mini|hochkant=1.3|Wiener Staatsoper Die Wiener Staatsoper ist ein Opernhaus an der Ringstraße in der österreichischen Hauptstadt Wien. Gegründet 1708 als k. k. Theater nächst dem Kärntnertor, ist es eines der größten Opernhäuser des deutschsprachigen Raumes und eines der bedeutendsten der Welt. Das Neorenaissance-Gebäude wurde 1861 bis 1869 durch Franz Joseph I. von August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll als k. k. Hofoperntheater errichtet. Direktor der Wiener Staatsoper ist seit Juli 2020 Bogdan Roščić.Personalia – Wiener Staatsoper
Geschichte der Vorgängerbauten Wiener Hoftheater und Hofoper mini|Carl Wenzel Zajicek: Das Kärntnertortheater in Wien, gemalt um 1900 (lang nach dem Abriss)
Als kulturelle Institution ist die Wiener Staatsoper die Nachfolgerin der Wiener Hofoper, die von den Habsburgern gegründet und gefördert wurde. Zudem setzt das Wiener Staatsopernorchester die Tradition der seit 1498 belegten Wiener Hofmusikkapelle fort. Schon die Hofoper war eine führende europäische Institution und erlebte viele Uraufführungen, für die Ende des 17. Jahrhunderts vor allem Komponist Antonio Draghi und Librettist Nicolò Minato sorgten. Kaiser Leopold I. (1640–1705) war selbst ein leidenschaftlicher Musiker und mit 230 eigenen Werken auch ein begabter Komponist. Zum kaiserlichen Hofkapellmeister ernannte er mit Johann Heinrich Schmelzer erstmals einen Nicht-Italiener. Aufführungen fanden in dieser Zeit etwa in den Redoutensälen der Hofburg statt. Das dortige große Hoftheater wurde bis 1699 von Francesco Galli da Bibiena renoviert und am 28. Jänner 1700 mit Draghis Oper Alceste (Text: Donato Cupeda) wiedereröffnet, mit der auch die Geburt der Erzherzogin Maria Josepha gefeiert wurdeFranz Hadamowsky: Wien – Theatergeschichte: von den Anfängen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Jugend und Volk, Wien / München 1988, S. 144..
Zu den Glanzlichtern der Wiener Operngeschichte des Barock zählte die Uraufführung der Tragicommedia Don Chisciotte in Sierra Morena von Francesco Bartolomeo Conti am 6. Februar 1719. Zwischen 1706 und 1732 brachte Conti zahllose Werke im neapolitanischen Stil in Wien zur Uraufführung. Seit 1716 und bis zu seinem Tod 1732 wirkte zudem der Opernkomponist Antonio Caldara in Wien, wo er mehr als 80 Opern aufführte. 1730 traf auch der Dichter Metastasio in Wien ein, wo er in den folgenden Jahren zahlreiche Libretti verfasste, die in ganz Europa von diversen Komponisten vertont wurden.
mini|Theaterzettel zur Premiere der Entführung aus dem Serail durch die „Kaiserl. Königl. National-Hof-Schauspieler“ am 16. Juli 1782 mini|Theaterzettel der Uraufführung von Beethovens Fidelio am 24. Mai 1814 im Theater am Kärntnertor
Im 18. Jahrhundert existierten zwei Vorläuferbauten der späteren Hof- und Staatsoper: 1709 wurde das Theater am Kärntnertor – in unmittelbarer Nachbarschaft des heutigen Opernhauses – fertiggestellt und bis 1752 unter kaiserlichem Privileg betrieben. Nach einem Theaterbrand wurde der Neubau 1761 als „Kaiserliches und Königliches Hoftheater zu Wien“ eingeweiht. Als erstes Haus durfte aber wohl das 1748 eröffnete Alte Burgtheater am Michaelerplatz gelten, das damals gleichermaßen Schauspiel- und Opernaufführungen beherbergte und an dem u. a. Werke Christoph Willibald Glucks (darunter Orfeo ed Euridice, 1762), Wolfgang Amadeus Mozarts und Ludwig van Beethovens ihre Uraufführung feierten. Mit der Umwandlung des alten Ballsaals zu einem „Theater nächst der Burg“ war Joseph Karl Selliers, der damalige Pächter des Kärntnertor-Theaters, beauftragt worden.
Ein großer Förderer der Hofoper war Kaiser Joseph II. (reg. 1764–1790). Zu seiner Hochzeit am 24. Jänner 1765 komponierte Gluck die Oper Il Parnaso confuso, die unter musikalischer Beteiligung seiner Geschwister aufgeführt wurde. 1776 erklärte er das Haus nächst der Burg zum „deutschen Nationaltheater“. Als späterer Alleinregent gab er Mozart, mit dem er persönlich befreundet war, mehrere Kompositionsaufträge für Opern, darunter das deutsche Singspiel Die Entführung aus dem Serail (1782) und die italienische Oper Così fan tutte (1790). Mit Le nozze di Figaro billigte der aufgeklärte Absolutist zudem ein Werk, das sich mit adeligen Vorrechten und feudaler Willkür beschäftigte.
Seit den 1810er Jahren fanden die Aufführungen der Hofoper fast ausschließlich im k. k. Hof-Theater am Kärntnertor statt, so auch die Uraufführungen von Carl Maria von Webers Euryanthe (1823), Gaetano Donizettis Linda di Chamounix (1842) und Maria di Rohan (1843), Otto Nicolais Heimkehr des Verbannten (1844), Friedrich von Flotows Martha (1847) und Jacques Offenbachs Die Rheinnixen (1864). Ebenfalls 1864 war Richard Wagner endgültig daran gescheitert, Tristan und Isolde an der Hofoper uraufzuführen. Eine Aufführung seines Tannhäuser (1875) ergab die dritte Fassung des Werks letzter Hand.
Bezeichnungen der Institution Oper im Laufe der Geschichte Namevonbisk.k. Theater nächst dem Kärnthnerthore 17. April 1870Neues Haus 25. Mai 1869 27. September 1869k.k. Hofoperntheater – Neues Haus28. September 186910. März 1871k.k. Hofoperntheater11. März 187115. November 1918Operntheater3. Dezember 191825. September 1938Staatsoper27. September 1938bis 1945Gebäude am Naschmarkt19454. November 1955Opernhaus der Stadt Wien – Wiener Staatsopernensemble1. Mai 194531. Mai 1945Volksoper – Wiener Staatsopernensemble1. Juni 194510. Juli 1945Staatsoper im Volksoperngebäude11. Juli 19451. September 1946Staatsoper in der Volksoper2. September 194615. Juli 1955Wiener Staatsoperseit dem 5. November 1955heute
Die Bezeichnung Staatsoper wurde zwar auch schon ab den 1920er Jahren benützt, war aber nicht offiziell. In der Zeit des Wiederaufbaus spielte die Oper unter anderem im Theater an der Wien und in der Volksoper.
Hofoperntheater an der Ringstraße mini|Der Bau des k. k. Hofoperntheaters, 1865 mini|Theaterzettel zur Eröffnungsvorstellung des neuen Opernhauses mini|Ansicht vom Opernring, Fotochromdruck, um 1900 mini|Ansicht des Zuschauerraums von 1869
Das neue Gebäude der Hofoper wurde als erstes aus dem Wiener Stadterweiterungsfonds bestrittenes Monumentalgebäude der Ringstraße im Jahr 1860 ausgeschrieben. An dem Architektenwettbewerb beteiligten sich zahlreiche Architekten, unter anderem auch der in Deutschland mit Kulturbauten erfolgreiche Alfred Messel.. Bereits Ende 1861 begann der Bau nach Plänen der Architekten August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll im Stil der Neorenaissance, konkret nach dem Vorbild der Basilica Palladiana in Vicenza. Er dauerte insgesamt acht Jahre und wurde von Josef Hlávka, einem der prominentesten Bauunternehmer der Wiener Ringstraßenzeit, realisiert.
Das Innenministerium holte mehrere Gutachten „über das Vorhandensein geeigneter Baustoffe“ ein. Das Ergebnis waren die seit langem in Wien üblichen Steine: Der Wöllersdorfer Stein war für Sockel und freistehende, einfach gegliederte Stützen, der harte Kaiserstein (Leithakalk) aus dem Kaisersteinbruch – in seiner Farbe besser zum Kelheimer Kalkstein passend – für reicher gegliederte Teile vorgesehen. Daneben sollte der etwas grobkörnigere mittelharte Kaiserstein zum Einsatz kommen. Joiser Stein war vor allem dort zu verwenden, wo man den sehr teuren Kaiserstein nicht wählen wollte. Als Hauptstein des Opernhauses war der Kelheimer Kalkstein geplant, war in den erforderlichen Mengen aber nicht lieferbar; daneben konnte der Breitenbrunner Stein besonders empfohlen werden. Es wurde entschieden, dass die gesamte Außenhaut des Monumentalbauwerks ausnahmslos in Naturstein auszuführen sei. Durch den großen Bedarf kam der Sóskúter Stein hinzu, dieser wurde in Budapest viel verwendet, da seine Lagerstätte südwestlich der Stadt liegt. Für die Steinmetzarbeiten waren drei Wiener Unternehmen zuständig, Eduard Hauser, Anton Wasserburger und Moritz Pranter.
Die Grundsteinlegung durch Handelsminister Matthias Constantin Capello von Wickenburg erfolgte am 20. Mai 1863. 1869 war das Bauwerk fertiggestellt. Die Eröffnung erfolgte am 25. Mai 1869 in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph I. mit der Oper Don Juan von Mozart.
Die Spiegelstufen der Feststiege bestehen aus dem glattpoliertem, hartem Kaiserstein der Firma Amelin in Kaisersteinbruch. Das ist insofern bemerkenswert, als die Innenräume mit verschiedensten Marmor-Sorten ausgestattet wurden.Helmuth Furch: Der Kaiserstein ein wichtiger Stein der Wiener Ringstraße am Beispiel der k. k. Hofoper. Hauptquelle der Stadterweiterungsfonds, in: Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch. Nr. 44, November 1996. ISBN 978-3-9504555-3-3.Geologische Bundesanstalt: .
Das Gebäude wurde von der Öffentlichkeit nicht sehr geschätzt. Einerseits konnte es gegenüber dem riesigen Heinrichshof, einem privaten Zinshaus (im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1955 durch den Opernringhof ersetzt), keine rechte monumentale Wirkung entfalten. Andererseits wurde das Opernhaus, nachdem das Ringstraßenniveau vor der Oper nach Baubeginn um einen Meter gehoben wurde, als „versunkene Kiste“ und – in Analogie zum militärischen Desaster von 1866 – „Königgrätz der Baukunst“ heftig kritisiert. Van der Nüll starb durch Suizid und knappe zehn Wochen später erlag Sicardsburg einem Herzinfarkt; somit erlebte keiner der beiden Architekten die Fertigstellung.Wiener Staatsoper. In: ZEIT Reisen, abgerufen am 2. Jänner 2018.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges geriet die Oper nach US-amerikanischen Bombardements in Brand. Der Vorbau mit der Zufahrtsarkade, der Eingangshalle, dem Stiegenaufgang, sowie der darüber befindlichen Loggia, dem Schwind-Foyer (mit Freskoausstattung von Moritz von Schwind) und dem Vestibül, blieb von Bombentreffern verschont und damit im ursprünglichen Stil des Historismus erhalten.. Erhalten blieb auch der Hof-Logensalon, der vom Kaiser verwendet worden war.. Die Zuschauerränge und der Bühnenbereich wurden ein Raub der Flammen.
Lange Zeit gab es Diskussionen, ob die Oper wieder ihren ursprünglichen Zustand zurückerhalten sollte oder geschleift und an gleicher Stelle oder an einem anderen Ort neu aufgebaut werden solle. Schließlich setzte sich die Idee des Wiederaufbaus durch. Maßgeblich beteiligt waren die damaligen Wiederaufbauminister Ernst Kolb und Udo Illig. Eine politische Entscheidung traf Leopold Figl 1946 mit dem Ziel, 1949 die Wiener Oper bespielbar wiedereröffnen zu können. Ein Architektenwettbewerb wurde ausgeschrieben, den Erich Boltenstern gewann. Die eingereichten Vorschläge reichten von einer völligen Neugestaltung des Zuschauerraums bis zu einer Wiederherstellung nach den Originalplänen. Boltenstern entschied sich für eine Wiederherstellung mit gleichzeitiger Modernisierung der Formensprache im Geiste der 1950er-Jahre. Um eine gute Akustik zu erreichen, wurde – unter anderem auf Anregung von Arturo Toscanini – vor allem Holz verwendet. Außerdem erhielt das Parterre weniger Sitzplätze und der zuvor mit Säulen ausgestattete vierte Rang wurde offen gestaltet. Egon Seefehlner empfahl Heinrich Keilholz, der die Akustik wesentlich verbesserte. Am Wettbewerb zur Neugestaltung des Eisernen Vorhangs waren mehrere Künstler beteiligt, so auch Marc Chagall. Ausgeführt wurde er aber von Rudolf Hermann Eisenmenger.
Oper bis 1938