miniatur|Evangelische Dorfkirche 2012 Griefstedt ist eine Gemeinde im Landkreis Sömmerda in Thüringen. Sie gehört der Verwaltungsgemeinschaft Kindelbrück an, die ihren Verwaltungssitz in der Landgemeinde Kindelbrück hat.

Geografie Griefstedt liegt am Nordrand des Thüringer Beckens an der Unstrut.

Geschichte Zu Beginn des 8. Jahrhunderts wird Griefstedt in einem Verzeichnis der Güter des vom Erzbischof Lullus († 786) von Mainz erbauten Klosters Hersfeld urkundlich als Griffestat erwähnt.

1233 schenkte der thüringische Landgrafenbruder Konrad den „Hof Grifstete“ dem Deutschen Orden, der dort eine eigenständige Kommende einrichtete. Die Kommende wurde im Dreißigjährigen Krieg geplündert, das Ordenshaus zerstört. Der Komtur Johann Adam Marschall von Bieberstein, der von 1701 bis 1716 in Griefstedt amtierte, erbaute stattdessen ein Schloss. Die hohen Kosten führten dazu, dass von den geplanten drei Flügeln nur zwei verwirklicht wurden. Das Renaissanceschloss war in Bruchsteinmauerwerk mit Eckquadern, schönen Fenstergewänden und kunstvollen Risaliten errichtet. Der Saalbau mit Stuckdecke und Wänden mit korinthischen Pilastern erstreckte sich über zwei Geschosse. An einer Seite stand der logenartige Komturstuhl, ihm gegenüber die Kirche mit Altar, Kanzel, Orgel, Gemälden aus der Geschichte des Ordens, Wappen seiner Hochmeister und Grabsteine der Komture. Unterhalb des Gutes in Richtung Unstrut befand sich ein „anmutiger Park“.

Während der Ort Griefstedt seit 1407 zum wettinischen Amt Sachsenburg gehörte,Geschichte von Griefstedt auf der Homepage der VG Kindelbrück. war die Kommende Griefstedt wie der Nachbarort Riethgen Teil des wettinischen Amts Weißensee. 1809 wurde der Deutsche Orden aufgelöst, und die Kommende Griefstedt ging als Stiftung 1815 an das Königreich Preußen als Domäne über. Das Hauptgut war lange in den Händen einer Familie Ulrich, die es pachtete und vorbildlich bewirtschaftete. Anderson 1866: „Heute noch ist die Commende ein durch eigene Mittel des Pächters brillant hergestellter, anmutiger Aufenthaltsort …“.

Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kamen der Ort und die Kommende Griefstedt zu Preußen. Sie wurden 1816 der Provinz Sachsen zugeteilt, zu der sie bis 1944 gehörten. Aufgrund der bisherigen Zugehörigkeit zu verschiedenen kursächsischen Ämtern wurde die Kommende Griefstedt 1816 jedoch dem Landkreis Weißensee im Regierungsbezirk Erfurt, jedoch der Ort Griefstedt dem Landkreis Eckartsberga im Regierungsbezirk Merseburg angegliedert.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten 66 Arbeitskräfte aus Polen sowie weitere Frauen und Männer aus der Ukraine auf der Commende Griefstedt beim Pächter Wilhelm Fromme Zwangsarbeit verrichten.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 269.

Gegen die Einwände des Konsistoriums der Kirchenprovinz und den Protest des Landeskonservators („erheblicher kultureller Wert“) wurden 1948 das intakte Herrenhaus und 1949 die Kapelle abgerissen, auf der Grundlage des berüchtigten SMAD-Befehl Nr. 209. Der Landrat: „Gebäude in typisch junkerlicher Herrensitzweise errichtet, würden neben den schönen Neubauernhöfen die Gegend verschandeln“. Um die wüste, baumbewachsene Abrissstelle mit noch einem Stück Mauer des Schlosses gruppieren sich heute ruinöse, ehemals stattliche Wirtschaftsgebäude. Eine verfallende gewaltige Umfassungsmauer mit Tor ist auch noch vorhanden. Eingelassen in eine Wohnhauswand findet sich ein steinernes Wappen aus der Schlosskirche, das des „Comthur Philipp v. Bicken“ (1553–1556).

Die teilweise aus dem Abrissmaterial entstandenen Neubauerngehöfte bilden die Thomas-Müntzer-Siedlung. Die Siedlung und das dahinter befindliche Gelände der früheren Deutschordenskommende liegen zwischen Griefstedt und Riethgen (zu dem sie jetzt verwaltungsmäßig gehören), von Griefstedt aus gesehen hinter der Unstrut-Brücke links der Straße.

Die alte, nach St. Martin benannte Dorfkirche brannte 1939 aus und verlor ihren Turm. 1955 konnte sie nach Neuaufbau turmlos wieder geweiht werden.

Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl: 1994: 327 1995: 332 1996: 334 1997: 332 1998: 331 1999: 329 2000: 325 2001: 337 2002: 328 2003: 327 2004: 317 2005: 309 2006: 315 2007: 310 2008: 309 2009: 305 2010: 289 2011: 290 2012: 287 2013: 282 2014: 277 2015: 277 2016: 268 2017: 259 2018: 261 2019: 259 2020: 252 2021: 242 2022: 236 2023: 234 2024: 235 Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat aus Griefstedt setzt sich aus 6 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen. FW 5 Sitze Die Linke 1 Sitz (Stand: Kommunalwahl am 27. Juni 2004)

Bürgermeister Der ehrenamtliche Bürgermeister Norbert Mücke wurde am 27. Juni 2004 gewählt. mini|Kriegerdenkmal aus DDR-Zeiten

Kultur und Sehenswürdigkeiten Das Kriegerdenkmal vor der Kirche enthält gegenüber den meisten seiner Gattung ein Alleinstellungsmerkmal: Als Sinngebung des Todes dieser Soldaten wird nicht ausschließlich ihre Ehre, sondern an erster Stelle ihre Mahnung zu Frieden und Völkerfreundschaft genannt. Die Kirche wurde 1695–97 neu errichtet, nachdem die mittelalterliche Kirche abgebrannt war.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Seit 1881 die Bahnstrecke Sangerhausen–Erfurt gebaut wurde, hat die Gemeinde einen Bahnhof. Dieser Bahnhof diente 1994 als Drehort für den Fernsehfilm Drei Tage im April.

Durch Griefstedt führt der Unstrut-Radweg.

Wasserver- und Abwasserentsorgung Die Aufgabe der Wasserversorgung hat die Gemeinde auf den Trinkwasserzweckverband „Thüringer Becken“ übertragen.Übersicht der Mitglieder des Trinkwasserzweckverbandes „Thüringer Becken“ Die Abwasserbeseitigung erledigt die Gemeinde Griefstedt eigenständig mit Hilfe der Verwaltungsgemeinschaft Kindelbrück.Internetseite der Verwaltungsgemeinschaft Kindelbrück zur Abwasserbeseitigung

Persönlichkeiten

Karl August Ulrich (1776–1826), Gutspächter und Oberamtmann

Literatur Johann G. L. Anderson: Geschichte der Deutschen Ordens-Commende Griefstedt. Selbstverlag, Erfurt 1867, (Digitalisat, ). R. Krieg: Die Kommende Griefstedt. In: Montagsblatt. Bd. 60, 1908, , S. 343–344. Regine Maraszek: Zeichen der Macht. Ein frühbronzezeitliches Prachtbeil aus dem Hortfund von Griefstedt In: Landesmuseum für Vorgeschichte (Hrsg.): Schönheit Macht und Tod. 2002, ISBN 3-910010-64-4, S. 160

Weblinks

Michael Köhler: Michael Köhler: Website der Verwaltungsgemeinschaft

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Sömmerda Kategorie:Ort an der Unstrut Kategorie:Ersterwähnung im 8. Jahrhundert