Die Zeche Neu-Iserlohn ist ein ehemaliges Steinkohlebergwerk, gelegen auf der Stadtgrenze Bochum/Dortmund zwischen Langendreer, Lütgendortmund und Somborn. Das Bergwerk wurde zunächst unter dem Namen Zeche Vereinigte Münsterland geführt, wurde aber einige Jahre später umbenannt in Zeche Neu-Iserlohn. Das Grubenfeld der Zeche Neu-Iserlohn befand sich nördlich der Mergelgrenze.
Geschichte Die Anfänge In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde ein 44 Meter tiefer Suchschacht in dem Gebiet zwischen Langendreer und Somborn abgeteuft. Um bis auf diese Teufe zu gelangen, war der Schacht durch eine 15 Meter mächtige Mergelschicht geteuft worden. Nachdem die Lagerstätte entblößt worden war, wurden am 10. Mai des Jahres 1847 die Geviertfelder Junger Friedrich und Friedrichs Neuglück und am 27. Juli des Jahres 1848 das Geviertfeld Theodor August verliehen. Am 2. Juni desselben Jahres wurden die drei Geviertfelder zu Vereinigte Münsterland konsolidiert. Am 4. Mai des Jahres 1849 wurde die Gewerkschaft Münsterland gegründet und erwarb die Berechtsame. Im Jahr 1856 wurde mit den Teufarbeiten für den Schacht 1 begonnen. Der Schacht sollte zur Förderung und zur Wasserhaltung dienen und wurde in der Nähe der geplanten Eisenbahnlinie der Dortmund-Bochumer Eisenbahn angesetzt. Das Bergwerk gehörte zu diesem Zeitpunkt zum Bergrevier Oestlich-Witten. Die obersten acht Lachter des Schachtes wurden mit einem wasserdichten Ausbau versehen. Im Jahr darauf wurde der Schacht auf 34 Lachter abgeteuft und erreichte bei einer Teufe von 20 Metern (+81 m NN) das Karbon. Nachdem im Jahr 1858 bei einer Teufe von 75 Metern (+26 m NN) die Wettersohle und bei einer Teufe 107 Metern (−6 m NN) die erste Bausohle angesetzt worden war, wurden die ersten Kohlen gefördert.
Die ersten Betriebsjahre Im Jahr 1859 wurde mit der regelmäßigen Förderung begonnen. Der Betrieb der ersten Abbaubetriebe verlief anfangs recht gut. Abgebaut wurde im Flöz No. 5, das eine gute Gaskohle lieferte. Die geförderten Kohlen konnten zum Teil über eine Pferdebahn nach Langendreer transportiert und verkauft werden. Allerdings traten zu diesem Zeitpunkt schon recht häufig schlagende Wetter auf. Die Bewetterung erfolgte über den Schacht 1 mittels eines gemauerten Schachtwetterscheiders. Die weitere Bewetterung der Grubenbaue erfolgte über Lutten. Dadurch wurde ein für die normale Bewetterung ausreichender Wetterzug erzeugt. Allerdings wurde aufgrund der häufigen Schlagwetter das Abteufen eines zweiten Schachtes erforderlich. Ab dem Jahr 1860 wurden zunächst nur Aus- und Vorrichtungsarbeiten durchgeführt. Im Jahr 1861 erreichte der nördliche Querschlag auf der ersten Bausohle eine Auffahrungslänge von 95 Lachtern. Auf der Wettersohle wurde das Flöz No. 3 und auf der ersten Bausohle die Flöze 4 bis 6 in Verhieb genommen. Das Bergwerk gehörte zu diesem Zeitpunkt zum Bergrevier Dortmund. Im Jahr 1862 fand wieder regelmäßiger Abbau statt. und die Aus- und Vorrichtungsarbeiten wurden fortgeführt. Der nördliche Wetterquerschlag wurde bis auf eine Länge von 63½ Lachtern und der Hauptquerschlag auf der ersten Bausohle bis auf eine Länge von 126 Lachtern weiter aufgefahren. Der Hauptquerschlag erreichte damit das Flöz Nr. 2. In den Flözen Nr. 3, 4 und 6 wurden die Ausrichtungsstrecke weiter in westlicher und östlicher Richtung aufgefahren. Im Oktober 1862 wurde über Tage eine Lokomotivzweigbahn in Betrieb genommen, die zum Bahnhof Langendreer der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft (BME) führte.
Im Jahr 1863 wurde bei einer Teufe 46 Metern (+58 m NN) die Hilfssohle nach Süden angesetzt, um in den südlichen Feldern den Abbau aufzunehmen. Der Name der Gewerkschaft und des Bergwerkes wurde umgeändert in Neu-Iserlohn. Grund für diese Umbenennung waren Iserlohner Geldgeber. Die Berechtsame bestand aus drei Geviertfeldern und umfasste eine Fläche von drei Quadratkilometern. Wenige Wochen nach der Umbenennung kam es am 6. August zu einer Schlagwetterexplosion; hierbei wurden drei Bergleute getötet. Am 22. Dezember kam es erneut zu einer Schlagwetterexplosion mit ebenfalls drei Toten. Im Jahr 1864 wurden die Teufarbeiten an Schacht 1 wieder aufgenommen und bei einer Teufe 159 Metern (−58 m NN) die zweite Bausohle angesetzt. Außerdem wurde in diesem Jahr der Wetterschacht 1 geteuft. Der Schacht wurde 130 Meter südlich von Schacht 1 angesetzt. Der Schacht wurde auf eine Teufe von 30 Metern bis ins Flöz Nr. 5 geteuft. Am 6. August desselben Jahres kam es zu einer weiteren Schlagwetterexplosion; hierbei wurden vier Bergleute getötet. Im Jahr 1865 wurde mit den Teufarbeiten für den Schacht 2 begonnen. Der Schacht wurde 800 Meter nördlich von Schacht 1 im Nordfeld in Lütgendortmund am Hellweg errichtet. Der Schacht wurde mit einer elliptischen Schachtscheibe abgeteuft. Beim Durchörtern des Mergels traten starke Wasserzuflüsse auf. Man hoffte, durch den Einsatz einer Lokomobile das Wasser in den Griff zu bekommen, um so den Schacht bis ins Karbon abteufen zu können. Im Jahr 1866 wurde der Wetterschacht 1 in Betrieb genommen. Bei diesem Schacht wurde unter Tage ein Wetterofen betrieben. Über Tage wurde eine Kohlenwäsche in Betrieb genommen. Die Teufarbeiten an Schacht 2 wurden durch starke Wasserzuflüsse gestört. Da die Wasserzuflüsse sich nicht abdämmen ließen, versuchte man im Jahr 1867, das Wasser über ein neu erstelltes Bohrloch in die Grubenbaue des alten Feldes abzuleiten.
Die schwerste Schlagwetterexplosion im Ruhrrevier mini|Denkmal auf dem evangelischen Friedhof Langendreer Anfang des Jahres 1868 kam es auf dem Bergwerk zu einer erneuten Schlagwetterexplosion. Die Explosion ereignete sich in den frühen Morgenstunden des 15. Januar, kurz nachdem die Frühschicht eingefahren war. In der Nacht vor dem Ereignis war die erste Bausohle noch von einem Fahrhauer und einigen Gesteinshauern befahren worden. Dabei waren keine Ansammlungen von schlagenden Wettern bemerkt worden. Die Explosion war so heftig, dass sie bis über Tage bemerkt wurde. Bei diesem Grubenunglück verloren 82 Bergleute ihr Leben. Nur wenige Bergleute konnten sich retten; mehrere wurden von den Hilfsmannschaften gerettet. Die meisten der getöteten Bergleute befanden sich im Querschlag und im Bereich des Bremsbergs; aber auch in der Grundstrecke fanden die Helfer getötete Bergleute. Dennoch konnten auch aus den betroffenen Grubenbauen über 70 Bergleute verwundet oder ohnmächtig geborgen werden. Einige Stunden nach der Explosion befuhr der Leiter der westfälischen Bergbehörde, der Berghauptmann Prinz August von Schoenaich-Carolath, zusammen mit dem zuständigen Revierbeamten die Grube. Weitere Befahrungen und Untersuchungen der Unglücksstelle folgten in den nachfolgenden Tagen. Die Schlagwetterexplosion war das bisher schwerste Grubenunglück im Ruhrbergbau. Am Ende der bergbehördlichen Untersuchung wurden von den ermittelnden Bergbeamten mehrere Fehlerquellen für wahrscheinlich gehalten. Der eigentliche Auslöser für diese Schlagwetterexplosion konnte nicht mit absoluter Sicherheit ermittelt werden. Letztendlich war die Bergbehörde der Auffassung, dass das Grubenunglück vermeidbar gewesen wäre, wenn der für den Bereich zuständige und ebenfalls verunglückte Fahrhauer den Bereich vor Anfahrt der Frühschicht kontrolliert hätte. Aus diesen und weiteren Schlagwetterexplosionen zog die Bergbehörde erst nach vielen Jahren ihre Konsequenzen und erließ im Jahr 1898 eine Regelung, die das Berieseln der Grubenbaue mit Wasser vorschrieb. Um die Bewetterung im Grubengebäude zu verbessern, plante die Werksdirektion, den südlichen Wetterschacht bis zur ersten Bausohle zu teufen und die erste Bausohle als Wettersohle zu nutzen. Nachdem die Grubenbaue aufgewältigt worden waren, wurde der Betrieb am 9. März desselben Jahres wieder aufgenommen. Die Bergleute wurden unter anderen auf dem Evangelischen Friedhof in Langendreer beerdigt, ein Denkmal erinnert an das Unglück.
Der weitere Ausbau des Bergwerks Im Jahr 1868 erreichte Schacht 2 bei einer Teufe von 47 Metern das Karbon. Im Jahr 1869 wurde auf dem Bergwerk die erste unter Tage Wasserhaltung installiert. Diese Wasserhaltung war die erste druckluftbetriebene Wasserhaltung im Ruhrbergbau. Außerdem wurde in diesem Jahr der Schacht 2 mit der ersten Bausohle durchschlägig. Für den Schacht war eine 36-zöllige Zwillingsfördermaschine vorgesehen, die zeitnah aufgestellt werden sollte. Im Anschluss daran sollten die einzelnen Sohlen zügig ausgerichtet werden. Grund für diese Maßnahme war, dass die Lagerstättenvorräte im alten Schachtfeld fast abgebaut waren. Am 6. September wurden im westlichen Teil des Flöz Nr. erhebliche Ansammlungen von Schlagwettern festgestellt. Als Abbauverfahren wurde zu dieser Zeit der Pfeilerbau verwendet. Das Bergwerk gehörte mittlerweile zum Revier Westlich-Dortmund. Im Jahr 1870 wurde der Schacht 2 mit der zweiten Bausohle durchschlägig. Über Tage wurden das Kesselhaus und das Maschinengebäude sowie zum Teil auch das Schachtgebäude fertiggestellt. Die neue Fördermaschine war mittlerweile teilweise montiert. Am 11. Dezember desselben Jahres kam es erneut zu einer schweren Schlagwetterexplosion; hierbei wurden 35 Bergleute getötet. Im Jahr 1871 wurde mit den Arbeiten für einen Wetterschacht für das Baufeld von Schacht 2 begonnen. Im selben Jahr wurde an Schacht 1 zum ersten Mal Druckluft unter Tage angewendet. Im Schacht 2 wurde bei einer Teufe 255 Metern (−148 m NN) die dritte Bausohle angesetzt. Am 24. Juni desselben Jahres wurden bei einer Schlagwetterexplosion drei Bergleute getötet. Am 24. Juni des Jahres 1873 kam es durch einen Wetterofen zu einem Grubenbrand. Infolge dieses Grubenbrandes kam es zu mehreren Schlagwetterexplosionen; Menschen wurden hierbei nicht getötet. Am 20. Juli wurde mit den Verfüllarbeiten von Schacht 1 begonnen. Der Schacht wurde bis 32 Meter unterhalb der Rasenhängebank verfüllt und gegen Schacht 2 abgedämmt. Im Anschluss an die Verfüllarbeiten wurde der Schacht abgedeckt. Im selben Jahr soff das Südfeld ab. Außerdem wurde mit den Teufarbeiten für den Wetterschacht 2 begonnen. Der Schacht wurde 13 Meter neben Schacht 2 angesetzt. Im Jahr darauf wurde der Schacht 1 aufgewältigt. Im Schacht 2 wurde bei einer Teufe 214 Metern (−110 m NN) eine Mittelsohle angesetzt. Der Wetterschacht 2 wurde im selben Jahr bis zum Flöz Nr. 6 geteuft und hier weiter bis zur ersten Bausohle weiter geteuft. An Schacht 2 wurde eine Kokerei in Betrieb genommen. Im Jahr 1875 wurde mit den Aufwältigungsarbeiten im Südfeld begonnen. Die Anschlussbahn von Schacht 2 zur Strecke Marten – Langendreer der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft (BME) ging 1875 in Betrieb.