mini|Militärisches Symbol der Kampfschwimmerkompanie Die Kampfschwimmer der Deutschen Marine bilden die maritime Komponente der Spezialkräfte der Bundeswehr. Ihr Aufgabengebiet ist weit gefächert und umfasst vor allem Kommandoeinsätze im Zuge küstennaher Kriegführung. Das bedeutet, dass sie in allen Elementen eingesetzt werden: zur See, an Land und luftlandefähig aus der Luft, sowohl durch Anlandung mit Hubschraubern als auch im Freifallsprung. Damit stellen sie einen triphibischen Verband innerhalb der Bundeswehr dar.
Geschichte Bereits bei der Aufstellung der Bundesmarine 1956 wurde geplant, eine Kampfschwimmereinheit aufzustellen, um amphibische Landungsoperationen im Rücken angreifender Verbände des Ostblocks vorzubereiten. Am 1. August 1958 wurde mit der Aufstellung begonnen. Die ersten Angehörigen waren Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg in den Kleinkampfverbänden und den Marine-Einsatzkommandos gedient hatten.
Zuständig für den Aufbau und erster Kommandeur war Korvettenkapitän Günter Heyden, ein ehemaliger Meereskämpfer der Kriegsmarine und hochdekorierter Chef der Einsatzgruppe Heyden.
Erster Ausbildungsleiter wurde 1958 Kapitänleutnant Herbert Völsch, der seit 1954 u. a. Gründungsvorstand und Ausbildungsverantwortlicher im Verband Deutscher Sporttaucher war. Darüber hinaus war Völsch zuvor Ausbildungsleiter für Kampfschwimmer der Kriegsmarine im italienischen Valdagno, ehemaliger Kommandeur des Lehrkommando 704 der Kleinkampfverbände der Kriegsmarine sowie späterer Kommandeur der Einsatzgruppe Völsch.Gunter Schöbel: Frühe taucharchäologische Untersuchungen im Verband der Deutschen Sporttaucher. Ein Rückblick auf die 1950er Jahre. Skyllis, Deutsche Gesellschaft zur Förderung der Unterwasserarchäologie e. V., 14. Jahrgang 2014 · Heft 2Michael Jung: Sägefische in der Elbe in: Die letzten Kriegstage im Dreieck Artlenburg-Hohnstorf-Lauenburg Neben der eigenen Ausbildung in der Bundesmarine fand von Januar bis Juli 1959 eine Ausbildung bei den Nageurs de combat in Frankreich statt. Im August 1959 wurde der erste Kampfschwimmerzug dem Seebataillon in Sengwarden mit Standorten in Eckernförde und Borkum unterstellt.
Die Kampfschwimmer sollten sowohl im Wasser als auch an Land Aufgaben erfüllen, wie schon die deutschen Kampfschwimmer im Zweiten Weltkrieg. Neu war der Einsatz aus der Luft als Fallschirmspringer. Dieses triphibische Konzept der Franzosen wurde zur Grundlage der Kampfschwimmer der Deutschen Marine. Seit 1972 besteht ein Personalaustauschprogramm zwischen den Kampfschwimmern und den United States Navy SEALs, um Ausrüstung, Einsatzverfahren und Ausbildung weiterzuentwickeln.Ingo Mathe: Einsatzgruppe See der Kampfschwimmerkompanie – Unbekannte Fähigkeiten der Deutsche Marine. In: Marineforum. 11-2011, S. 18 f.
Am 1. April 1964 wurden die Kampfschwimmer in einer selbstständigen Kompanie zusammengefasst, die der Amphibischen Gruppe unterstand. Die Kampfschwimmer sind seit 1974 im Marinestützpunkt Eckernförde bei Kiel stationiert. Im Oktober 1991 wurden sie der Flottille der Minenstreitkräfte unterstellt und in die Waffentauchergruppe eingegliedert.Bundesarchiv/Militärarchiv Bestand BM 17 Infolge einer 2001 begonnenen Reorganisation der Marine unterstand die Kampfschwimmerkompanie seit Juli 2003 den Spezialisierten Einsatzkräften Marine (SEK M).Bundesarchiv/Militärarchiv Bestand BM 14 Seit April 2014 bilden die Kampfschwimmer den Kern des Kommando Spezialkräfte der Marine (KSM).
Seit der Aufstellung des KSK im Jahr 1996 gibt es in der Bundeswehr weitere Kräfte, die mit den Kampfschwimmern bezüglich der Ausbildung und Ausrüstung vergleichbar sind. Beide Spezialeinheiten ergänzen sich und betreiben Personalaustausch, um gegenseitig Kompetenz und Erfahrung zu fördern.
Am 5. April 2023 wurde begonnen, das KSM massiv aufzustocken und somit die Einsatzbereitschaft des KSM zu erhöhen. Mit der neuen Struktur KSM2023+ einher geht nahezu eine Verdoppelung der Dienstposten des KSM auf 600 Stellen. Dies soll bis 2025 erreicht werden. Dabei wird aber nicht die Anzahl der Kampfschwimmer angehoben, sondern lediglich die der Unterstützungskräfte innerhalb des KSM, damit diese einen reibungsloseren Ablauf den Kampfschwimmern ermöglichen können.
Die Interessenvertretung der deutschen Kampfschwimmer der Bundeswehr (Aktive sowie Reservisten) und ihrer Angehörigen ist die „Kampfschwimmer Association e. V.“, in dem sie im Wesentlichen organisiert sind. Der Vorstand dieses gemeinnützigen Vereins besteht aus dem ehemaligen Kommandeur der Spezialisierten Einsatzkräfte Marine und heutigem Kontingentführer der Deutschen Kräfte des 25. Einsatzkontingentes der NATO-Unterstützungsmission in der Ägäis Kapitän zur See Thorsten Mathesius5 Fragen an Kapitän zur See Thorsten Mathesius, Commander Task Unit 0.1 SNMGStanding NATO Maritime Group 2 und Führer der Deutschen Kräfte des 25. Einsatzkontingentes der NATO-Unterstützungsmission in der Ägäis/NATO AEGEAN SEA ACTIVITY. und dem derzeitigen Ausbildungsleiter der Kampfschwimmer Fregattenkapitän Ingo Mathe.gem. Amtsgericht Kiel VR 6600 KI Hauptbranche: Interessenvertretungaktuelle Satzung §2 Zweck und Ziele des Vereins
Auftrag Der Auftrag der Kampfschwimmer ist breit gefächert. So gehören Terrorismusbekämpfung und Geiselbefreiung dazu, aber auch die Aufklärung gegnerischer Häfen sowie Küstenanlagen. Weiterhin können eigene Schiffe oder Infrastrukturen durch die Kampfschwimmer geschützt werden. Evakuierungs-, Rettungs- und Bergungseinsätze können ebenfalls im Auftrag enthalten sein.
Einsätze und Ausbildungsmissionen Anders als bei den Kampfschwimmer-Einheiten anderer Länder sind wegen der Geheimhaltung bisher kaum Einsätze öffentlich geworden. Im Golfkrieg 1991 wurde die gesamte Kompanie im Rahmen der Operation Südflanke im Persischen Golf für Sicherungsaufgaben an Bord deutscher Schiffe eingesetzt. Als Durchsuchungskommando war die Einheit an der Embargo-Kontrolle gegen Restjugoslawien (offiziell Bundesrepublik Jugoslawien) in den Gewässern der Adria beteiligt (Operation Sharp Guard). Als weiters nahmen die Kampfschwimmer am Kosovo-Einsatz als Teil von KFOR teil. Der Spiegel berichtete, dass Kampfschwimmer verstärkt im Libanon-Einsatz als Teil der United Nations Interim Force in Lebanon verwendet worden seien. Nach verschiedenen Veröffentlichungen waren Kampfschwimmer gemeinsam mit Soldaten des KSK in Afghanistan nicht nur zum Schutz des deutschen ISAF-Kontingents im Einsatz, sondern wurden bereits 2005 zusammen mit dem KSK in Ostafghanistan eingesetzt. Im Rahmen des G8-Gipfels in Heiligendamm 2007 stellten Kampfschwimmer den Schutz deutscher und ausländischer Politiker gegen Angriffe von See her sicher. Anfang März 2012 wurde der Einsatz von Kampfschwimmern zur Pirateriebekämpfung im Zuge der Operation Atalanta durch das Bundesministerium der Verteidigung offiziell bekanntgegeben. Sie wurden vom Einsatzgruppenversorger Berlin aus eingesetzt mit dem Ziel, sich mit Unterwasser-Scootern unbemerkt Piratenmutterschiffen zu nähern und ihren Antrieb zu blockieren. Nicht als Kampfeinsätze definierte Ausbildungsmissionen und Übungen ist die Ausbildung von afrikanischen Soldaten und eigene Übung im Rahmen der „Mission Gazelle“ im Mai 2019 und Februar und März 2020 in der Region Tahoua im Niger. Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 sind deutsche Kampfschwimmer gemeinsam mit weiteren Spezialkräften des KSK und der GSG9 für mögliche Kommandoeinsätze zur Befreiung deutscher Geiseln nach Zypern verlegt worden.
Organisation und Führung Die Kampfschwimmerkompanie verfügt nach Stärke- und Ausrüstungsnachweis über geschätzte drei Züge mit je 16 Mann, die als Kampfschwimmereinsatzteam (KSET) bezeichnet werden. Sie werden unterstützt durch eine zur Kampfschwimmerkompanie gehörende Einsatzgruppe See. Diese verfügt über bewaffnete Festrumpfschlauchboote und andere Fahrzeuge, um Kampfschwimmereinsatzteams an ihren Einsatzort zu transportieren.
Selbständige Einsätze der Kampfschwimmer wurden von 2005 bis 2012 vom Kommando Führung Operationen von Spezialkräften (KdoFOSK), von 2012 bis 2025 vom Einsatzführungskommando der Bundeswehr und seit 2025 vom Operativen Führungskommando der Bundeswehr geführt und sind geheim. Außerdem können Kampfschwimmer zur Unterstützung von Marineoperationen eingesetzt werden; sie werden in diesem Fall innerhalb dieser Organisation geführt.
Personal Die Laufbahn der Kampfschwimmer wird in der Marine als Verwendungsgruppe 3402 bezeichnet und gehört zusammen mit den Minentauchern zur Verwendungsreihe 34 Waffentaucher. In der Einsatzgruppe See dienen außerdem Soldaten des seemännischen und des technischen Dienstes mit besonderer Ausbildung für den gemeinsamen Einsatz mit den Kampfschwimmern einschließlich einer Fallschirmspringer- und einer Einzelkämpferausbildung.
Voraussetzung ist es, Deutscher im Sinne des Artikels 116 Grundgesetz zu sein; zudem bestehen folgende Bedingungen:
mindestens 17, höchstens 29 Jahre alt mindestens Realschulabschluss oder Hauptschulabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung für die Laufbahn der Bootsleute mindestens die Fachhochschulreife für die Laufbahn der Offiziere Verpflichtung für 12 Jahre als Bootsmann und 13 Jahre als Offizier erfüllter Basic Fitness Test die Tauglichkeitsstufe T2 eine beidseitige unkorrigierte Mindestsehschärfe von 0,5 (Korrekturen durch Laserverfahren möglich)
Ausbildung Ende 2005 wurde die Ausbildung der Kampfschwimmerschüler als Reaktion auf die Einsatzrealität angepasst. Die 15 Monate andauernde Ausbildung wurde auf 36 Monate erweitert und in zwei Hörsäle unterteilt.
Die dreijährige Ausbildung gliedert sich in Potentialfeststellungsverfahren PFV1 und PFV2, einen Fachlehrgang Basisausbildung, einen Fachlehrgang weiterführende Ausbildung sowie zusätzliche ergänzende Lehrgänge nach Bedarf. Nach Abschluss der beiden Fachlehrgänge erfolgt die Verwendung in der Kampfschwimmerkompanie. Das PFV Teil 1 ist ein sportlicher Einstellungstest, auf den nach dessen Bestehen das PFV Teil 2, ein fünfwöchiger Auswahllehrgang, folgt. Der Kampfschwimmeranwärter nimmt erst nach Bestehen des PFV2 am Fachlehrgang 1 (Basisausbildung) teil. Der Fachlehrgang 1 (Basisausbildung) ist ein Trainings- und Auswahlverfahren und umfasst innerhalb 12 Monaten, nach den bereits bestandenen PFV1 und PFV2, das PFV3 in der Schwimmhalle sowie weiteren Ausbildungen, die den Grundstein für zukünftige Kampfschwimmer legt. Der Fachlehrgang 2 (weiterführende Ausbildung) wird in 24 Monaten an verschiedenen Ausbildungseinrichtungen der Bundeswehr durchgeführt und dient, falls noch nicht erledigt, der Absolvierung des Unteroffizierslehrgangs in Plön und zur Qualifizierung zum Bootsmann. Darüber hinaus vermittelt diese weiterführende Ausbildung spezielle Fähigkeiten, die für spätere Einsätze benötigt werden.
Fachlehrgang 1 (Basisausbildung) Kampfschwimmervorausbildung (PFV3 Hallenausbildung)