Gevelsberg ist eine Mittelstadt mit rund 30.000 Einwohnern im südlichen Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Sie gehört zum Ennepe-Ruhr-Kreis.
Geografie Geografische Lage Die geographische Lage Gevelsbergs (Innenstadt) ist 7° 20′ östliche Länge und 51° 19′ nördliche Breite. Das Stadtgebiet umfasst eine Fläche von 26,27 km². Die größte Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 7,1 km und die größte West-Ost-Ausdehnung 7,15 km. Die Höhendifferenz innerhalb des Stadtgebiets beträgt etwa 200 Meter. Die tiefste Stelle liegt an der Ennepe bei Vogelsang mit , die höchste Stelle am Hageböllinger Kopf mit .
Kulturgeographisch befindet sich Gevelsberg in einer Übergangslage zwischen dem Ruhrgebiet im Norden sowie Sauerland und Bergischem Land im Süden.
Naturraum Naturräumlich gehört das Stadtgebiet zum Süderbergland innerhalb des Rechtsrheinischen Schiefergebirges. Im Raum Gevelsberg wird das Süderbergland in mehrere Untereinheiten gegliedert: Weite Teile des nördlichen Stadtgebiets (Asbeck, Berge und Silschede) zählen zum Niederbergisch-Märkischen Hügelland (mit den Einheiten Märkisches Schichtrippenland, Haßlinghauser Rücken und z. T. Linderhauser Rücken). Das Stadtzentrum und Bereiche entlang der Ennepe werden zum Märkisch-Sauerländischen Unterland (mit der Einheit des Unteren Ennepetals) gerechnet. Der Bereich des Gevelsberger Stadtwalds im Südosten zählt zum Märkischen Oberland (mit der Einheit der Hesterthardt). An der Grenze zu Schwelm gehört ein geringer Teil des Stadtgebiets zu den Bergischen Hochflächen (mit der Einheit der Wupper-Ennepe-Hochflächen).
Kulturlandschaftlich zählt das gesamte Stadtgebiet zum Niederbergisch-Märkischen Land. mini|800px|zentriert|Panorama-Aufnahme der Stadt am 30. August 2015, Standort: Elberfelder Straße Nähe Stütingstraße, Blickrichtung nach Norden
Stadtgliederung mini|Der Fluss Ennepe bildet den tiefsten Punkt des Stadtgebiets und die Gemarkungsgrenze zwischen Berge und Gevelsberg. In ihrem heutigen Umfang besteht die Stadt seit der kommunalen Gebietsreform am 1. Januar 1970. Damals wurden durch das Gesetz zur Neugliederung des Ennepe-Ruhr-Kreises die bis dahin selbstständigen, dem Amt Volmarstein zugehörigen und nördlich von Gevelsberg liegenden Gemeinden Asbeck, Berge und Silschede – mit Ausnahme kleiner Randgebiete, die zu den Städten Wetter (Ruhr) und Sprockhövel kamen – in die Stadt Gevelsberg eingemeindet. Im Zuge der Gebietsreform wurden des Weiteren geringe Teile von Haßlinghausen und Linderhausen in die Gemarkungen Gevelsberg und Asbeck eingegliedert. Vor der Gebietsreform besaß Gevelsberg eine Fläche von 11,26 km².Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen: Vorschlag zur Neugliederung des Ennepe-Ruhr-Kreises. Düsseldorf, o. J., S. 99.
Seit der Gebietsreform von 1970 umfasst die Katasterfläche der Stadt 26,27 km². Sie ist in vier Gemarkungen mit insgesamt 44 Fluren unterteilt (Stand 2013). Die heutigen Gemarkungsgrenzen entsprechen weitgehend (abgesehen von kleinräumigen Anpassungen) den bis 1969 gültigen Gebietsgrenzen der ehemaligen Stadt Gevelsberg und der drei alten Gemeinden.
Verwaltungstechnisch ist die Stadt Gevelsberg seit 1970 in vier (mit den Gemarkungen übereinstimmende) Stadtteile gegliedert, zu denen jeweils mehrere Ortslagen gehören, d. h. unterschiedliche Siedlungsbereiche wie Stadtviertel, Weiler oder Einzellagen.
140px|Gemarkungen in Gevelsberg Übersicht der Gemarkungen/Stadtteile von Gevelsberg, Stand 2013 Gem.nr. Gemarkung FlächeEnnepe-Ruhr-Kreis: Automatisiertes Liegenschaftsbuch: (PDF; 14 kB) (Stand 1. Januar 2007) Historie zugehörige Ortslagen 1310 Gevelsberg 12,47 km² bis 1969 Stadt Gevelsberg u. a. An der Maus, Börkey, Braken, Bruchmühle, Frielinghausen, Hagebölling, In der Aske, In der Bredde, Klostermark, Sauerbruch, Vogelsang 1343 Asbeck 3,42 km² bis 1969 Gemeinde Asbeck u. a. Sonnenschein, Vosshausen 1344 Berge 5,16 km² bis 1969 Gemeinde Berge u. a. Auf der Geer, Heck, Knapp 1348 Silschede 5,24 km² bis 1969 Gemeinde Silschede u. a. Behrenbruch, Büffel, Ellinghausen, Ilberg
Nachbargemeinden Die direkten Nachbarstädte von Gevelsberg sind im Osten die kreisfreie Stadt Hagen sowie – weiter im Uhrzeigersinn – Ennepetal, Schwelm, Sprockhövel und Wetter (Ruhr) als Nachbarstädte im Ennepe-Ruhr-Kreis.
Geschichte mini|Bronzetafeln zur Stadtgeschichte am Engelberttunnel mini|Alter Kirchplatz, „Keimzelle“ der Stadt mini|Entwicklung der Einwohnerzahl zwischen 1975 und 2006 Erste Spuren menschlichen Lebens auf dem heutigen Gevelsberger Stadtgebiet stammen aus der Steinzeit.
Der Ort Gevelsberg ist aus der früheren Bauerschaft Mylinghausen hervorgegangen. Urkundlich erwähnt wurde Milinchusen erstmals am 13. Dezember 1096 in einer Urkunde, mit der der Erzbischof von Köln dem Kloster von Siegburg unter anderem einen Hof in Mylinghausen überließ. Aufgrund der Endung des Namens auf -inghausen wird angenommen, dass der Name Mylinghausen und damit die Besiedlung aus dem 9. Jahrhundert stammt.
1102 musste Friedrich von Westfalen die Hälfte seiner Grafschaft an den Erzbischof von Köln abtreten. Zu dem abgetretenen Teil, mit dem die Edelherren von Volmarstein belehnt wurden, gehörte auch das Gebiet um Gevelsberg. Ab 1180 wurden die Erzbischöfe von Köln als Herzöge von Westfalen auch weltliche Herrscher über Gevelsberg. Bekannter wurde Gevelsberg 1225, denn am 7. November des Jahres wurde in einem Hohlweg am Hang des Gevelsbergs der Reichsverweser und Kölner Erzbischof Engelbert, Graf von Berg, von dem Sohn seines Vetters, dem Grafen Friedrich von Isenberg, überfallen und erschlagen. Am vormaligen Tatort entstand etwa um 1230 zur Sühne ein Zisterzienserinnenkloster, das als Keimzelle der heutigen Stadt gilt. Ab 1324 gehörte Gevelsberg zur Grafschaft Mark. Ab 1577 erfolgte die Umwandlung des Zisterzienserinnenklosters in ein freiweltliches adeliges Damenstift. Es bestand bis 1812, als es unter Napoleon aufgelöst wurde. 1609 kam Gevelsberg unter die Herrschaft des Churfürsten von Brandenburg, der die Grafschaft Mark erbte. Da die Erbteilung auf Schwierigkeiten stieß, erfolgte bis 1614 eine gemeinsame Verwaltung der Grafschaft Mark mit dem Herzog Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg. Nach 1614 gehört Gevelsberg nur noch zu Brandenburg. 1805, also kurz vor Aufhebung des Klosters durch Napoleonisches Dekret, wurde noch das repräsentative Schieferhaus Im Stift 6 im Stil des Klassizismus für die Äbtissin fertiggestellt. Während der napoleonischen Besatzung der Jahre 1807–1813 gehörte Gevelsberg zum Großherzogtum Berg. 1815 wurde die preußische Provinz Westfalen geschaffen, zu der Gevelsberg fortan gehörte. Am 1. Mai 1867 wurde die Landgemeinde Mylinghausen offiziell in Gevelsberg umbenannt.Willy Timm: Die Ortschaften der Grafschaft Mark in ihren urkundlichen Früherwähnungen und politischen Zuordnungen bis zur Gegenwart, Unna 1991, S. 87, ISBN 3-402-05875-8. Am 1. Februar 1886 verlieh Kaiser Wilhelm I. als König von Preußen Gevelsberg aufgrund der Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen die Stadtrechte. 1889/1890 wurde in Gevelsberg eines der ersten kommunalen Elektrizitätswerke in Deutschland errichtet.Walter Vollmer: Westfälische Städtebilder. Berichte und Betrachtungen. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, S. 182. Als zweite Stadt in Deutschland (nach Berlin) führte Gevelsberg eine elektrische Straßenbeleuchtung ein.Klingelberg, Lutz: Stadtporträt Gevelsberg. Schwelmer Heimatbrief, 1994, Nr. 71, 51 f., hier: 51. Das Aufblühen der kleinindustriellen Wirtschaft (Wasserkraft nutzende Hammerwerke, Kleineisenprodukte) ließ die Bevölkerungsanzahl im 19. Jahrhundert stark ansteigen. Zahlreiche Wohnhäuser, Fabrikantenvillen und Fabrikanlagen entstanden in dieser Zeit, die das Stadtbild noch heute prägen. Nach der Reichspogromnacht 1938 wurden die jüdischen Bürger in der folgenden Zeit verschleppt. Fedor und Johanna Rosenthal, die ein großes Textilkaufhaus in Gevelsberg betrieben, kamen im KZ Sachsenhausen und Ghetto Theresienstadt um. Infolge der Auflösung Preußens nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gelangte Gevelsberg verwaltungsrechtlich zum Land Nordrhein-Westfalen.
Bergbaugeschichte
Im nördlichen Gevelsberger Stadtteil Silschede gab es schon früh, vermutlich ab Mitte des 15. Jahrhunderts, Bergbau. Wie in den Nachbargemeinden Wetter und Sprockhövel streichen dort die ältesten Flöze der Steinkohle an der Erdoberfläche aus. Erstmals urkundlich belegt ist der Abbau für 1641. Um diese Zeit gab es bereits einen alten Stollen in einem vor langer Zeit verlassenen Kohlenbergwerk. In dieser Gegend bauten die Zechen Dachsloch, Fuchsloch und Grevelsloch auf den Flözen Breite Bank, Schmale Bank und Striepen. Aus diesen Zechen entwickelte sich die Zeche Dachs & Grevelsloch. Der Hauptförderschacht war der Schacht Rudolph. 1871 wurde die Zeche Dachs & Grevelsloch von der Zeche Deutschland übernommen.
Im Jahre 1849 erbaute die Zeche Trappe in Silschede ihren neuen Tiefbauschacht Voerster. 1925 wurde dieses Bergwerk geschlossen. Nach dem Krieg gab es noch einzelne Zechen, die aber auch nach wenigen Jahren aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen wurden. So wurden zum Beispiel auf der Kleinzeche „Wilhelmsfreude“ in den alten Kohlenfeldern Restbestände abgebaut.
Im Süden und im Norden Gevelsbergs gab es unbedeutende Eisenerzvorkommen.
Ortsnamen Die frühesten Schriftzeugnisse sind von 1235 und lauten „Gyeuilberch“ und „Givelberch“. Man stellt den Namen meist zu altsächsisch *givil (‚Giebel‘, ‚Stirnseite‘), was auf die Form des Berges zurückgeht.
Politik Stadtrat
+ Sitzverteilung im Gevelsberger Stadtrat Parteien undWählergemeinschaften Sitze 2025 2020 2014 2009 2004 SPD 22 27 26 23 20 CDU 7 6 8 9 15 GRÜNE 3 5 3 2 3 LINKE 2 1 2 2 – FDP* 2 1 – 2 2 AfD 6 2 – – – FWG* – – 3 3 6 NPD – – – 1 – * (2014 FDP und FWG eine Liste)
Bürgermeister mini|hochkant|Claus Jacobi, Bürgermeister seit 2004
1886–1911: Fritz Knippschild 1911–1919: Walter Leinberger 1919–1929: Hermann Müller 1930–1933: Konrad Rappold 1933: Heinrich Hanholz (danach Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises) 1933–1945: Günther Siegfried Albitz 1945: Hermann Hußmann 1945–1961: Gustav Trost (SPD) 1961–1991: Helmut vom Schemm (SPD) 1991–2004: Klaus Solmecke (SPD) 2004–: Claus Jacobi (SPD)
Stadtdirektoren Von 1946 bis zur Zusammenlegung der Funktion des Stadtdirektors mit der des Bürgermeisters im Jahre 1996 standen an Spitze der Stadtverwaltung folgende Stadtdirektoren: 1946–1969: Erich Blumenroth 1969–1981: Gerhard Borgemeister 1981–1996: Volker Stein (SPD) (danach Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises)
Wappen Durch Erlass des Preußischen Innenministeriums vom 9. März 1903 erhielt die Stadt das erste historische Stadtwappen.
Auf einem goldfarben grundierten, rechteckigen Schild mit unten abgerundeten Ecken erhebt sich über einem grünen Hügel ein roter, von drei Rundbogenfenstern durchbrochener Backsteingiebel, ein Bezug auf die Herkunft des Ortsnamens („Gevel“ = „Giebel“). Im Zentrum des Wappens befindet sich auf einem goldenen Herzschild ein schwarzes Kammrad.
Aus diesem ursprünglichen Stadtwappen wurde Mitte der 1950er-Jahre das aktuelle Gevelsberger Stadtwappen entwickelt, das seither bei allen offiziellen Anlässen verwendet wird. Am oberen Rand angebracht ist hier zusätzlich eine dreitürmige, sandsteingraue Mauerkrone mit einem geschlossenen Stadttor unter dem Mittelturm, das Abzeichen der Stadtrechte. Das zentrale Herzschild mit dem Rad als Zeichen der Industrie ist hier farbig in das Rot des Gebäudes aufgenommen.
Städtepartnerschaften Gevelsberg hat drei Partnergemeinden: Vendôme ist eine französische Kleinstadt mit etwa 17.000 Einwohnern, die im Département Loir-et-Cher in der Region Centre-Val de Loire liegt. Die Partnerschaft besteht seit 1973. Szprotawa (deutsch: Sprottau) ist eine polnische Stadt mit etwa 12.000 Einwohnern, die zur Woiwodschaft Lebus gehört. Der Ort liegt im ehemaligen Niederschlesien, rund 50 km entfernt von der deutsch-polnischen Grenze bei Cottbus. Die Partnerschaft besteht seit dem 17. Mai 1996.