150px|rechts|Flagge von Frankreich Die Postgeschichte Frankreichs geht bereits auf das Frühmittelalter zurück. Sie ist stark durch die abwechslungsreiche Geschichte des Landes geprägt. Unter Philatelisten ist vor allem die Pariser Ballonpost, die einen entscheidenden Punkt in der Geschichte der Flugpost bildet, berühmt. Heute wird mit den französischen Briefmarken vor allem die Marianne in Verbindung gebracht, die die Dauermarken Frankreichs seit 1945 ohne Unterbrechung ziert.

Entwicklung bis zur Französischen Revolution Vorläufer eines französischen Postwesens Vorläufer von Postwesen auf französischem Boden finden sich bereits zur Zeit des Römischen Reiches. Das von Kaiser Augustus eingerichtete staatliche Beförderungssystem für Nachrichten, Güter und Personen, der cursus publicus, operierte auch in Gallien. Im Allgemeinen wird der Beginn der französischen Postgeschichte mit der Teilung des Frankenreichs und der Entstehung eines eigenen Staates Frankreich 843 gesehen. Zu der damaligen Zeit gab es jedoch nur mehr oder weniger regelmäßig operierende Botendienste, die großteils von Adelshäusern unterhalten wurden und, vor allem im Krieg, Nachrichten überbrachten.

Diese Boten waren anfangs noch meist unberitten unterwegs. Erst um 1101 gab es Aufzeichnungen über den ersten berittenen Boten im königlichen Dienste Roberts II. 1261 werden bereits 16 berittene Boten im Dienste des Königs Ludwig VIII. genannt. Auch zur Zeit des Hundertjährigen Krieges wurden häufig Boten zur Nachrichtenüberbringung eingesetzt. Philipp VI. standen 1350 bereits 13 unberittene und 6 berittene Boten zur Verfügung. Diese Anzahl wurde im Verlaufe des Krieges stetig vergrößert. Unter Karl V. zählte man zwar nur noch 8 unberittene Boten, dafür gab es bereits 36 Boten zu Pferd.

Anfänge des organisierten königlichen Postwesens Die Errichtung eines organisierten französischen Postwesens fand erst kurz nach der erfolgreichen Beendigung des Hundertjährigen Krieges statt. Die bislang unterhaltenen Botendienste wurden langsam durch ein landesweit operierendes Postsystem abgelöst. Bereits kurz nach der Besteigung des französischen Thrones richtete König Ludwig XI. am 19. Juni 1461 eine Post für den französischen Hof ein. Die Verwendung war noch ausschließlich dem König und den Angehörigen seines Hofes vorbehalten. Am 9. Juni 1464 erließ der König eine einheitliche Regelung für das Postsystem. Insgesamt besorgten 234 berittene Boten den Postdienst auf vorher festgelegten Routen zwischen den wichtigsten Orten im ganzen Königreich.

Unter dem Nachfolger Ludwig XI., König Karl VIII., wurde 1490 Mitglieder der italienischen Kurierfamilie Tasso, wie auch innerhalb des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, mit der Beförderung der königlichen Kurierpost sowie dem Ausbau eines landesweiten operierenden Postsystems beauftragt. Die Verwendung dieses Postsystems blieb weiterhin hohen Adeligen sowie dem König selbst vorbehalten und wurde in den folgenden Jahrzehnten stetig erweitert und ausgedehnt. Unter König Karl IX. wurde ab 1576 erstmals eine Steuer für die Beförderung von Nachrichten unter Verwendung des königlichen Postwesens erhoben. Ab 1603 erfolgte unter dem neu ernannten Generalpostmeister Fouquet de la Varane schließlich die allmähliche Freigabe des königlichen Postwesens für die Öffentlichkeit.

Ausbau und Einführung von Posttarifen

Sein Nachfolger, Generalpostmeister Pierre d’Almeras, bemühte sich um den Ausbau und die einheitliche Regelung dieses Postsystems. Am 16. Oktober 1627 führte er die ersten einheitlichen Posttarife ein, die jeder Benutzer zu entrichten hatte, der nicht Angehöriger des Königs war. Je nach der Entfernung zwischen dem Absender und dem Zielort wurden verschiedene Gebühren für die Beförderung der Briefe erhoben. So kostete beispielsweise die Briefbeförderung von Paris nach Dijon oder Mâcon 2 Sous, von Paris nach Lyon, Bordeaux oder Toulouse 3 Sous. Eine Neuregelung und Anpassung an das erweiterte Postsystem erfolgte im April 1644. Die Portostufe zu 2 Sous wurde gänzlich aufgehoben, dafür wurden jedoch bereits 41 Städte mit dem Posttarif zwischen 3 und 5 Sous von Paris gelistet. Bereits einen Monat später, im Mai 1644, wurden die ersten Raten für England mit 10 Sous von Paris bekannt gegeben.

Unter dem Sonnenkönig Ludwig XIV. wurde eine weitgehende Modernisierung und Reform des Postwesens durchgeführt. Im Zusammenhang mit dieser Reform richtete König Ludwig XIV. eine Pariser Stadtpost ein, die von Jean-Jacques Renouard gepachtet und unterhalten wurde. Für die Stadtpost galt ein Beförderungsporto von einem Sou. Die Zustellung der Briefe erfolgte innerhalb eines Tages. Jean-Jacques Renouard ließ hierfür eigens Briefkästen aufstellen und begann mit dem Verkauf streifbandähnlicher Papiere, die man an dem zu versendenden Brief befestigen sollte. Diese Billets de port payé erschienen erstmals am 8. August 1653 und gelten heute als die ersten Vorläufer der Briefmarke.

Obwohl die Pariser Stadtpost bald aus wirtschaftlichen Gründen wieder eingestellt werden musste, wurden neue Reformen durchgeführt. 1673 wurde eine einheitliche Regelung der Posttarife beschlossen. Diese sollten ausschließlich vom Zielort und dem Ort des Absenders abhängig sein. Man richtete vier verschiedene Entfernungszonen ein. Briefe innerhalb 25 Postleugen (lieue de poste) entsprachen 2 Sous, von 25 bis 60 Postleugen 3 Sous, von 60 bis 80 Postleugen 4 Sous sowie darüber hinaus 5 Sous. Eine Postleuge entspricht in etwa 3,898 km. Seit 1676 wurden auch erstmals Briefumschläge mit dem Aufschlag von einem Sou befördert. Dieser Aufschlag war, im Vergleich zu anderen Ländern, relativ günstig.

Entwicklung bis zur Französischen Revolution Das unter Ludwig XIV. eingeführte Tarifsystem wurde weiterhin in seiner Grundstruktur erhalten. In der folgenden Zeit wurden nur die Tarife selbst geändert. Zeitweise gab es auch festgelegte Portostufen innerhalb eines Départements. Bis 1789 wurde das gesamte Land postalisch besser erschlossen und mit den Postwesen der Nachbarländer verbunden.

Neben der Eröffnung neuer Postämter wurden im 18. Jahrhundert auch immer häufiger Poststempel auf der Briefpost verwendet. Die meisten Absenderstempel sind Langstempel und tragen vor dem Ortsnamen ein de (von). Des Weiteren kam es häufig zur Verwendung von Stempeln mit der Inschrift Port Payé (bezahltes Porto) und Déboursé (ausgelegtes Geld), falls der Empfänger die Annahme des Briefes verweigerte oder nicht auffindbar war.

Französische Revolution, Republik und Kaiserreich Veränderungen im Postwesen durch die Revolution Vor allem zu Beginn der Französischen Revolution kam es regelmäßig zu größeren Verzögerungen und lokalen Stilllegungen des französischen Postwesens. Neben den Aufständen, die die Postbeförderung erschwerten, wurden auch einige Verantwortliche der französischen Post im Zuge der Revolution hingerichtet. 1792 wurde auf Grund dessen eine erste größere Erhöhung der Postgebühren auf 5 bis 15 und innerhalb eines Departements auf 4 Sous durchgeführt. Bereits drei Jahre später, 1795, wurden alle Postgebühren um einen weiteren Sou auf 6 bis 18 und innerhalb eines Departements auf 5 Sous erhöht. Weitere Tariferhöhen erfolgten in den nächsten beiden Jahren. Erst gegen Ende der Revolution wurden die Portogebühren wieder weitgehend auf das frühere Preisniveau gesenkt.

Diese neuen Postgebühren waren nur kurze Zeit in Gebrauch, da man sie 1800 durch eine umfassende Reform komplett neu regelte und an das neu eingeführte metrische System anpasste. Der Standardversand eines Briefes bis zu sieben Gramm innerhalb 100 Kilometer kostete zwei Décimes. Dieses neue System blieb bis zum Wiener Kongress 1815 erhalten. Des Weiteren finden sich in diesem Zeitraum die ersten französischen Poststempel mit Datumsangabe.

Napoleonische Kriege und Wiener Kongress Die napoleonischen Kriege führten zu zahlreichen Gebietserweiterungen Frankreichs. Dieses neue französische Land wurde schnell mit dem eigenen Postsystem verbunden. An alle Regionen wurden im Zuge dieser Gebietsvergrößerung zur leichteren Verwaltung eigene Departement-Nummern vergeben. Die Nummern der neuen Regionen lagen meist zwischen 84 und 129 und waren auch als Bezeichnung im Postverkehr im Gebrauch. Neben diesen französischen Gebieten übernahm Frankreich auch kürzere Zeit das Postwesen in besetzten Gebieten oder in solchen Staaten, die auf Druck und Betreiben Frankreichs errichtet wurden. In der Helvetischen Republik wurde beispielsweise das gesamte schweizerische Postwesen von Frankreich übernommen. Während der napoleonischen Kriege wurde außerdem eine gut operierende französische Feldpost eingerichtet. Zahlreiche Vermerke auf erhalten gebliebenen Briefen zeugen noch heute von der gut organisierten Weiterleitung.

Die erste Bahnpost in Frankreich wurde am 16. Juli 1846 auf der Strecke Paris–Rouen aufgenommen.

Mit dem Wiener Kongress wurden die ursprünglichen Grenzen Frankreichs wiederhergestellt. Dadurch war die französische Post wieder alleinig auf das alte Staatsgebiet begrenzt. Das französische Postwesen blieb in der Zeit vor der Februarrevolution 1848 weitgehend von neuen Reformen verschont, mit der Ausnahme kleinerer Zonenänderungen 1828. In dieser Zeit standen allerdings bereits die ersten Feldposten im Zuge des Erwerbs der ersten Kolonien in Afrika in Verwendung. Nach der Februarrevolution 1848 und der Errichtung der Zweiten Republik sah man sich jedoch umfassenden Änderungen gegenüber.

Die ersten französischen Briefmarken mini|Un franc vermillon Bereits kurz nach Errichtung der Zweiten Republik in Frankreich unter Staatspräsident Louis Napoléon Bonaparte entschloss man sich zur Ausgabe eigener französischer Briefmarken nach britischem Vorbild. Bereits am 1. Januar 1849 erschienen die ersten beiden Freimarken zu 20 Centimes und 1 Franc an den französischen Postämtern. Der Wert zu 20 Centimes, auch vingt centimes noir, war zum Frankieren eines Standardbriefes, der Wert zu 1 Franc, auch Un franc vermillon, für größere Portostufen gedacht. Die beiden Freimarken waren Teil der französischen Freimarkenausgabe Cérès, deren weitere Werte in den Folgejahren erschienen. Die insgesamt sechs Werte zeigen allesamt das einfarbige Bild der Cérès. Diese ist von der Wertangabe und der Inschrift REPUB. FRANC. umgeben. Die ungezähnten Briefmarken wurden in der Pariser Münze im Buchdruck auf leicht getöntem Briefmarkenpapier hergestellt.

Gemeinsam mit den neuen Freimarken erfolgte auch die Verwendung neuer, einheitlicher Poststempel der französischen Postämter. Diese gaben allerdings weder einen Ortsnamen noch ein Datum preis. Die meist gitterähnlichen Abdrücke der Poststempel sollten ein erneutes Verwenden bereits gebrauchter Briefmarken so gut wie möglich verhindern. In Verbindung mit den Cérès-Marken waren sie allerdings nur kurz in Verwendung, da diese bald Marken mit dem Bildnis des Präsidenten wichen. Diese zeigen weiterhin dieselbe Rahmen-Zeichnung und Inschrift wie die Cérès. Nach der Wiedererrichtung des Kaiserreichs änderte sich diese jedoch in EMPIRE FRANC.

Kaiserreich und Deutsch-Französischer Krieg Neue Briefmarken mini|150px|Napoleon III., Kolonialmarke In den Jahren bis zum Deutsch-Französischen Krieg erschien ausnahmslos der neue französische Kaiser auf Frankreichs Freimarken. Inschrift und Zeichnung wurden allerdings teilweise geändert. Ab 1863 fanden nur noch Freimarken Verwendung, die die Landesbezeichnung EMPIRE FRANCAIS in voller Länge und nicht, wie bis dahin üblich, abgekürzt aufführten. Hierbei handelte es sich außerdem um die ersten gezähnten Freimarken Frankreichs. Die ebenfalls ab 1859 ausgegebenen Portomarken zeigten, im Gegensatz zu den Freimarken, nur eine Ziffernzeichnung. Auch die ab 1. Januar 1868 ausgegebenen Telegrafenmarken Frankreichs zeigten nicht den Kaiser selbst, sondern das kaiserliche Wappen als Hauptmotiv, einen Adler.