mini|450x450px|Das Maschinenhaus Löbau liegt in der westlichen Ausfahrt des Bahnhofes Löbau zwischen dem Streckengleis nach Ebersbach im Süden und der Hauptstrecke nach Dresden im Norden (Aufnahme 2021) Das Maschinenhaus Löbau ist ein Eisenbahnmuseum in Sachsen. Es befindet sich im Bahnhof Löbau (Sachs) auf dem Gelände des früheren Bahnbetriebswerks. Eigentümer und Betreiber ist der Verein Ostsächsische Eisenbahnfreunde (OSEF).

Geschichte Weg zum Bau des Maschinenhauses mini|Karte der Sächsisch-Schlesischen Eisenbahn (1848) Den ersten Eisenbahnanschluss erhielt Löbau im Zuge des Baus der Bahnstrecke Görlitz–Dresden durch die Sächsisch-Schlesische Eisenbahngesellschaft (SSE) im Dezember 1846. Zur Betriebseröffnung besaß Löbau als vorläufiger Endbahnhof der Strecke bereits eine kleine Lokomotiv-Remise mit Wasserbrunnen. Ein reguläres Empfangsgebäude und ein Güterschuppen waren jedoch noch nicht vorhanden. Das „Adminstrationsgebäude“, also das Empfangsgebäude, wurde erst mit der Streckeneröffnung bis Görlitz am 1. September 1847 eingeweiht. Die anfänglich einfache Remise befand sich auf der Nordseite des Bahnhofes, auf dem Gelände, auf dem sich heute die Gütergleise befinden. Bereits 1847 wurde diese Remise erweitert. Es entstand ein zweigleisiges Heizhaus mit eigenständiger Wasserversorgung, bestehend aus Brunnen, Pumpe, Hochzisterne und Vorwämkessel. Darüber hinaus verfügte der Neubau über eine kleine Maschinenbauwerkstatt sowie eine Schreibstube und eine Lokführerstube mit Abort.

Bereits zwei Jahre vor dem Bau des Löbauer Bahnhofes war es zwischen den Direktionen der SSE und der Löbau-Zittauer Eisenbahngesellschaft (LZE) zu einem Streit über die Lage des später gemeinsam zu nutzenden Löbauer Bahnhofes gekommen, da die von einer Seite priorisierte Lage für die jeweils andere Seite einen erheblichen Mehraufwand bei der kostspieligen Bewegung großer Erdmengen zur Folge gehabt hätte. Der Streit wurde 1845 vom königlichen Ministerium des Inneren zu Gunsten des Vorschlages der SSE entschieden, wobei aber gleichzeitig eine leichte Anhebung des Höhenniveaus des Bahnhofes gefordert wurde. Die Gleise für den Bahnhofsteil der LZE wurden westlich neben den Durchgangsgleisen der SSE angelegt. Die Höherlegung des Bahnhofsniveaus kostete die LZE eine Entschädigung von 40.000 Thalern. Durch diesen Streit waren für die Trasse der Löbau-Zittauer-Eisenbahn neue Planungsarbeiten nötig, sodass der ursprünglich geplante Eröffnungstermin am 1. Juli 1846 nicht gehalten werden konnte.

Durch erhöhte Baukosten geriet die LZE in den Jahren 1846/47 in große finanzielle Schwierigkeiten. Da eine Erhöhung des Aktienkapitals nicht den nötigen Erfolg brachte, sprang das königliche Ministerium des Inneren ein, machte seine Hilfe aber von einer Übereinkunft der LZE mit der SSE über die spätere Betriebsführung auf der Strecke Löbau–Zittau abhängig. Nachdem diese und weitere Übereinkünfte zur gemeinsamen Nutzung von „Locomotiv-, Coak- und Wagenschuppen“ getroffen waren, finanzierte der Sächsische Staat ab dem 1. April 1847 den Weiterbau der Strecke zwischen Löbau und Zittau. Entgegen dieser Übereinkunft musste die LZE im Bahndreieck zwischen den westlichen Ausfahrten nach Dresden und Zittau, also etwa auf dem Gebiet des heutigen Maschinenhauses, im September 1847 einen eigenen Wagenschuppen errichten.

Am 10. Juni 1848 konnte der Verkehr auf der 34 km langen eingleisigen Strecke von Löbau nach Zittau aufgenommen werden. Die Betriebsführung wurde, wie vertraglich vereinbart, komplett von der SSE übernommen. Für die Mitnutzung der Gebäude und Betriebseinrichtungen der SSE am Bahnhof Löbau sowie für Rangierdienste von Güterwagen vom Bahnhofsteil der LZE auf den der SSE musste die LZE Mietzinsen und Abfindungen an die SSE leisten. Auch für die Erweiterung der Lokomotiv-Remise 1847 musste die LZE teilweise finanziell geradestehen. Die Lokomotiven der LZE waren im Lokschuppen Zittau stationiert. In der Löbauer Remise war lediglich eine Reservemaschine untergebracht.

Das sächsische Finanzministerium unterstützte bereits im September 1848 in einem Beschluss den Gedanken der Erweiterung der LZE bis ins böhmische Reichenberg. Eine entsprechende Genehmigung der K. k. österreichischen Regierung für eine Bahnlinie von Pardubitz nach Reichenbach wurde 1852 erteilt und 1853 in einem Staatsvertrag mit Sachsen besiegelt. Im Auftrag des sächsischen Staates trat der Direktor der LZE, Christian Exner, ab Januar 1855 als „provisorisches Komitee“ für die neue „Gesellschaft der Zittau-Reichenberger Eisenbahn“ (ZRE) auf. Da der Aktienverkauf nur zögerlich vorankam, übernahm die sächsische Staatsregierung am Ende 96 % statt nur wie geplant 25 % des Anlagekapitals der ZRE. Im Juli 1855 fusionierten die LZE und die ZRE zum „Direktorium der Löbau-Zittauer und Zittau-Reichenberger Eisenbahn-Gesellschaften“. Die Bauarbeiten zur Errichtung der Strecke begannen 1855 am Neißeviadukt und wurden Ende 1859 abgeschlossen.

Durch die Erweiterung der Strecke nach Reichenbach und die damit verbundenen Umbauten am Bahnhof Zittau wurde in Löbau die Errichtung eines neuen Lokomotiv-Maschinenhauses nötig, da die vorhandenen Kapazitäten im Lokschuppen absolut nicht mehr ausreichend waren. Die Nutzung der neu zu errichtenden Anlagen durch den gesamten Löbauer Lokomotivbetrieb wurde in einem Vertrag zwischen der LZR, der ZRE, der 1851 verstaatlichten SSE und der für die Aufsicht über die SSE zuständigen Staatseisenbahndirektion Dresden geregelt. Um Baufreiheit zu schaffen, wurde der 1847 zwischen den Gleisen der SSE und der LZE am Westende des Bahnhofes errichtete Wagenschuppen der LZE ans Ende der Kopfbahnhofgleise neben das Empfangsgebäude versetzt. Anschließend begann man mit dem Bau des Maschinenhauses nach den Plänen des Finanzrates im Maschinenwesen bei der Dresdner Direktion der Sächsischen Staatseisenbahn Max Maria von Weber. Bereits im Dezember 1859 ist die Überstellung schadhafter Fahrzeuge zur Reparatur in die in Löbau neu erbaute Maschinenwerkstatt überliefert.

Aufbau und erste Betriebsjahre mini|Zeichnung des Maschinenhauses Löbau (1862). Bezeichnungen: a, b und c – Lok-Stände, u – Weiche zum Hauptgleis, d – Reparaturstände, f – Werkstatt, i – Schmiede, h – Dreherei, n – Dampfmaschine, m – Kesselhaus, l – Büro, g – Lokführerstube, e – Putzerstube. Bei der Planung des neuen Maschinenhauses Löbau orientierte sich von Weber an einem größeren Bau in England. Den Kern der neuen „Maschinenreparatur-Nebenwerkstätte zu Löbau“ bildet ein rechteckiger Lokschuppen mit drei parallel nebeneinanderliegenden Gleisen, auf denen je zwei Lokomotiv-Stände hintereinander angeordnet sind. An dieses Gebäude sind links und rechts Seitenflügel angebaut in dessen vorderem Teil zwei weitere jeweils um 7° angewinkelte Lokomotiv-Stände untergebracht sind. Diese Stände wurden als Reparaturwerkstatt für schadhafte Lokomotiven genutzt. Den hinteren Teil der Seitenflügel bilden Werkstatträume für Schlosserei und Schmiede, die in ihrer Breite etwa einem Lokomotiv-Stand entsprechen. Auf den Dachfirsten der Remisen befanden sich anfänglich noch Oberlichter, welche trotz etlicher Schornsteine und Rauchabzüge bald rußgeschwärzt waren.

An der Rückseite des Lokschuppens und der Werkstatträume schließt sich auf der gesamten Breite ein rechteckiges Sozialgebäude an. In dessen Untergeschoss waren der Brunnenraum, das Bad, ein Maschinenraum mit Dreherei und Lager untergebracht. Das Obergeschoss beherbergte einen Zisternenraum, in dem vier Wasserspeicher mit einem Gesamtvolumen von knapp 35 Kubikmetern untergebracht waren, sowie zwei Dienstwohnungen. An der Südwestecke des Sozialgebäudes schließt sich an den Brunnenraum ein einstöckiger Anbau für das Kesselhaus nebst Schornstein an. Die Zufahrt zu den einzelnen Lokomotivständen wurde durch eine Weichenstraße gewährleistet. Zur Versorgung der Lokomotiven mit Kohle wurde nördlich des Maschinenhauses ein Kohlegleis mit Kohlenladerampe angelegt. 1860 wurde auf dieser Rampe ein Kohlenschuppen errichtet.

mini|An den heute noch vorhandenen massiven Deckenbalken im Erdgeschoss des Sozialgebäudes war zur Gründungszeit des Maschinenhauses die Transmission befestigt (Aufnahme 2021)

Um die Werkzeugmaschinen in der Dreherei und die Wasserpumpe des Brunnens betreiben zu können, war die Installation einer Dampfmaschine nötig. Dazu wurde im Gebäude ein Lokomobil installiert, welches seine Bewegungsenergie über eine an der Decke aufgehängten Transmission an die Maschinen weitergab. Der Dampf zum Betrieb des Lokomobils wurde im Kesselhaus erzeugt. Bereits im Jahr 1868 wurden das angebaute Kesselhaus erweitert, um einen größeren Dampfkessel einbauen zu können.

Neben den zu Beginn durch die LZE beschafften fünf Dampflokomotiven der Bauart 1B aus der Lokomotivfabrik Cockerill in Seraing in Belgien wurden im Löbauer Maschinenhaus auch die in den späten 1850er Jahren von Hartmann aus Chemnitz beschafften Lokomotiven der ZRE untergebracht und repariert. Bereits in den späten 1860er Jahren wurden die Cockerill-Maschinen ausgemustert und durch neu angeschaffte Lokomotiven von Hartmann ersetzt oder nach Schäden am Dampfkessel mit Neubaukesseln modernisiert. Mit der Eröffnung des ersten Abschnittes der Südlausitzer Staatseisenbahn zwischen Zittau und Großschönau wirkte die sächsische Staatsregierung auf die Verstaatlichung der LZE hin. Ab dem 1. Januar 1871 wurde die gesamte LZE und damit auch das komplette Maschinenhaus Eigentum der Königlich Sächsischen Staatseisenbahn.

Zwischen 1875 und 1878 wurde der Bahnhof in Löbau umfangreich umgebaut. Dabei wurde der Bahnhof im Osten verlängert. Die Weißenberger Brücke wurde an ihrem Nordende um drei weitere Brückenbögen verlängert, um Platz für die neu anzulegenden Gütergleise im Norden zu schaffen. Die seit der Bahnhofseröffnung dort befindliche alte Remise mit Wasserstation musste dafür abgetragen werden. Da die Kapazität der im Maschinenhaus eingerichteten Wasserstation für die Versorgung der Wasserkräne auf dem Bahnhof nicht ausreichte, wurde unterhalb des Viaduktes über das Löbauer Wasser eine neue Pumpstation und am Südostende des Bahnhofes eine neue Wasserstation errichtet. Um zukünftig auch Güterzügen von der Strecke aus Zittau und der am 1. November 1873 eröffneten Bahnlinie aus Ebersbach (Sachs) die direkte Einfahrt in die neuen Gütergleise zu ermöglichen, musste auch die südwestliche Bahnhofseinfahrt inklusive der Zufahrt zum Maschinenhaus umfangreich umgebaut werden.