Die Sangiin-Wahl 2022 am 10. Juli 2022 war die 26. reguläre Wahl der Mitglieder des Sangiin (Rätehaus/Senat) (), des Oberhauses der japanischen Kokkai (Nationalversammlung/Nationalparlament). Zur Wahl standen eigentlich 124 der dann 248 Mitglieder des Sangiin in einem Grabenwahlsystem: 50 in Verhältniswahl mit Vorzugsstimme in einem landesweiten Wahlkreis, 74 in nicht übertragbarer Einzelstimmgebung in 45 Wahlkreisen, von denen die meisten den Präfekturen entsprechen. In Kanagawa wurde aber eine Nachwahl für einen vakanten Sitz in der anderen Klasse 2019–2025 mit der regulären Wahl 2022 kombiniert, sodass dort fünf statt vier und landesweit insgesamt 125 Sitze zur Wahl standen: 124 bis 2028 und einer bis 2025.

Nach dem Sieg des Regierungskandidaten bei der Sangiin-Nachwahl in Ishikawa am 24. April 2022 hält die LDP-Kōmeitō-Regierung (Stand: 30. April 2022) mit 139 von 243 Sitzen eine sichere Mehrheit.

Die Wahl wurde von einem Attentat auf Shinzō Abe überschattet, an dessen Folgen der frühere Premierminister verstarb.

Termin und Attentat auf Abe Das Mandat der bei der letzten Wahl zu dieser Klasse 2016 gewählten Senatoren endet am 25. Juli 2022. Die reguläre Wahl muss normalerweise in den 30 Tagen davor angesetzt werden, kann aber unter bestimmten Umständen bei laufender Sitzungsperiode der Kokkai etwas nach hinten verschoben werden. Anders als das Shūgiin kann das Sangiin oder das Parlament als ganzes aber nicht aufgelöst werden.

Wahltermin ist der 10. Juli; die gesetzliche Wahlkampferöffnung sollte am 22. Juni erfolgen. Für den 10. Juli ist bereits die Gouverneurswahl in Shiga angesetzt.

Am 8. Juli 2022, zwei Tage vor der Wahl, wurde bei einer Wahlkampfveranstaltung in Nara ein Attentat auf den früheren Premierminister Shinzō Abe der Liberaldemokratischen Partei (LDP) verübt, an dessen Folgen er starb. Der Anschlag löste weltweit Bestürzung und Anteilnahme aus. Der Wahlkampf wurde zunächst unterbrochen, am 9. Juli aber unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen wieder aufgenommen. Eine Verschiebung der Wahl hatte Premierminister Fumio Kishida, Parteifreund und Schützling Abes, abgelehnt. Bereits vor dem Attentat hatten Beobachter der Regierungskoalition unter Führung der LDP einen Sieg prognostiziert.Japan wählt nach Mord an Ex-Regierungschef Abe neues Oberhaus. In: derstandard.at, 10. Juli 2022 (abgerufen am 10. Juli 2022).

Wahlsystem Das Wahlsystem ist unverändert im Vergleich zur letzten Wahl 2019, allerdings werden in der 2016 gewählten Klasse die Änderung der Vorzugswahl und die Mandatsumverteilungen aus dem Reapportionment 2018 erst jetzt wirksam: Der landesweite Verhältniswahlwahlkreis gewinnt zwei Sitze und Parteien können dort nun Kandidaten von der Vorzugswahl ausnehmen, und der Mehrheitswahlwahlkreis Saitama gewinnt einen Sitz.

Außerdem werden 2021 beschlossene Erleichterungen für Covid-Patienten bei der Briefwahl wirksam. Vor der COVID-19-Pandemie hat Japan seit den 2000er Jahren für am eigentlichen Wahltag Verhinderte/Unwillige ein umfangreiches System zur vorzeitigen Abstimmung während der gesetzlichen Wahlkampfperiode aufgebaut; Briefwahl ist ein auf vergleichsweise wenige Fälle beschränkter Ausnahmefall. Sie blieb auch mit den Änderungen etwa bei der Tokioter Parlamentswahl im Juli 2021 oder der Shūgiin-Wahl im Oktober 2021 selten.Seiten zur Briefwahl (japanisch) beim für Wahlen zuständigen Sōmushō, abgerufen am 14. November 2021.

Ergebnisse

Die Wahlbeteiligung stieg auf 52,05 % bei der Mehrheitswahl.

Die Regierungskoalition entschied die Wahl in den 32 Einmandatswahlkreisen klar für sich: Die LDP gewann davon 28, nur noch vier gingen an die Opposition (Aomori, Yamagata, Nagano, Okinawa). Die LDP gewann damit eine absolute Mehrheit der zur Wahl stehenden Sitze, und die Regierungskoalition konnte ihre Mehrheit insgesamt auf 146 Sitze ausbauen. Außerdem gewannen die Parteien, die zu einer Verfassungsänderung grundsätzlich bereit sind (LDP, Kōmeitō, Ishin no kai, DVP), zusammen eine Zweidrittelmehrheit.

Die größte Oppositionspartei KDP verzeichnete Verluste, die Ishin no Kai Gewinne; neu ins Parlament eingezogen ist die Sanseitō ().

+ Vorläufiges Gesamtergebnis der 26. Sangiin-WahlNHK: Ergebnisse Sangiin 2022, abgerufen am 12. Juli 2022.Sōmushō: vorläufiges Endergebnis 26. ordentliche Sangiin-Wahlen, abgerufen am 12. Juli 2022. Partei Sitze vor der Wahl(22. Juni 2022) Verhältniswahl Mehrheitswahl 2022 gewählt Sitzenach der Wahl gesamt bis 2025 zur Wahl Stimmen Anteil Sitze Stimmen Anteil Sitze Liberaldemokratische Partei (LDP)(Jiyūminshutō) 111 56 55 18.256.244,836 34,43 % 18 20.603.298,241 38,74 % 45 63 119 Konstitutionell-Demokratische Partei (KDP)(Rikken Minshutō) 45 22 23 6.771.913,804 12,77 % 7 8.154.330,036 15,33 % 10 17(inkl. 1 bis 2025) 39 Kōmeitō(~„Gerechtigkeitspartei“) 28 14 14 6.181.431,938 11,66 % 6 3.600.490 6,77 % 7 13 27 Nippon Ishin no Kai (Ishin)(~„Vereinigung der Reformation/Restoration Japan“) 15 9 6 7.845.995,425 14,80 % 8 5.533.657,454 10,41 % 4 12 21 Kommunistische Partei Japans (KPJ)(Nihon Kyōsantō) 13 7 6 3.618.342,811 6,82 % 3 3.636.533,992 6,84 % 1 4 11 Demokratische Volkspartei (DVP)(Kokumin Minshutō) 12 5 7 3.159.657,100 5,96 % 3 2.038.654,596 3,83 % 2 5 10 Reiwa Shinsengumi (ReiShin)(„Reiwa-Shinsengumi“) 2 2 0 2.319.156,519 4,37 % 2 989.716 1,86 % 1 3 5 NHK-tō (N-tō) 1 1 0 1.253.872,447 2,36 % 1 1.106.508,022 2,08 % 0 1 2 Sozialdemokratische Partei (SDP)(Shakaiminshutō) 1 0 1 1.258.501,715 2,37 % 1 178.911 0,34 % 0 1 1 Sanseitō(„Partizipationspartei“) 0 0 0 1.768.385,409 3,33 % 1 2.018.214,627 3,80 % 0 1 1 Sonstige 0 0 0 593.758,001 1,12 % 0 1.034.337,295 1,94 % 0 0 0 Unabhängige[=ohne Parteinominierung, nicht immer partei- o. fraktionslos]inkl. Okinawa Shadaitō, manche gemeinsame Mitte-links-Kandidaten & parteilose Mitglieder parteigebundener Fraktionen 15 7 8 – 4.285.360,367 8,06 % 5 5 12 Summe (Sitze/gültige Stimmen) 243(2 Vak.) 123(1 Vak.) 120(1 Vak.) 53.027.260,005 100,00 % 50 53.180.011,630 100,00 % 74+1 124+1 248 Wahlbeteiligung: von 105.019.203 Wahlberechtigten 54.655.444 52,04 % 54.660.241 52,05 %

Einzelwahlergebnisse

Farblich hervorgehoben sind die oft wahlentscheidenden Einmandatswahlkreise, in denen SNTV=FPTP:

Wahlergebnisse sind bei der Mehrheitswahl nur für Kandidaten aufgeführt, die mehr als 10 % ÷ Wahlkreismagnitude der Stimmen erhalten haben, bei der Verhältniswahl nur für Wahlsieger, den bestplatzierten Verlierer und abgewählte Mandatsinhaber.