Das Universitätsklinikum Ulm (kurz: UKU) ist das jüngste der vier Universitätsklinika in Baden-Württemberg. Es ist für das Versorgungsgebiet Ostwürttemberg, Donau-Iller und Bodensee-Oberschwaben zuständig. Innerhalb der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm ist es in die praktische Ausbildung der Fächer Human-, Zahnmedizin und Molekulare Medizin involviert.
Geschichte
Übernahme der Städtischen Krankenheilanstalten Bereits während der Grundstücksverhandlungen für den Bau eines Campus für die noch zu gründende Medizinisch-Naturwissenschaftliche Hochschule Ulm (später: Universität Ulm) kamen in der ersten Hälfte der 1960er-Jahre Überlegungen für den Aufbau eines Klinikums für die medizinische Fakultät der neuen Hochschule auf. Zeitgleich diskutierte auch die Stadtverwaltung über einen Neubau der Städtischen Krankenheilanstalten mit ihren rund 1.200 Betten in den verschiedenen Kliniken auf dem Safranberg, auf dem Michelsberg und in Söflingen. Im Vertrauen auf den bevorstehenden Bau eines Universitätsklinikums mit rund 2.000 Betten entschied man sich jedoch gegen den zunächst auf dem Kuhberg geplanten Neubau.
Aufgrund der zu diesem Zeitpunkt schlechten Finanzlage des Landes Baden-Württemberg kam es jedoch nicht zu dem erhofften Bau des Universitätsklinikums. Stattdessen begannen Verhandlungen zwischen der Stadt Ulm und dem Land über eine Übernahme der Städtischen Krankenheilanstalten durch das Land, um sie der Universität zur Verfügung zu stellen. Diese endeten im Dezember 1966 mit dem Übereinkommen, dass die Krankenheilanstalten der Universität zunächst für 10 bis 15 Jahre überlassen werden sollten. Die Kliniken verblieben jedoch in städtischer Trägerschaft, lediglich für die Kosten des ärztlichen Personals sowie für die Forschung und Lehre kam das Land auf.
Zwischen dem 1. Januar 1967 und dem 1. Juli 1970 wurden die städtischen Kliniken (Innere Medizin und Chirurgie auf dem Safranberg, Frauenklinik und Kinderklinik auf dem Michelsberg) für die Aufgaben der Universität umstrukturiert. Zusätzlich wurden neue Abteilungen eingerichtet, so zum Beispiel die Anästhesiologie und die Intensivmedizin. Nicht von der Umstrukturierung betroffen waren lediglich die Urologie auf dem Michelsberg und das Städtische Krankenhaus in Söflingen. Die Abteilungen für Augenheilkunde und Hals-Nasen-Ohrenheilkunde auf dem Klinikgelände am Michelsberg waren nicht vom Land übernommen worden und wurden stattdessen gemeinsam von der Stadt Ulm und der Bundeswehr betrieben.
Das neue Klinikum auf dem Oberen Eselsberg Bereits in den ersten Jahren nach dem Einzug der Universitätsmedizin in die Städtischen Krankenheilanstalten wurde deutlich, dass das Modell einer Trägerschaft mit zwei Verwaltungen (Stadt und Land) und einer zusätzlichen Beteiligung der Bundeswehr nicht auf Dauer zu halten war. Ab Januar 1975 beschäftigte sich auch der Gemeinderat der Stadt Ulm mit dieser prekären Situation und bekräftigte dem Land gegenüber nochmals seinen Standpunkt, man habe die Städtischen Kliniken nur deshalb an die Universität abgetreten, weil der baldige Bau eines neuen Universitätsklinikums zu erwarten war.
Die von der Stadt geforderte Einrichtung eines neuen Klinikums wurde durch eine im Juni 1975 von Rektor Ernst-Friedrich Pfeiffer vorgelegte Denkschrift zur Weiterentwicklung der Universität Ulm in den kommenden zehn Jahren bestärkt. Nach dem Besuch des Ausschusses „Medizin“ des Wissenschaftsrats in Ulm im März 1977 konkretisierte die Universität diese Pläne: Von 1978 bis 1982 sollte auf dem Campus der Universität auf dem Eselsberg ein neues Klinikum errichtet werden, das mit insgesamt 360 Planbetten für die Innere Medizin veranschlagt wurde. Längerfristig sollten der Inneren Medizin auch die Chirurgische Klinik mit 300 Betten sowie die HNO-Klinik, die Augenklinik und die Dermatologie auf das neue Klinikgelände auf dem Eselsberg folgen. Die Kinderklinik, die Frauenklinik und die Urologie sollten auch langfristig auf dem Michelsberg verbleiben. Die Einrichtung einer psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm wurde als nicht vordringlich betrachtet.
Der Aushub der Baugrube für das neue Klinikum auf dem Eselsberg begann im März 1979, die Grundsteinlegung folgte im Juni. Im Jahr 1982, in dem man das Richtfest für den Klinikneubau feierte, schlossen die Stadt Ulm und das Land Baden-Württemberg den „Vertrag über die Übernahme der Städtischen Krankenheilanstalten Ulm durch das Land Baden-Württemberg“, der zur Gründung des Universitätsklinikums Ulm führte. Organisiert war das Klinikum als nicht-rechtsfähiger Landesbetrieb nach § 26 Landeshaushaltsordnung von Baden-Württemberg. Die Einweihung des neuen Klinikums mit 330 Betten für die Innere Medizin fand am 21. Juni 1988 statt; zwischenzeitlich fehlende Finanzmittel hatten die Fertigstellung des Neubaus mehrfach verzögert.
Neubau der Chirurgie auf dem Oberen Eselsberg mini|Ehemaliges Hauptgebäude der Chirurgischen Klinik auf dem Safranberg (erbaut 1912). Bereits 1977 hatte die Universitätsleitung die längerfristige Zusammenfassung der meisten Kliniken auf dem Campus auf dem Oberen Eselsberg konstatiert. Als erste Fachrichtung sollte zunächst die Chirurgische Klinik der Inneren Medizin auf das Gelände in der heutigen Wissenschaftsstadt im Ulmer Nordwesten folgen. Bis zum tatsächlichen Umzug der Chirurgie sollten jedoch noch mehr als drei Jahrzehnte vergehen.
Trotz der im Jahr 1997 beginnenden Renovierung der Chirurgischen Klinik im 1912 eröffneten, ehemaligen Städtischen Krankenhaus auf dem Safranberg, wurde der Krankenhausbau spätestens ab Beginn der 2000er-Jahre unter anderem aufgrund der dort teilweise noch üblichen 4- bis 5-Bett-Zimmer und der beengten räumlichen Verhältnisse als nicht mehr zeitgemäß angesehen. Es begannen daher die Planungen für einen vollständigen Neubau der Chirurgie in Nachbarschaft zur Inneren Medizin auf dem Eselsberg. Das neue Gebäude sollte neben der Chirurgie auch die Dermatologie und die Anästhesiologie beherbergen und Platz für 235 Normalbetten, 80 Intensivbetten und 15 OP-Säle bieten. Als Kostenrahmen wurden rund 190 Millionen Euro für den Bau und nochmals 50 Millionen Euro für die Erstausstattung veranschlagt. Erstmals in der Geschichte der deutschen Universitätskliniken übernahm bei dem Bauvorhaben das Universitätsklinikum selbst die Trägerschaft und die Bauherrenfunktion.
Der rund 180 m lange, 150 m breite und 25 m hohe Neubau entstand in vierjähriger Bauzeit zwischen April 2008 und Mai 2012 im Kosten- und Zeitrahmen. Die offizielle Eröffnungsfeier fand am 10. Mai 2012 in Anwesenheit von Ministerpräsident Winfried Kretschmann statt. Als erste Klinik bezog am 18. Mai die Dermatologie das neue Gebäude, am 15. Juni folgten im Rahmen eines rund vierstündigen Umzugs bei laufendem Klinikbetrieb die zu diesem Zeitpunkt 118 Patienten der vier chirurgischen Kliniken und der anästhesiologischen Intensivstation.
Heutige Situation
In seiner heutigen Organisation umfasst das Universitätsklinikum Ulm 30 Kliniken und 16 Institute und verfügt über eine Kapazität von 1.515 Planbetten (Stand: April 2026). Jährlich werden rund 56.000 Patienten stationär behandelt. Hinzu kommen etwa 270.000 ambulante Quartalsfälle. Insgesamt sind am Klinikum über 8.500 Mitarbeiter beschäftigt, davon mehr als 850 Ärzte und etwa 2.000 Pflegekräfte.
Von seiner Gründung 1982 bis 1997 war das Universitätsklinikum ein nicht-rechtsfähiger Landesbetrieb nach § 26 Landeshaushaltsordnung von Baden-Württemberg. Mit Inkrafttreten des neuen Universitätsklinika-Gesetzes (UKG) Baden-Württemberg wurde es zum 1. Januar 1998 in eine rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts der Universität Ulm umgewandelt.
Im Juni 2016 geriet das Klinikum in den Fokus der Medien, nachdem in einer der Intensivstationen an drei Patienten der multiresistente Keim Acinetobacter baumannii nachgewiesen worden war. Die Klinikleitung verhängte daraufhin in Abstimmung mit der hausinternen Sektion Klinikhygiene und dem zuständigen Gesundheitsamt einen Aufnahmestopp für die betroffene Station. Die Patienten, die positiv auf das Bakterium getestet worden waren, wurden isoliert und unter Einhaltung strenger Hygienevorschriften versorgt und behandelt; die Station selbst wurde grundlegend gereinigt und desinfiziert. Dank der getroffenen Maßnahmen konnte eine weitere Ausbreitung des Erregers verhindert werden.
Im Sommer 2025 wurde am Universitätsklinikum Ulm ein neues Patienten- und Forschungsgebäude eröffnet. Die Gesamtinvestitionssumme des Neubaus belief sich auf rund 32,5 Millionen Euro. Das Gebäude dient der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit schweren und komplexen Krebserkrankungen und ist in die onkologische Versorgung des Klinikums eingebunden. In dem Neubau werden diagnostische und therapeutische Angebote der Krebsmedizin gebündelt, darunter interdisziplinäre Behandlungseinheiten sowie Bereiche für frühe klinische Studien. Darüber hinaus werden dort patientennahe und translationale Forschungsprojekte durchgeführt. Das Gebäude wird auch im Rahmen des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT SüdWest) genutzt.
Die RKU – Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm, an denen das Universitätsklinikum Ulm und die SANA Kliniken AG jeweils zu 50 Prozent beteiligt waren, wurden nach einer Einigung der Gesellschafter im Jahr 2021 schrittweise in das Universitätsklinikum Ulm integriert. Seit dem 1. Januar 2026 gehören die ehemaligen RKU vollständig zum Universitätsklinikum Ulm und bilden als „Campus Nord (Oberer Eselsberg)“ einen integrierten Teil der Universitätsmedizin. Mit der Integration wurden Kliniken für Neurologie und Orthopädie vollständig in das Universitätsklinikum eingegliedert.
Zukunft des Universitätsklinikums: der „Masterplan Oberer Eselsberg“ mini|Neubauplanungen im Rahmen des „Masterplans Oberer Eselsberg“ (Stand: November 2017) Mit dem Umzug der Chirurgischen Kliniken und der Dermatologie auf den Campus auf dem Oberen Eselsberg im Jahr 2012 wurde ein weiterer Schritt eines bereits in den 1970er-Jahren anvisierten Prozesses geschafft, nämlich die Bündelung aller Abteilungen des Universitätsklinikums zusammen mit der Universität auf einem gemeinsamen Gelände inmitten der Wissenschaftsstadt. Zum 30. Juni 2018 zog nach der Chirurgie und der Dermatologie als nächste Abteilung die Urologische Klinik auf den Campus Wissenschaftsstadt um. Durch Zusammenfassung von Stationen und Bereichen kommt die bisherige 50-Betten-Klinik ebenfalls im Neubau der Chirurgie und Dermatologie unter. Lediglich die Kinderurologie verbleibt aufgrund der Nähe zur Kinderklinik bis auf Weiteres auf dem Michelsberg. Was mit den bisher von der Urologie genutzten Räumlichkeiten am Standort Michelsberg geschieht steht noch nicht fest. Anfang 2020 wurden die bisher getrennten Notaufnahmen der Chirurgie und der Inneren Medizin zu einer Zentralen Interdisziplinären Notaufnahme (ZINA) zusammengefasst.