Brunssum, Rathaus|mini|270px

Brunssum () ist eine niederländische Gemeinde und Stadt in der Provinz Limburg. Sie hatte am laut Angabe des CBS Einwohner. Früher als Bergbaugemeinde zu Bedeutung gelangt, ist die Stadt heute vor allem als Standort eines bedeutenden NATO-Stützpunktes bekannt. Die Stadt ist aus verschiedenen Ortskernen wie Brunssum-Altstadt, Rumpen, Treebeek und De Kling hervorgegangen.

Geografie Brunssum liegt in der Übergangszone zwischen Nordwesteuropäischer Tiefebene und Rheinischem Schiefergebirge. Das Relief ist leicht hügelig und entstand infolge Erosion von Teilen der anstehenden Erdschichten, deren oberste meist aus dem späten Tertiär stammen und zumeist Sand oder Lösslehmdecken bilden. Die natürliche Vegetation besteht aus atlantischer Heide, insbesondere auf Sandböden, und aus Laubwald im Bereich der Lößböden, die aber nahezu vollständig landwirtschaftlicher Nutzung gewichen sind. Die Heideflächen, großenteils unter Naturschutz stehend, befinden sich überwiegend im Süden und Westen Brussums.

miniatur|Brunssumer Heide

Das Klima ist ozeanisch geprägt, feucht und gemäßigt.

Im Westen Brunssums fließt von Süden nach Norden der, im Stadtgebiet teilweise kanalisierte oder versiegelte Rodebeek (), der südlich von Brunssum auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Landgraaf im Bereich der Brunssummerheide entspringt, von dort nordwärts fließt und die östlichen Gewerbegebiete Hendrik und Bouwberg vom übrigen Stadtgebiet trennt. Dabei durchläuft der Bach den Schutterspark, ein Naherholungsgebiet und ehemaligem Braunkohlentagebau im Ortsteil Schuttersveld. Anschließend passiert der Bach die auf dem Westufer gelegenen Siedlungen De Egge und Oeloven, um schließlich westlich vom Ortsteil, der auch den Namen des Flusses trägt, das Gebiet der Nachbargemeinde Schinveld zu erreichen. Später fließt der Bach in den Geleenbeek, der wiederum ein Nebenfluss der Maas ist.

Nachbargemeinden Beekdaelen Onderbanken Gangelt (D) Heerlen (Stadtteil Hoensbroek) Datei:Windrose klein.svg Geilenkirchen-Teveren (D) Heerlen Heerlen; Landgraaf Landgraaf

Geologie Die geologische Beschaffenheit des Untergrundes im Stadtbereich von Brunssum begünstigte vor allem im 20. Jahrhundert in besonderem Maße die Entwicklung des Ortes zu einer Bergbau- und Industriestadt, da Steinkohle, Braunkohle und Quarzsand in abbauwürdigen Lagerstätten vorkommen und seit dem frühen 20. Jahrhundert erschlossen wurden.

Sedimentdecke Die oberste geologische Schicht besteht im Wesentlichen aus tertiären und quartären Sedimenten (Sand, Lehm), teils von den urzeitlichen Strömen Rhein und Maas hier abgelagert, teils als periglaziale, äolische Ablagerungen vom Wind abgesetzt (Löss). In weiten Teilen des Stadtgebietes ist vor allem durch den Bergbau und spätere Rekultivierung die Oberfläche vom Menschen überformt. Insbesondere im Bereich der ehemaligen Staatsmijn Hendrik und der Teverener Heide und Brunssumer Heide sind weite Flächen durch Abgrabung und Haldenaufschüttung überformt worden.

Zwischen Sand, Kies und Ton finden sich in den Sedimentschichten nördlich der Feldbiss-Verwerfung auch Braunkohleflöze, die phasenweise auch abgegraben wurden. Außerdem findet man diverse Sorten Sand und auch Ton, der ehedem vor allem für die Ziegelsteinherstellung genutzt wurde, der jedoch bereits in prähistorischer Zeit zum Töpfern von Gebrauchsgegenständen und Vorratsgefäßen durch die Kultur der Bandkeramiker Verwendung fand.

Grundgebirge Unter den Sedimentdecken befinden sich nach Norden in immer größere Tiefe einfallend, Kalk- und Mergelschichten aus der Kreidezeit, worunter sich dann geschieferte Gesteinsschichten aus dem Zeitalter des Karbon anschließen. Diese führen eine Anzahl bedeutender Steinkohleflöze, viele davon mit durchaus abbauwürdiger Mächtigkeit von über einem und teils über zwei Metern. Die bedeutendsten Flöze bestehen überwiegend aus gasreichen Gas-, Flamm- und Fettkohlen. Die Steinkohlenflöze liegen in Tiefen von über 100 bis zu 900 Metern Tiefe., TU Delft (englisch) Die Braunkohlenflöze dagegen befinden sich in den Schichten des Tertiär und somit meist sehr dicht unter der Oberfläche. Gleiches gilt für die Quarzsandvorkommen.

Tektonik Brunssum wird von Südosten nach Nordwesten von einer bedeutenden geologische Störung, dem so genannten Feldbiss durchzogen. Diese Verwerfung ist tektonisch noch aktiv. Außerdem stellte zur Zeit des Bergbaus die Bruchlinie ein erhebliches Hindernis für den Steinkohlenbergbau dar. Braunkohle findet man hauptsächlich nördlich und nordwestlich dieser Linie. Der Feldbiss ist eine der Hauptverwerfungslinien zwischen der Norddeutschen Tiefebene beziehungsweise der Niederrheinischen Bucht und dem Rheinischen Schiefergebirge beziehungsweise der Eifel. Sie ist die Südliche Hauptverwerfungslinie des Rurgrabens.

Geschichte Es gibt Indizien für eine vorgeschichtliche Besiedlung der Region um Brunssum wie sie auch für die benachbarten Orte Heerlen und Landgraaf nachgewiesen wurde.Erik Drenth: Aardewerk van de Michelsberg-cultuur uit Brunssum (prov. Limburg, NL). In: Notae Praehistoricae 39, 2009, S. 153-157, (Digitalisat). Allerdings ist darüber nur wenig bekannt. Antike und Mittelalterliche Erwähnungen oder Funde lassen auf eine weitgehend ununterbrochene Besiedlung des Stadtgebietes von Brunssum seit etwa 2000 Jahren schließen.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war Brunssum eine kleine Ortschaft, deren Einwohner zur Hauptsache von der Landwirtschaft lebten. Nach der Gründung der staatlichen Minen in diesem Teil der Niederlande wuchs die Zahl der Bevölkerung durch die Einwanderung von Menschen aus den übrigen Teilen der Niederlande und Gastarbeitern aus Südeuropa und Nordafrika sehr schnell an.W. Moonen: Brunssum de eeuwen door. Brunssum 1952, passim. Für Brunssum war insbesondere die Zeche Hendrik, die die größte Menge aller niederländischen Bergwerke förderte, Dreh- und Angelpunkt aller städtischen Entwicklung seit dem Ersten Weltkrieg. Auch die Staatsmijn Emma in Hoensbroek lag im Grenzgebiet zwischen dem heutigen Brunssum und dem heutigen Heerlen bei Treebeek und beeinflusste ebenfalls die Entwicklung Brunssums. Heute befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Grube Emma ein immenses Neubaugebiet mit Geschäften, Wohnsiedlungen, Parks, Gewerbepark und Verkehrswegen – ein komplett neuer Stadtteil der neuesten Generation niederländischen Siedlungs- und Städtebaus. Das Terrain der Zeche Hendrik ist hingegen überwiegend durch ein Hauptquartier der NATO (AFNORTH) einer neuen Nutzung zugeführt worden.

Politik Kollegium von Bürgermeister und Beigeordneten Die Koalition für die Legislaturperiode 2018–2022 besteht aus den Lokalparteien Brunssumse Christen Democraten, Burger Belangen Brunssum Lijst Palmen, Lijst Borger und Progressief Akkoord. Die Koalitionsparteien stellen dem Kollegium jeweils einen Beigeordneten bereit, die Partei Progressief Akkoord dagegen fügt zwei Beigeordnete hinzu. Folgende Personen gehören zum Kollegium und sind in folgenden Bereichen zuständigSamenstelling college Gemeente Brunssum, abgerufen am 27. Juli 2018 (niederländisch):

Funktion Name Partei Ressort Anmerkung Bürgermeisterin Wilma van der Rijt CDA allgemeine Sachen, Bevölkerung/bürgerlicher Stand, Feuerwehr, Vollstreckung und Überwachung, öffentlicher Ordnung und Sicherheit, Aufklärung und Kommunikation, interne Angelegenheiten, Personal und Organisation, regionale und (inter)nationale Sachen, Integritätspolitik, Genehmigungen, individuelle Verarbeitung von Abwässern seit dem 11. März 2020 im Amt Beigeordnete Jo Palmen Burger Belangen Brunssum Lijst Palmen Beigeordneter für den Bezirk Centrum, Projekt Oostflank inklusive Grundprobleme, Wohnungswesen, Raumplanung, öffentliche Arbeit inklusive Verkehr, Grundprobleme, Besitztümer, Denkmäler-Politik, Masterplan Centrum, Müll, Masterplan Treebeek, Umwelt (Bodenpflege und Asbest) erster stellvertretender Bürgermeister Servie L’Espoir Progressief Akkoord Beigeordneter für den Bezirk Zuid, kommunales Gesundheitsamt, Gesundheitspflege, Jugendarbeit, Behindertenpolitik, ehrenamtliche Tätigkeit, Armutspolitik, Schuldnerberatung, Kreditbank, Kinderbetreuung, Kinderkrippe, Sozialhilfegesetz, Koordination des gesellschaftlichen Kompetenzbereiches, Arbeitsmarktpolitik, Arbeitgeber-Servicestelle, Gesetz für soziale Arbeitsfürsorge zweiter stellvertretender Bürgermeister Carolus de Rijck Brunssumse Christen Democraten Beigeordneter für den Bezirk Noord, Kundenwerbung, wirtschaftliche Angelegenheiten, Wirtschaft und Arbeitsmöglichkeit, Alsdorf, Gemeinschaftshäuser, Informationsmanagement, Markt, Kirmes, Musikschule, Erholung und Tourismus, Spielplätze und öffentliche Spielmöglichkeiten, Sport und Veranstaltungen, Bibliothek dritter stellvertretender Bürgermeister Hugo Janssen Lijst Borger Beigeordneter für den Bezirk West, Koordination der bezirksgezielten Arbeit, Einbürgerung, Antidiskriminierung, funktionaler Analphabetismus, bessere Nachbarn, gesellschaftliche Angelegenheiten, Vereine, Kultur (inklusive Parade), Jugend vierter stellvertretender Bürgermeister Math Houben Progressief Akkoord Beigeordneter für den Bezirk Oost, Nachhaltigkeit und Umweltpolitik, Finanzen, Bildungsrückstand-Politik, Masterplan Treekbeek, Masterplan Centrum, Bildung inklusive Schulen, Schutterspark fünfter stellvertretender Bürgermeister Gemeindesekretärin Ellen Dielissen – – seit Januar 2014 im Amt

Sitzverteilung im Gemeinderat

Der Gemeinderat wird seit 1981 folgendermaßen gebildet: Partei Sitze 1981 1986 1990 1994 1998 2002 2006 2010 2014 2018 2022 2026 VVD 0 1 0 1 2 4 3 3 3 3 4 6 Lijst Borger 7 6 6 6 4 5 3 2 2 2 5 5 Lijst Brunssum Lokaal – – – – – – – – – – – 4 Burger Belangen Brunssum Lijst Palmen – – – 1 1 2 1 3 4 5 4 2 Progressief Akkoord Brunssum 2 1 2 4 5 3 3 3 3 4 5 2 PvdA 3 5 3 2 2 1 6 3 3 2 2 2 CDA 8 6 4 3 3 3 2 2 2 1 0 0 SP – – 0 – 2 2 – – 2 2 1 0 Brunssumse Christen Democraten – – 2 3 2 3 2 2 2 2 – – Lijst Huisman-Peeters – – – – – – 1 1 0 – – – D66 1 1 3 2 1 – – 1 0 – – – TROTS – – – – – – – 1 – – – – Brunssum2000 – – – – 1 0 – – – – – – Centrum Democraten – – – 1 0 – – – – – – – Lijst Horselenberg – 1 1 – – – – – – – – – CPN 2 – – – – – – – – – – – Gesamt 23 21 21 23 23 23 21 21 21 21 21 21

Anmerkungen

Wirtschaft und Infrastruktur Nachdem die Wirtschaft Brunssums bis zum Ersten Weltkrieg durchweg landwirtschaftliche geprägt war und nur im kleineren Maßstab Handel und Handwerk betrieben wurden, änderte sich das Bild mit dem Beginn des Bergbaus grundlegend. Ebenso grundlegend wälzte sich während der Herstruktureering, also dem Strukturwandel nach Ende des Steinkohlenbergbaus die Wirtschaftsstruktur hin zum modernen Dienstleistungsstandort.

Bergbau Brunssum ist in besonderem Maße durch den Bergbau, insbesondere den Steinkohlenbergbau geprägt worden. Die weitgehend erhaltenen Bergarbeitersiedlungen verleihen Brunssum sein charakteristisches Erscheinungsbild. Neben dem Steinkohlenbergbau spielt beziehungsweise spielte auch der Braunkohlenabbau und die Gewinnung von Steinen und Erden, insbesondere Quarzsand, eine bedeutende Rolle. Teilweise werden ehemalige Tagebaulöcher als Müllkippen genutzt aufgefüllt und schließlich abgedeckt und versiegelt. Entstehendes Faulgas (Deponiegas mit über 50 % Methananteil) wird gesammelt und in Blockheizkraftwerken (BHKW) energetisch verwertet.

Steinkohle In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Region um Kerkrade, Heerlen, Hoensbroek, Brunssum, Eygelshoven und Schaesberg zum Zentrum der niederländischen Steinkohlegewinnung. Die Region wurde auch „Oostelijke Mijnstreek“ genannt (daneben gab es auch einen „Westelijke Mijnstreek“, der von den Gemeinden Beek, Schinnen, Stein und der damals selbstständigen Gemeinde Geleen gebildet wurde)., aachener-zeitung.de, 12. Dezember 2012