mini|Hinrichtungen 2006 in einigen Ländern laut Amnesty InternationalAmnesty International: http://www.amnesty.org/ (englisch). mini|Anzahl der Hinrichtungen in den USA, 1608 bis 2009

Eine Hinrichtung, im Sprachgebrauch auch Exekution, ist die vorsätzliche Tötung eines in der Gewalt der Hinrichtenden befindlichen gefangenen Menschen, meist als Vollzug einer von der Justiz eines Landes ausgesprochenen Verurteilung zur Todesstrafe. Werden Menschen durch staatliche Stellen widerrechtlich getötet, handelt es sich um extralegale Hinrichtungen. Der Begriff wird im weiteren Sinne auch für die Tötung eines Menschen durch nicht hoheitlich befugte Personen, Gruppen oder Organisationen verwendet, beispielsweise im Zusammenhang mit Terrorismus oder Kriminalität.

Hinrichtungsarten Die Hinrichtungsarten oder Sterbearten dürfen nicht mit der Todesart oder der Todesursache verwechselt werden. Zum Beispiel führt Ertränken zum Ertrinken. Auch traten Fälle auf, bei denen die Verurteilten nach der HinrichtungTankred Koch: Nach der Hinrichtung noch Lebende und bei der Obduktion Erwachte. In: Tankred Koch: Lebendig begraben. Geschichte und Geschichten vom Scheintod. Edition Leipzig, 1990, ISBN 3-361-00299-0; Neudruck (Lizenzausgabe mit dem Titel Scheintod. Lebendig begraben) Tosa Verlag, Wien 2002, S. 196–200. noch lebten.

Zur Hinrichtung wurden oder werden folgende Methoden verwendet:

Heute Elektrischer Stuhl (seit 1889 in den USA, nur noch in wenigen Bundesstaaten; früher auch Philippinen) Enthauptung mit dem Schwert (z. B. Saudi-Arabien) Erhängen (Galgen; Todeseintritt durch Genickbruch, Unterbrechung des Blutstromes zum Gehirn oder Ersticken) (z. B. Japan) Erschießung (Herz- oder Kopfschuss, Genickschuss), im militärischen Bereich wird die Bezeichnung Füsilieren verwendet (z. B. China, Belarus als letztes Land in Europa Genickschuss, USA) Steinigung (z. B. bei Anwendung der Scharia des Islams) (z. B. Saudi-Arabien, Iran) Erstickung („Stickstoffhypoxie“, Verabreichen von Stickstoff per Maske) (seit 2024, USA) Vergiftung (Giftspritze oder Gaskammer) (USA, Giftspritze in mehreren Bundesstaaten und Gaskammer in wenigen; China, Giftspritze)

Seit dem Jahr 2000 sind nach Kenntnis von Amnesty international folgende Hinrichtungsmethoden bei der Vollstreckung der Todesstrafe angewandt worden: Elektrischer Stuhl: USA (nicht alle Bundesstaaten) Enthauptung mit dem Schwert: Saudi-Arabien Hängen: Ägypten, Indien, Irak, Iran, Japan, Jordanien, Libyen, Pakistan, Singapur, Malaysia und weitere Länder Erschießung: USA, Belarus, Volksrepublik China, Nordkorea, Somalia, Republik China (Taiwan), Usbekistan, Vietnam und weitere Länder Steinigung: Afghanistan, Iran, Sudan, Teile Nigerias, Somalia Giftspritze: Volksrepublik China, Guatemala, Thailand, USA

Historische Hinrichtungsarten Die Brutalität historischer Hinrichtungsarten zeigt deutlich, dass diese Verurteilte nicht nur töten sollten, sondern darauf abzielten, ihnen zusätzliches Leid durch Folter zuzufügen. mini|Ein verurteilter Chinese wartet kniend vor seinem Grab auf die Enthauptung durch den japanischen Henker (Tientsin, China, 1901) mini|Hinrichtung der vier Lincoln-Verschwörer am Galgen (1865) sukzessives Abtrennen von Körperteilen (Lingchi; in China bis 1905 legal) Ausweiden, auch Ausdärmen genannt Bambusfolter Blutaar, auch Blutadler – ob diese Methode bei den Wikingern tatsächlich angewendet wurde oder eine Erfindung ist, ist aus heutiger Sicht unklar.Blutige und antike Hinrichtungsmethoden. Der Blutadler Archaeo Now Abgerufen am 19. Juni 2021. Damnatio ad bestias, im Römischen Reich warf man Verurteilte mitunter auch den „wilden Tieren zum Fraß“ vor Damnatio ad ferrum, Oberbegriff für die Todesstrafe im Römischen Reich, beinhaltet aussichtslose Kämpfe der Verurteilten gegeneinander (bis zum Tod aller Delinquenten) oder gegen einen (bzw. mehrere) Gladiator/en (damnatio ad gladium) Dezimation Todesstrafe durch Auslosung, z. B. bei Meuterei im Militärrechtswesen im antiken Rom Einflößen geschmolzenen Metalls (meist Blei) in der jüdischen Antike und anderen altorientalischen Kulturen lebendig Begraben, einschließlich Einmauerung Enthauptung mit der Guillotine, dem Richtschwert oder dem Richtbeil Enthäuten oder Schinden, mit Folter kombinierte Hinrichtungsart, von der Antike bis in die Frühe Neuzeit Erstechen Erdrosseln, in Österreich von 1870 bis 1950 z. B. mit dem Würgegalgen in Spanien bis 1974 auch mit der Garrotte mini|Hinrichtung mit der Garrotte im Bilibid-Gefängnis in Manila auf den Philippinen (1901) Erfrieren lassen Erschlagen; Rädern, Fustuarium, Herabstürzen aus großer Höhe, zum Beispiel von Türmen, Brücken, siehe auch Tarpejischer Fels; seltener durch Katapultieren Ertränken Estrapade, Hinrichtungsart, die mit der Foltermethode Pfahlhängen verwandt ist Exekution durch Elefanten Fustuarium, Anwendung im Militärrechtswesen im antiken Rom, u. a. bei Pflichtvernachlässigung Hexenproben, durch die Angeklagte der Hexerei überführt werden sollten, konnten zum Tod führen: die Wasserprobe (auch „Hexenbad“) sowie die Feuerprobe Beim In die Asche werfen musste man tagelang bis zum Tode in einem mit Asche gefüllten Raum verweilen.Der Spiegel, Nummer 20/2009, S. 142. Hängen, Ausweiden und Vierteilen wurde in England bei Hochverrat und Falschmünzerei, in Italien auch bei Giftmord angewendet.Aqua Tofana Chapter for Elsevier's "Toxicology in the Middle Ages and Renaissance" on an Italian poisoning case from the first half of the 17th century. By Mike Dash (engl) Academia.edu Abgerufen am 19. Juni 2021. Kannibalismus Kochen bei lebendigem Leib (=Sieden) Kolumbianische Krawatte, auch unter dem Namen mexikanische oder sizilianische Krawatte bekannte Folter- und Hinrichtungsmethode Kreuzigung Little Ease, diese aus England stammende Foltermethode konnte je nach Dauer der Anwendung zum Tod führen. Judenstrafe, Sonderform des Erhängens, auch verkehrtes Hängen (an den Füßen aufhängen, oft auch zusammen mit Hunden), im Mittelalter in Südeuropa, Deutschland und den Niederlanden angewendet Martern am Marterpfahl Mazzolata, auch Mazzatellowww.todesstrafe.de: Matzzatello. (in Italien bis Anfang des 19. Jahrhunderts: Der Verurteilte wurde mit dem Gesicht zur Menge der Zuschauer gestellt, manchmal auch an ein Andreaskreuz gefesselt. Dann wurde ihm mit einer Keule der Kopf eingeschlagen. Während er vornüber umfiel, wurde ihm die Kehle durchgeschnitten; erwähnt in Der Graf von Monte Christo.) Rädern (Radebrechen) mini|Richtblock mit Beil Richtbank, Hinrichtungen auf der Richtbank oder dem Richtblock erfolgten in Kombination mit einem Beil Rösten zwischen Feuern oder in einem FeuerringRösten: Strafen in Russland auf lexikus.de und Bestrafung von Freibeutern aus Geschichte des Abfalls der Niederlande von der spanischen Regierung. Säcken als Variante des Ertränkens (nach Einnähen des Delinquenten in einen Sack, gemeinsam mit einem lebenden Tier) Scaphismus auch Verwesen im Trog oder In-den-Trog-Setzen mitunter wurde das Gesicht des Verurteilten zusätzlich mit Milch und Honig bestrichen; Maden und Würmer zerfraßen den Körper.Der Spiegel, Nummer 20/2009, S. 142.Geschichte: Verwesung im Trog Spiegel.de. Abgerufen am 19. Juni 2021. Schmäuchen (Schmeuchen, Schmauchen), langsames, unterbrochenes Ersticken über Qualm Öffentliches Sezieren Sizilianischer Bulle (Hitzefolter durch Einschließen in einen befeuerten Ofen) Strecken (Ausdehnung, Streckbank) Stürzen in einen AbgrundRoland Villeneuve: Grausamkeit und Sexualität. Rixdorfer Verlagsanstalt, Berlin 1988, Seite 46. Pfählung, der rumänische Fürst Vlad III. Drăculea wendete diese grausame Hinrichtungsart so gern an, dass sie mit für seinen Beinamen „Sohn des Teufels“ verantwortlich war Über die Planke gehen Verbluten (u. a. beim Zersägen, Zerstückeln und Vierteilen) Verbrennen; Scheiterhaufen Verdurstenlassen und Verhungernlassen, körperliche Auszehrung (siehe auch Hungerturm, -bunker) Vergiften (der möglicherweise bekannteste historische Fall war die Hinrichtung des Sokrates mit Hilfe des Schierlingsbechers) Vierteilung – insbesondere bei Königsmord im Mittelalter und der Frühen Neuzeit angewendete Hinrichtungsart ZangenreißenFriedrich Merzbacher: Die Hexenprozesse in Franken. 1957 (= Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte. Band 56); 2., erweiterte Auflage, C. H. Beck, München 1970, ISBN 3-406-01982-X, S. 108. Zermalmung als Form des Erstickungstodes Zerquetschen (mit Elefanten, Steinen oder Geräten ähnlich der Garrotte) mini|Tod durch Zerquetschen bei der Hinrichtung von Giles Corey 1693, Grafik 1923 (?) Zerreißen mittels Estrapade oder Wippgalgen Zersägen Zerstückeln, chinesisch Lingchi, „Tod durch tausend Schnitte“ insbesondere für Hochverräter und Anführer von Revolten in China

Symbolische Hinrichtung In manchen Fällen wird das Schauspiel einer öffentlichen Hinrichtung vollzogen, ohne dabei tatsächlich jemanden zu töten: Wenn das Opfer bereits tot ist (posthume Hinrichtung), so geschehen zum Beispiel bei dem englischen Politiker Oliver Cromwell. Wenn das Opfer nicht in der Gewalt der staatlichen Institutionen war, wurden von der spanischen Inquisition geflohene Ketzer häufig in effigie, also in Gestalt einer Strohpuppe, verbrannt. Noch ist bei radikalisierten politischen Kundgebungen das Verbrennen oder Erhängen von Puppen zu beobachten, die besonders gehasste Personen darstellen. Ein weiteres Beispiel dafür ist die Nubbelverbrennung im rheinischen Karneval.

Offenbar ist in solchen Fällen die Propagandawirkung der Hinrichtung, also die drastische Darstellung des Missfallens der durchführenden Partei gegenüber dem Hingerichteten, als Abschreckung oder verbindendes Gemeinschaftserlebnis noch vorhanden.

Geschichte Abendländische Entwicklung Von vielen Vollstreckungsmethoden der Todesstrafe setzten sich einige im Lauf der Geschichte längerfristig durch, lösten einander ab oder wurden und werden parallel ausgeübt. Im Alten Orient war meist die Steinigung üblich, die ein Kollektiv – meist die Sippe oder der Stamm – durchführte. Später wurde von den Anklägern verlangt, die ersten Steine auf das Opfer zu werfen, um so ihre rechtmäßige Anklage zu unterstreichen und Meineide im Prozess zu erschweren. Im Iran wird die Steinigung für Ehebruch teilweise noch durch den Staat ausgeübt.

Das Römische Reich löste kollektives Sippenrecht durch ein Staatsrecht ab. Hier war die Kreuzigung für entlaufene Sklaven, Verbrecher ohne römisches Bürgerrecht und Aufständische die übliche Hinrichtungsart. Staatsfeinde oder Hochverräter wurden im Carcer Tullianus der Stadt Rom häufig auch erdrosselt oder (seltener) enthauptet, danach, wie bei der Kreuzigung, auf der Gemonischen Treppe öffentlich zur Schau gestellt, durch die Stadt geschleift und in den Tiber geworfen.

Das europäische Mittelalter behielt das Kreuzigen wegen des christlichen Glaubens an den gekreuzigten Jesus Christus nicht bei, sondern erfand dafür viele neue Methoden. Für besonders schwere Straftaten waren Erhängen, Erwürgen mit einem Strick oder Rädern üblich. „Ketzer“ wurden häufig bei lebendigem Leib auf dem Scheiterhaufen verbrannt, wobei sie meist schon am Qualm erstickten, bevor sie verbrannten. Anfangs war diese Strafe rechtlich streng begrenzt und daher selten, wurde aber in einigen Ländern und Zeiten exzessiv angewandt, etwa während der spanischen Inquisition und vor allem bei der Hexenverfolgung ab Ende des 15. Jahrhunderts. Die Enthauptung durch das Schwert war Adeligen oder anderen privilegierten Verurteilten vorbehalten.