mini|Autobahn mit zwei Richtungsfahrbahnen mit jeweils drei Fahrstreifen und einem Seitenstreifen (Bundesautobahn 2, 2006) mini|Typisches Kleeblatt-Autobahnkreuz, 1983 Autobahnen sind große, kreuzungsfreie Kraftfahrstraßen für den Personen- und Güterfernverkehr mit Kraftfahrzeugen. Sie haben typischerweise zwei baulich getrennte Richtungsfahrbahnen mit jeweils zwei oder mehr Fahrstreifen und meistens zusätzlich einem Seitenstreifen. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit ist auf Autobahnen meistens höher als auf anderen Straßen. In wenigen Ländern, darunter Deutschland, gibt es auf Autobahnen keine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung für leichte Fahrzeuge.
Merkmale Anstatt Kreuzungen haben Autobahnen höhenfreie Knotenpunkte. Der Übergang von einer Autobahn auf eine andere erfolgt über Autobahnkreuze und Autobahndreiecke (in Österreich „Knoten“, in der Schweiz „Verzweigungen“) mit Brücken und Unterführungen. Übergänge in untergeordnete Straßen werden Anschlussstellen genannt.
Die Fahrbahnen sind meist mit Beton- oder Asphaltbelag befestigt und voneinander durch einen Mittelstreifen mit passiven Schutzeinrichtungen wie Stahlschutzplanken oder Betonschutzwänden getrennt. Eine Nutzung durch Fußgänger, Fahrradfahrer und Fahrzeuge, die bauartbedingt eine bestimmte Mindestgeschwindigkeit nicht erreichen können (45 bis 80 km/h, länderabhängig), ist in den meisten Ländern ausgeschlossen, weil sie den Verkehrsfluss behindern und die Unfallgefahr erhöhen würden.
Die meisten Autobahnen haben eigene Tankstellen, Raststätten, Nothaltebuchten und Parkplätze mit Service-Einrichtungen und manchmal mit Attraktionen und Spielgeräten für Kinder. Es gibt Autobahnen mit mehr als zwei Richtungsfahrbahnen (in Deutschland z. B. die Bundesautobahn 9 am Kindinger Berg mit drei Richtungsfahrbahnen).
In vielen Ländern wird für die Benutzung von Autobahnen eine Gebühr (Maut) erhoben.
Verkehrsregeln mini|215x215px|Farben der Autobahnbeschilderung und zugelassene Maximalgeschwindigkeit in Europa Fast alle Länder haben eine Geschwindigkeitsbegrenzung zwischen 100 und 140 km/h für Autobahnen eingeführt. In Europa ist Deutschland das einzige Land, in dem die Geschwindigkeit auf Autobahnen nicht generell begrenzt ist; hier gibt es eine Autobahn-Richtgeschwindigkeits-Verordnung, die nur empfehlenden Charakter hat. Allgemein ist die Geschwindigkeit den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen (beispielsweise Schnee oder Nebel) und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen.
Das Halten, Wenden, Rückwärtsfahren sowie das Auf- und Abfahren an nicht gekennzeichneten Stellen ist auf Autobahnen normalerweise nicht erlaubt. Vom Haltverbot ausgenommen sind die Tankstellen, Raststätten und Parkplätze. Auf den Seitenstreifen (auch Standstreifen oder Pannenstreifen genannt) und in den Nothaltebuchten ist das Halten in besonderen Fällen erlaubt, etwa bei einem technischen Defekt („Panne“), um Hilfe zu rufen, sich in Schutz zu bringen und den nachfolgenden Verkehr nicht zu behindern, oder auf Anweisung eines ausführenden Staatsorgans.
mini|Rettungsgasse zwischen zwei Fahrstreifen auf der BAB 66 unter Verwendung des Standstreifens Bei Verkehrssituationen, die zu einem Rückstau führen, ist in Deutschland, Österreich und anderen Ländern eine Rettungsgasse zu bilden. Dabei haben die Verkehrsteilnehmer des linken Fahrstreifens ihre Fahrzeuge ganz an den linken Fahrbahnrand zu lenken. Verkehrsteilnehmer im rechten und in mittleren Fahrstreifen haben ihre Fahrzeuge ganz an den rechten Rand ihres Fahrstreifens zu lenken. So entsteht rechts vom linken Fahrstreifen eine Rettungsgasse für Einsatzfahrzeuge.
Autobahnnetz Die Vielzahl von einzelnen Autobahnen bildet zusammen ein Straßennetz, das sich über Ländergrenzen hinweg erstrecken kann. Ein besonders dichtes Netz bilden die Autobahnen in Europa, Nordamerika und einigen asiatischen Ländern. Auf den Kontinenten Afrika, Australien und Südamerika sind nur im Einzugsbereich von Großstädten Autobahnabschnitte zu finden, ohne flächenmäßige Erschließung. Gründe dafür sind der Mangel an finanziellen Mitteln, eine geringere Besiedlungsdichte oder ein geringes motorisiertes Verkehrsaufkommen in ländlichen Gegenden.
Abhängig vom Verlauf der Trasse spricht man in manchen Fällen von Ringautobahnen oder Stadtautobahnen.
Europa mini|Autobahnnetz in Europa 2012 In den meisten europäischen Ländern werden Autobahnen als eine eigene Straßenart geführt, in einigen Ländern (zum Beispiel Schweden) werden sie zu den anderen Fernstraßen (z. B. Europastraßen) gezählt. Es gibt Autobahnen in allen europäischen Staaten außer in Island, Moldawien und den Zwergstaaten.
In Europa werden regelmäßig neue Autobahnen gebaut und bestehende Autobahnabschnitte erweitert. In den Jahren 1994 bis 2004 wuchs das Autobahnnetz in den frühen Mitgliedstaaten der EU um 12.000 km, in den neuen Mitgliedstaaten um 1000 km.Europäische Umweltagentur (Hrsg.): . Kopenhagen 2004 Die höchste Autobahndichte in Europa haben die Niederlande mit 77 km Autobahn pro 1000 km².
Nordamerika
mini|Die Judge Harry Pregerson Interchange bei Los Angeles in Kalifornien
Die Vereinigten Staaten sind von einem für die Größe des Landes sehr dichten Autobahnnetz (sogenannte Interstate Highways) überzogen, die zum Teil deutlich großzügiger angelegt sind als in Europa. Während Überlandautobahnen weniger ausgelastet sind, weisen Autobahnen in Ballungsräumen ein starkes Verkehrsaufkommen auf. Der Straßenquerschnitt wird aus diesem Grund sehr breit (bis zu neun Fahrstreifen je Richtungsfahrbahn) und mit großzügigen Anschlussstellen und Knotenpunkten angelegt. mini|MEX-45 zwischen Aguascalientes und Zacatecas Das Interstate-Highway-Netz ist weitgehend systematisch angelegt. In Nord-Süd-Richtung verlaufen die Highways mit der Nummerierung 5 (also von der Westküste nach Osten 5, 15, 25 usw. bis 95 an der Ostküste), in Ost-West-Richtung mit der Nummerierung 0 (also vom Süden nach Norden 10, 20, 30 usw. bis 90 im Norden an der kanadischen Grenze).
Der Osten Kanadas, darunter vor allem Ontario und Québec, verfügt über ein ähnlich gut ausgebautes Autobahnnetz wie die USA. Bis auf den bundesstaatlich verwalteten Trans-Canada Highway obliegt der Straßenbau den einzelnen Provinzen. Der Trans-Canada-Highway ist außerhalb von Ballungsräumen und dichter besiedelten Gebieten noch nicht durchgängig mehrstreifig ausgebaut.
In Mexiko sind die wichtigsten Städte des Landes mit Autobahnen verbunden, wobei ein großer Teil der Autobahnen mautpflichtig ist. Die kostenpflichtigen Straßen sind in einem ähnlichen Zustand wie in anderen nordamerikanischen Ländern. In Ballungszentren sind die carreteras durchgehend mehrstreifig, in weniger dicht besiedelten Regionen manchmal zweistreifig mit Gegenverkehr.
Asien Viele aufstrebende Staaten Ost- und Südostasiens bauen ihre Autobahnnetze zügig aus. Ähnlich dem Europastraßennetz werden im Zuge des Asiatischen Fernstraßen-Projekts einzelstaatliche Autobahnen und autobahnähnliche Straßen zu einem Gesamtnetz verbunden.
mini|Kōbe-Awaji-Naruto-Schnellstraße in Japan mit der Akashi-Kaikyō-Brücke Japan (japanisch: ) und Südkorea (koreanisch: gosokdoro) verfügen über Autobahnnetze mit hohem Ausbaustandard. Die Maximalgeschwindigkeit beträgt in Japan offiziell 100 km/h. Mautabgaben (ETC – electronic toll control) sind auch für kurze Strecken und Privatbenutzung üblich.
China () hat durch ein groß angelegtes Ausbauprogramm das deutsche Autobahnnetz im Hinblick auf die Länge überholt.
In Thailand beschloss die Regierung aufgrund steigender Zulassungen von Kraftfahrzeugen und einem Bedarf an Hochgeschwindigkeitsstraßen mit begrenztem Zugang im Jahr 1997 einen Masterplan für den Bau von Autobahnen. Darin wurden einige Abschnitte von Schnellstraßen als Autobahn (Motorway) bezeichnet. Derzeit verfügt das Land über zwei Autobahnen und mehrere Hochstraßen (Expressways). Den ersten Expressway (dort die Stadtautobahn) gibt es in Bangkok seit 1981. Die meisten Autobahnen sind mautpflichtig. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 120 km/h.
Malaysia verfügt über etwa 1200 Kilometer Autobahn. So verbindet der North-South Expressway den Nordzipfel von Malaysia an der Grenze zu Thailand mit Johor Bahru an der Grenze zu Singapur im Süden. Die Autobahnen sind größtenteils mautpflichtig, die Gebühr wird an Ort und Stelle in Mautstationen kassiert.
Vietnam verfügt über 1276 Kilometer Autobahn. Der Bau von Autobahnen (Expressways) wurde in den 2000er Jahren im Zusammenhang mit der Verschlechterung des transnationalen Autobahnsystems geplant. Die erste Autobahn Vietnams ist die Hồ Chí Minh-Trung Lương-Autobahn, die 2010 eröffnet wurde.
mini|Mautstelle in Laos In Laos wird seit 2018 an der ersten Autobahn gebaut, dem Vientiane–Boten Expressway. Die Mautautobahn gehört zu 95 Prozent der chinesischen Yunnan Construction Engineering Group, die auch der Bauträger ist. Dem laotischen Staat gehören nur fünf Prozent. Der Bauträger besitzt eine 50-jährige Konzession auf die Mauteinnahmen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 120 km/h.
In Osttimor wurden 2018 die ersten 30 Kilometer der Autobahn Suai–Beaco eröffnet.
Geschichte Vereinigte Staaten Der Long Island Motor Parkway (LIMP), auch bekannt als Vanderbilt Parkway, war eine ab 1908 errichtete private Straßenverbindung im Staate New York, die als Mautstraße dem Automobilverkehr vorbehalten war und auch als Rennstrecke diente. Ihre kreuzungsfreie Bauweise und die Verwendung geteilter Richtungsfahrbahnen machen sie zu einem Vorläufer der Autobahnen. Sie wurde 1938 vom Staat New York übernommen und stillgelegt.
Der erste größere Interstate-Highway war The National Road ab Maryland in Richtung Westen, durch Gesetz vom März 1806 ins Leben gerufen. Die Bauarbeiten begannen im Juli 1811 in Cumberland (Maryland) und erreichten 1839 Vandalia (Illinois).
Das Highway-System begann im November 1921 mit dem Bundesgesetz The Federal Aid Highway Act, das im Juni 1956 erneuert wurde und danach zu einem intensiven Ausbau des Systems führte. Das National Highway System (NHS) umfasst heute rund 257.000 km, das sind 1,1 % aller US-Straßen. Zum NHS gehören auch die Freeways und Expressways, die beide meist in Ballungsgebieten (Metropolitan Areas) zu finden sind.
Deutschland
mini|Deutsche Reichsautobahn, 1943 – Werbeaufnahme mit KdF-Wagen. Abtropfendes Motoröl zeigt dunkel auf dem hellen Beton die meistgenutzte Fahrlinie an. mini|Autobahnnetz in Deutschland mini|Autobahnabschnitt Bundesautobahn 9 bei Garching mit acht Fahrstreifen Die erste autobahnähnliche Strecke der Welt war die AVUS in Berlin. Sie wurde privat finanziert und 1921 eröffnet. Ihre Benutzung war gebührenpflichtig. Die AVUS diente daher zunächst dem Vergnügen eines zahlungskräftigen Publikums mit Abonnement und erlaubte für die Zeit hohe Geschwindigkeiten von über 100 km/h. Außerdem war sie Renn- und Teststrecke. Für den öffentlichen Verkehr ohne Abonnement oder Tageskarte war sie nicht freigegeben.