mini|hochkant|Gustave Moreau: Salomé, 1871 mini|hochkant|Tanz der Salome oder Die goldenen Schmetterlinge (Gaston Bussière) mini|Salome bringt den Kopf des Johannes zu Herodias; Fresko von Johann Georg Lederer in der Pfarrkirche Johannes der Täufer in Igling. mini|hochkant|Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers; Schule von Fontainebleau, Museum am Dom Trier Salome ([]) war Flavius Josephus zufolge der Name einer Tochter der Herodias. In der späteren Tradition ist dieser Name mit der in den Evangelien erzählten Geschichte des Todes Johannes’ des Täufers in Zusammenhang gebracht worden, in der aber nur von der Tochter der Herodias die Rede ist. Salome, die Tochter der Herodias, war später (ab 54 n. Chr.) Königin in Kleinarmenien.
Sie ist nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Schwester des Herodes und steht auch in keiner Beziehung zu der Jüngerin Salome, die im Markusevangelium erwähnt wird.
Familie Salome war väterlicherseits eine Enkelin Herodes’ des Großen: Ihr Vater Herodes Boethos (Herodes ohne Land) war ein Sohn des Königs von dessen siebter Ehefrau, der (zweiten) Mariamne, die nach Angaben des Geschichtsschreibers Flavius JosephusFlavius Josephus, Antiquitates Judaicae 15,9,3. als die „schönste Frau der damaligen Zeit“ galt.
Mütterlicherseits war sie die Urenkelin Herodes des Großen. Ihre Mutter war Herodias, deren Vater Aristobulos selbst ein Sohn der ersten Mariamne I. (der zweiten Frau) von Herodes dem Großen war.
Verheiratet war Salome in erster Ehe mit ihrem Onkel Philippos, Tetrarch von Ituräa, Golan und Trachonitis. Nach dessen Tod im Jahr 34 n. Chr. heiratete sie den mit ihr verwandten Aristobulos, den Sohn des Königs Herodes von Chalkis. Seine Hoffnungen, die Nachfolge seines Vaters antreten zu können, zerschlugen sich jedoch, als der römische Kaiser Claudius dieses Königreich im Jahr 49 an Herodes Agrippa II., den Vetter des Aristobulos, übertrug. Dies war sicherlich auch für Salome eine Enttäuschung. Aristobulos wurde jedoch einige Jahre später (54 n. Chr.) vom römischen Kaiser Nero gleich nach seinem Amtsantritt zum König von Kleinarmenien ernannt. Salome wurde dadurch zur Königin dieses Reiches, das mit dem Hauptort Nikopolis westlich von Großarmenien im nördlichen Anatolien lag.
Es sind mehrere Münzen mit Bildnissen und Inschriften von Aristobulos und Salome als Königspaar von Kleinarmenien erhalten.Wolfgang Leschhorn: Antike Ären. Zeitrechnung, Politik und Geschichte im Schwarzmeerraum und in Kleinasien nördlich des Tauros. Franz Steiner, Stuttgart 1993, ISBN 3-515-06018-9, S. 145.
Legende Als mögliche Quelle für die biblische Erzählung wird eine von Titus Livius mitgeteilte Gräueltat des römischen Konsuls Lucius Quinctius Flamininus angesehen, der im Jahr 192 vor Christus beim Mahl einen Gefangenen erschlug beziehungsweise erschlagen ließ, um seinem punischen Lustknaben das Schauspiel einer Hinrichtung zu bieten.Titus Livius, Ab urbe condita 39,42 f. In der Erzählung des Flamininus-Motivs durch den römischen Geschichtsschreiber Valerius Antias wird aus dem Knaben eine Frau mit zweifelhaftem Ruf. Ähnliche Versionen der Geschichte finden sich bei CiceroMarcus Tullius Cicero, De senectute 12,42. und Seneca dem Älteren.
Herodes Antipas heiratete in zweiter Ehe seine Schwägerin Herodias. Diesen Umstand kritisierte Johannes der Täufer, was laut der biblischen Erzählung im Neuen Testament ( und ) zu dessen Ermordung führte. Hier befinden sich Berichte der Ereignisse, in denen der Name Salome zwar nicht vorkommt, die aber die Basis der späteren Salomelegende bilden. Flavius Josephus dagegen führt politische Gründe für den Mord an, der ihm zufolge in Machaerus verübt wurde.
mini|hochkant=1.4|Fra Filippo Lippi: Das Gastmahl des Herodes, Dom von Prato Die Legende selbst erscheint im Neuen Testament folgendermaßen: Herodias begehrte den Tod des Johannes, doch Herodes weigerte sich, diesen töten zu lassen. Anlässlich einer Geburtstagsfeier des Herodes, der viele Würdenträger beiwohnten, führte die Tochter der Herodias einen Tanz auf, mit dem sie die Anwesenden derart in Verzücken versetzte, dass Herodes ihr schwor: „Um was du mich auch bitten wirst, ich werde es dir geben bis zur Hälfte meines Reiches“ . Salome fragte ihre Mutter, was sie sich wünschen solle, und diese flüsterte ihr das eigene Begehren ein. Sie solle den Kopf des Johannes verlangen. Diesem Wunsch konnte sich Herodes Antipas „um der Eide und um derer willen, die mit zu Tisch lagen“ nicht verweigern. Er ließ Johannes köpfen und das Haupt auf einer Schale der Tänzerin bringen.
Der Mönch und Presbyter Isidor von Pelusium benennt die Tochter der Herodias gegen Anfang des 5. Jahrhunderts dann in einem Brief erstmals konkret mit dem Namen Salome. Als Figur der Leidensgeschichte des Johannes taucht sie später beispielsweise im altsächsischen Heliand-Epos um 830Heliand v. 2745ff () und in den mittelalterlichen Mysterien-, Passions- und Prophetenspielen als Schuldige am Tode des Johannes auf.
Salome in der Kunst In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es keine christlich-mythologische Frauengestalt, die in Kunst, Literatur und Musik die Zeitgenossen so faszinierte wie die Figur der Salome. Sie galt speziell in der Literatur der französischen Décadence wahlweise als Inkarnation weiblicher Grausamkeit, aber auch als Modell der Kindfrau und Verkörperung idealer Schönheit und purer Erotik.Sandra Walz: Tänzerin um das Haupt : eine Untersuchung zum Mythos "Salome" und dessen Rezeption durch die europäische Literatur und Kunst des Fin de Siècle. München 2008 (zugleich Dissertation, Universität Erlangen-Nürnberg 2005). Der Asteroid (562) Salome ist nach ihr benannt.
Literatur Georg Britting – Ballade Stéphane Mallarmé – Hérodiade, (Fragmente seit 1864) und Scène de Hérodiade, veröffentlicht 1896 Gustave Flaubert – Hérodias. In: Trois Contes, 1877 Jules Laforgue – Salomé. In: Moralités légendaires, 1877 Oscar Wilde – Schauspiel Salome, 1891 Georg Ruseler – Erzählung Das Haupt Johannes des Täufers. In: Die gläserne Wand, 1908 Vizma Belševica – Gedicht Salome, erschienen in: Jūra deg (Das Meer brennt), 1966 Anatols Imermanis – Gedicht Salome, erschienen in: Dzīļu noreibums (Tiefenrausch), 1984 Eric Walz – historischer Roman Die Schleier der Salome, 2005 Ulrich Woelk – Roman Schrödingers Schlafzimmer, 2006
Malerei Benozzo Gozzoli – Tanz der Salome, 1461/62 Bartolomeo Veneto – Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers, zwischen 1503 und 1530 Tizian – Salome, 1515 Lucas Cranach der Ältere – Salome mit dem Haupt des Johannes, 1530 Lucas Cranach der Jüngere – Salome mit dem Haupt Johannes’ des Täufers an der Tafel des Herodes, 1537 Caravaggio – Salome mit dem Kopf Johannes des Täufers 1607
Jan Adam Kruseman – Salome mit dem Kopf Johannes des Täufers 1861 Gustave Moreau – Die Erscheinung, 1875
Aubrey Beardsley – Illustrationen zu Oscar Wildes Drama Salome, 1893 Lovis Corinth – Salome II, 1900 Edvard Munch – Salome, 1903 Franz von Stuck – Salome, 1906 Oskar Kokoschka – Salome mit dem Haupt des hl. Johannes, 1906 Éder Gyula – Salome mit dem abgetrennten Haupt Johannes’ des Täufers, 1907 Julius Klinger – Salome, 1909
Bildhauerei Max Klinger – Die Neue Salome, 1893. Salome-Brunnen (Bergen), Brunnenskulptur in Norwegen
Musik Oper und Oratorium: Alessandro Stradella – Oratorium San Giovanni Battista, Rom 1675 Johann Joseph Fux – Oratorium La fede sacrilega nella morte del Precursor S. Giovanni Battista, Wien 1714 Jules Massenet – Oper Hérodiade, Brüssel 1881 Victor Heinisch – Oper Salome, Wien 1903 Richard Strauss – Oper Salome, Dresden 1905 Florent Schmitt – Ballett und symphonisches Gedicht La tragédie de Salomé, 1907 Alexander Konstantinowitsch Glasunow – Schauspielmusik (Introduktion und Tanz der Salomé) zu Oscar Wildes Drama, 1908 Antoine Mariotte – Oper Salomé, Lyon 1908
Lieder: Robert Stolz – Lied Salome, schönste Blume des Morgenlands, 1920 Andrew Lloyd Webber – Lied Salome im Musical Sunset Boulevard, 1993 Angels of Venice – Lied The Sins Of Salome auf dem Album Wake Inside A Dream, 2001 Xandria – Lied und Album Salomé – The Seventh Veil, 2007 Pete Doherty – Lied Salome auf dem Album Grace/Wastelands, 2009 Saltatio Mortis & Doro Pesch – Lied Salome auf dem Album Wer Wind sæt, 2009 Unlucky Morpheus – Lied Salome auf dem Album Unfinished, 2020 Slave to Sirens – Lied Salomé, 2022
Tanz Loïe Fuller – Salomé (1895), La Tragédie de Salomé (1907) Adorée Villany – Tanz der sieben Schleier aus „Salome“ von Omar Anubis (1905)Programmzettel vom Residenz-Theater Wiesbaden, 26. u. 27. Juni 1905, abgedruckt in: Adorée-Via Villany: Tanz-Reform und Pseudo-Moral. Kritische-satyrische Gedanken aus meinem Bühnen- und Privatleben. Aus dem Manuskript ins Deutsche übertragen von Mijam David. Verlag Adorée Villany, Paris o. J. (1912), S. 123. Maud Allan – Tanzvorführung The Vision of Salome zur Musik von Marcel Remy (1908) Flemming Flindt – Salome, Musik von Peter Maxwell Davies, Kopenhagen 1978
Film Carlos Saura – Salomé Ken Russell – Salomes letzter Tanz (Salome’s Last Dance), 1988 Carmelo Bene – Salomé William Dieterle – Salome, 1953 Charles Bryant – Salome (1923), 1923
TV Salomé (Telenovela), mexikanische Telenovela True Blood – Salome (Vampir)
Literatur Hugo Daffner: Salome. Ihre Gestalt in Geschichte und Kunst. Dichtung, Bildende Kunst, Musik. Hugo Schmidt, München 1912 (mit einer Original-Radierung von Wilhelm Thöny). Lloyd Llewellyn-Jones: “Salome, Nice Girl”: Rita Hayworth and the Problem of the Hollywood Biblical Vamp. In: Eran Almagor, Lisa Maurice (Hrsg.): The Reception of Ancient Virtues and Vices in Modern Popular Culture. Beauty, Bravery, Blood and Glory (= Metaforms. Studies in the Reception of Classical Antiquity. Band 11). Brill, Leiden/Boston 2017, ISBN 978-90-04-34771-7, S. 206–230. Kerstin Merkel: Salome. Ikonographie im Wandel. Peter Lang, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-631-42540-6 (zugleich Dissertation, Universität Mainz 1989). Theo Reichenberger: Das Rätsel um Salome. Ein monumentales Bild im Prado und die Heiratspolitik der europäischen Großmächte um 1620 (= Europäische Profile. Band 62). Edition Reichenberger, Kassel 2003, ISBN 3-935004-69-9. Thomas Rohde (Hrsg.): Mythos Salome. Vom Markusevangelium bis Djuna Barnes. Anthologie. Reclam, Leipzig 2000, ISBN 3-379-01720-5 (rund 100 Texte, siehe Inhaltsverzeichnis). Erika Wäcker: Die Darstellung der tanzenden Salome in der bildenden Kunst zwischen 1870 und 1920. Dissertation, Freie Universität Berlin 1993.
Weblinks
Frank-Manuel Peter: Ich will nicht tanzen, Tetrarch!
Einzelnachweise
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