mini|Stele mit Asarhaddon im Pergamonmuseum Asarhaddon (auch Aššur-aḫḫe-iddina bzw. Aschschur-achche-iddina, genannt Aššur-etil-ilani-apli; † 26. Oktober 669 v. Chr.) war vom 14. März 680 bis zum 26. Oktober 669 v. Chr. assyrischer König. Sein Name Aššur-aḫḫe-iddina bedeutet: Aššur hat mir einen Bruder gegeben. Asarhaddon führte zu Anfang seiner Regierungszeit den Namen Aššur-etil-ilani-mukīn-apli (Aššur, der Prinz der Götter, ist der, der einen Erbsohn festsetzt),Barbara Nevling Porter: Aššūr-achu-iddina. In: Simo Parpola (Hrsg.): The Prosopography of the Neo-Assyrian Empire. Band 1, Teil 1: Karen Radner (Hrsg.): A. The Neo-Assyrian Text Corpus Project, Helsinki 1998, ISBN 951-45-8163-6, S. 145–153, hier S. 149. um ihn später wieder in seinen früheren Namen Aššur-aḫḫe-iddina umzuwandeln. Die Gründe hierfür sind unklar.

Quellen Als Quellen zur Geschichte der Regierung Asarhaddons stehen die königlichen Inschriften, die Eponymenlisten, Teile des assyrischen Staatsarchivs, die sich in Ninive erhalten haben, Chroniken, Staatsverträge, die sogenannten „Gottesbriefe“, Orakeltexte (besonders gegen Ende seiner Regierungszeit) und Verwaltungsurkunden zur Verfügung.

Sieben Briefe des Kronprinzen Assurbanipal an seinen Vater sind erhalten, wie auch vier seines Bruders Šamaš-šuma-ukin und drei seines Bruders Šamaš-metu-uballit und einer von der Prinzessin Šerua-eterat, die sich mit ihrer zukünftigen Stiefmutter Libbali-šarrat nicht sonderlich gut verstanden zu haben scheint.

Das Nimrud-Prisma berichtet über die Zustände auf Iadnata (Zypern) und nennt die Namen von zehn Königen, die den Assyrern tributpflichtig sind.

Stelen und Inschriften des Asarhaddon sind bekannt aus: Til Barsip (Tell Ahmar) A und B, 3,80 bzw. 3,30 m hoch.François Thureau-Dangin, Maurice Dunand: Til-Barsib (= Bibliothèque archéologique et historique. 23, ). Geuthner, Paris 1936, S. 151–155. Zincirli, 3,2 m hohe Dolerit-Stele.Eberhard Schrader (Hrsg.): Inschrift Asarhaddon’s, Königs von Assyrien. In: Felix von Luschan (Hrsg.): Ausgrabungen in Sendschirli. Band 1: Einleitung und Inschriften (= Königliche Museen zu Berlin. Mittheilungen aus den orientalischen Sammlungen. 11, ). W. Spemann, Berlin 1893, S. 30–43. Eine zweite, stark beschädigte Stele aus Kalkstein von 1,90 m Höhe wurde im Nordwestpalast gefunden. Mündung des Nahr al-Kalb, 10 km nördlich von Beirut,Franz H . Weissbach: Die Denkmäler und Inschriften an der Mündung des Nahr El-Kelb (= Wissenschaftliche Veröffentlichungen des Deutsch-Türkischen Denkmalschutz-Kommandos. 6, ). De Gruyter, Berlin u. a. 1922, (Digitalisat). 1,9 m hohes Relief. Qaqun (6 km nordwestlich von Tul Karm, Israel), fragmentarisch erhalten.

Familie Asarhaddon war der jüngste Sohn Sanheribs. Seine Mutter war die aramäische Königin Naqia. Ihr Schreiber war Issar-duri. Der Halbbruder Arda-Mulissu war Rebellenführer und floh nach seiner Niederlage 680 v. Chr. zunächst nach Urartu, dann nach Šubria. Sein jüngerer Halbbruder Aššur-nadin-šumi war von Sanherib 700 v. Chr. als König von Babylonien eingesetzt worden, wurde aber auf Betreiben einiger Sterndeuter von seinen Untertanen an die Elamiter ausgeliefert. Seine Schwester Šaddītu lebte im Palast.

Seine Gemahlin und Mutter von Assurbanipal sowie Šamaš-šuma-ukin, die wahrscheinlich den Namen Ešarra-ḫammat trug, starb im Februar 672 v. Chr. Sie trug den Titel Mi.É.GAL. Als weitere Kinder sind bekannt: Šamaš-metuš-uballit, der dritte Sohn Prinzessin Šerua-eṭerat Aššur-mukin-paleja Aššur-etel-šame-erseti-mubalissuErich Ebeling, Bruno Meissner, Dietz Otto Edzard, Ernst Weidner (Hrsg.): Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie. Band 9: Nab – Nuzi. De Gruyter, Berlin 2001, ISBN 3-11-017296-8, S. 105. zwei weitere Töchter waren mit ausländischen Herrschern verheiratet, eine vielleicht mit Scheschonq. In einer Orakelanfrage erkundigt sich Asarhaddon, ob er seine Tochter (Name unbekannt) mit dem Skythenherrscher Bartatua verheiraten sollte.

Außer der Königin hatte der König offenbar auch einen Harem aus Sklavinnen. So wird berichtet, dass nach der Eroberung von Memphis Jungfrauen aus Kusch im königlichen Palast untergebracht wurden. Eine Gleichsetzung des Palasts der Königin mit dem Harem scheint aber unangebracht. Als der älteste Sohn von Asarhaddon starb, wurde Assurbanipal von 672 bis 669 v. Chr. Kronprinz. Er war mit Libali-šarrat verheiratet und folgte seinem Vater auf dem Thron.

Leben Als Kronprinz nahm Asarhaddon an Kämpfen in Bit Hamban gegen die Kimmerer teil. König Sanherib wurde 681 v. Chr. ermordet; ob Asarhaddon hinter der Tat stand, ist unklar; tatsächlich musste er in einem sechswöchigen Bürgerkrieg seinen Anspruch gegen Arda-Mulissu und seine Brüder mit Gewalt durchsetzen.

Die Nachfolge in der Herrschaft wurde unter anderem über Verträge mit den Vasallen geregelt. So schloss Asarhaddon mit den Königen der Meder einen Vertrag, dass sie seinen Sohn Assurbanipal „den Kronprinzen vom Nachfolgehaus“ an seiner Stelle als König anerkennen sollten und Šamaš-šuma-ukin als König von Babylon.Mario Liverani: The Medes at Esarhaddon’s Court. In: Journal of Cuneiform Studies. Band 47, 1995, S. 57–62, . Sie sollten: ihn schützen, im Felde und innerhalb der Stadt; ihm aus ganzem Herzen guten Rat erteilen; einen guten Weg für seine Füße bereiten; seine Brüder nicht gegen ihn unterstützen; ihm alle bösen Worte gegen ihn zutragen, sowohl aus dem Munde seiner Familie, der Beamten und Eunuchen als auch des Volkes (der Schwarzköpfigen); keine Verträge mit seinen Feinden schließen; auch seinen Söhnen ergeben sein; den Text dieser Vertragstafel nicht ändern oder versuchen, diese zu vernichten.

Der Vertrag wird mit Verfluchungen von Vertragsbrechern bekräftigt. Wer ihm zuwiderhandelt, soll (unter anderem): kein hohes Alter erreichen; Anu möge sie mit Schlaflosigkeit, Trübsal und Krankheit schlagen; Sin möge sie mit Aussatz schlagen; Schamasch möge sie blenden; Ninurta möge sie mit seinen Pfeilen niederstrecken, ihr Blut möge die Steppe füllen; ein Fremder möge den Schoß ihrer Frauen besitzen, ihre Söhne mögen sie nicht beerben; Adad, der Deichgraf des Himmels, möge ihr Land überfluten; usw.

Der Eid wird mit dem Opfer eines Mutterschafes bekräftigt und das Schicksal des Schafes magisch (und sehr ausführlich) mit dem der Eidbrüchigen gleichgesetzt.

Kriege Gewöhnlich zogen die assyrischen Könige jedes Jahr zu Feldzügen aus. Jahre, in denen der König „im Lande blieb“, gelten gewöhnlich als Zeichen innerer Unruhen. Jedoch konnten auch der rab-šarri oder andere hohe Beamte, wie der Obereunuch, Feldzüge leiten.

Der König leitete gewöhnlich die Schlacht von einem Hügel aus, während seine Adeligen (rabiu) die Truppen in die Schlacht führten. Aus einem Brief an Asarhaddon (83-1-18,861) geht jedoch hervor, dass Asarhaddon seine Truppen teilweise auch persönlich anführte. Der (unbekannte) Verfasser des Briefes rät jedoch von einem solchen Vorgehen ab. Feldzüge Asarhaddons:

Regierungsjahr Eponymenbeamter Kalenderjahr Gegner Gegner 1 Dananu 680/79 Dakkuri Gambulu 2 Issi-Adad-anenu 679/78 Arza 3 Nergal-šarru-uṣur 678/77 Dakkuri 4 Abi-ramu 677/76 Sidon 5 Banba 676/75 Bazza Sidon 6 Nabu-ahhe-iddin 675/74 Mugallu von Melid unter dem obersten Eunuchen Dakkuri 7 Šarru-nuri 674/73 Niederlage in Ägypten 8 Atar-ilu 673/72 Šubria 9 Nabu-belu-uṣur 672/71 keine Feldzüge des Königs überliefert 10 Kanunaju 671/70 Tyros Taharqa von Ägypten (25. Dynastie) 11 Šulmu-beli-lašme 670/69 Ägypten Exekution von Offizieren 12 Šamaš-kašid-ajabi 669/68 Ägypten, Rebellion des Taharqa

Zunächst war er in Auseinandersetzungen gegen Bit Dakkuri und Gambulu erfolgreich. Um 680 v. Chr. besiegte König Asarhaddon dann ins Land eingedrungene Kimmerer, ein nomadisierendes Reitervolk, bei Ḫubušna. Sie bezwangen anschließend Phrygien und verursachten Verwüstungen in Lydien. 677 v. Chr. wurde der König von Sidon, der sich gegen die assyrische Herrschaft erhoben hatte, besiegt und enthauptet. Seine Stadt wurde verwüstet und als „Hafen des Asarhaddon“ wieder aufgebaut, während die phönizische Bevölkerung nach Assyrien deportiert wurde. 676 v. Chr. folgte ein erfolgreicher Feldzug ins Taurusgebirge. Unterdessen musste Assyrien auch die Mannäer an der Nordgrenze abwehren, ebenso die Meder unter ihrem König Khschathrita im Osten. Assyrische Vorstöße reichten offenbar bis in die Gegend des heutigen Teheran. Das Zagros-Gebirge wurde durch eine Reihe von Festungen gesichert. Melitene (assyrisch: Meliddu) wurde im Jahr 675 v. Chr. (erfolglos) belagert. Im selben Jahr wurde im Süden Mesopotamiens ein gegen die Stadt Sippar gerichteter Einfall der Elamiter zurückgeworfen. Es folgte ein assyrischer Vorstoß in das Land Bazu, den Quellen nach jedenfalls eine ausgetrocknete Landschaft.

Im 10. Regierungsjahr (palû) stieß Asarhaddon erneut nach Ägypten vor und schlug König Taharqa. Memphis wurde eingenommen und Taharqa musste nach Oberägypten fliehen. Asarhaddon legte sich nun den Titel „König von Musur, Patros und Kusch“ zu sowie König von Ägypten, Sieger über den König von Meluḫḫa (Kalach D).Israel Ephʿal: Esarhaddon, Egypt, and Shubria: Politics and Propaganda. In: Journal of Cuneiform Studies. Band 57, 2005, S. 99–111, hier S. 102; John Malcolm Russell: The writing on the wall. Studies in the architectural context of Late Assyrian palace inscriptions (= Mesopotamian Civilizations. 9). Eisenbrauns, Winona Lake IN 1999, ISBN 0-931464-95-1, S. 93 f. Er organisierte die Verwaltung der neuen Provinz und kehrte mit reicher Beute heim. Er nahm Ušanahuru, den Sohn des Königs,Zincirli-Stele Zeile 43, Nahr al-Kalb Inschrift Zeile 12. und die Frauen des Königs gefangen und deportierte Ärzte, Wahrsager, Traumdeuter, Schlangenbeschwörer und Metallarbeiter nach Assyrien,Israel Ephʿal: Esarhaddon, Egypt, and Shubria: Politics and Propaganda. In: Journal of Cuneiform Studies. Band 57, 2005, S. 99–111, hier S. 100. sowie Menschen, deren Haut so schwarz wie Pech war.Wilfred G. Lambert: Booty from Egypt? In: The Journal of Jewish Studies. Band 33, Nr. 1/2, 1982, , S. 61–70, . Sobald er aber Ägypten verlassen hatte, erhob sich das Land gegen die Invasoren. Darum marschierte Asarhaddon wieder gegen Ägypten, starb aber unterwegs an seiner schon länger bestehenden Krankheit am 27. Oktober 669 v. Chr.Der Beginn des 10. Arahsamna fiel 669 v. Chr. auf den Abend des 2. November und der Frühlingsanfang auf den 28. März im proleptischen julianischen Kalender. Zum gregorianischen Kalender beträgt die Zeitdifferenz sieben Tage, die vom 2. November in Abzug gebracht werden müssen. Berechnungen nach Jean Meeus: Astronomische Algorithmen – Anwendungen für Ephemeris Tool 4,5. Barth, Leipzig 2000 und Ephemeris Tool 4,5 Umrechnungsprogramm. in Harran.

Titel Asarhaddon führte, wie alle vorderasiatischen Könige, die über andere Könige herrschten, den Titel Großkönig (Šarru rabû šarru), außerdem nannte er sich: König von Assyrien König des Weltreichs (šar-kiššati) König der vier Weltufer (šar kibrât erbetti) Erster aller Könige, König von Sumer und Akkad (mât Sumeri u Akkadiki), König von Babel (Bâbìliki), König von Karduniaš, König von Ägypten, König von Kuš, König von Patros, König von Subartu, König von Amurru, König der Könige von Tilmun, Makan und Meluḫḫa.

Als weitere Titel führte er: Statthalter des Enlil, Priester des Aššur, treuer Hirte, Liebling der großen Götter, Sohn Sanheribs, Sohn von Sargon II., teurer Spross von Baltil (= Aššur) und königlicher Nachkomme des Bêl-bani.

Asarhaddon führte in seinen Inschriften besonders die Götter Aššur, Ninlil (der wie Aššur seinen Schirm über ihn ausgebreitet hat), Šamaš, Marduk (der Oberrichter der Götter), Bêl und Nabû (der Schreiber des Alls) auf, ferner Nudimmud (der weiseste unter den Göttern), Sin (der Herr der Krone), die Ištar von Arbela, die Ištar von Ninive, Nergal, Sarpânîtu (besonders in Babylon, Eru’a), Ninurta, Gušea, Bêltiia, Šarur und Šargaz, Aa, Irnini, Agušea, die Šebeti und Enlil.

Hof