La costanza trionfante degl’amori e degl’odii (deutsch etwa: „Die über die Liebe und den Hass triumphierende Treue“), RV 706, ist eine Opera seria (Originalbezeichnung: „Dramma per musica“) in drei Akten von Antonio Vivaldi (Musik) mit einem Libretto von Antonio Marchi. Die Urfassung wurde in der Karnevalssaison 1716 im Teatro San Moisè in Venedig uraufgeführt. Es folgten mehrere Produktionen überarbeiteter Fassungen mit unterschiedlichen Titeln wie Artabano, re de’ Parti, L’Artabano oder Doriclea. Eine deutsche Fassung mit dem Titel Die über Hass und Liebe siegende Beständigkeit, oder Tigranes, König von Armenien wurde 1719 in Hamburg gespielt. Nur der Text und die Musik einzelner Arien sind erhalten.
Handlung
„Argomento“
Das gedruckte Libretto von 1716 enthält die folgende Einleitung:
Kurzfassung
Erster Akt. Die Parther unter König Artabano haben Armenien einschließlich der Hauptstadt Artaxata erobert. Der armenische König Tigrane und seine Frau Doriclea befinden sich auf der Flucht. Nach einem Sturz ihres Pferdes wird Doriclea gefangen genommen und an den Königshof gebracht, da Artabano sie selbst heiraten möchte. Tigrane kann sich im letzten Moment retten. Seine Tochter Eumena, die während der Flucht von ihren Eltern getrennt wurde, trifft auf den verräterischen armenischen Fürsten Olderico, der sie freundlich behandelt. Tigrane, sein Vertrauter Farnace und dessen Geliebte Getilde verkleiden sich als Hirten. Tigrane will unerkannt in den Palast eindringen, um sich von der Treue seiner Frau zu überzeugen. Artabanos erster Annäherungsversuch bei Doriclea scheitert an ihrer Standhaftigkeit. Olderico verschafft Eumena eine Stellung als Page „Elmiro“ am Königshof. Sie hofft, dort ihre Mutter zu finden.
Zweiter Akt. Farnace und Getilde werden von der Jagdgesellschaft Artabanos aufgespürt, aber nicht erkannt. Artabano lädt beide an seinen Hof ein, da er auch Getilde verführen will. Im Schloss trägt Artabano Eumena auf, einen Liebesbrief an Doriclea zu schreiben. Sie nutzt diese Gelegenheit für eine eigene Mitteilung an ihre Mutter. Artabano entscheidet sich jedoch anders. Er will jetzt lieber auf Gewalt setzen und zerreißt den Brief ungelesen. Der als „Osmondo“ verkleidete Tigrane bringt Artabano in einer Schüssel den angeblichen Kopf Tigranes. Artabano lässt sofort Doriclea holen, um sie vom Tod ihres Mannes und einer neuen Beziehung mit ihm selbst zu überzeugen. Sie bleibt jedoch standhaft und versucht sogar, Osmondo zu töten, um Tigrane zu rächen. Olderico hingegen offenbart Tigrane versehentlich seine bislang geheim gehaltene Feindschaft. Farnace wird eifersüchtig, als sich Getilde und der vermeintliche Page Elmiro umarmen. Artabano versucht, Doriclea zu vergewaltigen. Sie kann ihn aber abwehren und erfährt anschließend durch einen von Farnace überbrachten Brief, dass Tigrane noch lebt.
Dritter Akt. Tigrane trifft sich als Mohr verkleidet mit Doriclea im Garten. Die beiden werden bei ihrem Wiedersehen vor Glück ohnmächtig und in enger Umarmung von ihrer Tochter Eumena aufgefunden. Diese glaubt, ihre Mutter sei ihrem Vater untreu geworden, und tötet ihn beinahe. Nachdem dieses Missverständnis aufgeklärt ist, umarmt Doriclea ihre Tochter, was wiederum Artabano zur Weißglut treibt, der den Pagen zum Tode verurteilt. Tigrane erhält einen Brief des mit ihm verbündeten pontischen Königs Mitridate, der durch einen Geheimgang in die Stadt eindringen will. Farnace will unterdessen einen Volksaufstand anzetteln. In den Thermen versucht Artabano erneut, Doriclea zu vergewaltigen. Die Nachricht von den feindlichen Soldaten im Palast verhindert dies jedoch. Die Aufständischen siegen, und Tigrane wird wieder als König eingesetzt. Er vergibt Artabano und Olderico großmütig.
Erster Akt
Gebirgige Landschaft, geteilt vom Fluss Aras, umgeben von Felsen, bewässert durch Wasserfälle; dazwischen das tote Pferd Doricleas
Szene 1. Nach der verlorenen Schlacht gegen Artabanos parthische Armee ergreifen die überlebenden Armenier, unter ihnen König Tigrane und seine Frau Doriclea, die Flucht. Doricleas Pferd ist gestürzt, und sie selbst wurde verletzt. Sie fleht Tigrane an, sie zu töten, um sie nicht in die Hände der Feinde fallen zu lassen. Dazu bleibt jedoch keine Zeit, da Artabano mit seinen Leuten naht. Tigrane rettet sich durch einen Sprung in den Fluss.
Szene 2. Vor Zorn schnaubend erscheint Artabano (Arie Artabano: „Arda l’ira, lo sdegno avvampi“) und erblickt die zu Tode verängstigte Doriclea. Da er sich aufgrund ihrer Schönheit sogleich in sie verliebt, lässt er sie an seinen Hof bringen. Doriclea versteht nicht, warum er sie nicht sofort tötet (Arie Doriclea: „Hai sete di sangue e il cor“).
Szene 3. Artabano will Doriclea wie eine Königin behandeln.
Szene 4. Tigranes und Doricleas Tochter Eumena irrt auf der Suche nach ihren Eltern umher (Arie Eumena: „Genitor dove t’ascondi?“). Sie will sich verzweifelt von einer Klippe stürzen.
Szene 5. Der armenische Fürst Olderico verhindert dies und informiert sie über das Schicksal ihrer Eltern. Eumena hofft auf ein baldiges Wiedersehen (Arie Eumena: „Qual dispersa tortorella“).
Abgelegenes Gestrüpp
Szene 6. Tigranes Freund Farnace ist empört über das grausame Verhalten der Eroberer. Er wirft seine Waffen fort, da er keine Hoffnung hat, ihnen alleine etwas entgegensetzen zu können.
Szene 7. Farnace trifft auf seine Geliebte Getilde, die er bereits für tot gehalten hatte. Die beiden beschließen, sich als Schäfer zu verkleiden, um unter den Feinden keine Aufmerksamkeit zu erregen (Duett Farnace/Getilde: „Frà le braccia alla mia vita“).
Szene 8. Der ebenfalls als Hirte verkleidete Tigrane informiert die beiden darüber, dass er sich in den Palast Artabanos einschleichen will, um herauszufinden, ob Doriclea ihm treu geblieben ist (Arie Getilde: „Qual pino errante“).
Szene 9. Tigrane macht sein weiteres Verhalten von dem Doricleas abhängig (Arie Tigrane: „Lo sdegno mi chiama“).
Zimmerflucht im Palast
Szene 10. Artabanos Versuch, Doriclea durch Freundlichkeit für sich zu gewinnen, scheitert an ihrer Standhaftigkeit (Arie Doriclea: „Tall’or il cacciator“).
Szene 11. Artabano gibt die Hoffnung nicht auf. Er will sich die Zeit vorerst bei der Jagd vertreiben.
Szene 12. Olderico stellt Artabano die als Page „Elmiro“ verkleidete Eumena vor, die dieser sogleich in seine Dienste nimmt. Sie soll ihm dabei helfen, die Gunst Doriclea zu gewinnen (Arie Artabano: „Il trono asciso“).
Szene 13. Olderico verspricht Eumena, dass sie durch diese List bald ihre Mutter wiedersehen könne (Arie Olderico: „Non sempre folgora“).
Szene 14. Eumena ist hoffnungsvoll (Arie Eumena: „Ti sento si ti sento“).
Zweiter Akt
Wäldchen mit Bauernhütten
Szene 1. Die als Schäferin verkleidete Getilde wartet sehnsüchtig auf ihren Geliebten Farnace (Arie Getilde: „Và in traccia del suo ben la tortorella“).
Szene 2. Dieser erscheint kurz darauf, ebenfalls als Hirte gekleidet (Arie Farnace: „Così passando và l’hore beate“). Die beiden verstecken sich, als sie die Jagdgesellschaft Artabanos bemerken.
Szene 3. Artabano und seine Jäger verfolgen einen verwundeten Bären (Arie Artabano: „Nella selva della belva“), der sie direkt zum Versteck Farnaces und Getildes führt. Die beiden stellen sich Artabano unter falschen Namen vor (Getilde nennt sich „Clori“). Der König lädt beide an seinen Hof ein, da er von Getildes Schönheit fasziniert ist.
Szene 4. Farnace fürchtet um Getildes Ehre (Arie Farnace: „Qual errante navicella“).
Königliches Gemach
Szene 5. Artabano weist Eumena in ihre Aufgabe ein, Doriclea umzustimmen. Sie soll ihr in seinem Namen einen Liebesbrief schreiben. Eumena verändert den Inhalt des Briefs heimlich, informiert sie über ihre Anwesenheit am Hof und warnt sie vor den Gelüsten des Königs. Zu ihrer Enttäuschung besinnt sich Artabano anders. Er will sich nun nicht mehr auf Güte verlassen, sondern Doriclea mit Gewalt zwingen, sich ihm zu fügen. Er zerreißt den Brief ungelesen.
Szene 6. Eumena ist dennoch erleichtert, dass ihr Betrug nicht aufgefallen ist (Arie Eumena: „La timida cervetta“).
Königliche Loggien
Szene 7. Tigrano hat mittlerweile mit einem Diener, der eine verdeckte Schüssel trägt, Zutritt in den Palast erhalten (Arie Tigrane: „Per scorgere quel cor“).
Szene 8. Er stellt sich Artabano als „Osmondo“ vor und behauptet, Tigrane getötet zu haben, dessen Kopf sich in der Schüssel befinde. Artabano dankt ihm erfreut und fordert Olderico auf, Doriclea zu holen.
Szene 9. Artabano zeigt der entsetzten Doriclea die Schüssel mit dem angeblichen Kopf ihres Mannes und weitere Beweisstücke für dessen Tod. Mit dem Hinweis, dass sie sich ihm nun gutwillig fügen könne, zieht er sich zurück.
Szene 10. Doriclea beschimpft den vermeintlichen Mörder ihres Mannes und greift nach einem Dolch, um ihn zu töten. An ihrer Reaktion erkennt Tigrane, dass er sich auf ihre Treue verlassen kann (Arie Doriclea: „Del mio ben teschio adorato“).Im Libretto von 1719 ist die Arie „Del mio ben teschio adorato“ fälschlicherweise Tigrane zugeordnet. Sie spricht allerdings Doricleas Trauer über den vermeintlichen Tod ihres Mannes und ihren Rachewunsch aus und ist laut Text und Regieanweisung ausdrücklich an dessen abgeschlagenes Haupt („teschio“) gerichtet. In späteren Libretto-Fassungen wie Hamburg 1719, Mantua 1725 oder Prag 1732 ist sie wie auch das vorangehende Rezitativ Doriclea zugewiesen.
Szene 11. Olderico hingegen gibt sich dem angeblichen Osmondo als Feind Tigranes zu erkennen, der ihm einst seinen Besitz genommen habe. Er fühlt sich durch dessen Tod gerächt (Arie Olderico: „La vendetta è un dolce inganno“).
Szene 12. Tigrane weiß jetzt, dass er dem Verräter Olderico nicht trauen kann. An erster Stelle steht für ihn jedoch Doriclea (Arie Tigrane: „La care pupille“).
Szene 13. Getilde und Eumena geben sich einander zu erkennen, schließen Freundschaft und umarmen sich (Arie Eumena: „Parto con questa speme“).
Szene 14. Farnace, der dies beobachtet hat, macht Getilde eifersüchtige Vorwürfe. Er will ihre Erklärungen gar nicht erst anhören (Arie Farnace: „Donna crudel spietata“).
Szene 15. Getilde ist nicht allzu beunruhigt über Farnaces Verhalten (Arie Getilde: „E’ dolce quell’amor“).
Szene 16. Artabano versucht, Doriclea zu vergewaltigen. Es gelingt ihr aber, ihm einen Dolch zu entreißen und ihn abzuwehren (Arie Artabano: „Nò non svenarti nò“).
Szene 17. Doriclea will sich selbst töten, um nicht länger den Angriffen des Tyrannen ausgeliefert zu sein.
Szene 18. Farnace kommt gerade rechtzeitig, um ihr einen Brief Tigranes zu geben.
Szene 19. Aus dem Brief erfährt Doriclea, dass Tigrane noch lebt und sich im Garten mit ihr treffen will. Voller Hoffnung wirft sie den Dolch fort (Arie Doriclea: „Sento il cor brillarmi in petto“).
Dritter Akt
Königlicher Garten
Szene 1. Tigrane erscheint als Mohr verkleidet zu dem Treffen.
Szene 2. Anders als bei der ersten Begegnung erkennt Doriclea ihren Mann jetzt sofort an der Stimme. Sie umarmen sich und fallen vor Glück in Ohnmacht.
Szene 3. Eumena, die im Garten Erholung sucht, findet das bewusstlose Paar. Sie glaubt, ihre Mutter in Umarmung mit einem fremden Mann zu sehen, und zieht den Degen, um diesen zu töten. Glücklicherweise erwachen die beiden rechtzeitig, und sie können auch ihre Tochter wieder in die Arme schließen (Arie Tigrane: „Un aura lusinghiera“).
Szene 4. Doriclea bittet Eumena, auf die Tapferkeit ihres Vaters zu vertrauen. Sie küssen sich liebevoll (Arie Eumena: „Lascia almen, che ti consegni“).
Szene 5. Artabano ist wütend darüber, dass Doriclea einen Diener küsst, nachdem sie ihm selbst einen Kuss verweigerte. Doriclea kann darüber nur lachen (Arie Doriclea: „Un baccio, un vezzo, un riso“).
Szene 6. Artabano verurteilt den vermeintlichen Rivalen Elmiro zum Tode und befiehlt Olderico, die Hinrichtung vorzubereiten (Arie Artabano: „Per punir quell’alma audace“).
Szene 7. Artabano tobt vor Wut auf Clori, Doriclea und Elmiro.