Die Pichler-Produktionsfunktion ist in der betriebswirtschaftlichen Produktionstheorie eine 1953 von Otto Pichler aufgestellte Produktionsfunktion.
Allgemeines Produktionsfunktionen stellen einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Produktionsfaktoren () und der Ausbringung () her, ihnen liegt eine Input-Output-Analyse zugrunde. Historische Grundlage war das Ertragsgesetz aus dem 18. Jhd., das man als „Typ A“ bezeichnete, nachdem Erich Gutenberg 1951 die Gutenberg-Produktionsfunktion (Typ B) formulierte. Im Anschluss an Gutenberg wurden weitere spezielle Typen von Produktionsfunktionen durch verschiedene Autoren vorgeschlagen. Wegen des impliziten Alleinvertretungsanspruchs dieser Funktionen erlangte die vom Ingenieur Otto Pichler 1953 aufgestellte Produktionsfunktion keine angemessene Beachtung in der Betriebswirtschaftslehre und erhielt in der Typologie keinen Buchstaben.Harald Dyckhoff,, Betriebliche Produktion, 1992, S. 100
Inhalt Die Pichler-Produktionsfunktion geht von einem mehrstufig produzierenden Mehrproduktunternehmen aus, wobei die Input-Output-Beziehungen in Fertigungsstufen erfasst werden, in denen mehrere Input-Güterarten zu mindestens einer Output-Güterart kombiniert werden.Otto Pichler, Anwendung der Matrizenrechnung auf betriebswirtschaftliche Aufgaben, in: Ingenieur-Archiv, Band 21, 1953, S. 119 ff. Dabei stellt Pichler linear verlaufende Leitgrößen auf und unterscheidet zwischen den Durchsätzen (Abhängigkeiten zwischen den Mengen der Güterarten) und betrieblichen Nebenbedingungen (Abhängigkeiten der Gütermengen von technischen Eigenschaften) und gelangt zu der Durchsatzfunktion:Ralf Gössinger, Dienstleistungen als Problemlösungen, 2005, S. 38 . Für die Transformationsfunktionen ergibt sich: . Pichler untersuchte die chemische Industrie und verfasste außer der zitierten Quelle noch weitere Aufsätze zum Thema.Otto Pichler, Anwendung der Matrizenrechnung zur Erfassung von Betriebsabläufen, in: Ingenieur-Archiv, Band 21, 1953, S. 157 f.Josef Kloock, Betriebswirtschaftliche Input-Output-Modelle: Ein Beitrag zur Produktionstheorie, 1969, S. 79
Rezeption Otto Pichler (1898–1965) versuchte, in Erweiterung der Ideen von Tjalling C. Koopmans (1951)Tjalling C. Koopmans, Activity Analysis of Production and Allocation, 1951, S. 339 ff. und Leontief (1953), Gesetzmäßigkeiten der Produktion mit Hilfe der Durchsatzfunktionen zu erfassen und im Rahmen einer substitutionalen Produktionsfunktion abzubilden.Günter Fandel, Produktion I: Produktions- und Kostentheorie, 1987, S. 143 Der Ingenieur Pichler sorgte mit seinem Aufsatz für eine Annäherung der Ingenieurwissenschaften an die Betriebswirtschaftslehre.
Literatur Josef Kloock, Betriebswirtschaftliche Input-Output-Modelle: Ein Beitrag zur Produktionstheorie, 1969, Springer Fachmedien/Wiesbaden, ISBN 9783663031178
Siehe auch Produktionsfunktion vom Typ A Produktionsfunktion vom Typ B Produktionsfunktion vom Typ C Produktionsfunktion vom Typ D Produktionsfunktion vom Typ E Produktionsfunktion vom Typ F
Einzelnachweise
Kategorie:Betriebswirtschaftslehre Kategorie:Ingenieurwissenschaft Kategorie:Produktionsfunktion Kategorie:Produktionstheorie Kategorie:Volkswirtschaftslehre