Die Geschichte der Stadt Magdeburg umfasst alle Epochen der deutschen Geschichte seit der fränkischen Zeit. Durch die zentrale Lage in Deutschland stand Magdeburg oft im Zentrum verschiedener Prozesse wie der Deutschen Ostsiedlung, des Fernhandels, der Reformation und Glaubenskriege, der Industrialisierung, der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus und des Städtebaus in der DDR.
mini|hochkant=1.8|Magdeburg um 1600 (Öl auf Leinwand)
Bedeutung und Herkunft des Namens Ältere Formen des Namens Magdeburg lauten ad Magadoburg oder Magathaburg im 10. Jahrhundert.Magdeburg. In: onomastik.com (Namen und Namensbedeutung), 22. April 2005. Das Grundwort Burg ist allseits vertraut. Im Bestimmungswort vermutet Jürgen Udolph (erstmals 1999) ein – nicht belegtes – germanisches Adjektiv *magaþ („groß, mächtig“), also „mächtige Burg“. Harald Bichlmeier (2010) zieht diese Hypothese in Zweifel.Harald Bichlmeier: Noch einmal zum Ortsnamen Magdeburg. In: Namenkundliche Informationen 97, 2010,
Volksetymologisch galt seit dem Mittelalter die Herleitung von Magd („Jungfrau“,vgl. Magd im Grimmschen Wörterbuch) die sich auch im Stadtwappen widerspiegelt. Aus dieser Deutung ergab sich ein Bezug zum Sagenkomplex um Parthenopolis (griech. „Jungfrauenburg“).Fr. Hülße: Sagen der Stadt Magdeburg, Albert Rathke's Verlag, 1895, zitiert in: Von der Gründung und dem Namen der Stadt. In: Sigillum salomonis magdeburgensis, 2010.
Ur- und Frühgeschichte Früheste Faustkeilfunde sind aus der frühen Saaleeiszeit vor etwa 150.000 Jahren datiert und weisen auf eine Besiedelung von Menschenformen vor dem modernen Homo sapiens hin.
Nachweise für sesshafte menschliche Anwesenheit im Magdeburger Raum finden sich seit der späten Weichsel-Eiszeit (etwa 15.000 v. Chr.). Während der neolithischen Linienbandkeramik wurde um 5400 v. Chr. das Gebiet durch Stämme der Donauländischen Kultur besiedelt. Der fruchtbare Lößboden, die Nähe von Wald und Wasser boten gute Bedingungen und das westliche Elbufer Schutz vor Hochwasser.
Mittelalter mini|Otto der Große und seine Gattin Edith landen bei Magdeburg (Hugo Vogel 1898, Merseburger Ständehaus) mini|hochkant|Nachbildung des Magdeburger Reiters
Archäologische Funde beweisen ein befestigtes Magdeburg lange vor der ersten Erwähnung der Stadt. Grabungen von Ernst Nickel und andere Archäologen entdeckten Teile eines Doppelgrabensystems mit Spitzgräben aus dem 5. bis 7. Jahrhundert.
Magdeburg wurde 805 erstmals im Diedenhofer Kapitular von Karl dem Großen als Magadoburg erwähnt und war Kaiserpfalz unter Kaiser Otto I. dem Großen. Die Magdeburger Elbfurt wurde gleichzeitig genutzt, um mit den östlich der Elbe lebenden Slawen Handel zu treiben. Die höchstwahrscheinlich mit oder bald nach dem Regierungsantritt Ottos I. in Magdeburg eingeführten SachsenpfennigeBernd Kluge: OTTO REX / OTTO IMP. Zur Bestandsaufnahme der Ottonischen Münzprägung, in: Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter (Hrsg.): Ottonische Neuanfänge. Symposion zur Ausstellung „Otto der Große, Magdeburg und Europa“, von Zabern, Mainz am Rhein 2001, ISBN 3-8053-2701-3, S. 101–102. wurden hauptsächlich für den Slawenhandel geschlagen.
929 arrangierte Heinrich I. die Hochzeit seines Sohnes Otto I. mit Edith (Editha, Eadgyth), der Tochter Edwards des Älteren von Wessex. Bei der Hochzeit erhielt Edith Magdeburg als Morgengabe. 937 wurde eine Reichsversammlung unter Beteiligung von zwei Erzbischöfen, acht Bischöfen und höchsten säkularen Würdenträgern abgehalten. Zur selben Zeit wurde das Mauritiuskloster (Moritzkloster) zu Ehren des St. Mauritius gestiftet.
946 starb Königin Editha und wurde in der Klosterkirche, dem späteren Magdeburger Dom, beigesetzt. Otto heiratete danach Adelheid von Italien, die die Architektur Magdeburgs stark beeinflusste. Um 950 wurde das Bistum Brandenburg gegründet, das die Magdeburger Gebiete östlich der Elbe einfasste.Das Bistum Brandenburg im XV. und XVI. Jahrhundert. 962 wurden Otto der Große und seine zweite Frau Adelheid mit der Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches gekrönt. Infolge der Synode von Ravenna im Jahr 967 wurde Magdeburg im darauf folgenden Jahr zum Erzbistum erhoben.Franz Schrader: In: Bistum Magdeburg. Der erste Erzbischof, Adalbert von Magdeburg, wurde später als Apostel der Slawen heiliggesprochen. Zur Kirchenprovinz gehörten die Bistümer Brandenburg, Havelberg, Meißen (bis 1399), Merseburg, Posen (bis etwa 1000), Zeitz-Naumburg und Lebus (erst ab 1420). 973 starb Kaiser Otto der Große. Er wurde neben seiner ersten Frau Editha beigesetzt. 995 schloss Otto III. Schlesien mit einem Patent dem Bistum Meißen an und unterstellte es dem Erzbistum Magdeburg.
mini|links|hochkant|Letztes erhaltenes mittelalterliches Stadttor Magdeburgs von 1493
1035 wurde Magdeburg zur Messestadt erklärt. Ein Patent gab der Stadt das Recht, Handelsausstellungen und Konventionen abzuhalten. Besucher aus vielen Ländern trieben in Magdeburg Handel. So fand sich eine Magdeburger Silbermünze aus dem 11. Jahrhundert im Münzfund von Sandur auf den Färöern. Im Jahr 1126 wurde der später heiliggesprochene Norbert von Xanten Erzbischof von Magdeburg.
Juden wohnten in Magdeburg seit dem 10. Jahrhundert (965 erwähnt) und hatten ein eigenes Judendorf.
Das in Magdeburg entwickelte „Magdeburger Recht“ galt als praktisch, modern und vorbildlich und wurde deshalb in vielen Gebieten Mitteleuropas und Osteuropas übernommen. Erzbischof Wichmann verabschiedete 1188 für die Stadt Magdeburg das sogenannte „Privileg“ nach Magdeburger Recht. Im 13. Jahrhundert löste sich die Stadt vom Stadtherrn, dem Erzbischof von Magdeburg, doch konnte sie nie die völlige Freiheit erlangen. 1294 kauften die Bürger Magdeburgs dem Erzbischof jedoch die Ämter des Schultheiß und des Burggrafen ab und konnten diese Ämter fortan selbst besetzen. Damit begann in Magdeburg eine Art kommunaler Selbstverwaltung.
Magdeburg war im Mittelalter ein bedeutender Handelsort und Knotenpunkt. Eine Vielzahl wichtiger Fernverbindungen ging von der Stadt aus. So war beispielsweise die Heerstraße Magdeburg-Brandenburg die bedeutendste Verbindung nach Osten. Die Lüneburger Heerstraße verband Magdeburg mit den Städten im Norden. Magdeburgs Mitgliedschaft bei der Hanse ist nicht exakt auf ein Jahr festlegbar. In die Gemeinschaft der Kaufleute und Städte wuchs sie von Beginn an hinein. Geschätzt wird, dass Magdeburg Ende des 13. Jahrhunderts Mitglied der Hanse (seit 1295 nachweislich) wurde. Sie schloss sich den sächsischen Städtebünden von 1351, 1404 und 1416 an und entwickelte sich neben Braunschweig zum Vorort des Sächsischen Städtebundes. Aufgrund des Magdeburger Stapelrechts monopolisierte sich der Getreidehandel an der mittleren Elbe. Magdeburg galt wegen seiner zentralen Stellung im Kornhandel als „Brothaus der Hanse“. Fernbeziehungen hatte Magdeburg bis nach Nordfrankreich, Flandern, England, Polen, Russland, Schweden und Norwegen. 1666 löste sich der Bund der Hansestädte auf, erst 2003 wurde sie wieder Mitglied des Städtebundes Neue Hanse. In: Städtebund Die Hanse.
Um 1430 kam es zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Erzbischof, die unter anderem das Konzil von Basel zu beenden versuchte. 1493 wies der judenfeindliche Erzbischof Ernst II. von Sachsen alle Juden aus dem Erzbistum aus. 1512 wurde das Erzstift dem Niedersächsischen Reichskreis zugeteilt. 1503 verlegte der Erzbischof seine Residenz nach Halle. Die Einführung der Reformation 1524 vertiefte die Gegensätze zwischen Stadt und Erzbistum weiter.
Frühe Neuzeit mini|Magdeburg um 1572 mini|Die „Magdeburger Hochzeit“ 1631 mini|hochkant=1.5|Interimstaler ohne Jahreszahl, um 1549 geprägt: Auf der Vorderseite wird das Interim als dreiköpfiges Ungeheuer mit Engels-, Papst- und Türkenkopf verspottet.
mini|links|Magdeburger Dreipfennigmünze von 1622 mit Teil der Stadtbefestigung mini|links|Wertseite der Magdeburger Dreipfennigmünze von 1622 mini|Der Luftpumpentaler von 1702 ist das erste Gepräge mit der Darstellung des Trennungsversuchs der Guerickeschen Halbkugeln sowie das erste Gepräge mit Bezug auf Otto von Guericke. (Detail des Talers)
Der 17. Juli 1524 gilt als Tag der Einführung der Reformation in allen Magdeburger Kirchen, nachdem Martin Luther im Juni 1524 mehrfach in Magdeburg gepredigt hatte. Seiner Reise nach Magdeburg war eine Einladung des damaligen Bürgermeisters Nikolaus Sturm vorausgegangen, mit dem zusammen er die Domschule besucht hatte. Nur der Dom blieb katholisch; er wurde 1545 nach dem Tod von Erzbischof Albrecht von Brandenburg 20 Jahre lang geschlossen.
Die Gegner Karls V. demonstrierten mit dem schon damals beliebten und wirksamen Propagandamittel der Münze, hier mit dem sogenannten Interimstaler, in Magdeburg gegen das Augsburger Interim.
Weil Magdeburg sich 1548 weigerte, das Augsburger Interim anzuerkennen, zog Georg zu Mecklenburg mit der Unterstützung des Kaisers Karl V. gegen Magdeburg. Nach der schweren Niederlage Magdeburger Truppen bei Hillersleben belagerte Georg zu Mecklenburg die Stadt vom 22. September 1550 bis 5. November 1551. Ein Friedensvertrag beendete die Belagerung. Magdeburg wurde in der Folge von Protestanten „Unseres Herrgotts Kanzlei“ genannt.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde Magdeburg von kaiserlichen Truppen unter dem Feldherrn Tilly der Katholischen Liga am 20. Mai 1631 (10. Mai nach julianischem Kalender) erobert.
Sie begingen dabei Kriegsverbrechen; diese wurden später Magdeburgisieren genannt und euphemistisch Magdeburger Hochzeit.
Sie verwüsteten Magdeburg fast vollständig, töteten einen großen Teil der Einwohner, plünderten, raubten, vergewaltigten, legten Brände und gingen dabei noch grausamer vor als andere damalige Heere. Mit 20.000 (nach anderen Angaben bis zu 30.000) Toten gilt dies als das größte Einzelmassaker des Dreißigjährigen Krieges. 205 Flugschriften und 41 illustrierte Flugblätter berichteten über die Ereignisse in und um Magdeburg. 1635 wurden die Stadt und das Erzstift im Frieden von Prag dem sächsischen Prinzen August überlassen, der bereits 1628 zum Administrator gewählt worden war. 1644 belagerten schwedische Truppen Magdeburg erneut. Ende des Jahres schlossen sie bedeutende Teile des kaiserlichen Heeres unter Matthias Gallas vor den Toren der Stadt ein. Die Kaiserlichen durften wegen der Vorgeschichte die eigentlich verbündete Stadt nicht betreten und wurden von dieser auch nicht mit Proviant versorgt. Geschwächt durch Hunger, Kälte und Krankheit konnte Gallas’ Offizier Johann Wilhelm von Hunolstein im Januar nur etwa 1.500 Soldaten nach Böhmen evakuieren. Der Rest desertierte oder starb, bis Magdeburg doch noch die Aufnahme 1.000 kranker Soldaten erlaubte. Im Westfälischen Frieden 1648 wurde das Erzstift Magdeburg dem Kurfürstentum Brandenburg als Anwartschaft zugesprochen, die aber erst nach dem Tod des kursächsischen Administrators eingelöst werden sollte. Otto von Guericke war von 1626 bis 1678 Mitglied des Rates der Stadt und von 1646 bis 1676 Bürgermeister von Magdeburg. Er war auch Physiker, erfand die Kolbenluftpumpe und führte ab 1654 die berühmten Vakuumversuche mit den Magdeburger Halbkugeln aus. mini|Karte von Magdeburg (um 1650)
1680 kamen nach dem Tode Augusts das nun als Herzogtum Magdeburg säkularisierte Erzstift und damit auch Magdeburg unter brandenburgische Herrschaft. Die Stadt lag im damaligen Holzkreis, unterstand aber als sogenannte Immediatstadt direkt der Regierung des Herzogtums und wurde 1714 dessen Hauptstadt. Von Juni 1681 bis Januar 1682 wütete die PestDie letzte Pestepidemie in Thüringen (1681 – 1684) in Magdeburg und forderte mindestens 2649 Menschenleben. Nach dem Ende dieser Epidemie wurde der Magdeburger Pesttaler geprägt.