Die Liste der Stolpersteine in Essen enthält alle Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Projekts von Gunter Demnig in Essen verlegt wurden. Mit ihnen soll an Opfer des Nationalsozialismus erinnert werden, die in Essen lebten und wirkten.
Altendorf AdresseVerlegedatumInschrift/NameBildAnmerkungBerthold-Beitz-Boulevard / Pferdebahnstraße HIER WOHNTEMATHILDE BRAUNJG. 1916ZWANGSSTERILISIERT 1936SEIT 1938 IN MEHRERENHEILANSTALTEN'VERLEGT' 7.3.1941BERNBURGERMORDET 7.3.1941'AKTION T4'140pxMathilde Braun (* 22. Juni 1916) wohnte zuletzt in der Amalienstraße 25, die in den 1970er Jahren zurückgebaut und aufgehoben wurde. Die Straße verlief zwischen der Helenenstraße und der Pferdebahnstraße an der östlichen Grenze der ehemaligen Zeche Vereinigte Helene & Amalie. Aufgrund allgemeiner Lebensmittelknappheit während des Ersten Weltkriegs wurde Mathilde Braun mit Skelettverformungen geboren. Sie besuchte in den ersten zwei Jahren eine Volksschule, kam dann aber wegen Entwicklungsverzögerungen auf eine Förderschule. Nach Abschluss der Schule war sie zunächst auf einem Bauernhof tätig und arbeitete zwischen 1934 und 1935 im Mutter-Kinderheim Schloss Schellenberg. Am 28. Oktober 1936 wurde auf Antrag des Essener Gesundheitsamtes vor dem Erbgesundheitsgericht über ihre Sterilisation verhandelt, die schließlich im Februar 1937 an ihr durchgeführt wurde. Das Gericht sah „angeborenen Schwachsinn“ als erwiesen an. Mathilde Braun wurde infolge des Eingriffs depressiv und wurde am 28. März 1938 in die Landesklinik Düsseldorf-Grafenberg eingewiesen, später wurde sie nach Bedburg-Hau überwiesen. Im Zuge der „Aktion T4“ wurden hunderte psychisch oder geistig kranke Menschen in mehreren Anstalten „euthanisiert“. Am 7. März 1941 wurde Mathilde Braun in die Tötungsanstalt Bernburg gebracht und am selben Tag ermordet.Mercatorstraße 2 HIER WOHNTEHEINRICH HIRTSIEFERJG. 1896GEWERKSCHAFTER/ZENTRUM'SCHUTZHAFT' 1933EMSLANDLAGER BÖRGERMOORMISSHANDELTAUFLAGE ESSEN ZU VERLASSENTOT 15.5.1941BERLIN140pxHeinrich Hirtsiefer (* 26. April 1876 in Essen; † 15. Mai 1941 in Berlin) war ein deutscher Sozialpolitiker, Mitglied der Deutschen Zentrumspartei und stellvertretender preußischer Ministerpräsident. Er starb an den Folgen seiner KZ-Haft.
Frohnhausen AdresseVerlegedatumInschrift/NameBildAnmerkungHurterstraße 5 HIER WOHNTEKARL WOLFJG. 1883IM WIDERSTAND/DMVSEIT 1933 MEHRMALS'SCHUTZHAFT'1940 VERURTEILT'HEIMTÜCKE'1941 SACHSENHAUSENERMORDET 25.3.1942140pxKarl Wolf (* 11. April 1883 in Reichenberg) war seit 1904 als Funktionär im Deutschen Metallarbeiterverband (DMV) tätig. Nach dem Umzug nach Essen war er zwischen 1916 und 1919 bei der Friedrich Krupp AG beschäftigt. Nach der Machtergreifung sollten die deutschen Gewerkschaften zerschlagen werden, weswegen Karl Wolf im Mai 1933 verhaftet werden sollte. Er entging der Verhaftung und versteckte sich, musste sich aber unter Druck stellen und wurde zwischen Mai und September 1933 mehrfach in „Schutzhaft“ genommen. 1938 arbeitete er wieder bei Krupp und wurde am 8. September 1939 verhaftet, nachdem er von Arbeitskollegen denunziert worden war. Ein Sondergericht verurteilte ihn am 19. März 1940 zu zwei Jahren Freiheitsstrafe wegen „Heimtücke“. Nach der Entlassung am 12. September 1941 aus dem Polizeigefängnis Bochum wurde er umgehend wieder in „Schutzhaft“ genommen und im KZ Sachsenhausen interniert. Im Februar 1942 erreichte die Familie noch ein letztes Lebenszeichen. Laut Sterbeurkunde starb Karl Wolf am 25. März 1942 an „Kreislaufschwäche als Todesursache und Ruhr als Grundleiden“. Kerckhoffstraße 75 HIER WOHNTEMARTHA WEINANDVERH. KRÜTZFELDJG. 1900ZEUGIN JEHOVASSEIT 1937MEHRMALS VERHAFTET1942 KZ RAVENSBRÜCK1944 KZ DACHAUBEFREIT 140px HIER WOHNTEROBERT WEINANDJG. 1903IM WIDERSTAND/KPD1938 SPANIENINTERNATIONALE BRIGADEN1938 KZ MIRANDA DE EBROVERSCHIEDENE HAFTANSTALTEN1942 DACHAUBEFREIT 140px HIER WOHNTEKARL WEINANDJG. 1906IM WIDERSTAND/KPDFLUCHT 1934 HOLLAND1936 SPANIENINTERNATIONALE BRIGADEN1938 FRANKREICHVERSCHIEDENE HAFTANSTALTEN1944 KZ SACHSENHAUSENBEFREIT 140px HIER WOHNTEMARIE-LUISEWEINANDVERH. PLENER-HUBERJG. 1909IM WIDERSTAND/KPDFLUCHT 1933 DÄNEMARK1935 SOWJWTUNION1939 FRANKREICHRÉSISTANCE1945 ZURÜCKGEKEHRT 140pxLüneburger Straße 8 HIER WOHNTEARTUR HAMMERJG. 1884IM WIDERSTAND/SPDVERHAFTET 26.3.1936'HEIMTÜCKE'GEFÄNGNIS ESSEN, BOCHUM'SCHUTZHAFT' 1936SACHSENHAUSEN1942 GROSS-ROSENERMORDET 6.4.1942140pxArtur Hammer (* 30. Mai 1884 in Leipzig) lebte mit seiner Frau und zwei Söhnen in der Lüneburger Straße 8 in Essen. Anfang des Ersten Weltkriegs entzog er sich dem Kriegsdienst, indem er in die Niederlande ging, da er überzeugter Pazifist war. Dort sympathisierte er mit dem Spartakusbund. Nach Ende des Ersten Weltkriegs kehrte er nach Essen zurück und war 1918 auf dem Gründungsparteitag der KPD, aus der er 1923 nach Auseinandersetzungen ausgeschlossen wurde. 1931 trat er der Eisernen Front bei und ließ sich für die Reichstagswahl im März 1936 aufstellen. Während einer persönlichen Überprüfung verweigerte er den „Hitlergruß“ und äußerte sich anschließend kritisch zu Adolf Hitler. Daraufhin wurde er am 26. März 1936 verhaftet und am 7. August 1936 zu 18 Monaten Gefängnis wegen Verstoß gegen das Heimtückegesetz verurteilt. Anschließend war eine Berufsausübung für ihn unmöglich. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er am 11. Oktober 1939 erneut verhaftet, ins KZ Sachsenhausen überführt und schließlich am 16. März 1942 ins KZ Groß-Rosen verlegt. Artur Hammer wurde am 6. April 1942 im KZ Groß-Rosen ermordet.
Holsterhausen AdresseVerlegedatumInschrift/NameBildAnmerkungCranachstraße 69 HIER WOHNTEHEINZ KARL LADWIGJG. 1912FLUCHT 1936USA140pxBerta „Betty“ Ladwig (geborene Ruhr; * 1. Oktober 1888 in Münster) und Robert Ladwig hatten vier Kinder: Heinz Karl Ladwig (* 30. Dezember 1912), Anneliese Ladwig (verheiratete Löwit; * 12. September 1914), Margot Ladwig (* 17. September 1917) und Ursel Ladwig (verheiratete Wade; * 20. Mai 1924). Da ihr Vater Robert Lutheraner war, galten die Kinder unter dem NS-Regime als „Mischling 1. Grades“. Karl Ladwig ist bereits 1936 über England in die USA ausgereist und hat von dort die Ausreise seiner Schwestern unterstützt. Anneliese konnte 1937 nach England ausreisen, es folgten Margot 1938 und Ursel Ladwig 1939. Karl versuchte vergeblich seine Mutter Betty und seine Großmutter Sophie Ruhr (geborene Ruhr; * 12. Dezember 1863) außer Landes zu bringen. 1940 wurde Ursel unter der Regierung Churchills als „Enemy Alien“ in einem Internierungslager auf der Isle of Man festgehalten. Durch eine Petition konnte sie freigelassen werden und durfte weiterhin in England die Schule besuchen. Sophie Ruhr wurde am 21. Juli 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert und am 26. August 1942 ermordet. Betty Ladwig wurde 1943 ins KZ Auschwitz deportiert wo sie ermordet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen Margot und Ursel in die Vereinigten Staaten und Anneliese nach Kanada. Anneliese heiratete Ludwig Löwit, der aus dem Sudetenland stammte. HIER WOHNTEMARGOT LADWIGJG. 1917FLUCHT 1939ENGLAND140px HIER WOHNTEURSEL LADWIGVERH. WADEJG. 1924KINDERTRANSPORT 1939ENGLAND140px HIER WOHNTEBETTY LADWIGGEB. RUHRJG. 1888DEPORTIERT 1943ERMORDET INAUSCHWITZ140px HIER WOHNTEANNELIESE LADWIGVERH. LOWITJG. 1914FLUCHT 1937ENGLAND1939 KANADA140px HIER WOHNTESOPHIE RUHRGEB. RUHRJG. 1863DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTERMORDET 26.8.1942140pxGemarkenstraße 41 HIER WOHNTEGERD KADDENJG. 1921'SCHUTZHAFT' 1938DACHAUKINDERTRANSPORT 1939ENGLANDINTERNIERT 1940-1942ENGLAND/AUSTRALIEN140pxMoritz Kadden (* 22. Dezember 1881 in Kirchheim) und seine Frau Meta Kadden (geborene Kadden, * 15. August 1880) hatten drei Kinder: Kurt Kadden (* 19. September 1915 in Hagen) und die Zwillinge Gerd und Rainer Kadden (* 19. November 1921 in Herford). Die Familie Kadden zog 1923 nach Essen. Moritz Kadden war zunächst als Handelsvertreter tätig, später als Polier. 1937 emigrierte Kurt Kadden nach Palästina. Während der Novemberpogrome 1938 wurden die 17-jährigen Zwillinge Gerd und Rainer sowie ihr Vater Moritz Kadden festgenommen und im KZ Dachau inhaftiert. 1939 emigrierten Gerd und Rainer Kadden nach England, von dort zog Gerd Kadden nach Australien und Rainer Kadden nach Kanada. Am 10. November 1941 wurden Meta und Moritz Kadden nach Minsk deportiert wo sich ihre Spur verliert. HIER WOHNTEKURT KADDENJG. 1915FLUCHT 1937PALÄSTINA140px HIER WOHNTEMORITZ KADDENJG. 1881'SCHUTZHAFT' 1938DEPORTIERT 1941MINSKERMORDET140px HIER WOHNTERAINER KADDENJG. 1921'SCHUTZHAFT' 1938DACHAUKINDERTRANSPORT 1939ENGLANDINTERNIERT 1940-1942ENGLAND/KANADA140px HIER WOHNTEMETA KADDENGEB. KADDENJG. 1890DEPORTIERT 1941MINSKERMORDET140pxHolsterhauser Straße 176 HIER WOHNTEERNST UDEWALDJG. 1919EINGEWIESEN 1935FRANZ-SALES-HAUS'VERLEGT' 15.2.1941HADAMARERMORDET 15.2.1941'AKTION T4'140pxErnst Udewald (* 16. Februar 1919 in Essen), Sohn von Julius und Selma Udewald, geborene Kann, litt am Down-Syndrom. Nachdem sein Vater 1933 gestorben war, lebte er bei seinem Stiefvater. Im Mai 1933 wurde er zum ersten Mal für vier Wochen als „Pflegling“ ins Franz Sales Haus in Essen eingewiesen. Ab September 1935 war er schließlich dauerhaft im Franz Sales Haus, von dem aus er im Februar 1941 nach Hadamar überführt wurde. Ernst Udewald wurde am 15. Februar 1941 in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet. In der Sterbeurkunde wurde angegeben, er wäre im Mai 1941 in einer Pflegeanstalt in Lubin an Fleckfieber gestorben.
Ernst Udewalds Bruder Hans sowie seine Mutter Selma und sein Stiefvater Eduard emigrierten zwischen 1937 und 1939 nach Argentinien.Hufelandstraße 25 HIER WOHNTEMEIER ANDORNJG. 1872DEPORTIERT 21.7.1942THERESIENSTADTTOT 21.10.1943140pxMeier Andorn (* 28. September 1872 in Gemünden (Wohra)) war ab Oktober 1894 in Hattingen als Lehrer tätig. Mit seiner Frau Bella hatte er drei Söhne. Aufgrund des nach dem Ersten Weltkrieg aufkommenden Antisemitismus wurde 1926 die jüdische Volksschule in Hattingen geschlossen. Im November 1926 starb Bella Andorn nach kurzer und schwerer Krankheit. Meier Andorn verließ Hattingen und zog nach Dortmund, dessen jüdische Gemeinde damals mehr als 4.000 Mitglieder hatte. 1930 heiratete er Anna Andorn (geborene Loewenstein; * 14. Juli 1885 in Bocholt). In den folgenden Jahren konnten mindestens zwei der drei Söhne nach Palästina auswandern. Nach Meier Andorns Pensionierung 1938 zog das Ehepaar in die Moorenstraße 19. Ihre Pläne, Deutschland zu verlassen, wurden durch den Beginn des Zweiten Weltkriegs zerstört. Am 28. April 1942 wurden sie ins Barackenlager Holbeckshof umgesiedelt, von wo aus sie am 20. Juli 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert wurden. Am 21. Oktober 1943 starb Meier Andorn in Theresienstadt an einer Krankheit. Am 12. Oktober 1944 wurde Anna Andorn ins KZ Auschwitz-Birkenau transportiert, wo sie ermordet wurde.