mini|Benno Elkan in seinem Atelier in London während der Arbeit an der Menora für die Knesset mini|Unterschrift auf der Gründungsurkunde des FC Bayern München (1900) 200px|rechts|Stolperstein Benno Elkan OBE (* 2. Dezember 1877 in Dortmund; † 10. Januar 1960 in London) war ein deutscher Bildhauer, der die Große Menora vor der Knesset in Jerusalem und zahlreiche Denkmale, Büsten und Medaillen in Deutschland und England schuf. Elkan begann sein Schaffen als Bildhauer in seiner Heimatstadt Dortmund mit Grabdenkmalen. Später porträtierte er Militärs, Staatsmänner, Wissenschaftler und Künstler, vor allem aus Deutschland, Frankreich und England in Büsten und Medaillen. Elkan erhielt als jüdischer Künstler 1935 Berufsverbot. 1937 wurden in der Aktion „Entartete Kunst“ nachweislich zwei seiner Plastiken aus öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt.Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion „Entartete Kunst“, Forschungsstelle „Entartete Kunst“, FU Berlin.

Elkan emigrierte nach London. In Deutschland war er zunächst vergessen, bis seine Werke in den 1950er-Jahren erneut in Ausstellungen gezeigt wurden. Elkans Schaffen ist keiner festen Stilrichtung zuzuordnen. Erst in den letzten Jahren wurde er auch als einer der ersten deutschen Fußballpioniere bekannt.

Leben Kindheit und Jugend in Dortmund Elkan war das einzige Kind des Schneidermeisters Salomon Elkan, Mitinhaber eines Herrentextilgeschäftes in der Dortmunder Innenstadt,Achim Becker (Red.), Stadtarchiv Völklingen (Hrsg.): Völklinger Schätze. (Sonderausgabe zu Benno Elkans Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des Ersten Weltkrieges) Völklingen 2008, S. 3. (1898 war Elkan nach der Dissertation Hans Menzel-Severings (S. 9) Mitinhaber des Herrenkleidermacher-Geschäftes Braun & Elkan, Reinoldistraße 23.) und dessen Frau Rosalie (* 1861 in Heidelberg). Hier besuchte er auch das Städtische Gymnasium (damals „Schola Tremoniae“) bis zum „Einjährigen“.Fritz Hofmann, Peter Schmieder: Benno Elkan, S. 12 und S. 20. Dortmund war zur Jugendzeit Elkans eine Stadt, in der sich die kleine jüdische Gemeinde (1.306 von 90.000 Einwohnern im Jahre 1890Fritz Hofmann, Peter Schmieder: Benno Elkan, S. 19.) erfolgreich etablieren konnte, wofür der Bau einer großen Synagoge und die Integration eines jüdischen Bereichs auf dem Ostenfriedhof Indizien waren. Soweit bekannt nahm Benno Elkan am Leben der jüdischen Gemeinde teil, feierte seine Bar Mitzwa und besuchte am Gymnasium den jüdischen Religionsunterricht.

Wanderjahre mini|Die Wandelnde, 1904, Ostenfriedhof Dortmund, Wk-Nr. 108, Detail

Um seine Sprachkenntnisse zu verbessern, besuchte Elkan nach der Mittleren Reife 1893/94 für ein Jahr das seit 1880 bestehende elitäre Knabenpensionat Château du Rosey in Rolle am Genfersee. Hier lernte er den Fußball durch seine englischen Mitschüler kennen und lieben. Mit einigen Gleichgesinnten gründete Benno Elkan 1895 den Dortmunder FC 95, später Dortmunder SC 95 (heute nach Fusion TSC Eintracht Dortmund), und damit Dortmunds ältesten Fußballclub.

In Antwerpen übte er kurz eine kaufmännische Tätigkeit aus, brach sie aber mit Einverständnis seiner Eltern ab, um sich zunächst ab Dezember 1897 in München auf der privaten Kunstschule des Malers Walter Thor auf die Aufnahmeprüfung der Kunstakademie vorzubereiten. Nach bestandener Prüfung Ostern 1898 studierte er an der Kunstakademie bei dem Maler Johann Caspar Herterich.Fritz Hofmann, Peter Schmieder: Benno Elkan, S. 12.Zeichnungen aus dieser Zeit besitzt das Dortmunder Museum am Ostwall – Hans Menzel-Severing: Der Bildhauer Benno Elkan. Dissertation, S. 11. Am 27. Februar 1900 war er eines von 17 Gründungsmitgliedern des FC Bayern München. Im selben Jahr leistete er seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger ab und setzte danach 1901 in Karlsruhe bei dem Maler Friedrich Fehr sein Kunststudium fort.

Dort fasste er 1903 den Entschluss, sich fortan ausschließlich der Bildhauerei zu widmen.Hans Menzel-Severing: Der Bildhauer Benno Elkan. Dissertation, S. 11. Der erste Auftrag als Bildhauer erreichte Benno Elkan aus seiner Heimatstadt Dortmund. Der damalige Chefredakteur des Dortmunder General-Anzeigers, Karl Richter, ließ den jungen Bildhauer eine lebensgroße Frauenfigur für das Grab der Familie Richter-Seippel erstellen. Die so entstandene Figur „Wandelnde“, die das Leben als tastende Suche nach dem richtigen Weg symbolisiert,Hans Menzel-Severing: Der Bildhauer Benno Elkan. Dissertation, S. 11 f. ist auf dem Ostenfriedhof Dortmund erhalten. Obwohl Elkan als Bildhauer Autodidakt war,Benno Elkan schrieb dazu in einem Lebenslauf: „Wohl wird es mir hart, aber ich hatte lange genug Schule. Was erlernbar ist, hoffe ich durch tiefes Selbststudium mir erreichbar zu machen.“ – zitiert nach Hans Menzel-Severing: Der Bildhauer Benno Elkan. Dissertation, S. 12. zeigte sich das Dortmunder Publikum beeindruckt.

Im Feld 16 des Ostenfriedhof in Dortmund, steht bis heute auch die Replik ,als Skulptur "geflügelte Engelin" ,des Benno Elkan von 1909, auf Röttgers Grab, mit dem Text auf der Tafel, die der Engel in seinen Händen trägt, als eine paraphrasierte Zeile, aus dem Gedicht des deutschen Dichters, Publizisten und Philosophen Ludwig Jacobowski:

"DEM AUGE FERN, DEM HERZEN EWIG NAH" mini|BENNO ELKAN REPLIK Jahr 1909, Feld 16, Familie Röttgers

In Karlsruhe begegnete Elkan auch seiner zukünftigen Frau, der Pianistin Hedwig Einstein, einer Schwester des Kunsthistorikers Carl Einstein, die er 1907 heiratete.

Paris mini|Auguste Rodin, Radierung von Alphonse Legros

Anfang des Jahres 1905 ging Elkan nach Paris, wo er in einem Atelierhaus mit dem Bildhauer Julius Steiner und dem amerikanischen Maler Patrick Henry Bruce wohnte. Schon 1905 konnte Elkan in einer Ausstellung der Société nationale des beaux-arts einige Werke zeigen.Vgl. Menzel-Severing, Hans, Der Bildhauer Benno Elkan, Dissertation, S. 12. In der französischen Hauptstadt begegnete er Auguste Rodin, der den jungen Bildhauer tief beeindruckte. Benno Elkan schreibt über eine Begegnung mit Rodin:

Elkans Pariser Werke zeigen jedoch zunächst kaum etwas von Rodins Einfluss. Die Wirkung Rodins zeigt sich eher im Spätwerk Elkans, etwa in den erzählenden Werken wie den großen Kirchenleuchtern mit Bildern aus der Bibel, die auch von Lorenzo Ghibertis Paradiespforte am Baptisterium des Florentiner Doms beeinflusst sind. In Elkans letztem Werk, dem Mahnmal für die Opfer des Bombenkrieges, findet sich das Vorbild von Rodins Höllentor wieder. In den Pariser Werken wie der Skulptur „Flötenspieler“ (1906) zeigen sich eher zeitgenössische Einflüsse des Jugendstils.zu den Einflüssen Rodins und zu Elkans Pariser Zeit siehe Menzel-Severing, Diss., S. 62 ff.

Obwohl Elkan intensiv Eindrücke aus der Pariser Umgebung aufnahm, schloss er sich keiner der modernen Strömungen oder Gruppen an. Eine Freundschaft entwickelte sich zu dem expressionistischen Maler Jules Pascin (eigentlich Julius Mordecai Pinkas), der bereits für den Simplicissimus gezeichnet hatte. Gleichzeitig hielt Elkan aber die Kontakte nach Karlsruhe, wo seine Verlobte wohnte, und nach Dortmund aufrecht und schuf weitere Grabmäler für den Dortmunder Ostfriedhof. Bei einem Besuch baute er auch erste Kontakte zu seinem Förderer Karl Ernst Osthaus auf, den er auf seine Denkmale auf dem Ostenfriedhof Dortmund hinwies. Menzel-Severing nimmt in seiner Dissertation über Elkan an, dass dessen Teilnahme an der Deutschen Kunstausstellung 1906 in Köln auf die Unterstützung von Osthaus zurückgehe.Vgl. Menzel-Severing, Hans, Der Bildhauer Benno Elkan, Dissertation, S. 16.

1906 gestaltete Elkan dann seine erste Einzelausstellung. Im alten Dortmunder Rathaus zeigte er Büsten und Skulpturen. Es blieb bis nach dem Zweiten Weltkrieg die einzige Ausstellung Elkans in seiner Vaterstadt,Fritz Hofmann, Peter Schmieder: Benno Elkan, S. 74 f. obwohl Elkan durchaus an Ausstellungen teilnahm, etwa 1908, 1910 und 1912 in der Kunsthalle Bremen (schon wegen seiner Mitgliedschaft im Deutschen Künstlerbund)Vgl. den Katalog der Kunsthalle: sowie den Katalog „Deutscher Künstlerbund, Grosse Ausstellung in der Kunsthalle Bremen“, 47 Abbildungen, 1. Februar–31. März 1912., 1915 in Wiesbaden zur Museumseröffnung„Die Große Kunstausstellung zur Museumseinweihung“ 1915. oder die 25. DKB-Jahresausstellung 1929 im Kölner Staatenhaus, wo er die im Jahr zuvor geschaffene Bronzeplastik Tatjana Barbakoff zeigte.s. Ausstellungskatalog Deutscher Künstlerbund Köln 1929. Mai – September 1929 im Staatenhaus, M. DuMont Schauberg, Köln 1929. (S. 17).

Rom mini|Lorenzo Ghiberti, Paradiestür: Salomon trifft die Königin von Saaba. Baptisterium San Giovanni, Florenz

1907 bis 1911 lebte Elkan mit seiner Frau in Rom, nachdem er den Rom-Preis der Michael-Beer-Stiftung gewonnen hatte.Fritz Hofmann, Peter Schmieder: Benno Elkan, S. 13.Abweichende Angaben zu Aufenthaltszeit und -ort in Rom bei Friedrich Noack: Das Deutschtum in Rom seit dem Ausgang des Mittelalters. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1927, Band 2, S. 159. Von 1907 bis 1909 wurde Elkan ein Atelier auf dem Gelände der Villa Strohl-Fern zur Verfügung gestellt.Preußische Akademie der Künste (PrAdK 0731). Atelieranmietung in Rom für Stipendiaten der Akademie (Villa Strohl-Fern) – Berichte über die Arbeit, Mietzahlung u. ä. folgender Stipendiaten bzw. Gäste in Rom: Benno Elkan 1907 bis 1909 (Bl. 158, 184, 193, 196f., 199, 201, 204, 206, 211f., 214). Sie lebten dort in einem Palazzo, der zu dem Palast Papst Julius’ III. gehörte, das Atelier lag in der Via Quattro Fontane. In Italien unternahm Elkan verschiedene Reisen, u. a. nach Neapel und Florenz. Er studierte intensiv die Bildhauerei der Renaissance.Vgl. Menzel-Severing, Diss., S. 17 ff.

1910 wurde die älteste Tochter Ursula geboren (die spätere Frau des Pianisten der Comedian Harmonists Erwin Bootz),Erwin Bootz ließ sich 1938 von ihr scheiden. drei Jahre später der Sohn Wolf.

Auch in Rom bearbeitete Elkan Aufträge aus Dortmund, so die Grabplastik Todesgang und die Persephone-Skulpturen. Besonders deutlich werden die Einflüsse der italienischen Umgebung in der großen Grabplastik Bergpredigt (1909), einem dreiteiligen Relief für das Grab von Pfarrer Karl Evertsbusch in Bad Godesberg.Wk-Nr. 117. Das Relief stellt in der mittleren Tafel den predigenden Jesus, rechts die Anhänger, links die Gegner dar. Die Übergänge zwischen den Tafeln realisierte Elkan nach dem Vorbild von Donatellos Relief im Altar von Dom S. Antonio in Padua durch große Figuren. Die malerische Gestaltung des Reliefgrundes ist angeregt durch Ghibertis Paradiestüren.Vgl. Menzel-Severing, Diss., S. 70 ff.

In Rom arbeitete Elkan in bewusster Auseinandersetzung mit der Antike zum ersten Mal mit Stein. Bei der Abreise aus Rom nahm er Material aus antiken Ruinen mit.Vgl. Menzel-Severing, Diss., S. 19.

Alsbach an der Bergstraße Nach seiner Rückkehr aus Rom lebte Elkan von 1911 bis 1919 zunächst in Alsbach bei Darmstadt in einem eigenen Haus, wo ihn 1912 von Heidelberg aus Friedrich Burschell und Ernst Blass besuchten. In Alsbach erstellte Elkan verschiedene Auftragsarbeiten, etwa die Medaillen zum Tode Gustav Mahlers oder mit dem Porträt Frank Wedekinds. Er fertigte auch neue Porträtbüsten, zum Beispiel 1912 das Bildnis Alfred Flechtheims. Für den jüdischen Friedhof an der Roßweide in Wickrath, heute ein Ortsteil von Mönchengladbach, gestaltete Elkan 1912 das erste seiner großen Steindenkmale, den „Stein der Klage“, der bildlich an das Dortmunder Denkmal „Todesgang“ in Dortmund anknüpfte.

In der Alsbacher Zeit hielt Elkan auch enge Verbindung zu dem Schriftsteller René Schickele, der den Namen Elkans, leicht verfremdet, für ein unvollendetes Romanprojekt verwendete: „Benkal, der Frauentröster“ (Leipzig 1914).