mini|Zentralgebäude der heutigen Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, ehemals Hochschule für Verkehrswesen mini|Zeugnismappe eines Ingenieurs der Hochschule für Verkehrswesen (DDR) – Friedrich List in Dresden
Die Hochschule für Verkehrswesen (HfV) trug den Ehrennamen Friedrich List und war eine universitäre Bildungs- und Forschungseinrichtung für alle Bereiche des Verkehrswesens in Dresden, die 1992 teilweise in die Fakultät Verkehrswissenschaften an der TU Dresden überführt wurde.
Sie umfasste die Bereiche Eisenbahnwesen, Kraftverkehr/Straßenverkehr, Städtischer Nahverkehr/ÖPNV, Luftfahrt, Post- und Fernmeldewesen/Telekommunikation, Tourismus, zeitweise auch Seeschifffahrt und Binnenschifffahrt bzw. alle Disziplinen der Verkehrswissenschaften (Ökonomie des Transport- und Nachrichtenwesens/Verkehrswirtschaft, Verkehrstechnik, Verkehrsingenieurwesen, Verkehrsbauwesen).
Die HfV war hauptsächlich auf zwei Standorte in der Dresdner Südvorstadt konzentriert, welche sich in etwa einem Kilometer Entfernung voneinander befanden: Das Gebäude an der Hettnerstraße am Fritz-Foerster-Platz ist heute der Gerhart-Potthoff-Bau der TU Dresden. In dem Gebäudekomplex am Friedrich-List-Platz in direkter Nähe zum Dresdner Hauptbahnhof ist heute die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden untergebracht.
Geschichte Am 29. Oktober 1949 wurde an der Technischen Hochschule Dresden die Fakultät für Wirtschafts- und Verkehrswissenschaften gegründet. Anfang 1950 wurden die beiden Disziplinen getrennt und eine reine Fakultät für Verkehrswissenschaften unter dem Dekanat des damaligen Verkehrsministers Hans Reingruber mit zunächst drei Instituten bzw. Lehrstühlen gegründet.
Zum Wintersemester 1950/1951 wurde die verkehrswissenschaftliche Ausbildung für 60 Studenten des 1. bis 3. Studienjahres nach einem neuen Studienplan für Verkehrsingenieure begonnen. Der achtsemestrige Studiengang, an den sich ein Ingenieurpraktikum und eine Diplomphase anschlossen, integrierte Inhalte aus den Geistes-, Wirtschafts-, Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie mathematische Gesichtspunkte.
Zum Beginn des Frühjahrssemesters 1951/1952 wurde der Lehrstuhl Betriebstechnik der Verkehrsmittel unter Gerhart Potthoff gegründet, der maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der Verkehrswissenschaften in Dresden nehmen sollte. Darüber hinaus wurden Lehrstühle für Verkehrspolitik, Verkehrswirtschaft, Verkehrsplanung und Verkehrsmaschinentechnik gegründet.
mini|Das erste Hochschulgebäude an der Hettnerstraße (heute Gerhart-Potthof-Bau der TU Dresden) nach seiner Fertigstellung 1952. mini|Bauarbeiten am zentralen Institutsgebäude der HfV am Hauptbahnhof (ca. 1955) Im Zuge dieser Expansion wurden neue Räume erforderlich, für die am 20. April 1951 der Grundstein an der Hettnerstraße gelegt wurde. Im April 1952 wurde der erste Teil des Gebäudes eröffnet. Dieses als Hochschulgebäude I bezeichnete Gebäude diente zunächst rund 300 Studenten.
mini|Verordnung und erste Durchführungsverordnung über die Gründung der HfV vom 6. März 1952 Die Hochschule wurde auf Beschluss des Ministerrates der DDR mit der Verordnung über die Bildung einer Hochschule für Verkehrswesen vom 6. März 1952 gegründet und im Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik vom 18. März 1952Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik, , Nr. 35, 18. März 1952, S. 215 f. verkündet.25 Jahre Hochschule für Verkehrswesen „Friedrich List“ Dresden. 27-seitige Festschrift, Dresden 1977, S. 387–389.
Die Verordnung wurde zum 1. April 1952 wirksam. Die Hochschule war direkt dem Ministerium für Verkehr der DDR unterstellt. Sie umfasste eine Fakultät für Verkehrstechnik, an der Diplom-Ingenieure zahlreicher Fachrichtungen ausgebildet wurden, sowie eine Fakultät für Verkehrsökonomie, an der Diplomwirtschaftler für Verkehrsökonomie ausgebildet wurden.Chronik der Hochschule für Verkehrswesen „Friedrich List“ Dresden. Teil 1: 6. März 1952 – 13. August 1961. (Wissenschaftliche Zeitschrift, , Sonderheft 5), S. 7, 8, 10.
Die Bibliothek der Hochschule für Verkehrswesen „Friedrich List“ umfasste einen Anfangsbestand von 38.000 Bänden. Er stieg bis 1958 auf 70.000 Bände an. Die Bibliothek hielt zu dieser Zeit rund 675 Zeitschriften.
Besonderen Anteil an der Gründung der Hochschule hatte der damalige Verkehrsminister der DDR, Hans Reingruber. Mit Gerhart Potthoff erhielt der verkehrswissenschaftliche Standort Dresden sein typisches wissenschaftliches Profil (Dresdner Schule der Transporttechnologie), insbesondere die komplexe und interdisziplinäre wissenschaftliche Arbeit in jedem Verkehrszweig.
Zum 31. August 1952 wurde die Fakultät für Verkehrswissenschaften der TH Dresden aufgelöst. Lehrkräfte und Studenten setzten ihr Studium an der Hochschule für Verkehrswesen fort, die am 8. September 1952 eröffnet wurde. Der Lehrbetrieb wurde am 15. September 1952 aufgenommen. 288 Studierende wurden neu immatrikuliert, 57 ehemalige Studenten der TH Dresden setzten ihre Ausbildung an der HfV fort. Rund 97 Prozent der Studenten waren Mitglied der Freien Deutschen Jugend.Hochschule für Verkehrswesen (Hrsg.): Wegweiser für Neuimmatrikulierte. Dresden, 1956, S. 2, 7, 10. 1954 wurde der Fernstudienbetrieb aufgenommen. Mehr als die Hälfte der Studenten war Ende der 1950er Jahre in den acht hochschuleigenen Wohnheimen untergebracht.
Als Zulassungsvoraussetzungen galten neben dem erfolgreichen Abschluss einer Ober- oder Abendschule bzw. einer Arbeiter-und-Bauern-Fakultät eine „aktive gesellschaftliche Mitarbeit beim Aufbau der Deutschen Demokratischen Republik“. Alle Bewerber hatten vor Beginn des Studiums eine mindestens einjährige berufliche Tätigkeit nachzuweisen; Bewerber ohne derartigen Hintergrund wurden vorimmatrikuliert und in eine Arbeitsstelle eingewiesen. Bewerber für sämtliche Fachrichtungen des Eisenbahnwesens mussten darüber hinaus ihre körperliche Eignung bahnärztlich nachweisen lassen. Über die Aufnahme entschied eine Zulassungskommission, die unter Vorsitz des Rektors aus Vertretern der Fakultäten, von gesellschaftlichen Organisationen, des Ministeriums und der Öffentlichkeit gebildet wurde.Hochschule für Verkehrswesen: Anleitung für das Studium an der Hochschule für Verkehrswesen Dresden. Dresden, Januar 1958, S. 4 f, 8.
mini|Studenten am Campus der Hochschule an der Hettnerstraße (1959) In den 1950er Jahren entwickelten sich drei Fakultäten innerhalb der HfV: die Fakultät für Verkehrstechnik mit den Fachrichtungen Eisenbahnbetrieb, Eisenbahnmaschinenwesen und Eisenbahnsicherungs- und Fernmeldetechnik die Fakultät für Verkehrsbauwesen mit den Fachrichtungen Eisenbahnbau, Straßenbau und Verkehrswasserbau die Fakultät für Ökonomie des Transport- und Nachrichtenwesens mit den Fachrichtungen Ökonomik des Transportwesens und Ökonomik des Post- und Fernmeldewesens.
mini|Westfassade des „Zentralen Institutsgebäudes“ mit dem Haupteingang. Heute befindet sich in den Gebäuden die HTW Dresden. mini|In der Bildmitte das „Zentrale Institutsgebäude“ (Südfassade) und am rechten Bildrand das „Seminargebäude“. Nachdem die Studentenzahl bis Mitte der 1950er Jahre auf rund 2000 angestiegen war und die Hochschule im Endzustand auf rund 2500 Studenten anwachsen sollte, wurde ein neues Gelände in der Nähe des Dresdner Hauptbahnhofs als endgültiger Standort ausgewählt und mit dem Bau eines Gebäudes begonnen. Am 8. April 1954 wurde der Grundstein für diese von Richard Paulick entworfenen neuen Gebäude gelegt. Weitere Gebäude waren geplant.Hochschule für Verkehrswesen (Hrsg.): Hochschule für Verkehrswesen Dresden, Dresden 1959, S. 10, 13, 15, 18, 19–21. Der Gebäudekomplex umfasste ein Seminargebäude und ein Zentrales Institutsgebäude. Am gleichen Tag wurde auch der Grundstein für die Fachschule für Eisenbahnwesen gelegt.Hochschule für Verkehrswesen »Friedrich List« (Hrsg.): 1952 - 1962: Hochschule für Verkehrswesen »Friedrich List« in Dresden. Dresden, 1962, S. 22–25, 42–44.
1959 studierten fast 2900 Studenten an der Hochschule, die über 37 Lehrstühle und 9 Dozenturen verfügte. Neben den Gebäuden an der Hettnerstraße und dem Seminargebäude am Bayerischen Platz waren einzelne Abteilungen, Institute und das Industrie-Institut in Flachbauten an der Schnorrstraße und Uhlandstraße untergebracht. Zur Hochschule gehörten auch eine Mensa, ein Eisenbahnbetriebsfeld, ein Kindergarten und ein Ferienheim. Die Hochschule bot später ihren Angehörigen wenigstens 36 Urlaubsorte an, mit denen etwa die Hälfte des Bedarfs an Urlaubsplätzen befriedigt wurde.Angela Buchwald: „Das Klo wird zum Geräteschuppen …“. In: Dresdner Universitätsjournal, , 14/2012, 23. Jahrgang, S. 8 (online als PDF; 3,6 MB).
Mit Wirkung zum 16. Januar 1962 erhielt die Hochschule in Anerkennung ihrer Verdienste in Lehre und Forschung anlässlich ihres 10. Jahrestags den Beinamen „Friedrich List“ verliehen.Dieter Preuß, Siegfried Heinze, Gerhard Rehbein (Hrsg.): CHRONIK der Hochschule für Verkehrswesen „Friedrich List“ Dresden 1961-1971. (Hochschule für Verkehrswesen „Friedrich List“ (Hrsg.): Wissenschaftliche Zeitschrift, Sonderheft 16), , S. 21 f. Zwei Jahre darauf wurde auf ihrem Vorplatz das Friedrich-List-Denkmal aufstellt.
1963 entstand im Dachgeschoss des Gebäudes eine Modellbahnanlage für Lehrzwecke.Wenn es zu glatt geht, bauen die Techniker Pannen ein. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. März 1995, Nr. 52, S. 11.
Gegen Ende der 1960er Jahre wurden drei Sektionen gebildet, in denen sieben Studiengänge angeboten wurden: Verkehrs- und Betriebswirtschaft mit dem Studiengang Betriebswirtschaft / Ingenieurökonomie Fahrzeugtechnik mit den Studiengängen Maschineningenieurwesen und Elektroingenieurwesen Technische Verkehrskybernetik mit den Studiengängen Verkehrsingenieurwesen und Elektroingenieurwesen sowie Verkehrsbauwesen mit einem gleichnamigen Studiengang.
Am 1. September 1971 wurde die Sektion Militärisches Transport- und Nachrichtenwesen gegründet. Sie wurde am 11. April 1972 in eine Fakultät umgewandelt. Beide standen unter militärischer Leitung.Werner Groß, Steffen Haufe, Dieter Preuß (Hrsg.): CHRONIK der Hochschule für Verkehrswesen „Friedrich List“ Dresden 1971-1977. (Hochschule für Verkehrswesen „Friedrich List“ (Hrsg.): Wissenschaftliche Zeitschrift, Sonderheft 19), , S. 5, 12. In den ersten 15 Jahren brachte sie mehr als 1000 Absolventen auf dem Gebiet des Militärtransportwesens und des militärischen Nachrichtenwesens hervor.
Zum 25-jährigen Jubiläum der Hochschule, 1977, studierten mehr als 3200 Personen an der HfV, darunter rund 2500 Direktstudenten, rund 500 Fernstudenten sowie 130 ausländische Studenten aus 15 Ländern. Die Hochschule umfasste zu diesem Zeitpunkt 5 Grundstudienrichtungen (Wirtschaftswissenschaften, Maschineningenieurwesen, Elektroingenieurwesen, Verkehrsingenieurwesen, Bauingenieurwesen), 12 Fachrichtungen und ein Industrie-Institut. 113 Professoren und Hochschuldozenten und fast 500 Lektoren unterrichteten an der Hochschule. Der Hochschule angegliedert war eine Bibliothek mit 280.000 Bänden und Studentenwohnheime mit mehr als 2000 Betten. Zwischen 1952 und 1977 schlossen rund 13.200 Studenten mit dem Diplom ab. 810 hatten in einem Wissenschaftszweig promoviert (Dr. oec., Dr.-Ing.), 53 qualifizierten zum Doktor der Wissenschaften (Dr. sc. oec., Dr. sc. techn.).Edgar Meier: 25 Jahre Hochschule für Verkehrswesen „Friedrich List“ Dresden. , Jahrgang 24 (1977), Heft 3, S. 395–409.
Zum 175. Geburtstag von Friedrich List stiftete der Senat am 6. August 1964 den „Friedrich-List-Preis für herausragende wissenschaftliche Leistungen und hohe gesellschaftliche Aktivitäten der Studenten“.Geschichte der Hochschule für Verkehrswesen „Friedrich List“ Dresden (Abriß) (PDF, 54,6 kB), Universitätsarchiv der Technischen Universität Dresden - Abgerufen am 27. Februar 2017. Im September 1978 verlieh die Hochschule erstmals den Friedrich-List-Preis für hervorragende Leistungen in Lehre und Forschung.
mini|Friedrich-List Preis für Verdienste um die Hochschule für Verkehrswesen