mini|300px|Der Botanische Garten in Lausanne Musée et jardins botaniques cantonaux de Lausanne, deutsch kantonales botanisches Museum und botanische Gärten, sind seit dem 1. Januar 2023 eine Abteilung des Naturéum, des naturwissenschaftlichen Museums des Kantons Waadt in der Stadt Lausanne. Dazu gehören der Botanische Garten und ein Museum für Botanik in Lausanne und ein Alpengarten in den Waadtländer Alpen. Die Einrichtungen zählen zu den Kulturgütern von nationaler Bedeutung.
Das Naturéum ist eine öffentliche Institution der kantonalen Dienststelle für Kultur und ein Partner der Fakultät für Geo- und Umweltwissenschaften der Universität Lausanne.
Jardin botanique mini|Künstlicher Jurafelsen Der botanische Garten im Zentrum von Lausanne bildet mit seinem Pflanzenbestand und auch wegen der Funktion als öffentliche Grünanlage den Hauptbereich der Institution. Vor seiner Gründung hatten seit dem 18. Jahrhundert Privatpersonen in Lausanne kleine botanische Gärten angelegt, zuerst der Arzt Jacob Constant.Jacob Constant et le premier jardin botanique de Lausanne. In: Revue historique vaudoise, 1947, S. 113–123.Adrien Dolivo: Pharmaciens-botanistes à Genève et dans la canton de Vaud aux XIXe et XXe siècle. In: Bulletin de la Société Vaudoise des Sciences Naturelles, 87, 2001, S. 211–227, hier S. 222. Dank der Schenkung von 1700 Pflanzen und einer grossen Geldspende durch den Botaniker Albert von Büren (1791–1873), Baron von Vaumarcus, konnte der Kanton Waadt im späten 19. Jahrhundert im Gebiet Couvaloup bei der kantonalen Chemieschule in Lausanne einen botanischen Garten einrichten. Nach einem zweimaligen Ortswechsel fand der Pflanzengarten 1946 seinen neuen Platz in einem Bereich der urbanen Grünzone Parc de Milan im Quartier Sous-Gare/Ouchy an der Hauptstrasse Lausanne-Vevey. Die Anlage am südlichen Abhang des 40 m hohen Moränenhügels Crêt de Montriond, wo sich früher ein Rebberg befand, entstand in enger Zusammenarbeit des Botanikers Florian Cosandey (1897–1982) mit dem Architekten Alphonse Laverrière, dem Landschaftsgärtner Charles Lardet (1891–1955)Charles Lardet, architecte-paysagiste. Landschaftsarchitekt, Lausanne (1891–1955). Auf sla-stiftung-landschaftsarchitektur.ch. und dem Steingartenspezialisten Alfred Jordan. Der botanische Park enthält als ein zentrales Monument eine «Rocaille», eine künstliche Steinlandschaft als Standort für Felsenpflanzen.José Lardet: Construire une rocaille: un travail d’artisan. Anlegen eines Steingartens: gestaltendes Handwerk. Constructing a rock garden: a craftsman’s task. In: Anthos, Zeitschrift für Landschaftsarchitektur. 20, 1991, S. 16–18. Beim Bau des eigentlich ortsfremden KalkfelsensDer Untergrund von Lausanne besteht aus Molasse und darüber Moränen des Rhonegletschers. achtete man auf die möglichst sorgfältige Behandlung der im Waadtländer Juragebirge ausgewählten Steinblöcke und ihre genaue Schichtung zu Kalkbänken als Abbild einer geologischen Sedimentstruktur.
Im botanischen Garten sind auf einer Fläche von 1,8 Hektar etwa 6000 Pflanzenarten angebaut. Das Gelände umfasst die Hauptbereiche Steingarten mit Alpenpflanzen, Heilpflanzen, fleischfressende Pflanzen, Arboretum, Rhodoretum, Kakteen und Orchideen in Gewächshäusern, Kletterpflanzen, geschützte Pflanzen, Moose, weitere Gewächshauspflanzen und Wasserpflanzen. Dazu kommen ein «Sinnesgarten», ein Themengarten sowie eine Gärtnerei. 2019 errichtete der botanische Garten ein neues GewächshausCharles Super: L’Etat inaugure la nouvelle serre du Jardin botanique cantonal. Auf lfm.ch, 9. September 2019. für den vom Publikum in jüngster Zeit vermehrt beachteten Bereich mit den Heilpflanzen.Le Jardin botanique réaménage l’espace des plantes médicinales. In: 24 heures. 11. September 2021. Ein System von Wasserflächen schafft ein für viele Pflanzen geeignetes Mikroklima und Biotope für Amphibien und Insekten und dient zur Bewässerung im Areal.
Gemäss dem MJBC-Leitbild pflegt und erweitert der botanische Garten den Bestand an lebenden Gewächsen vor allem in den Bereichen Alpenpflanzen, seltene Arten aus dem Kantonsgebiet sowie Medizinalpflanzen; den Pflanzen mit heilkräftiger Wirkung galt stets ein besonderes Interesse der Botaniker von Lausanne.Adrien Dolivo: Pharmaciens-botanistes à Genève et dans la canton de Vaud aux XIXe et XXe siècle. In: Bulletin de la Société Vaudoise des Sciences Naturelles, 87, 2001, S. 211–227.
Musée botanique Die kantonale botanische Sammlung ist die älteste Abteilung der Institution Musée et jardins botaniques cantonaux de Lausanne. Ihr Anfang geht auf das Jahr 1824 zurück, als man begann, in Lausanne ein Herbarium von Pflanzen aus dem Gebiet des Kantons Waadt aufzubauen. Diese systematische Dokumentation mit getrockneten Pflanzen war eine von mehreren wissenschaftlichen Sammlungen der Akademie Lausanne, aus welcher später die Universität Lausanne hervorging. Die Pflanzenforschung im Kanton Waadt war im 19. und im 20. Jahrhundert wesentlich von Apothekern geprägt, die sich besonders für Heilpflanzen interessierten und ihre Ausbildung an der renommierten Pharmazeutenschule von Lausanne erhielten.J.C. Etter: L’Ecole de Pharmacie. De l’Académie à l’Université. Etudes et documents pour servir à l’histoire de l’Université de Lausanne. Lausanne 1991. Zunächst war die botanische Sammlung dem damaligen Musée d’histoire naturelle zugeordnet. 1860 wurde sie als selbständiges Botanisches Museum ausgegliedert. Nach dem Bau des Palais de Rumine 1905 erhielt das Museum dort neue Ausstellungs- und Arbeitsräume.Joëlle Magnin-Gonze, Jean-Louis Moret: Les fleurs au Palais. 60 ans de présence botanique à Rumine (1906–1966). MJBC, Lausanne 2006. Seit 1967 verfügt das Museum über ein eigenes Gebäude direkt neben dem botanischen Garten beim Parc de Milan.
Das Museum besitzt eine Fachbibliothek, eine botanische Grafiksammlung und das stets weitergeführte kantonale Herbar mit mehr als einer Million Pflanzenproben. Zu den besonders wertvollen Beständen des Museums zählen die umfangreichen Sammlungen von Pflanzenzeichnungen und -bildern, die von elf Botanikern und Botanikerinnen hergestellt wurden. Das älteste „gemalte Herbarium“ stammt von Rosalie de Constant (1758–1834), eine Serie von Bildertafeln vorwiegend von Alpenblumen von Marie Mousson (1805–1895), zahlreiche grossformatige botanische Darstellungen vom Botanikprofessor Florian Cosandey (1897–1982).Herbiers peints. auf botanique.vd.ch.L’herbier cantonal vaudois: fragile et fondamental auf gazette.vd.ch.
Die Leitung der kantonalen botanischen Sammlung, seit 1860 des Museums und später auch des Botanischen Gartens oblag meistens den Lausanner Professoren oder Dozenten für Botanik und zeitweise auch anderen Personen. Im 19. Jahrhundert waren es Edouard-Louis Chavannes (1805–1861), Botanikprofessor; Rodolphe Blanchet (1807–1864), Chemiker, Privatforscher und Verfasser von Katalogen der Waadtländer Flora; Jean Balthasar Schnetzler (1823–1896), Botanikprofessor; Louis Favrat (1827–1893), Dialektschriftsteller und Lehrer.Ernest Wilczek: Louis Favrat, conservateur du Musée de botanique. 1827–1893, Notice biographique. In: Bulletin de la Société Vaudoise des Sciences Naturelles. Bd. 29, Lausanne 1893, S. 229–239. Ernest Wilczek (1867–1948), der 1891 den Alpengarten „Thomasia“ gründete und 1892 in Lausanne pharmazeutische Botanik lehrte, leitete das Museum von 1895 bis 1937 und ausserdem auch die Apothekerschule von Lausanne. Er gehörte auch zu den Promotoren des Schweizerischen Nationalparks.Adrien Dolivo: Pharmaciens-botanistes à Genève et dans la canton de Vaud aux XIXe et XXe siècle. In: Bulletin de la Société Vaudoise des Sciences Naturelles, 87, 2001, S. 211–227. Nach Wilczek übernahm sein Nachfolger als Botanikprofessor der Universität Florian Cosandey auch die Leitung des botanischen Gartens und der Geobotaniker Arthur Maillefer (1880–1960) die Direktion des Botanischen Museums. Florian Cosandey plante die Einrichtung des neuen Pflanzenparks an seinem aktuellen Standort. Von 1947 an war Pierre Villaret (1918–2001), der Gründer des Arboretum national du vallon de l’Aubonne, für den Botanischen Garten Lausanne zuständig, bis er 1967 die Direktion der Gesamtinstitution übernahm.Paul-Émile Pilet: Les naturalistes et biologistes à Lausanne, recherches, enseignements et sociétés savantes en pays vaudois de 1537 à nos jours. Payot, Lausanne 1991. Sein Nachfolger war Gino Müller, und von 1988 bis 2014 war der Botaniker Jean-Louis Moret (1949–2014) Konservator der botanischen Sammlung; er engagierte sich besonders für das waadtländische Naturschutzgebiet Les Grangettes am Genfersee.Joëlle Magnin-Gonze, François Felber: Hommage à Jean-Louis Moret. In: Bulletin de la Société Vaudoise des Sciences Naturelles. 94, 2014–2015, S. 207–215 (Digitalisat). Von 2011 bis 2022 führte François Felber (* 1957), vorher Direktor des Botanischen Gartens in Neuenburg, die Institution in Lausanne.Succession à la direction des Musée et Jardins botaniques cantonaux. Auf vd.ch, 28. April 2011, abgerufen am 19. September 2021. Seit der Reorganisation der naturwissenschaftlichen Museen des Kantons Waadt 2013 als Muséum ist der Biologe Nadir Alvarez (* 1977), Professor an der Fakultät für Umweltwissenschaften der Universität Lausanne,Nadir Alvarez auf unil.ch. zugleich Leiter der botanischen Gärten und des Museums wie auch der Gesamtinstitution.L'équipe du Musée et des Jardins auf botanique.vd.ch/, abgerufen am 16. November 2023.Le directeur du futur musée des sciences naturelles a été nommé. In: 24 heures, 20. Januar 2022, abgerufen am 16. November 2023.
Das botanische Museum Lausanne diente stets vorwiegend dem naturwissenschaftlichen und pharmazeutischen Anschauungsunterricht an der Universität Lausanne. Dazu spielt die Institution mit ihren Sammlungen, Ausstellungen und Publikationen auch eine aktive Rolle für den Naturschutz im Kanton Waadt.Un bref historique. Auf botanique.vd.ch, abgerufen am 20. September 2021. Die Naturwissenschaftler von MJBC forschen zudem zur Wissenschaftsgeschichte der Botanik und zur Biogeografie des Kantons.Missions du Musée et Jardin botaniques cantonaux. Auf botanique.vd.ch, abgerufen am 20. September 2021. Die Konservatorin am Museum und botanischen Garten in Lausanne Joëlle Magnin-Gonze bearbeitete mit dem Cercle vaudois de botanique als dessen Präsidentin den 2023 erschienenen botanischen Atlas des Kantons Waadt Flore vaudoise – Atlas illustré des plantes vasculaires du canton de Vaud.Flore vaudoise – Atlas. Société Vaudoise des Sciences Naturelles, auf unil.ch.
mini|Der Alpengarten «Thomasia»
Alpengarten Thomasia 1891 entstand dank der Initiative des Apothekers Marc Borel (1841–1918) und dem Interesse des Vereins Société de développement de Bex in der Gemeinde Bex im Hochtal Vallon de Nant in den Waadtländer Voralpen der Alpengarten La Thomasia . Die Örtlichkeit Pont de Nant liegt 60 Kilometer südöstlich von Lausanne am Nordwestfuss des Grand Muveran nahe dem Oberlauf des Avançon und im 1966 errichteten Naturschutzgebiet Réserve naturelle du Vallon de Nant. Das Tal gehört zum Eidgenössischen Jagdbanngebiet am Grand Muveran und ist seit 1977 mit den Nachbartälern bis hin zum Tal von Derborence im schweizerischen Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN; französisch IFP) verzeichnet.Landschaft «Le vallon de Nant-Derborence», Objekt 1713 im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung.