Die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ; ) ist eine Internationale Organisation mit Sitz in Peking (China). Sie wurde 2001 gegründet und ging aus den 1996 gegründeten Shanghai Five hervor. Ihr gehören derzeit 10 Mitgliedsstaaten an: Belarus, die Volksrepublik China, Indien, Iran, Kasachstan, Kirgisistan, Pakistan, Russland, Tadschikistan und Usbekistan. Die SOZ beschäftigt sich mit der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten sowie Wirtschafts- und Handelsfragen und der Stabilität in der Region. Derzeit nimmt die SOZ in Anspruch, circa 40 % der Weltbevölkerung zu vertreten, und stellt damit die weltweit größte Regionalorganisation dar. Die SOZ ist einer der wichtigsten geopolitischen Gegenspieler zu Organisationen der westlichen Welt wie bspw. NATO und G7. Wichtigster Architekt und Geldgeber der SOZ ist die Volksrepublik China, die auch einen großen Einfluss ausübt und die Organisation als Bühne zur Durchsetzung ihrer geopolitischen Ziel nutzt. Gemäß verschiedener Demokratiemessungen werden, abgesehen vom Hybridregime Indien, alle Mitglieder eindeutig autoritär regiert, meist von einem Diktator.
Ziele Die grundlegenden Ziele der SOZ sind: die Stärkung des Vertrauens unter den Mitgliedstaaten die Mitwirkung und Zusammenarbeit auf politischen, wissenschaftlich-technischen, kulturellen, touristischen und ökologischen Gebieten, im Bereich des Handels, der Energie und des Transports die gemeinsame Gewährleistung und Unterstützung von Frieden und Sicherheit in und zwischen den Regionen der Mitgliedsländer Lösung und Beilegung von Konflikten
Darüber hinaus sehen Beobachter die Eindämmung des Einflusses der NATO und die Verhinderung von Farbrevolutionen als Ziele der Organisation.Andreas Heinemann-Grüder: Russland und die internationalen Organisationen, Bundeszentrale für politische Bildung, 12. Juni 2019.
Beteiligte Staaten Mitgliedstaaten (seit 1996, war bereits Mitglied der Shanghai Five) (seit 1996, war bereits Mitglied der Shanghai Five) (seit 1996, war bereits Mitglied der Shanghai Five) (seit 1996, war bereits Mitglied der Shanghai Five) (seit 1996, war bereits Mitglied der Shanghai Five) (seit der Gründung 2001) (seit 2017) (seit 2017) (seit 2023) (seit 2024) Staaten mit Beobachterstatus (seit 2004) (ab 2012, seit der Machtübernahme der Taliban 2021 aber inaktiv) Dialogpartner (seit 2016) (seit 2016) (seit 2015) (seit 2016) (seit 2010) (seit 2013) (seit 2022) (seit 2022) (seit 2022) (seit 2023) (seit 2023) (seit 2023) (seit 2023) (seit 2023) Gastteilnehmer
20px Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit 20px Eurasische Wirtschaftsunion
Vorgeschichte Vorläufer der SOZ war die Gruppe der Shanghai Five; sie wurde durch die 1996 in Shanghai erfolgte Unterzeichnung des Vertrags über die Vertiefung des militärischen Vertrauens in Grenzregionen (russisch Соглашение об укреплении доверия в военной области в районе границы;web.archive.org auf der SOZ-Webseite, russisch chinesisch 关于在边境地区加强军事领域信任的协定web.archive.org, wo die Geschichte zusammengefasst wird) durch die Volksrepublik China, Russland, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan gegründet. 1997 unterzeichneten dieselben Staaten den Vertrag über die Reduzierung der Streitkräfte in Grenzregionen (russisch Соглашение о взаимном сокращении вооружённых сил в районе границы; chinesisch 关于在边境地区相互裁减军事力量的协定) anlässlich eines Gipfeltreffens in Moskau. Die SOZ diente zunächst vorrangig der Klärung von Grenzstreitigkeiten, die nach dem Zerfall der Sowjetunion in Zentralasien auftraten. Jährliche Gipfeltreffen der Shanghai Five fanden 1998 in Almaty (Kasachstan), 1999 in Bischkek (Kirgisistan) und 2000 in Duschanbe (Tadschikistan) statt.
Gründung und Entwicklung mini|Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit 2012 in Peking mini|15. Gipfeltreffen im Juli 2015 in Ufa in Russland 2001 kehrte das Gipfeltreffen der Shanghai Five nach Shanghai zurück. Die fünf Mitgliedstaaten nahmen hier Usbekistan in die Verträge der Shanghai Five auf, die nunmehr informell als Shanghai Six bezeichnet werden. Gleichzeitig unterzeichneten alle sechs Staatschefs am 15. Juni 2001 einen Vertrag, in dem die Gründung der Organisation verkündet wurde (russisch Декларация о создании Шанхайской организации сотрудничества; chinesisch 上海合作组织成立宣言上海合作组织大事年表, sectsco.org).
Am 7. Juni 2002 trafen sich die Staats- und Regierungschefs der SOZ-Staaten in Sankt Petersburg, um dort die SOZ-Charta zu unterzeichnen, die die Ziele, Prinzipien, Struktur und Handlungsweise der Organisation festlegte. Mit dieser Charta erhielt die SOZ ihren derzeitigen völkerrechtlichen Rahmen.
Seit Dezember 2004 hat die SOZ Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen.Gewährung des Beobachterstatus in der Generalversammlung an die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit. Resolution A/59/51
Auf dem SOZ-Gipfel in Taschkent (Usbekistan), der vom 16. Juli bis zum 17. Juli 2004 stattfand, beschloss die SOZ, ein regionales Antiterrornetzwerk einzurichten (Региональная антитеррористическая структура 地区反恐怖机构, dìqū fǎnkǒngbù jīgòu, RATS, englisch Regional Counter-Terrorism Structure, RCTS), das am 1. Januar 2007 in Taschkent die Arbeit aufnahm. Erster Direktor des RATS wurde Myrzakan Subanov aus Kirgisistan.
Auf dem Gipfeltreffen 2006 in Shanghai wurde das Verwaltungssekretariat der SOZ zu einem Generalsekretariat ausgebaut. Beim Gipfeltreffen im September 2008 war auch der iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad zugegen, der im nächsten Jahr auch dem Gipfeltreffen in Jekaterinburg beiwohnte. Das war sein erster Besuch im Ausland nach seiner Wiederwahl.Eine Tagung des Rates der Staatsoberhäupte der SOZ-Mitgliedstaaten fand in Duschanbe statt – an der offiziellen Seite der Organisation
Im Jahr 2010 legten die beiden Gründungsmitglieder China und Russland ihre jahrzehntelangen Grenzkonflikte bei und konnten eine weitere Annäherung ihrer beiden Länder erreichen.
Mitte Mai 2011 trafen sich die Außenminister der SOZ-Staaten in Alma-Ata (Kasachstan), um die Tagesordnung des für Juni in Astana (Kasachstan) anberaumten zehnten Gipfels zu vereinbaren. Bei dem Gipfel sollten verschiedene Abkommen unterzeichnet werden, u. a. die Anti-Drogen-Strategie bis 2016. Kurz vor dem Vorbereitungstreffen unterstrich Afghanistan sein Interesse an einem Beobachterstatus.
mini|380px|links|Übersichtskarte zur SOZ mit dem Stand vom Juni 2017: Mitglieder (blau), Beobachter (dunkelgrün), “Dialogpartner” (gelb), Gäste/An der Mitgliedschaft interessierte Staaten (türkis) Die Türkei stellte im Oktober 2011 einen offiziellen Antrag auf eine „Dialogpartnerschaft“, welcher am 7. Juni 2012 angenommen wurde. Damit ist die Türkei das erste Land, das eine Dialogpartnerschaft mit der SOZ unterhält und gleichzeitig Mitglied der NATO ist. Im Westen wurde dieser Schritt kritisch aufgenommen, vor allem in Hinblick auf die Beitrittsverhandlungen mit der EU. In einem Interview bemerkte der türkische Ministerpräsident Erdoğan: „Dann sagen wir der EU auf Wiedersehen“. Er wiederholte sein Anliegen im November 2016 und führte die 2005 begonnenen und seit Jahren stockenden Beitrittsverhandlungen mit der EU an. Die SOZ-Vollmitgliedschaft würde seinem Land möglich machen, „viel leichter zu handeln“. Auf türkischen Vorschlag haben die Bündnisstaaten zudem beschlossen, den Vorsitz im Energieclub der Organisation für jeweils ein Jahr zu führen. Der einstimmig getroffenen Vereinbarung zufolge übernimmt Ankara 2017 diesen Posten.
Im September 2014 in Duschanbe (Tadschikistan) haben Indien und Pakistan Aufnahmeanträge gestellt, welche auf dem Gipfel im Juli 2015 in Ufa (Russland) zur Abstimmung gebracht worden sind. Im Rahmen des 15. Gipfeltreffens am 9. und 10. Juli 2015 in Ufa, Russland wurde der zukünftige Beitritt Indiens und Pakistans beschlossen. Auf dem folgenden Gipfeltreffen in Taschkent wurden weitere Memoranden unterzeichnet, welche 2017 in Astana zur Aufnahme beider Staaten führten.
Im September 2021 wurde der Beitrittsprozess für den Iran begonnen, welcher beim Gipfel 2022 zum Beschluss von Schritten zur Vollmitgliedschaft des Iran führte und im Juli 2023 zum Beitritt. Des Weiteren wurde bei besagtem Treffen 2022 der Prozess für die Aufnahme von Belarus eingeleitet. Die Türkei, welche als „Dialogpartner“ am Gipfel teilnahm, bekundete ebenfalls Interesse an einer Mitgliedschaft. Dies sollte Thema beim nächsten Gipfel werden.
Beim Gipfel im Juli 2024 in Kasachstan wurde Belarus als neues 10. ständiges Mitglied aufgenommen. Hinzu kommen 14 sogenannte Dialogpartner, wie das NATO-Mitglied Türkei und mehrere Golfstaaten. Zentrale Themen des zweitägigen Gipfels in Tianjin im September 2025 waren der Ukraine-Krieg, die Bekämpfung von Terrorismus, Extremismus und Separatismus, sowie das Streben nach mehr Einigkeit gegenüber dem Westen. In der Abschlusserklärung des Gipfels in Tianjin haben sich die Teilnehmerländer gegen „unilaterale Zwangsmaßnahmen auch wirtschaftlicher Art“ ausgesprochen. Die Luftangriffe Israels und der Vereinigten Staaten auf den SCO-Mitgliedsstaat Iran verurteilten die 26 Staaten „auf das Schärfste“. Chinas Präsident Xi Jinping regte den Aufbau einer eigenen Entwicklungsbank mit Hilfe chinesischer Kredite in Renminbi an, um Handelsströme und Investitionen langfristig vom Dollar zu lösen.
Gipfeltreffen mini|17. Gipfeltreffen im Juni 2017 in Astana in Kasachstan mit der Aufnahme Indiens und Pakistan als neue Mitgliedsstaaten mini|Gruppenfoto zum SCO-Gipfeltreffen in Qingdao
Datum Ort Staat Bemerkung 14. Juli 2001 Shanghai China Aufnahme Usbekistans 7. Juni 2002 Sankt Petersburg Russland Unterzeichnung Charta 28. bis 29. Mai 2003 Moskau Russland 16. bis 17. Juli 2004 Taschkent Usbekistan Einrichtung Antiterrornetzwerk 5. Juli 2005 Astana Kasachstan 15. Juni 2006 Shanghai China Einrichtung Generalsekretariat 28. Juni 2007 Bischkek Kirgisistan 28. August 2008 Duschanbe Tadschikistan 15. bis 16. Juni 2009 Jekaterinburg Russland 10. bis 11. Juni 2010 Taschkent Usbekistan 14. bis 15. Juni 2011 Astana Kasachstan 6. bis 7. Juni 2012 Peking China 13. bis 14. September 2013 Bischkek Kirgisistan 12. bis 13. September 2014 Duschanbe Tadschikistan Mitgliedschaftsanträge Indien und Pakistan 9. bis 10. Juli 2015 Ufa Russland 23. und 24. Juni 2016 Taschkent Usbekistan 8. bis 9. Juni 2017 Astana Kasachstan Aufnahme Indiens und Pakistans 9. bis 10. Juni 2018 Qingdao China 14. bis 15. Juni 2019 Bischkek Kirgisistan 10. November 2020 Sotschi Russland 16. bis 17. September 2021 Duschanbe Tadschikistan Mitgliedschaftsantrag des Iran 15. bis 16. September 2022 Samarkand Usbekistan Iran und SCO vereinbaren Schritte zur Vollmitgliedschaft 4. bis 5. Mai 2023 Goa Indien Aufnahme des Iran 3. bis 4. Juli 2024 Astana Kasachstan Aufnahme BelarusPutin trifft in Kasachstan Erdogan und Xi Jinping, orf.at, 2. Juli 2024, abgerufen am 2. Juli 2024. 31. August bis 1. September 2025 Tianjin Volksrepublik China Key things to know about SCO Tianjin Summit, Xinhua, 27. August 2025, abgerufen am 31. August 2025.
Organisation Das höchste Organ der SOZ (; russ.: Шанхайская организация сотрудничества, ШОС) ist der „Rat der Staatsoberhäupter“ (Council of Heads of State). Ab 2002 wurde in Taschkent (Usbekistan) ein gemeinsames Zentrum zur Bekämpfung des Terrorismus eingerichtet, zwei Jahre später folgte für die SOZ ein Sekretariat in Peking. Die Mitglieder beachten das Prinzip der Nichteinmischung. Entscheidungen werden im Konsens getroffen. Arbeitssprachen der Organisation sind Chinesisch und Russisch.
Generalsekretäre Periode Name Herkunftsstaat 2007 bis Mitte 2011 Bolat Nurghaliew Kasachstan Mitte 2011 bis 2012 Muratbek Imanalijew Kirgisistan 2013 bis 2015 Dmitri Mesenzew Russland 2016 bis 2018 Raschid Alimow Tadschikistan 2019 bis 2021 Vladimir Norov Usbekistan 2022 bis 2024 Zhang Ming Volksrepublik China seit 2025 Nurlan Jermekbajew Kasachstan
Der Generalsekretär wird auf dem SCO-Gipfel für jeweils drei Jahre bestimmt.