Die Straßenbahn Odessa () ist das Straßenbahnsystembetrieb in der ukrainischen Stadt Odessa. Das in Russischer Breitspur angelegte Netz ist eines der umfangreichsten in Osteuropa. Betrieben wird die Straßenbahn vom städtischen Verkehrsbetrieb Odesmiskelektrotrans (OMET).
Geschichte Die Straßenbahn wurde zunächst als Pferdebahn am 20. Juli 1880 eröffnet. Betrieben wurde diese von der belgischen Odessa Tramways Company. In den Folgejahren wurde das Netz deutlich ausgebaut. Der elektrische Betrieb wurde am 24. September 1910 aufgenommen und innerhalb weniger Jahre war die Elektrifizierung abgeschlossen. Nach fortwährendem Netzausbau wurde in den 1930er Jahren fast jeder Stadtteil erschlossen.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Infrastruktur stark beschädigt. Das Netz wurde jedoch ab 1944, nach der Rückeroberung der Stadt durch die Sowjetunion, wieder aufgebaut und in den darauffolgenden Jahrzehnten erweitert. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Erschließung neuer Wohngebiete im Norden und Süden. In den 1970er und 1980er Jahren hatte das Streckennetz seine größte Ausdehnung.
Ab 1991, nach der Unabhängigkeit der Ukraine, wurden wenige Streckenabschnitte stillgelegt, der Großteil des Netzes jedoch trotz der allgemein verschlechterten finanziellen Situation der Verkehrsbetriebe erhalten. Allerdings entstand ein Investitionsstau – in einer Auswertung im Jahr 2005 wurde festgestellt, dass pro Jahr deutlich weniger Gleis- und Oberleitungsanlagen erneuert wurden als notwendig und das Durchschnittsalter der Fahrzeuge lag nach vielen Jahren ohne Neubeschaffungen deutlich über der angesetzten wirtschaftlichen Lebensdauer von 16 Jahren. In den 2010er Jahren begann OMET mit der Umsetzung umfangreicher Modernisierungen. Finanziert werden diese unter anderem durch die Europäische Investitionsbank und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Der Russische Überfall auf die Ukraine seit 2022 verschlechterte die Rahmenbedingungen erneut. Dennoch wurden viele Projekte fortgeführt.
Infrastruktur Das überwiegend zweigleisige Netz hat 2026 eine Streckenlänge von etwa 110 Kilometern bei rund 200 Kilometern Gleislänge (inklusive Betriebsstrecken). Es ist der Stadtstruktur an der Küste des Schwarzen Meers entsprechend hauptsächlich in Nord-Süd-Richtung ausgedehnt. Zwischen dem nördlichsten und dem südlichsten Punkt liegen etwa 40 Kilometer. Die Strecken verlaufen größtenteils radial auf das Zentrum zu – tangentiale Verbindungen werden weitestgehend von Bussen und Oberleitungsbussen bedient. Die Modernisierungen seit den 2010er Jahren sind auf stark belastete Strecken konzentriert, insbesondere eine Nord-Süd-Magistrale. Einzungenweichen sind 2026 noch zahlreich vorhanden.
Die Werkstätten des Verkehrsbetriebs fertigen viele Ersatzteile selbst und bauen Fahrzeuge tiefgreifend um, teils für den Einsatz als Arbeitswagen, teils als Modernisierung bzw. weitgehender Neubau von Triebwagen für den Linienverkehr. Dies findet hauptsächlich im Betriebshof 2 statt, wo auch die meisten Niederflurwagen stationiert sind. Im Betriebshof 1 im Südwesten und im Betriebshof 3 im Norden werden nur die tägliche Wartung und kleine Instandsetzungen durchgeführt.
Liniennetz 2023 gab es in Odessa 18 Linien, wovon nicht alle regelmäßig betrieben werden:
LinieStrecke 1 Peresyps'ky Brücke – Fabrik Zentrolit 5 Avtovokzal (Busbahnhof) – Arkadiya 6 Peresyps'ky Brücke – Luzanivka (Nachtlinie) 7 Tavriya V – Lustdorf (Linie Nord-Süd) 8 Tavriya V – Luzanivka (Sommerlinie) 10 Itshaka-Rabina-Straße – Starosinna Platz11Starosinna Platz – Oleksiyivs'ka Platz 12 Chersonskij Grünanlage – Slobids'ky Markt 13 Schkilniy Wohnsiedlung— Starosinna Platz 15 Oleksiyivs'ka Platz – Tiraspolska Platz – Slobids'ky Markt 17 11-a Stantsiya Fontanskoyi Dorogy – Kulykove Feld 20 Chersonskij Grünanlage— Khadzhybeys'ky Liman (Förde) 21 Tiraspolska Platz – Odessa Zastava-2 Station 22 Slobids'ky Markt – Luzanivka (Sommerlinie) 27 Lustdorf — Fischereihafen 28 Pastera-Straße – Park Im. Tarasa Shevchenka 2026 gibt es 28 Linien.
Fahrzeuge
mini|Historischer Triebwagen des Typs MTV-82 1966 wurden die ersten Tatra T3 angeliefert und waren ab den 1980er Jahren der einzige im Einsatz befindliche Wagentyp in der Stadt. Einige Fahrzeuge älterer Bauarten blieben als Arbeitswagen und historische Wagen erhalten. Viele T3 modernisierte OMET ab den 2000er Jahren. Nach den T3 wurden lange Zeit nur sehr wenige Neufahrzeuge beschafft und diese waren noch immer Hochflurwagen. 2015 kamen die ersten teilniederflurigen Triebwagen hinzu; einerseits lieferte der ukrainische Hersteller Tatra-Jug ein Einzelstück, andererseits begann OMET mit dem Eigenbau. 2023 wurden die ersten Triebwagen mit hohem bzw. vollständigem Niederfluranteil beschafft.
Ende 2025 gab es insgesamt fast 190 Triebwagen, von denen etwa 150 einsatzfähig sind. Täglich werden ungefähr 80 bis 90 Fahrzeuge eingesetzt. Alle sind Einrichtungswagen.
T3SU, T3SUCS und T3R.P
Etwa 120 Triebwagen gehören zum Grundtyp T3 bzw. den Varianten T3SU, T3SUCS und – nach Modernisierung – T3R.P mit Baujahren von 1960 bis 1980. Die Modernisierung wurde von 2003 bis 2011 bei 108 Triebwagen durchgeführt, von denen Ende 2025 noch über 90 vorhanden waren. Sie umfasste insbesondere eine neue elektrische Ausrüstung mit der Chopper-Steuerung TV Progress von Cegelec, aber auch die Erneuerung von Fahrgasträumen und Führerständen. Es handelt sich weiterhin um hochflurige Großraumwagen.
T6B5-Jug, K1 und K1M
mini|K1 №7004 Tatra-Jug lieferte zunächst einen einzelnen Großraumwagen des Typs T6B5-Jug und von 2006 bis 2008 zehn wagenbaulich darauf basierende K1 nach Odessa. Der 2015 gelieferte einzelne K1M ist eine Weiterentwicklung mit einem Niederflurbereich zwischen den Drehgestellen.
Eigenbauten auf T3-Basis In zwei Generationen baute OMET Großraumwagen mit einem mittigen Niederflurbereich auf Basis von Drehgestellen und einzelnen Komponenten gebrauchter T3, aber mit neu gefertigten Wagenkästen. Sie heißen T3 KVP Od, die zweite Generation wird auch „Odyssey“ genannt. Von der ersten Generation hatte OMET Ende 2025 ungefähr 16 Stück im Bestand, von der zweiten Generation elf Triebwagen der Baujahre 2018 bis 2025. Ein weiterer „Odyssey“ war in Bau.
2019 bis 2022 kamen vier dreiteilige Gelenkwagen hinzu, die K3R-N Od bzw. „Odyssey Max“ heißen. Die hochflurigen äußeren Wagenteile laufen jeweils auf zwei Drehgestellen der beim T3 verwendeten Bauart mit wiederverwendeten Drehgestellrahmen. Dazwischen hängt ein niederfluriger Mittelteil ohne eigenes Drehgestell. Konzeptionell gleiche Wagen wurden auch für die Straßenbahnen Pilsen (Typ K3R-NT) und Brünn (Typ K3R-N) gebaut. Die Wagenkästen wurden von Pragoimex entwickelt und in der Ukraine gebaut. Die K3R-N Od sind mit einer Länge von 30 Metern für ukrainische Verhältnisse sehr lang und kapazitätsstark.
K1T306
Von 2023 bis 2025 lieferte Tatra-Jug eine Serie 13 dreiteiliger Niederflurwagen des Typs K1T306. Sie haben einen stufenfreien Durchgang, jedoch seitliche Podeste.
Weblinks
Einzelnachweise
Odessa Kategorie:Spurweite 1524 mm Kategorie:Verkehr (Odessa)