miniatur|Bruchstück eines Fasti-Kalenders, der „Fasti magistrorum vici“ aus Rom Der römische Kalender bestand aus mehreren lokalen Kalendern, die zunächst auf den Mondumlauf bezogen waren. Im römischen Reich wurden sie immer wieder modifiziert und an das lunisolare Kalenderprinzip angepasst.

Die Herkunft der zahlreichen Kalenderformen ist zwar nicht sicher geklärt, jedoch zeigen Form, Stil und Länge der Schaltmonate deutlich etruskisch-latinische Merkmale, wobei in der Frühzeit der etruskische Einfluss dominierte. Andere äußere Einflüsse auf die Kalendergestaltung können ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.Jörg Rüpke: Kalender und Öffentlichkeit. Die Geschichte der Repräsentation und religiösen Qualifikation von Zeit in Rom. Walter de Gruyter, Berlin u. a. 1995, ISBN 3-11-014514-6, S. 171–172. Die – für den römischen Kalender zweifelsfrei unhistorische – römische Tradition wies dessen Einführung Roms legendärem Stadtgründer Romulus zu.

Zeitgenössische Kalendertexte aus der Gründungszeit Roms fehlen. Der älteste Nachweis eines Kalenders ist mit den Fasti Antiates maiores erst ab dem Jahr 173 v. Chr. belegt. Die Auswertungen der erst relativ spät schriftlich fixierten Überlieferungen macht die Annahme wahrscheinlich, dass die Etrusker zunächst regionale Mondkalender mit einem 354-tägigen Jahr einführten, die von den Römern später auf 355 Tage erweitert wurden. Das Jahr begann im römischen Kalender ursprünglich am 1. März und endete mit dem Februar, in dem auch der Schaltmonat eingefügt wurde. Erst 153 v. Chr. wurde der Jahresbeginn auf den 1. Januar verschoben.

Frühe Kalenderreformen Schon um das Jahr 713 v. Chr. soll gemäß Überlieferung der römische Kalender durch Numa Pompilius, den legendären zweiten der sieben Könige Roms, reformiert worden sein.So etwa Marcus Tullius Cicero, De re publica 2,23–30 und Titus Livius, Ab urbe condita 1,18–21. Es gibt jedoch keine zeitgenössischen Quellen und die späteren literarischen Schilderungen wie denen des Titus Livius oder PlutarchsClaas Lindskog, Konrat Ziegler: Plutarchi vitae parallelae. Band 3, Fasc. 2. 2. Auflage. Teubner, Stuttgart 1973, Numa XXXII. sind zu stark ausgeschmückt und zu großen Teilen legendär. Viele Einzelheiten sollten ätiologisch spätere Verhältnisse erklären. Es gilt zudem als wahrscheinlicher, dass der fünfte König, Lucius Tarquinius Priscus, für diese Reform verantwortlich war.

CensorinusCensorinus 20,4–20,5. berichtet, dass der zunächst auf einem 354-tägigen Mondjahr basierende zwölfmonatige römische Kalender gegenüber dem Sonnenjahr eine Differenz von etwa elf Tagen auswies und gemäß Überlieferung spätestens mit Beginn der um 450 v. Chr. in Rom entstandenen Sammlung der Zwölftafelgesetze – zwölf hölzerne Tafeln auf dem Forum Romanum – von einem für die Kalenderänderung zuständigen Ausschuss modifiziert worden sein soll.

Struktur des römischen Kalenders miniatur|Sonnenfinsternis vom 14. März 190 v. Chr. Die früheste zeitgenössische Erwähnung ist unter Konsul Marcus Fulvius Nobilior um 189 v. Chr. belegt. Nobilior gab an, dass der römische Kalender mit dem romuleischen Jahr zunächst nur zehn Monate beinhaltete. Auch Marcus Terentius Varro (um 116 v. Chr.)Marcus Terentius Varro, De lingua Latina 6,34. stützte sich auf die „zehnmonatige Überlieferung“. Dagegen steht die Aussage des Gaius Licinius Macer (um 73 v. Chr.), der berichtet, dass der römische Kalender von jeher zwölf Monate umfasst habe. Sueton berief sich im ersten Jahrhundert n. Chr. in seinen Werken wiederum auf andere überlieferte Quellen, die von „zehn Monaten im ersten römischen Kalender“ berichten. Censorinus entschied sich in seinen Schriften ebenfalls für die „zehnmonatige Überlieferung“, obwohl er selbst ursprünglich von einem zwölfmonatigen numanischen Lunarkalender ausging. Es war daher auch in der Forschung lange unsicher, ob es die „zehn Monate“ in der ältesten Form des römischen Kalenders gegeben hatte und welchen Zeitraum sie umfassten. Mittlerweile gilt jedoch als wahrscheinlich, dass der römische Kalender von Anfang an auf dem Zwölfmonatsjahr basierte. Da spätere römische Autoren erkannten, dass der März ursprünglich am Anfang des Jahres gelegen haben müsse, aber fälschlich davon ausgingen, dass Dezember trotzdem wie in ihrer Zeit der letzte Monat gewesen sei, dürfte die unzutreffende Annahme eines anfänglichen Zehnmonatsjahres auf sie zurückgehen.Jörg Rüpke: Kalender und Öffentlichkeit. Die Geschichte der Repräsentation und religiösen Qualifikation von Zeit in Rom. Walter de Gruyter, Berlin u. a. 1995, ISBN 3-11-014514-6, S. 192–202.

Der Lunisolarkalender musste immer wieder an die vom Sonnenlauf bestimmten Jahreszeiten angeglichen werden, sonst verschoben sich Jahreszeiten und jahreszeitlich bestimmte Festtermine im Kalender immer weiter. Titus Livius vermerkte für die Zeit kurz nach dem zweiten punischen Krieg eine Sonnenfinsternis für den 11. Quintilis 190 v. Chr., die nach dem System des späteren julianischen Kalenders jedoch am 14. März stattfand.Sonnenfinsternis vom 14. März 190 v. Chr. Der Frühlingspunkt fiel in diesem Jahr auf den 21. Quintilis.Jean Meeus: Astronomische Algorithmen. 2., durchgesehene Auflage. Barth, Leipzig u. a. 1994, ISBN 3-335-00400-0, Berechnungen gemäß Ephemeris Tool 4,5. In dieser Epoche lag die Differenz zwischen den römischen Kalenderangaben und dem tatsächlichen Ereignis somit bei etwa vier Monaten.; Titus Livius, Ab urbe condita 37,4,4.

miniatur|Mondfinsternis vom 21. Juni 168 v. Chr. Im Jahr 168 v. Chr. fiel eine von Sulpicius Galus vorher angekündigte Mondfinsternis auf den 3. September des römischen Kalenders, was dem 21. Juni im julianischen Kalendersystem entspricht;Theodor Mommsen: Römische Geschichte. Band 2: Von der Schlacht von Pydna bis auf Sullas Tod. Deutsche Buch-Gemeinschaft, Berlin 1902, S. 932–933; Titus Livius, Ab urbe condita 44,37,8. der Frühlingspunkt lag in diesem Jahr auf dem 3. Iunius. Der Abstand zwischen der Angabe im römischen Kalender und dem Datum des tatsächlichen Ereignisses hatte sich im Vergleich von 190 v. Chr. auf nunmehr etwa zweieinhalb Monate reduziert. Vor diesem Hintergrund können sich die „zehn Monate“ auch auf zehn Zeitabschnitte eines Naturjahres bezogen haben, welches durch Wiederkehr bestimmter Auffälligkeiten in die jeweiligen zehn Jahresperioden unterteilt war. In diesem Zusammenhang besteht die Möglichkeit, dass spätere Autoren die zehn Zeitabschnitte als „zehn Monate“ übersetzt hatten. Ob im weiteren Verlauf eine Einführung eines auf zwölf Monate erweiterten Kalenders stattfand oder die bereits verwendeten zwölf Monate anders verteilt wurden, bleibt daher unklar. Der nach Gaius Iulius Caesar benannte julianische Kalender löste 45 v. Chr. den römischen Kalender ab.Friedrich Karl Ginzel: Handbuch der mathematischen und technischen Chronologie. Das Zeitrechnungswesen der Völker. Band 2: Zeitrechnung der Juden, der Naturvölker, der Römer und Griechen sowie Nachträge zum 1. Band. Hinrichs, Leipzig 1911, S. 224–225, (fotomechanischer Nachdruck: Deutsche Buch-Export und -Import Gesellschaft, Leipzig 1958).

Aus dem römischen Kalender leiten sich die religiösen Festtage Kalenden, Nonen, Iden und Terminalien her. Auch in vielen anderen Kulturen ist die Frühlingsgleiche der Jahresbeginn, beispielsweise das Pessachfest des jüdischen Kalenders, das nicht Jahresbeginn ist, nur Beginn der Monatsnummerierung. Das Osterdatum bezieht sich ebenso auf die Frühlingsgleiche beziehungsweise die Stellung des Mondes dazu.

Kalenden der römischen Kalendermonate im proleptischen julianischen KalenderIan.Febr.M.i.Mart.Apr.MaiusIuniusQuint.Sext.Sept.Oct.Nov.Dec.Sonnenfinsternisjahr 354 a. u. c. (401/400 v. Chr.)29. Dez. 401 v. Chr.27. Jan. 400 v. Chr.19. Feb. 400 v. Chr.18. März 400 v. Chr.18. Apr. 400 v. Chr.17. Mai 400 v. Chr.17. Juni 400 v. Chr.16. Juli 400 v. Chr.16. Aug. 400 v. Chr.14. Sep. 400 v. Chr.13. Okt. 400 v. Chr.13. Nov. 400 v. Chr.12. Dez. 400 v. Chr.Sonnenfinsternisjahr 564 a. u. c. (191/190 v. Chr.)18. Aug. 191 v. Chr.16. Sep. 191 v. Chr.10. Okt. 191 v. Chr.6. Nov. 191 v. Chr.5. Dez. 191 v. Chr.3. Jan. 190 v. Chr.3. Feb. 190 v. Chr.4. März 190 v. Chr.4. Apr. 190 v. Chr.3. Mai 190 v. Chr.1. Juni 190 v. Chr.2. Juli 190 v. Chr.31. Juli 190 v. Chr.Mondfinsternisjahr 586 a. u. c. (169/168 v. Chr.)3. Okt. 169 v. Chr.1. Nov. 169 v. Chr.24. Nov. 169 v. Chr.21. Dez. 169 v. Chr.21. Jan. 168 v. Chr.19. Feb. 168 v. Chr.22. März 168 v. Chr.20. Apr. 168 v. Chr.21. Mai 168 v. Chr.19. Juni 168 v. Chr.18. Juli 168 v. Chr.18. Aug. 168 v. Chr.16. Sep. 168 v. Chr.Verworrenes Jahr 708 a. u. c. (47–45 v. Chr.)14. Okt. 47 v. Chr.12. Nov. 47 v. Chr.6. Dez. 47 v. Chr.2. Jan. 46 v. Chr.2. Feb. 46 v. Chr.3. März 46 v. Chr.3. Apr. 46 v. Chr.2. Mai 46 v. Chr.2. Juni 46 v. Chr.1. Juli 46 v. Chr.30. Juli 46 v. Chr.30. Aug. 46 v. Chr.4. Dez. 46 v. Chr.

Jahreszählung In der Frühzeit der Römischen Republik wurden die Jahre nicht gezählt, sondern nach den regierenden Konsuln benannt. Seit dem 4. vorchristlichen Jahrhundert war eine Zählung ab der Einweihung des Jupitertempels im Jahre 507 v. Chr. üblich. Erst später wurden die Jahre „von der Gründung der Stadt Rom an“ (lat. ab urbe condita, a. u. c.) im Jahre 753 v. Chr. gezählt. Im Römischen Kaiserreich wurden die Jahre zusätzlich noch per Anno Diocletiani (A. D.) gezählt, also ab der Regierungsübernahme durch Kaiser Diokletian im Jahr 284; diese Zählung ist nicht identisch mit dem seit 525 n. Chr. gebräuchlichen Anno Domini (auch A. D.) und darf nicht verwechselt werden.

Schaltjahre Erste lunisolare Tetraeteris Der genaue Zeitraum der Einführung der ersten lunisolaren Schaltregel ist in keiner zeitgenössischen Quelle belegt. Censorinus, Varro und Macrobius erwähnen in ihren Überlieferungen den vierjährigen Schaltzyklus (griechisch Tetraeteris) von 1465 Tagen, als er bereits bei Einführung der Zwölftafelgesetze fest verankert war. Die neu eingerichtete lunisolare Tetraeteris sah vor, dass im zweiten Jahr der Vierjahresperiode 22 Tage und im vierten Jahr 23 Tage als Schaltmonat eingebaut werden sollten. Daraus ergaben sich die jeweiligen Jahreslängen von 355, 377, 355 und 378 Tagen.

Die zusätzlichen Schaltmonate wurden mit Februarius verbunden und zwischen die Feste der Terminalia (23. Februarius) und des Regifugiums (24. Februarius) gesetzt. In der Praxis bedeutete dies, dass der normale Monat Februarius nach dem Terminalia-Fest abgebrochen wurde und sofort danach die jeweiligen Schaltmonate von 22 oder 23 Tagen begannen. An die Schaltmonate schlossen unmittelbar die Festlichkeiten des Regifugiums und die restlichen Tage des Februarius an, weshalb die Schaltmonate so eine tatsächliche Dauer von 27 oder 28 Tagen hatten. Gegenüber vier Sonnenjahren war der Vierjahreszyklus jedoch etwa vier Tage zu lang. Der römische Kalender verschob sich aufgrund seiner Überlänge zunächst alle vier Jahre etwa um vier Tage und wanderte bei Nichtberücksichtigung einer weiteren Schaltung als Wandeljahr langsam durch die Jahreszeiten.

Zweiter Schaltzyklus im dritten Octennium Nach 24 Jahren (dreifaches Octennium; lateinisch: tertio quoque octennio) bestand nach den Ausführungen von Macrobius Ambrosius Theodosius die Möglichkeit einer weiteren Schaltung. Dazu wurde im Verlauf der sechsten lunisolaren Tetraeteris der erste Schaltmonat von 22 Tagen um einen Tag reduziert, der 23-tägige Schaltmonat im vierten Jahr entfiel ersatzlos.

In der Gesamtrechnung konnten so die planmäßigen Schaltmonate um 24 Tage gekürzt werden. Die vier jeweiligen Jahreslängen betrugen in diesem Schaltzyklus 355, 376, 355 und 355 Tage, mithin insgesamt 1441 Tage. Der 24-jährige Zeitraum umfasste somit 8766 Kalendertage, was durchschnittlich der späteren julianischen Jahreslänge von 365,25 Tagen entsprach.

Monate Monatsnamen Der römische Kalender kannte die folgenden dreizehn Monate: Ianuarius Februarius Mercedonius (Schaltmonat) Martius Aprilis Maius Iunius Quintilis Sextilis September October November December

Monatsgrößen