mini|Eingang zum Wimbledon Shop am Centre Court Als Wimbledon Championships (in der Kurzform auch Wimbledon) wird das älteste und prestigeträchtigste Tennisturnier der Welt bezeichnet. Ab Ende Juni werden in Wimbledon, dem Stadtteil SW19 (south-west-nineteen) von London, jährlich zwei Wochen lang die Lawn Tennis Championships vom All England Lawn Tennis and Croquet Club ausgetragen. Es ist das dritte Grand-Slam-Turnier des Jahres und das einzige, das auf Rasen () gespielt wird. Die Plätze in Wimbledon werden umgangssprachlich auch als „heiliger Rasen“ bezeichnet, das Turnier auch als Fortnight (). Das Turnier zählt zu den größten und bedeutendsten Sportveranstaltungen der Neuzeit. Turnierdirektor ist seit 2020 Jamie Baker.

Geschichte mini|Wimbledon-Anlage 1931 mini|Wimbledon-Anlage 2024

Die ersten Lawn Tennis Championships begannen am 9. Juli 1877 auf einem Gelände an der Worple Road in Wimbledon. Anlass dafür war die Rechnung über 10 Pfund für eine Rasenwalze, die erneuert werden musste. So entstand die Idee, ein Turnier abzuhalten und dafür Eintrittsgeld von den Zuschauern zu verlangen.

Zunächst nur für Männer zugelassen, wurden 1884 die Wettbewerbe für Dameneinzel und Herrendoppel eingeführt. Damendoppel und Mixed wurden 1913 ins Turnierprogramm aufgenommen. 1922 wurde ein neuer Tenniskomplex an der Church Road eingeweiht. Das für 15.000 Zuschauer ausgelegte Stadion entwickelte sich zum „Mekka des Tennissports“. 1937 wurden die Championships erstmals im Fernsehen übertragen. Während des Ersten Weltkriegs (1915–1918) und des Zweiten Weltkriegs (1940–1945) fanden keine Turniere statt. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wurde eine Austragung des Tennisturniers infolge der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 abgesagt.

Beim Wimbledonturnier 1973 sagten 81 Spieler ihre Teilnahme ab, darunter Titelverteidiger Stan Smith. Zwölf von 16 gesetzten Spielern zogen zurück. Niki Pilić wurde kurz zuvor vom nationalen Verband sowie vom Amateur-Weltverband gesperrt, weil er sich geweigert haben soll, im Davis Cup für Jugoslawien anzutreten und stattdessen in Montreal im Doppel um Prämien gespielt hatte. Die ATP rief ihre Profis zum Boykott des Wimbledonturniers auf, wenn Pilić nicht spielen dürfte. Und fast alle Mitglieder der ATP, bis auf Ilie Năstase, Roger Taylor und Ray Keldie, folgten dem Aufruf.

Die Namen rund um das Gelände haben einen historischen Bezug, beispielsweise: Tea Lawn (Zentrum des Geländes) Rosewater-Pavilion (nach der Damentrophäe Venus Rosewater Dish benannt) Doherty-Gates (eine Hommage an die Brüder Laurence Doherty und Reginald Doherty) Wingfield-Café (benannt nach Major Walter Clopton Wingfield) Cavendish Restaurant, nach Henry Jones benannt, der als ‚Cavendish‘ bekannt war und 1877 die ersten Meisterschaften und die erste Damenmeisterschaft vorschlug

Tradition mini|hochkant|links|Stuhlschiedsrichter in traditioneller Kleidung

Bis heute hat sich Wimbledon einen speziellen, konservativ-vornehmen Charakter bewahrt, der das Turnier von allen anderen abhebt. Nur hier findet die traditionelle Regelung, dass 90 Prozent der Spielkleidung weiß sein müssen, noch Anwendung. Die Kleiderregeln erstrecken sich auch auf Stuhlschiedsrichter, die ein gestreiftes Hemd mit weißem Kragen, beige Hosen für Männer und einen langen beigen Rock oder beiger Hose für Frauen sowie ein dunkelblaues Jacket tragen müssen. Sie dürfen jedoch bei Hitze das Jacket ausziehen. Die offiziellen Farben von Wimbledon sind Dunkelgrün und Lila. Diese Farben wurden 1909 eingeführt, nachdem festgestellt wurde, dass die ursprünglichen Farben des All England Lawn Tennis Clubs (Blau, Gelb, Rot und Grün) denen der Royal Marines zu sehr ähnelten. Das Publikum erträgt den nicht selten vorkommenden und Spielpausen erzwingenden Regen mit Gleichmut. Traditionell war der erste Sonntag nach Turnierbeginn spielfrei. Man wollte damit dem Rasen eine Erholungspause gönnen. Auf Grund neuer Techniken der Rasenpflege verzichtet man nunmehr darauf, weshalb auch am ersten Sonntag das Turnier stattfindet. Das Eröffnungsspiel findet auf dem Centre Court statt und ist am ersten Turniertag dem Titelverteidiger im Herreneinzel vorbehalten, sowie der Titelverteidigerin am zweiten Tag. Ebenso gehört zur Tradition, dass in diesen Eröffnungsmatches diejenigen Schiedsrichter eingesetzt werden, die die Finalbegegnung des Vorjahres geleitet haben.

Königsloge mini|Royal Box, 2012 mini|Slazenger-Tennisbälle

Nachdem mit Georg V. ab 1907 erstmals ein Mitglied der britischen Königsfamilie in Wimbledon zu Gast gewesen war, wurde dort 1922 eine königliche Loge (engl. royal box) mit 74 Sitzen eingerichtet, die den Mitgliedern der Königsfamilie, Politikern, Sportlern und sonstigen geladenen Prominenten vorbehalten sind.Film stars and tennis legends join Royal Box on Day 14, Wimbledon, 12. Juli 2026. Abgerufen am 14. Juli 2026. Als Präsident des All England Lawn Tennis and Croquet Club überreichte in der Regel Edward, 2. Duke of Kent, den Siegern von Wimbledon die Trophäen. Er trat 2021 zurück. Seit 2016 ist Catherine, Princess of Wales, Schirmherrin und überreicht die Trophäen. Auch Königin Elisabeth II. hat die Siegerehrung in Wimbledon in den Jahren 1957 und 1962 vorgenommen. Von 1969 bis 2001 übernahm diese Aufgabe bei den Siegerinnen die Gattin des Duke of Kent, Katharine, Duchess of Kent, die sich danach aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hat. Bis zu einer Regeländerung im Jahre 2003 wurde von den Spielern beim Betreten des Platzes und bei der Siegerehrung erwartet, vor den Mitgliedern der Königsfamilie mit einem Knicks (Damen) oder einer Verbeugung (Herren) höflich ihren Respekt zu bekunden. Weil Ilie Năstase u. a. die englischen Spielerinnen als „Fucking Bitches“ beleidigte, gilt er seitdem beim Turnier in Wimbledon als unerwünschte Person. Ihm ist der Zugang zur Prominententribüne verwehrt.Nastase darf in Wimbledon nicht in die Royal Box, spiegel.de

Tennisbälle Im Wimbledon wurden seit 1902 weiße Tennisbälle des englischen Herstellers Slazenger verwendet. 1972 führte die ITF gelbe Tennisbälle ein, weil diese besser sichtbar waren. Wimbledon hielt jedoch an den weißen Bällen bis 1986 fest, bevor es die Farbe der Bälle wechselte. Der verwendete Tennisball ist seitdem der Slazenger Wimbledon Official Tennis Ball. Die Bälle befinden sich in luftdicht verschlossenen Dosen unter Druck und werden bis zum Matchbeginn bei 20 °C gelagert. Insgesamt werden in allen Matches während eines Turniers etwa 54.250 Bälle verbraucht.Wimbledon Tennis Balls: How many they use and what they do to them?, Marca, 7. August 2023. Abgerufen am 11. September 2023.

Der Stuhlschiedsrichter hält Bälle vor, die bereits in drei, fünf oder sieben Spielen eingesetzt worden sind. Sollte nach einer längeren Unterbrechung eine erneute Einspielzeit notwendig sein, werden diese vorgehaltenen gebrauchten Bälle – je nach Spielstand – zum Einspielen verwendet. Im fortgesetzten Match selbst kommen die zuletzt im Match gespielten Bälle zum Einsatz.

Für gebrauchte Bälle besteht eine hohe Nachfrage unter den Zuschauern. Sie können für den halben Preis an speziellen Ständen ab 11 Uhr und ab 15 Uhr erworben werden. 2025 wurden Insgesamt 24.595 gebrauchte Bälle verkauft. Der Erlös von über 41.000 Pfund wurde wohltätigen Zwecken zugeführt.

Tennissaiten Insgesamt wurden 7264 Schläger der rund 800 Teilnehmer während des Turniers 2026 neu besaitet. Die Besaitung eines Schlägers dauert etwa 20 Minuten. Die Besaiter beginnen ihren Job um 5 Uhr früh und arbeiten, bis der letzte Ballwechsel gespielt wurde. Den Besaitungsservice bietet das Unternehmen Babolat, das nach langjähriger Partnerschaft seit 2022 offizieller Besaiter wurde. Babolat hat 1875 in Frankreich die Tennissaite erfunden.In 2022, Babolat becomes the Official Stringer of The Championships, Wimbledon, Wimbledon. Abgerufen am 11. Juli 2024.

Bekleidung In Wimbledon gelten besondere Regeln seit 1884, wonach die Spielbekleidung zu mindestens 90 % weiß zu sein hat (selbst „gebrochenes weiß“ oder cremefarben ist nicht zulässig). Ein bis zu zehn Millimeter breiter farbiger Rand ist gestattet. Grundlage für diese Regel war bei ihrer Einführung, dass auf farbiger Kleidung Schweißflecken deutlich zu sehen sind. Sogar die Schuhsohlen der Tennisschuhe haben weiß zu sein. Erst seit 2023 ist es Tennisspielerinnen erlaubt, auch dunkle Unterwäsche zu tragen. Darauf haben Tennisspielerinnen wegen ihrer möglichen Menstruation bestanden. Sie fanden es auch befremdlich, dass ihnen jemand unter den Rock schauen will, um zu sehen, ob man auch weiße Unterhosen trage.Warum weiße Tenniskleidung?, European Tennis Acamy. Abgerufen am 15. September 2024. Die dunkle Unterwäsche darf jedoch nicht über den Tennisrock hinausragen.Spielerinnen dürfen künftig dunkle Unterwäsche tragen, Spiegel, 17. November 2022. Abgerufen am 15. September 2024. Manche Spieler erscheinen nicht in einem konventionellen Trainingsanzug auf dem Platz. So trug etwa Naomi Ōsaka 2026 einen weißen, traditionellen Kimono, Novak Đoković ein elegantes weißes Jacket, als sie den Tennisplatz betraten.Grounds pass gold: Osaka among the stars on show, Wimbledon, 30. Juni 2026. Abgerufen am 30. Juni 2026.Das Jacket wurde von der Chefdesignerin von Lacoste, Pelagia Kolotouros, entworfen.

Erdbeeren mit Sahne, Pimm’s und Champagner mini|Abgepackte Erdbeeren mit Sahne in Wimbledon mini|Pimm’s Cup mini|Lanson

Erdbeeren mit Sahne werden traditionell von den Zuschauern in Wimbledon gegessen und sind kulturell zum Synonym für das Turnier geworden. Die Schale wird „Punnet“ () genannt. Der Ursprung dieser Tradition soll auf einen Besuch zurückgehen, den König Heinrich VIII. seinem Lordkanzler, Kardinal Thomas Wolsey, abstattete, dessen Residenz im Hampton Court Palace, etwa zehn Kilometer von Wimbledon entfernt, lag. Gerüchten zufolge soll der Koch damals Walderdbeeren mit Sahne als Dessert serviert haben. Seitdem der König sie aß, wurde das Dessert immer beliebter. Dieser langjährigen Tradition entsprechend, werden jedes Jahr während des Turniers Erdbeeren mit (flüssiger) Sahne konsumiert, mehr als 56 Tonnen Erdbeeren (genauer gesagt 2,8 Millionen Erdbeeren) und 445 kg Himbeeren mit 17.300 Litern Sahne. Dies entspricht 283.730 Portionen.Serving up sustainability: Wimbledon's food waste innovation, Wimbledon, 2. Juli 2026, Abgerufen am 3. Juli 2026. Die benötigten Elsanta-Erdbeeren werden seit 1999 jeden Tag frisch in den frühen Morgenstunden in einer 54 km südöstlich von London – in Mereworth in der Grafschaft Kent – gelegenen Farm (Hugh Lowe FarmsHugh Lowe Farms, abgerufen am 17. September 2024.) gepflückt. Der Preis für eine Portion mit 10 Erdbeeren betrug von 2010 bis 2024 unverändert 2,50 £ (2,95 €) und wurde 2025 auf 2,75 £, 2026 auf 2,85 £ angehoben und gleichzeitig die Anzahl auf neun reduziert.

Noch häufiger wird der Pimm’s Cup seit 1971 in Wimbledon konsumiert. 2019 wurden 276.000 dieser Cocktails verkauft, 2025 bereits 345.000.Strawberries And Cream at Wimbledon: History, Cost, Numbers Sold & More, William Hill News. Abgerufen am 5. Juli 2025. Der Preis stieg inzwischen auf 13,45 £ (16 €) im Jahre 2026. Er besteht aus Pimm’s No. 1 (ein leicht bitterer, kräutrig-würziger Likör auf Gin-Basis mit einem Alkoholgehalt von 25 % vol.), kohlensäurehaltiger Zitronenlimonade, Eiswürfeln, dünnen Orangen- und Zitronenscheiben, Minzblättern und Gurken.Wimbledon Watchers Will Drink More Than 270,000 Pimm’s Cups This Year—Why? And What Are They?, Forbes, 5. Juli 2023. Abgerufen am 17. September 2024. Auch die anderen Grand-Slam-Turniere haben Traditionscocktails eingeführt, etwa den Honey Deuce bei den US Open, den Ace Royals bei den French Open und den Lemon Ace bei den Australian Open.US Open-Kultdrink: Der ungebremste Hype um den Honey Deuce, Tennismagazin, 27. August 2025. Abgerufen am 27. August 2025.