Die Nashornvögel (Bucerotidae), manchmal auch Hornvögel genannt, sind eine Familie der Vögel, die in den Tropen Asiens und Afrikas beheimatet ist. Zu den Nashornvögeln gehören über 60 Arten. Vier Arten sind vom Aussterben bedroht und nach der CITES im Anhang I gelistet, weitere 24 Arten im Anhang II.

Die Nashornvögel wurden zur Ordnung der Rackenvögel (Coraciiformes), von manchen Autoren zur Ordnung der Hopfartigen (Upupiformes) oder aber in eine monotypische Ordnung Bucerotiformes gestellt. Heute werden auch die Wiedehopfe (Upupidae) und die Baumhopfe (Phoeniculidae) in diese Ordnung gestellt, und die bisher zu den Nashornvögeln gezählten Hornraben (Bucorvus) erhielten den Rang einer Familie, so dass die Bucerotiformes heute vier Familien umfassen.

Alle Nashornvogelarten sind omnivor. Der Anteil und die Bedeutung, die animalische und pflanzliche Kost im Nahrungsspektrum einer bestimmten Art haben, variiert jedoch von Art zu Art.

Die Nashornvögel sind alle Höhlenbrüter. Sie nutzen entweder natürliche Baumhöhlen oder (seltener) Felsenhöhlen. Der Eingang zur Nisthöhle wird vom brütenden Weibchen bis auf einen schmalen Spalt versiegelt. Die einzelnen Arten nutzen dabei unterschiedliche Materialien. Häufig nutzt das Weibchen die eigenen Exkremente, Rindenstückchen sowie Futterbrei. Bei einigen Nashornvogelarten bringt das Männchen Material herbei, das vom Weibchen verbaut wird. Die Weibchen verbringen je nach Art bis zu vier Monate in der Bruthöhle. Sie und später die Jungvögel werden vom Männchen mit Futter versorgt.

Merkmale mini|Schnabel und Horn eines Doppelhornvogels Nashornvögel erreichen Körperlängen zwischen 30 und 120 Zentimeter.Pagel, Marcordes: Exotische Weichfresser. S. 82. Zu den kleinsten zählt der knapp taubengroße Zwergtoko.Kemp: The Hornbills - Bucerotiformes. S. 148. Der Doppelhornvogel, der eine Körperlänge von mehr als einem Meter erreicht, und der Schildschnabel mit einer Körperlänge bis zu 1,2 Meter gehören zu den größten waldbewohnenden Vogelarten überhaupt.Cocker, Tipling: Birds and People. S. 326. Nashornvögel wiegen entsprechend dieser Größenunterschiede zwischen 111 Gramm und etwas mehr als drei Kilogramm.Kemp: The Hornbills - Bucerotiformes. S. 6. Männchen sind tendenziell immer etwas größer als die Weibchen.

Namensgebend für diese Familie ist der große, meist gebogene Schnabel, der außer bei den Tokos einen wulstigen Aufsatz besitzt. Bei den meisten Arten der Toko-Gattung ist das nashornvogeltypische Horn auf einen wenig auffälligen Schnabelfirst reduziert.W. Grummt, H. Strehlow (Hrsg.): Zootierhaltung Vögel. S. 537 Das „Horn“ bei den anderen Nashornvogelarten ist meist hohl oder besteht aus lockerem Knochengewebe, nur beim Schildschnabel (Rhinoplax vigil) ist es massiv. Das Horn kann sehr groß werden. Beim Doppelhornvogel hat man Hörner gemessen, die 19,2 Zentimeter lang, 10,6 Zentimeter breit und 5,6 Zentimeter hoch waren.Kemp: The Hornbills - Bucerotiformes. S. 179.

An Kopf und Hals finden sich nackte, auffallend gefärbte Hautpartien. Bei allen Arten findet sich Drohverhalten, bei dem der Schnabel angehoben und damit der unbefiederte und häufig kontrastreich gefärbte Kehlfleck präsentiert wird.Kemp: The Hornbills - Bucerotiformes. S. 28. Weitere Charakteristika sind der langgestreckte Körper, ein langer Hals sowie kurze und breite Flügel. Der lange Schwanz trägt zehn Schwanzfedern. Bei den meisten Arten gibt es nicht nur einen Größenunterschied zwischen Weibchen und Männchen, sondern ein Geschlechtsdimorphismus ist auch in der Färbung des Gefieders, des Schnabels und des Schnabelaufsatzes vorhanden. Viele Arten haben ein schwarz-weißes Gefieder. Bei den Gattungen Buceros und Aceros finden sich jedoch Arten, die mit einem farbigen Bürzelsekret ihr Gefieder je nach Art rot, orange oder gelb färben. Das Ausmaß dieser Umfärbung ist individuell verschieden.

Verbreitung und Lebensraum mini|Grautoko, Männchen, Südafrika Die Arten der Nashornvögel kommen annähernd gleich verteilt im Süden Asiens und in Subsahara-Afrika vor.Kemp: The Hornbills - Bucerotiformes. S. 5. Sie fehlen vollständig in der Neuen Welt, ihre Rolle wird dort zu einem gewissen Grad von den Tukanen wahrgenommen. Die Insel Borneo zählt zu den Regionen, in denen eine besonders große Zahl verschiedener Nashornvogelarten lebt.

Einige Arten haben sehr große Verbreitungsgebiete. Dazu zählt beispielsweise der Orienthornvogel, der in zwei Unterarten von den Vorgebirgen des indischen Himalaya über Nepal und den Süden Chinas bis nach Indonesien vorkommt. Auch einige der afrikanischen Tokos, wie beispielsweise der Grautoko oder der Elstertoko, haben sehr große Verbreitungsgebiete. Daneben gibt es eine Reihe von Arten mit sehr kleinen Verbreitungsgebieten. Diese Arten sind vor allem unter den asiatischen Nashornvögeln zu finden. Einige von ihnen sind in ihrer Verbreitung auf wenige Inseln begrenzt. Sie sind durch Lebensraumveränderungen in besonderem Maße betroffen und entsprechend sind viele Nashornvogelarten mit solch kleinen Verbreitungsgebieten besonders stark bedroht: Der Palawanhornvogel zählt beispielsweise zu den Endemiten Palawans, einer 450 Kilometer langen und bis zu 40 Kilometer breiten philippinischen Insel, die für ihren hohen Grad an Biodiversität und Endemismus bekannt ist. Seine Bestandssituation gilt als gefährdet (vulnerable). Der vom Aussterben bedrohte Suluhornvogel kommt dagegen vermutlich nur noch auf der Insel Tawi-Tawi vor, der auf nur noch 502 Brutpaare geschätzte Panayhornvogel brütet nur noch auf Panay. Auf Negros sind die Waldbestände mittlerweile so gering, dass er dort keine Jungvögel mehr aufziehen kann. Der ebenfalls stark bedrohte Narcondamhornvogel ist nur auf der Insel Narkondam beheimatet.

Der Lebensraum der Nashornvögel reicht von den trockenen Savannen Subsahara-Afrikas bis zu den feuchten, immergrünen tropischen Regenwäldern Asiens. Von allen Arten besiedelt der Monteiro-Toko, der im Westen von Subsahara-Afrika vorkommt, den Lebensraum mit den geringsten Niederschlägen.Kemp: The Hornbills - Bucerotiformes. S. 129. In Savannen lebende Nashornvögel machen unter den Nashornvogel-Arten lediglich ein Viertel aus. Von diesen kommt lediglich der Indienhornvogel in Asien vor, die meisten savannenlebenden Nashornvögel gehören zu in Afrika verbreiteten Arten.

Nahrung und Trinkverhalten mini|Fressendes Männchen eines Malaien-Hornvogels Der lange Schnabel, der lange, hoch bewegliche Hals und die kräftigen, greiffähigen Füße erlauben Nashornvögeln, ein großes Nahrungsspektrum zu nutzen. Unter- und Oberschnabel treffen nur an der Spitze genau aufeinander, so dass der Schnabel von den Nashornvogelarten wie eine Pinzette eingesetzt werden kann. Nashornvögel sind damit in der Lage, mit großer Geschicklichkeit nach Objekten zu greifen. Durch Kopfhochwerfen werfen sie dann die Nahrungsbestandteile in den Rachen, häufig nachdem sie sie zuvor mit den Schnabelscheiden zerdrückt haben. Der lange Schnabel und ihre Geschicklichkeit bei seinem Einsatz erlauben es ihnen, auch giftige Tiere – wie beispielsweise Skorpione – zu fressen.Kemp: The Hornbills - Bucerotiformes. S. 37.

Nashornvögel sind Allesfresser. Früchte und Insekten sowie kleinere Wirbeltiere haben jedoch je Art einen unterschiedlichen Anteil im Nahrungsspektrum. Die meisten Arten decken den größten Teil ihres Nahrungsbedarfes mit Früchten. Verschiedene Feigenarten spielen in der Nahrung vieler Arten eine besonders große Rolle.

Animalische Kost mini|Männlicher Decken-Toko mit erbeutetem Käfer mini|Männchen des Malabarhornvogels beim Fressen Nashornvögel, die überwiegend von tierischem Protein leben, kommen überwiegend in der afrikanischen Savanne vor. Die Nahrungsgewohnheiten einiger dieser Nashornvogelarten sind genauer untersucht worden: Sie fressen kleine Wirbeltiere und Insekten aus mindestens 100 verschiedenen Gattungen. Tendenziell sind Nashornvogelarten, bei denen animalische Kost im Nahrungsspektrum überwiegt, eher Standvögel und verteidigen ein Revier. Sie sind während der Nahrungssuche auch weniger häufig mit ihrem Partnervogel oder anderen Individuen derselben Gattung vergesellschaftet.Kemp: The Hornbills - Bucerotiformes. S. 40. Die Art, wie die überwiegend animalische Kost fressenden Nashornvögeln ihre Beutetiere finden, bestimmt wiederum ihre Reviergröße. Der Grautoko, der schütter mit Bäumen bestandene Savannen besiedelt und seine Beutetiere überwiegend in Baumwipfeln findet, benötigt ein drei- bis viermal größeres Revier als der im selben Lebensraum vorkommende Rotschnabeltoko, der seine Nahrung am Boden sucht.

Bei den Tokos finden sich die Arten, bei denen animalische Kost dominiert: Rotschnabeltoko und Monteiro-Toko sind die beiden Arten, die nahezu nie Früchte zu sich nehmen. Bei allen anderen Nashornvogelarten überwiegt eine Ernährung mit Früchten, Beeren und Samen.Kemp: The Hornbills - Bucerotiformes. S. 38. Selbst die Arten, die sich überwiegend pflanzlich ernähren, verbringen viel Zeit mit der Jagd und zeigen im Erwerb von tierischer Nahrung hohes Geschick. Bei einem zahmen Orienthornvogel wurde beobachtet, dass er in der Lage ist, auch vorbeifliegende Schwalben und Bronzemännchen zu fangen. Auch Langschopfhornvögel wurden bereits dabei beobachtet, wie sie langsam fliegende Salangane im Flug fingen.Kemp: The Hornbills - Bucerotiformes. S. 212. Der eine Körperlänge von 70 Zentimetern erreichende Silberwangenhornvogel ist sogar in der Lage, Rotnasen-Grüntauben zu fangen, die mit einer Körperlänge von 30 Zentimetern der Größe einer kleinen Stadttaube entspricht.David Gibbs, Eustace Barnes und John Cox: Pigeons and Doves – A Guide to the Pigeons and Doves of the World. Pica Press, Sussex 2001, ISBN 90-74345-26-3, S. 443Kemp: The Hornbills - Bucerotiformes. S. 259. Silberwangenhornvögel leben zwar überwiegend von Früchten, sie zeigen aber ein überaus aggressives Jagdverhalten. So springen sie beispielsweise auf Ästen auf und ab, um Beutetiere aufzuscheuchen. Kleinere Trupps dieser Nashornvogelart attackieren auch gemeinsam ruhende Flughunde.

Orienthornvögel wurden dabei beobachtet, wie sie in flachen Teichen erfolgreich Fische fingen. Zu den weiteren Wirbeltieren, die Orienthornvögel fressen, zählen Nestlinge verschiedener kleinerer Vogelarten, die sie zum Teil auch aus Nisthöhlen holen, daneben auch kleinere adulte Vögel sowie Fledermäuse, Eidechsen und Schlangen. Sie fressen außerdem Skorpione und Schnecken, Käfer, Grillen, Kakerlaken, Motten, Schmetterlinge, Heuschrecken und Termiten und decken damit ein Spektrum von Beutetieren ab, das sich in ähnlicher Zusammensetzung bei vielen Nashornvogelarten findet.Kemp: The Hornbills - Bucerotiformes. S. 167 und S. 168.

Protokooperation Einige der Nashornvogelarten, bei denen animalische Kost überwiegt, folgen anderen Tierarten, die während ihrer Nahrungssuche Insekten aufschrecken. Es kann sich dabei um Wanderameisen, Affentrupps, Trupps anderer Vogelarten oder Eichhörnchen handeln. Bei zwei Arten der Nashornvögel gibt es Verhaltensweisen gegenüber einer anderen Tierart, die man bereits als Protokooperation bezeichnen kann: Decken-Toko und Östlicher Gelbschnabeltoko kooperieren dabei mit Helogale parvula undulata, einer Unterart der Südlichen Zwergmanguste. Die beiden Toko-Arten fangen die Insekten (insbesondere Heuschrecken), die diese in Gruppen lebenden Mangusten bei ihrer Nahrungssuche aufscheuchen. Die Zwergmangusten profitieren von dieser Protokooperation, weil beide Tokos vor Beutegreifern aus der Luft warnen. Die Zwergmangusten warten mit dem Beginn ihres Beutezuges auf den Toko. Auch die beiden Tokoarten zeigen spezifische Verhaltensweisen, um den Zwergmangusten ihre Bereitschaft zur Kooperation anzuzeigen.Alan Kemp: The Hornbills – Bucerotiformes. Oxford University Press, Oxford 1995, ISBN 0-19-857729-X. S. 141 und S. 143

Pflanzliche Kost mini|Malabar-Grautoko am Fressen Die Früchte, die von Nashornvögeln gefressen werden, fallen in drei Kategorien:Kemp: The Hornbills - Bucerotiformes. S. 41.