The Woman King ist ein Filmdrama von Gina Prince-Bythewood, das im September 2022 beim Toronto International Film Festival seine Premiere feierte, kurz später in die nordamerikanischen Kinos und im Oktober 2022 in die deutschen Kinos kam. Der fiktive Historienfilm spielt in dem ehemaligen Königreich Dahomey in Westafrika, das zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert bestand und über eine Elitegruppe von rein weiblichen Kriegern verfügte.

Handlung Im Jahr 1823 verteidigen die Agojie, eine Einheit von Kriegerinnen, das Königreich von Dahomey. Das Land in Westafrika hat seit kurzem einen neuen König, Ghezo, der seinen Bruder ablöste. Die Einwohner Dahomeys werden vom Oyo-Imperium bedroht, das doppelt so viele Menschen wie ihr Land zählt. Immer wieder gelingt es den von Generalin Nanisca angeführten Agojie, Dörfer zu befreien, die von den Oyo überfallen worden sind. Auch Dörfer der Mahti finden sich darunter. Wen die Agojie nicht töten, nehmen sie gefangen.

Nanisca will um jeden Preis verhindern, dass Dahomey auch weiterhin Afrikaner, egal von welchem Volk, als Sklaven an die Europäer verkauft. Um weiterhin Handel betreiben zu können, schlägt sie ihrem König den Anbau von Palmen zur Gewinnung von Palmöl vor. Nanisca genießt beim König hohes Ansehen, hat sie doch während des Umsturzes für Ghezo gekämpft und ihn auf den Thron gebracht.

Die 19-jährige Nawi, eine zierliche junge Frau, hat sich geweigert, einen viel älteren Mann zu heiraten, der sie auf seiner Plantage arbeiten lassen will und sie schon bei ihrem ersten Aufeinandertreffen geschlagen hat. Daher bringt ihr Vater sie als Geschenk für Ghezo zum Palast, wo sie sich den Agojie anschließen soll. Diese leben dort getrennt von anderen Bewohnern, versorgen sich nach den Kämpfen gegenseitig ihre Wunden und trainieren für ihren nächsten Einsatz. Die Bewohner des Königreichs halten sie für fast mythische Wesen und erzählen Legenden von ihnen, so dass niemand vermutet, dass es sich um ganz gewöhnliche Frauen handelt.

Bislang kannte Nawi die Agojie nur aus der Ferne. Wenn sie siegreich zurückkehrten und die Menschen Spalier für sie standen, wagte sie manchmal einen Blick auf sie, obwohl es eigentlich verboten war, sie anzusehen. Die Frauen der Agojie werden zwar von allen verehrt und für ihre Dienste bezahlt, doch dürfen sie keinen Ehemann nehmen und keine Kinder bekommen. Sie sollen sich ganz der Verteidigung ihres Landes widmen und gegebenenfalls sogar ihr Leben geben. Da manche der Aspirantinnen hierzu nicht bereit sind, dürfen sie gehen. Die, die wie Nawi bleiben, erhalten eine Kampfausbildung und werden im Umgang mit Gewehren, Hieb- und Stichwaffen geschult. Nawi hat die Kriegerin Izogie als ihr großes Vorbild gewählt und beginnt ihr nachzueifern. Die junge Frau hinterfragt jedoch, sehr zum Missfallen ihrer Generalin, alles, und vieles geht ihr nicht schnell genug. Doch schon bald ist sie in vielem die Beste unter den neuen Bewerberinnen.

Eines Tages kommt eine Gruppe der Oyo mit ihrem neuen Anführer Oba Ade zum Palast, um sich über den geringen Tribut zu beschweren, den Ghezo ihnen hat zukommen lassen. Nanisca erkennt in ihm den Mann, der sie viele Jahre zuvor gefoltert hat. Ghezo verspricht, den Oyo bald 20 seiner Kriegerinnen zu übergeben. Ausgewählt werden diese, darunter auch Nawi, von Nanisca. Bei der geplanten Übergabe auf dem Sklavenmarkt am Hafen von Quidah wirft Nanisca den Oyo jedoch nur einige Köpfe der von ihnen getöteten Krieger vor die Füße, und die Agojie können fliehen.

Unterdessen sind die Südamerikaner Santo und Malik nach Afrika gekommen. Santo hat die Geschäfte seines Vaters übernommen, und Malik ist sein bester Freund aus Kindertagen. Maliks kürzlich verstorbene Mutter war eine nach Brasilien verschleppte Sklavin und hatte ihn vor ihrem Tod gebeten, einmal seine eigentliche Heimat Dahomey mit eigenen Augen zu sehen. Als Santo und Malik Ghezo einen Besuch abstatten, kommen sie gerade rechtzeitig, um die letzte Prüfung der Bewerberinnen miterleben zu können. Nawi geht als Siegerin aus dieser hervor, und die jungen Frauen sind nun Teil der Garde des Königs. Nawi und Malik haben schon zuvor Bekanntschaft gemacht, als sie ihn im Wald beim Baden erwischte. Am Abend treffen sie sich, doch Nawi lässt sich trotz seiner charmanten Avancen nicht in Versuchung führen.

Als Nanisca erfährt, dass Nawi eine Waise ist, beginnt sie sich Gedanken über den Verbleib ihrer eigenen Tochter zu machen, die sie vor vielen Jahren nach ihrer Gefangenschaft, während der sie viele Male vergewaltigt wurde, zur Welt brachte. Nanisca erzählt Nawi von dem Schnitt, den sie diesem Baby in der Nacht der Geburt in der Schulter zufügte und in den sie einen Haifischzahn drückte. Als sie unter der Narbe nachsehen, die Nawi an der gleichen Stelle hat, finden sie ebendiesen Zahn und haben Gewissheit.

Durch ihr Gespräch mit Malik hat Nawi erfahren, dass die Oyo einen gemeinsamen Angriff mit ihren Verbündeten auf den Palast planen. Als Nanisca hiervon hört, will sie ihnen zuvorkommen, und Nawi muss sich auf ihren ersten Kampf vorbereiten. Sie basteln mit dem Schießpulver, das eigentlich für die Gewehre bestimmt ist, Sprengsätze und überraschen die Feinde im frühen Morgengrauen. Die Agojie kämpfen in dieser Schlacht Seite an Seite mit den Männern von Dahomeys Infanterie, bis Oba Ade den Rückzug befiehlt. Beide Seiten haben hohe Verluste erlitten. Die Agojie sammeln ihre Verletzten ein, doch von Nawi fehlt jede Spur. Sie wurde bei einem Sturz bewusstlos und erwacht erst gefesselt auf einem Pferdewagen der Oyo wieder, der sich auf dem Weg zum Sklavenmarkt befindet. Dort angekommen, muss Nawi feststellen, dass auch Izogie verletzt gefangen genommen wurde. Ein Fluchtversuch endet jedoch mit dem Tod ihrer Mentorin. Malik kauft sie kurzerhand, um sie zu beschützen.

In der Nacht, als sie von Nanisca und einigen ihrer Getreuen gerettet werden, finden nicht nur viele der Sklavenhändler den Tod. Nanisca kann Oba Ade töten, und auch Santo verliert sein Leben, weil Malik ihn schweren Herzens im Stich lässt. Sie kehren rechtzeitig zu den großen Feierlichkeiten in den Palast zurück, bei denen der König seine zukünftige Mitregentin bekannt geben will. Obwohl sie sich mit der Befreiung der gefangenen Agojie einem direkten Befehl widersetzt hat, macht Ghezo seine Generalin zur Woman King, und sie darf neben ihm Platz nehmen. In der Nacht, als sie auch den Sieg über die Oyo feiern, tanzen Nanisca und Nawi zusammen. Unterdessen ehrt Amenza ihre getötete Blutschwester Izogie in einem kleinen Ritual.

Themen Die Kriegerinnen im Königreich Dahomey

Das Königreich Dahomey war ein westafrikanisches Königreich, das etwa 260 Jahre lang an der Küste der Bucht von Benin bestand. Vom 17. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts verfügte Dahomey über Frauen-Regimenter in der Armee. Es wird vermutet, dass die Einheit der Agojie aus der Not geboren wurde und Dahomey versuchte, der Zermürbung junger Männer durch die Kriege entgegenzuwirken, indem man Frauen in militärische Reihen rekrutierte. Jede unverheiratete Frau konnte den Agojie beitreten.Lovia Garkye: 'The Woman King' Review: Viola Davis Transforms in Gina Prince-Bythewood’s Rousing Action Epic. In: The Hollywood Reporter, 9. September 2022.

Im Jahr 1960 gründete sich unter Bezugnahme auf das alte Königreich der moderne Staat Dahomey, dessen Staatsgebiet sich in Teilen mit dem Gebiet des alten Königreiches deckte, in den nördlichen Teilen aber weit darüber hinausreichte. 1975 wurde dieser Staat in Volksrepublik Benin umbenannt.

Auch die 1998 in den Comics eingeführte und in dem Film Black Panther sehr präsente, ausschließlich weibliche Leibgarde des Königs von Wakanda, die Dora Milaje, basiert auf den Agojie.Martin Schwickert: Echte Frauenpower: der Kinofilm „The Woman King“. In: rnd.de, 30. September 2022.Lutz Granert: The Woman King. In: Filmstarts. Abgerufen am 29. September 2022.

Selbstermächtigung und MeToo

mini|hochkant=1.05|links|Regisseurin Gina Prince-Bythewood Trotz der Verwendung der historischen Landes- und Personennamen ist The Woman King keine reine Biografie und auch kein Historienfilm über das Königreich Dahomey oder die Agojie, sondern vielmehr von den wahren Ereignissen und den Figuren dieses Kapitels des Landes inspiriert.Stephane Dunn und Beverly Guy-Sheftal: Commentary: Why ‘The Woman King’ Is Revolutionary. In: sdvoice.info, 22. September 2022.Emma Baty: Is 'The Woman King' Based on a True Story? Here’s What We Know. In: Cosmopolitan, 21. September 2022.

Hauptdarstellerin Viola Davis sagte bei der Premiere des Films über die MeToo-Aspekte: „In der heutigen Zeit und in dieser Kultur, in der Frauen angegriffen werden und in der sie die Entscheidung über ihren Körper verlieren, zeigt sich: Wir sind Bürger zweiter Klasse. Ich hoffe, dass Frauen den Kriegergeist des Films verinnerlichen und lernen, dass sie die Macht haben, das Narrativ zu ändern. Ich hoffe, dass sie risikofreudiger werden.“Viola Davis in „The Woman King“: 'Müssen mehr Kriegerinnen sehen'. In: film.at, 10. September 2022.

Der „Feminismus“ von The Woman King entspreche jedoch genau dem vorherrschenden Feminismus der liberalen Oberschicht im Westen, so Slavoj Zizek in der Berliner Zeitung: „Die Amazonenkriegerinnen aus Dahomey sind wie die heutigen MeToo-Feministinnen, die alle Formen der binären Logik und des Patriarchats oder sogar Spuren von Rassismus in unserer Alltagssprache sehr scharf verurteilen, aber sehr darauf bedacht sind, die Formen des 'Sklavenhandels' im heutigen globalen Kapitalismus nicht wirklich zu stören, welche aber den wahren Grund für den anhaltenden Rassismus darstellen.“

Bereits das Gemetzel zu Beginn von The Woman King, in dem die geballte schwarze Frauenpower vorgeführt wird, sei ein Statement: „Die Kriegerinnen erobern in diesem Moment nicht nur die feindliche Stellung, sondern auf höchstem inszenatorischem Niveau auch die männliche Domäne des monumentalen Actionfilms“, so Martin Schwickert. So habe der Film durchaus Chancen, als Braveheart für die Me-Too- und die Black-Lives-Matter-Ära gleichermaßen in die Filmgeschichte einzugehen.

Black Lives Matter

Nanisca ist als Generalin auch Politikerin, und als Vertraute des Königs will sie ihn dazu bringen, den Sklavenhandel zu beenden, den sie für einen Schandfleck ihres Volkes hält.Kathleen Hildebrand: "The Woman King" im Kino: Der Kampf der Frauen. In: Süddeutsche Zeitung, 7. Oktober 2022. Sie macht ihren enormen Einfluss auf Ghezo geltend und tritt dafür ein, dass ihr Land aus dem Teufelskreis des Sklavenhandels aussteigt, der nicht nur von den Oyo betrieben wird. Auch Ghezo selbst ist auf dieses dunkle Kapitel in der Geschichte seines Landes nicht stolz, hatte sein Bruder doch sogar seine Mutter an die Sklavenhändler nach Amerika verkauft, wo er noch immer nach ihr suchen lässt. Der größte Teil des Reichtums des Königreichs Dahomey stammte wirklich aus der Sklaverei. Es eroberte andere afrikanische Staaten und versklavte deren Bürger. Anders als im Film dargestellt setzten die weißen Sklavenhändler jedoch kaum einen Fuß auf afrikanischen Boden.Slavoj Zizek: Frauen geben der Neuen Rechten ein menschliches Gesicht. In: Berliner Zeitung, 4. Oktober 2022.

Kathleen Hildebrand erklärt in der Süddeutschen Zeitung, durch diese sanft alternative Geschichtsschreibung tausche der Film historische Korrektheit gegen eine klare Moral. Damit habe der Film die Möglichkeit genutzt, sich auch an diese unbequemen Themen heranzuwagen, so Wendy Ide: „Es geht um die Überwindung von Traumata; er konfrontiert und hinterfragt die Rolle einiger afrikanischer Völker – einschließlich der Dahomey – bei der Versklavung anderer.“Wendy Ide: The Woman King review – a thunderously cinematic good time. In: The Guardian, 1. Oktober 2022.

Produktion Idee und Filmstab mini|hochkant=0.75|Produzentin Maria Bello