Alfeld (Leine) ([ˈalfɛlt], oftmals fälschlich [ˈaːlfɛlt]) ist eine Kleinstadt und eine selbständige Gemeinde im Landkreis Hildesheim im südlichen Niedersachsen, die inmitten der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen liegt.

Geografie Lage Alfeld liegt im Leinebergland zwischen der Leine im Westen und den Sieben Bergen (bis hoch) im Nordosten. Das umliegende Bergland wird Alfelder Bergland oder Ith-Hils-Bergland (bis 480,4 m hoch) genannt.

Stadtgliederung Die Stadt Alfeld ist eine Einheitsgemeinde und gliedert sich in folgende Stadtteile: Alfeld (Kernstadt) Brunkensen Dehnsen Föhrste Eimsen Gerzen Godenau Hörsum Imsen Langenholzen Limmer Lütgenholzen Röllinghausen Sack Warzen Wettensen Wispenstein

Nachbargemeinden

Geschichte Mittelalter Ohne dass dieses bisher urkundlich zu belegen ist, steht zu vermuten, dass Alfeld als Stadt eine Parallelgründung zur Hildesheimer Dammstadt ist. Hierauf deuten die planmäßige Anlage des Stadtkerns innerhalb der Wallanlagen, die parallele Existenz einer Nikolaikirche und die urkundliche Erwähnung von flämischen Ansiedlern in beiden Siedlungen für den Anfang des dreizehnten Jahrhunderts hin. Auch die Wappen sind nahezu identisch. Das Wappen Alfelds unterscheidet sich von dem der Dammstadt nur durch den blauen Schildbuckel, der traditionell als Blauer Stein identifiziert wird.

Stadtrechte könnten Alfeld zwischen dem Jahr 1220 (in dem Kaiser Friedrich II. in der Confoederatio den geistlichen Fürsten landesherrliche Rechte garantierte) und dem Jahr 1258 (dem Jahr der ältesten erhaltenen urkundlichen Erwähnung Alfelds als Stadt) verliehen worden sein.1214 „villicus episcopi de Alvelde“, 1221 „villa Alvelde“, 1250 „plebanus in Alvelde“, 1258 „sacerdos veteris villae apud Alvelde“, 1297 „consules et universitas Civium in Alvelde“ (Hans Dörries: Entstehung und Formenbildung der Niedersächsischen Stadt, Stuttgart 1929, S. 136). In der Einleitung zum durch Bischof Bernhard verbesserten Alfelder Stadtrecht von 1456 heißt es u. a.: „Ock schall de radt rekenschup don vor twolf mannen uth gilden unde meinheit.“ Im Jahr 1315 wurde das Alfelder Stadtrecht der Stadt Dassel verliehen.

Eine Burg des Bischofs von Hildesheim, die Leineübergang und Stadt schützen sollte, wurde 1358 erwähnt. Die Burg war später lange Zeit an die Herren von Steinberg verpfändet, die 1406 am Leinetor einen Turm errichteten und ihn 1414 erhöhten. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts war sie wohl weitgehend aufgegeben. Auf dem alten Burgplatz wurde eine Kapelle und der „Wasserfriedhof“ für Selbstmörder und andere im Wasser der Leine angefundene Tote angelegt.

Die Stadt gehörte zu den kleinsten Städten in der Hanse. Alfeld trat im Jahr 1426 in den Sächsischen Städtebund ein. So wurde die Stadt, die im 14. und 15. Jahrhundert durch den Handel mit Bier, Hopfen, Leinwand und Leinengarn reich geworden war, indirekt zu einer Hansestadt.

Frühe Neuzeit In ältester Zeit gehörte Alfeld zum Hochstift Hildesheim. Nach der Hildesheimer Stiftsfehde (1519–1523) kam es zum Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel. In der Rückschau war die Braunschweiger Zeit Alfelds goldenes Zeitalter, in dem in Alfeld Wirtschaft und Kultur blühten. Seit 1543 war Alfeld Sitz eines evangelischen Superintendenten. Erster Amtsträger war Heinrich Vogelmann.Lauenstein: Historia diplomatica II. S. 130 Ab 1569 war es im Zuge der Reform der Braunschweiger Kirchenverfassung und Einführung einer neuen Kirchenordnung durch Herzog Julius Sitz einer Generalsuperintendentur.Heinze: Geschichte der Stadt Alfeld, S. 72. Die im Internet ohne weiteren Nachweis zu lesende Bezeichnung „Generaldiözese Alfeld“ ist unhistorisch und für Alfeld nicht belegt. Als erster Alfelder Generalsuperintendent wurde 1569 M. Nicolaus Erbenius in sein Amt eingeführt.

mini|Darstellungen der Lippold-Sage, im Hintergrund die Kirche St. Nicolai(Notgeld von 1921, entworfen von Käte Reiche)

Während des Dreißigjährigen Krieges unterredeten sich am 13. Oktober 1625 der Feldherr der Katholischen Liga Tilly und der kaiserliche Generalissimus Wallenstein im Alfelder Ortsteil Limmer im Vorfeld des Treffens mit den Truppen Christians IV. von Dänemark bei Seelze (3. November 1625). 1643 fiel Alfeld nach dem Sonderfrieden von Goslar an das Hochstift Hildesheim zurück.

19. und 20. Jahrhundert Infolge des Reichsdeputationshauptschlusses kam es 1803 kurzzeitig an Preußen, dann an das Königreich Westphalen Distrikt Hildesheim, nach dem Wiener Kongress wurde es 1815 dem Königreich Hannover unterstellt. Als Ergebnis des Deutschen Krieges wurde dieses 1866 von Preußen annektiert, zu dem dann auch Alfeld bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges gehörte, was den welfentreuen Teilen der Bevölkerung missfiel. Seit 1946 gehört Alfeld zum Land Niedersachsen. Alfeld blieb während des Zweiten Weltkrieges unzerstört. Auch deshalb wurde hier 1946 die Pädagogische Hochschule Alfeld gegründet, die 1969/70 nach Hildesheim verlagert wurde. Die Stadt Alfeld gehörte von 1885 bis 1977 zum Landkreis Alfeld.

Der Ortsname Frühere Ortsnamen von Alfeld waren in den Jahren 1214 Alvelde, 1221 Alvelde und 1233 Alvelde. Der Ortsnamenbestandteil „-feld“ bedeutet „freie Fläche“, „das freie, offene Feld“, „unbebautes Feld“. „Al-“ ist am ehesten auf die indogermanische Wurzel „el-“, „ol-“ zurückzuführen und bedeutet „Wasser“, „feucht“, „fließen“.

Eingemeindungen Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Brunkensen (bis dahin im Landkreis Holzminden), Dehnsen, Eimsen, Föhrste, Gerzen, Hörsum, Imsen, Langenholzen, Limmer, Lütgenholzen (bis dahin im Landkreis Holzminden), Röllinghausen, Sack, Warzen, Wettensen und Wispenstein eingegliedert.

Religion mini|hochkant=0.7|St.-Nicolai-Kirche mini|links|hochkant=0.7|St.-Marien-Kirche Die St.-Nicolai-Kirche, die Friedenskirche im Westen der Stadt und die Kirchen in den weiteren Alfelder Ortsteilen gehören zum Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Die katholische Pfarrgemeinde St. Marien gehört zum Dekanat Alfeld-Detfurth des Bistums Hildesheim. Zu ihr gehören neben der St.-Marien-Kirche in Alfeld seit 2006 auch die katholischen Kirchen in Delligsen, Duingen, Everode und Winzenburg. Weitere Glaubensgemeinschaften in Alfeld sind die Ecclesia, die Neuapostolische Kirche, die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) sowie die Zeugen Jehovas.

Politik Rat Der Rat der Stadt Alfeld besteht momentan aus 32 Mitgliedern. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 15.001 und 20.000. Der Rat wird bei den Kommunalwahlen für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.

Die letzten Kommunalwahlen ergaben direkt nach der Wahl die folgenden Sitzverteilungen (in Klammern die erhaltenen Stimmen): Kommunalwahl SPD CDU BAL Grüne FDPDIE LINKEPIRATEN Gesamt12. September 202112103411132 Sitze 11. September 2016 In: Internetseite der Stadt Alfeld. Abgerufen am 4. September 2017. 15(12.698) 10(8.995) 4(3.136) 2(1.955) 1(785) – – 32 Sitze 11. September 2011 In: Internetseite der Stadt Alfeld. Abgerufen am 4. September 2017. 16(12.740) 10(7.767) 5(3.641) 3(2.180) – – – 34 Sitze 10. September 2006 19(15.353) 10(8.231) 3(2.518) 1(952) 1(917) – – 34 Sitze

Bürgermeister Bürgermeister ist Bernd Beushausen (SPD).Rat der Stadt Alfeld (Leine). In: Internetseite der Stadt Alfeld. Abgerufen am 23. August 2018. Er wurde erstmals am 10. September 2006 gewählt. Am 26. September 2021 wurde er in einer Stichwahl mit 52,04 % wiedergewählt und konnte sich gegen den CDU-Kandidaten Andreas Behrens (47,96 %) durchsetzen. In: Internetseite der Stadt Alfeld. Abgerufen am 4. September 2017. In der Wahl vom 12. September 2021 erreichte Beushausen 45,12 %, Behrens 37,40 und Kerstin Funk-Pernitzsch (Grüne) 17,48 %.

Sein Stellvertreter ist Andreas Behrens (CDU).

Wappen Der Stadt wurde das Kommunalwappen am 3. Mai 1939 durch den Oberpräsidenten der Provinz Hannover verliehen. Der Landrat aus Alfeld überreichte es am 19. Dezember desselben Jahres.

Flagge und Farben der Stadt Die Flagge ist gold-rot gestreift und mit dem Wappen der Stadt belegt. Die Farben sind die Hildesheimer Farben: Gold-Rot.

Städtepartnerschaften Seit dem 15. Dezember 1991 ist Alfeld eine Partnerstadt der britischen Stadt Wakefield.

Das Gymnasium pflegt eine Partnerschaft mit einer Schule in der französischen Stadt Nîmes.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Marktstraße mini|Alte Lateinschule, heute Stadtmuseum mini|hochkant|Umbau der Alfelder Innenstadt im Sommer 1988

Das Bild der Alfelder Altstadt wird geprägt von Fachwerkbauten, die nach verheerenden Stadtbränden der Vergangenheit allerdings überwiegend dem 19. Jahrhundert entstammen. Aufgrund der sehenswerten Fachwerkhäuser ist Alfeld eine Station der Deutschen Fachwerkstraße.

Ein beeindruckendes Bauwerk der Renaissance unter den Fachwerkbauten ist die Lateinschule von 1610. Sie ist mit zahlreichen Schnitztafeln geschmückt, deren Bildprogramm ein umfassendes Bild der Bildungsinhalte des Späthumanismus vermittelt. Zahlreiche symbolische Bezüge der Darstellungen verweisen auf den pansophischen Zeithintergrund des frühen 17. Jahrhunderts, also der Zeit eines Jakob Böhme oder eines Johann Valentin Andreae, so die Darstellung der chymischen Hochzeit und die Jakobsleiter. Unter anderem sind die Allegorien für die sieben freien Künste mit den Symbolen Grammatik (Rute), Dialektik (Schlange oder Hundekopf), Rhetorik (Tafel und Griffel), Musik (Musikinstrument), Arithmetik (Rechenbrett), Geometrie (Zirkel oder Staubtafel) und Astronomie (Astrolabium) dargestellt. Die Lateinschule beherbergt heute das Museum der Stadt Alfeld. In: Internetseite der Stadt Alfeld. Abgerufen am 18. Februar 2019. Das dazugehörige Tiermuseum ist im Nachbargebäude untergebracht. Unterhalb des Tiermuseums schließt sich an der Südseite des Kirchhofs die historische Ratsbadstube an, deren ältester urkundlicher Nachweis aus dem Jahr 1501 datiert. In: Internetseite Ratsbadstube Alfeld. Abgerufen am 15. Mai 2013. Die Gebäude der Ratsbadstube umfassen einen Gewölbekeller aus Sandstein (ein Tonnengewölbe mit 110 m² Grundfläche und 3,50 m Scheitelhöhe) und drei darauf errichtete Fachwerkhäuser.

Bemerkenswert ist das sogenannte Alfelder Planetenhaus, das nach einer früher am Gebäude angebrachten Inschrift 1608 erbaut sein dürfte. Es weist zwei Schnitzplattenreihen auf, die Darstellungen der sieben Planeten und der fünf Sinne zeigen. Die Gegenüberstellung von Planeten bzw. Metallen und dem menschlichen Körper ist vor dem Zeithintergrund als Darstellung der Entsprechung von Mikrokosmos und Makrokosmos gemäß Paracelsus zu lesen. Am Planetenhaus findet sich auch ein Schnitzfries mit der Darstellung des Einhorns und zweier Fabelwesen, vermutlich handelt es sich hierbei um Apothekersymbolik. Der urkundliche Nachweis einer Apotheke im Planetenhaus ist jedoch – trotz Hinweisen auf das Vorhandensein einer Einhornapotheke im Alfeld des 17. Jahrhunderts – bislang nicht gelungen. Weitere mit Schnitzplatten verzierte Gebäude in Alfeld waren das Anfang des 20. Jahrhunderts abgebrannte Kaland-Haus aus dem späten 16. Jahrhundert (einzelne Platten sind erhalten und werden in der als Heimatmuseum genutzten Lateinschule aufbewahrt) und ein weiteres Gebäude am Marktplatz, dessen Schnitzplatten aber bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts entfernt wurden.

mini|links|Alfelder Rathaus, dahinter St. Nicolai Bemerkenswert unter den älteren Bauten ist auch das renovierte Rathaus, das sich in seinem heutigen Erscheinungsbild (seit 1586) als ein Bau der sogenannten Weserrenaissance darstellt. Spuren früherer gotischer Baustufen sind noch zu erkennen, so ein (überformter) gotischer Treppengiebel im Westen. Unterhalten wird das Rathaus von der Waltraud-und-Burghard-Meyer-Stiftung (beide Gründer sind aus Alfeld).