehemals mittelalterliche Siedlung. Von der alten Stadtbefestigung und den drei Stadttoren ist nur noch das nördliche Kremper Tor am Haakengraben übrig geblieben. Die beiden anderen Tore befanden sich im Westen an der Schiffbrücke mit dem Brücktor und im Osten an der Hochtorstraße mit dem Hochtor.
Der Gründungsvorgang ist in der alten Stadtchronik in niederdeutscher Fassung überliefert und lautet in hochdeutscher Übersetzung: „Der ehrbare Fürst und seine Ratgeber halfen mit, die Straßen, Hausstätten, den Kirchhof und Markt dieser Stadt anzulegen sowie den Befestigungsring rundherum, und er gebot den Einwohnern der Umgebung, dass sie den Wallgraben mit aushoben, was sie auch taten.“ Danach übergab der Graf den Einwohnern der neuen Stadt eine Urkunde, wonach sie und alle ihre Nachkommen das Stadtrecht lübischer Art besitzen sollten.Johannes Hugo Koch: Schleswig-Holstein – Zwischen Nordsee und Ostsee. Verlag DuMont Buchverlag, Köln 1987 (S. 226, 254, 255).
14. bis 16. Jahrhundert mini|Die Kremper Straße mit dem Kremper Tor auf einem Notgeldschein von 1921. mini|Hospital zum Heiligen Geist – Gebäudeinschrift: „Hospitalgründung: MCCCXLIV (1344) Wohngebäude: MDCCCLIII (1853) durch Jacob Lienau“ mini|Hospital zum Heiligen Geist – Wohntrakt mini|Hospitalkirche Im Jahre 1344 wurde Auf dem Holm an der Schiffbrücke vor der Stadt das Hospital zum Heiligen Geist nach dem Vorbild des Heiligen Geist-Hospitals zu Lübeck errichtet. Es diente der Aufnahme durchziehender armer und erkrankter Pilger, die auf dem Weg zum Kloster Cismar waren, wo sie sich von den dortigen Reliquien heilkräftige Wirkungen erhofften.Kirche des Hospitals zum Heiligen Geist – Neustadt in HolsteinWilhelm Ernst Christiani: Geschichte der Herzogthümer Schleswig und Holstein, Band 3, Kortensche Buchhandlung, Kiel, Nov. 1777 (Seite 469).
Die ersten Bauten aus Lehmwänden auf dem Hospitalgelände waren 1408 ein großes Herbergshaus sowie eine kleinere, massive Saalkirche (Hospitalkirche), die heute noch existiert und 1990 und 2005 umfangreich saniert wurde., Hospitalkirche Neustadt i. H. Stiftung Hospital zum heiligen Geist, Sanierungsbericht. Das Herbergshaus wurde 1627 durch Tillys Truppen schwer beschädigt und danach nicht wieder aufgebaut.
Das Hospital entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem Armenhaus für Neustädter Bürger. 1418 richtete es auch ein „Sekenhus“ (Siechenhaus für arme und alte Leute) ein., Satzung der Stiftung „Hospital zum Heiligen Geist und Lienaustift“ in der Stadt Neustadt in Holstein., Daten der Gesellschaft für Leprakunde für Schleswig-Holstein.
Im Jahre 1853 wurde auf dem Gelände des Hospitals ein Wohntrakt mit 21 Wohnungen für bedürftige Bürger durch Spenden Neustädter Bürger errichtet, der heute noch existiert. Durch Zusammenlegung von jeweils zwei Einzelwohnungen entstanden 1987 zehn modernisierte Wohnungen, die heute noch von bedürftigen Bürgern der Stadt bewohnt werden. Eine Wohnung wurde im ursprünglichen Zustand als Museum belassen.Hospital zum Heiligen Geist, Neustädter Schützengilde e. V.Satzung der Stiftung „Hospital zum Heiligen Geist und Lienaustift“, Stadt Neustadt in Holstein, Städtische Gremien: Hospitalvorstand.
Die Stadtentwicklung erlebte mehrere schwere Schicksalsschläge, 1350 wütete die Pest; in den Jahren 1391, 1399, 1419 und 1425 brachen wiederholt Feuer aus, die ganze Stadtbereiche zerstörten. 1623 brach erneut die Pest aus., Johannes von Schröder (Capitän im Schleswigschen Infanterie-Regiment, R. v. D.): Topographie des Herzogthums Holstein, des Fürstenthums Lübeck und der freien und Hanse-Städte Hamburg und Lübeck. Bd. 2. Verlag Fränckel, Oldenburg in Holstein 1841.
Bereits zur Hansezeit stellte der Hafen von Neustadt einen wichtigen Anlaufhafen für holländische und dänische Schiffe dar. Schiffe der Hanse (universi mercatori hanseanum theutonicae) liefen den Neustädter Hafen nur selten an, weil Neustadt nicht zur Hanse gehörte, obwohl es lübsches Recht hatte. Dieses machte die Stadt für holländische Kauffahrer und für die Vitalienbrüder interessant, weil sie keine Stapelrechte beachten mussten. Die Haupteinnahmequellen von kleinen Dörfern wie dem nur 15 Kilometer entfernt gelegenen Grömitz waren die Landwirtschaft (gestützt durch das Kloster Cismar) und die Fischerei. Auch leisteten Ortschaften wie Grömitz einen bescheidenen Anteil an einem der Haupthandelsgüter – gesalzener Hering in Fässern, der aus dem Neustädter Hafen exportiert wurde. Seit 1474 besteht in Neustadt die älteste Fischerinnung Deutschlands.
In einem Schreiben vom 26. Juli 1420 des Lübecker Rats wurden die Neustädter beschuldigt, mit Seeräubern im Bunde zu stehen, 200 Seeräubern Unterschlupf zu gewähren und die Schiffe der Kaperer auszurüsten. In drei Tagen hätten die Seeräuber zehn Schiffe mit hansischen Gütern erbeutet. Im September 1420 lag ein ausgeraubtes Lübecker Schiff im Neustadter Hafen., Du bist Neustadt, Die Seeräuberei. Im Oktober 1509 wurde die Stadt von Lübecker und Travemünder Seeräubern ausgeraubt.
17. und 18. Jahrhundert mini|Die Frederic III Im Jahre 1623 wurde die Stadt erneut von der Pest heimgesucht.
Dann, 1638, war der Beginn einer bedeutenden Werftkarriere am Standort Neustadt (siehe Neustädter Schiffswerften), Albert Baltzer Berns und Gabriel Marselis erhielten am 27. Oktober 1639 vom dänischen König Christian IV. einen Auftrag zum Bau mehrerer Kriegsschiffe für die dänische Marine. Der große Holzbedarf für den Bau der Schiffe – ein mittelgroßes Kriegsschiff benötigte 4000 ausgewachsene Eichenstämme – konnte durch das holzreiche Hinterland von Neustadt gedeckt werden. Das größte an die dänische Krone gelieferte Schiff war die 1649 ausgelieferte Frederik III (nach König Friedrich III. benannt), die mit 86 bis 100 Kanonen bestückt und 500 Mann besetzt war.
Diese Entwicklung rief die schwedischen Machthaber, die potentiellen Feinde der dänischen Krone, auf den Plan. Während des Torstenson-Krieg von 1643 bis 1645 griffen die schwedischen Truppen Neustadt im Frühjahr 1644 gegen den heftigen Widerstand der Einwohner an, besetzten die Stadt und zerstörten die Werft. Die beiden im Bau befindlichen Schiffe und die vielen Tausend gelagerten Schiffsplanken nahmen die Schweden als Kriegsbeute mit und brachten sie in die von den Schweden besetzte Stadt Wismar. Im Juli des Jahres wurden die schwedischen Truppen von den Dänen gezwungen, Neustadt zu verlassen. Die von der Stadt erbaute Schanze wurde vor Verlassen der Flotte geschleift.
Die Werft wurde kurz danach wieder aufgebaut und in Betrieb genommen, 1647 wurde erneut ein Kriegsschiff an die dänische Krone ausgeliefert. In den 1650er Jahren übernahm Claus Reimers den Schiffbau und lieferte bis zu seinem Tod im Jahr 1671 weitere Schiffe nach Dänemark. Für seine Verdienste für die Stadt wurde sein Name auf dem großen Messingkronleuchter der Stadtkirche eingraviert. Seine Grabplatte in der Hospitalkirche zeigt, dass er nur 51 Jahre alt geworden ist. Im Jahre 1717 wurde das letzte Schiff an die dänische Krone ausgeliefert.
Während des Krieges musste Neustadt sechs Jahre einen dänischen Kriegszoll zahlen. Von August 1675 bis 1679 musste die Stadt Einquartierungs- und andere außergewöhnliche Kosten entrichten. 1711 kehrte die Pest mit verheerenden Folgen zurück. Während des dänischen Krieges von 1713 bis 1720 wurde den verarmten Neustädtern wieder ein hoher Kriegszoll abverlangt. 1750 war die Stadt wieder von einem Großbrand betroffen.268x268px|mini|Kremper Straße mit dem Kremper Tor
19. bis 21. Jahrhundert 273x273px|mini|Marktplatz (1895) 274x274px|mini|Marktplatz (2009)
Am 28. September 1817 brach erneut ein Feuer aus, das innerhalb von vier Stunden das Rathaus, 129 Wohnhäuser und 128 Scheunen und Stallungen zerstörte. Im Zuge des Wiederaufbaues wurde die Stadt in drei Quartiere unterteilt: Brückstraßen-, Kremperstraßen- und Hochthorstraßen-Quartier. Zu den öffentlichen Gebäuden zählten das Rathaus, das Kremperthor, das Brückenthor sowie die Häuser des Gerichtsdieners, des Pförtners und der Hebamme. Neustadt zählte in dieser Zeit die folgenden Einwohner und Häuser: Jahr Einwohner Häuser 1792 1442 250 1835 2432 270 1840 2647 280 1850 3000 400 1900 4500 500 1935 7000 800 1945 13.000 1100 1965 15.000 2200 1973 16.000 2300 mini|Warnung für Fuhrleute, Neustadt, 15. März 1838 Anfang des 19. Jahrhunderts erlebte die Stadt durch den Hafen und Getreidehandel einen wirtschaftlichen Aufschwung. Zwischen 1828 und 1834 wurden die Hafenanlagen erweitert, vertieft und erneuert. Die Hauptgewerbe der Neustädter waren der Handel mit Korn, der Ackerbau und zum Teil die Fischerei. Insbesondere nahm der Kornhandel zu, bis zu 50.200 Tonnen im Jahr wurden ausgeführt.