200px|Logo der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Karte 300px|Karte der Evangelischen Landeskirche in Württemberg Basisdaten Fläche: ca. 20.935 km² Leitender Geistlicher: LandesbischofErnst-Wilhelm Gohl Präsidentin der Landessynode: Sabine Foth Direktor des Oberkirchenrats: Stefan Werner Mitgliedschaft: EKD, ÖRK und LWBVollmitgliedschaftUEK und VELKDjeweils nur Gaststatus Missionsgesellschaft: Evangelische Mission in Solidarität (EMS) Prälaturen: 4 Kirchenbezirke bzw. -kreise: 35 Kirchengemeinden: 980 (1. Januar 2026) Gemeindeglieder: 1.673.014 (31. Dezember 2025) 1.723.261 (31. Dezember 2024)[] Anteil an derGesamtbevölkerung: 26,5 % (31. Dezember 2024) Offizielle Website:www.elk-wue.de
Die Evangelische Landeskirche in Württemberg ist eine von 20 Gliedkirchen (Landeskirchen) der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Mitglied der Konferenz der Kirchen am Rhein. Wie alle Landeskirchen ist sie eine Körperschaft des öffentlichen Rechts; sie hat ihren Sitz in Stuttgart. Die Kirche hatte 1.673.014 Gemeindeglieder in 980 Kirchengemeinden (Stand: 1. Januar 2026). Die Evangelische Landeskirche in Württemberg ist eine lutherische Kirche und Mitglied in der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) sowie im Lutherischen Weltbund. Sie gehört weder zur Union Evangelischer Kirchen noch zur Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, hat jedoch jeweils einen Gaststatus.
Hauptkirche der Evangelischen Landeskirche in Württemberg ist die Stiftskirche Stuttgart. Hier wurde 1534 von dem Marburger Prediger Konrad Oettinger eine der ersten evangelischen Predigten im Herzogtum Württemberg gehalten. Weitere bedeutende Kirchen sind das Ulmer Münster, die Kilianskirche Heilbronn, die Marienkirche Reutlingen, die Esslinger Stadtkirche St. Dionysius sowie die Kirche St. Michael Schwäbisch Hall. Eine Bildungseinrichtung der Landeskirche ist das Tübinger Stift. Die Landeskirche gründete 1945 die Evangelische Akademie Bad Boll als erste Einrichtung dieser Art, die als „Mutterhaus“ der kirchlichen Akademien gilt. Im selben Jahr wurde in Esslingen der Grundstock für die heutige Evangelische Hochschule für Kirchenmusik gelegt, die sich seit 1998 in Tübingen befindet.
Gebiet Das Gebiet der Evangelischen Landeskirche in Württemberg umfasst im Wesentlichen Württemberg und die Hohenzollernsche Lande.
Die ersten Jahrhunderte war die Landeskirche auf das Königreich Württemberg sowie den Volksstaat Württemberg begrenzt, der bis 1945 bestand. 1950, als die Evangelische Landeskirche in Württemberg den Ländern Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern angehörte, erfolgte die Eingliederung des hohenzollerschen Kirchenkreises der Rheinischen Landeskirche, die bis 1945/1948 zur Kirche der Altpreußischen Union gehörte.Volker Trugenberger: Hohenzollern. In: Württembergische Kirchengeschichte online. Die ursprüngliche Gottesdienstordnung wurde beibehalten.Antonia Lezerkoss: Südwest Presse Online, 3. Februar 2017, abgerufen am 18. Februar 2018. In den Folgejahren gab es ferner mit der benachbarten Evangelischen Landeskirche in Baden geringfügige Grenzveränderungen.
Geschichte Im Herzogtum Württemberg Schon 1520/1524 gelang es den Schmugglern Dietmar Gall und Hanns Schmid lutherische Schriften zu verbreiten. In: Waiblinger Kreiszeitung, 28. September 2016, abgerufen am 15. Mai 2025
Der Freiburger Arzt Johannes Murer predigte erstmals 1523 in bäuerlicher Kleidung als „Karsthans“Karsthans Täbingen, täbingen.de, abgerufen am 4. März 2018. das Priestertum aller Gläubigen in Württemberg. Bei seiner Verhaftung in Balingen bekannte er, dass er lieber sterben wolle, als auf die Verkündigung des Wortes Gottes zu verzichten. Murer starb dann ebenso den Märtyrertod für das Evangelium wie jene anderen 45 evangelischen Bauernkriegsprediger und -pfarrer.
Herzog Ulrich von Württemberg setzte 1534 in seinem Herzogtum Württemberg die Reformation durch. Dies war das Gründungsjahr der Evangelischen Landeskirche. Der Herzog, später der jeweilige König von Württemberg war damit auch Oberhaupt der Landeskirche als so genannter summus episcopus, d. h. der jeweilige Herrscher vereinigte die weltliche und die kirchliche Macht. Die bisherigen katholischen Bischöfe verloren alle Rechte. Als Reformator des Landes wurde Johannes Brenz eingesetzt, der die Reformation im Sinne von Martin Luther durchführte. Er ist in der Stiftskirche Stuttgart beigesetzt.
Die Evangelische Landeskirche in Württemberg war damit von Anfang an eine lutherische Kirche. Die Gottesdienstform ist jedoch der reformierten Tradition verpflichtet, d. h. die Gottesdienstfeier wird schlicht abgehalten (Oberdeutsche Form). Die in lutherischen Gemeinden sonst übliche Form der Lutherischen Messe wird nur selten praktiziert.
Glaubensflüchtlinge aus Frankreich und Italien wurden in Gebieten, die ihnen der Herzog von Württemberg zugewiesen hatte, unter Beibehaltung der ursprünglichen Gemeindenamen Sprache und Gottesdienstform angesiedelt. Unter der Leitung des Pfarrers Henri Arnaud besiedelten vertriebene Waldenser ab 1698 eine Gegend im Nordwesten des Herzogtums. In Neu-Isenburg ließen sich 1699 Hugenotten nieder.Neu-Isenburg, abgerufen am 3. Januar 2026.
1720 mussten wegen ihres Übertritts zum Protestantismus etwa 40 Bewohner das katholische hohenzollerische Bärenthal verlassen und nach Wurmberg in Württemberg auswandern. baerenthal.de, abgerufen am 27. Februar 2018.
Die damals noch unabhängige Reichsstadt Ulm öffnete 1731 die Tore für fast 3000 Salzburger Exulanten.
Entwicklung des Pietismus als Besonderheit der Landeskirche Eine Besonderheit der Württembergischen Landeskirche ist die enge Verbindung mit dem Pietismus. Im frühen 18. Jahrhundert war das Herzogtum Württemberg das größte protestantische Territorium im ansonsten katholischen Südwesten Deutschlands. Deshalb wurde von Seiten der Obrigkeit besonders streng auf die Einhaltung des lutherischen Bekenntnisses geachtet, was oft zu einem gewissen Dogmatismus in der Theologie führte. Als Gegenbewegung etablierte sich der Pietismus, dessen wichtigstes Kennzeichen bis heute die persönliche Frömmigkeit ist.
Das Verhältnis von offizieller Landeskirche und Pietisten war oft schwierig. Allerdings gab es auf beiden Seiten immer wieder Menschen, die Verständnis für den jeweils anderen hatten, so dass sich die meisten pietistischen Gruppen innerhalb der Landeskirche entwickelten. Noch heute machen die Pietisten einen großen Anteil der ehrenamtlichen Mitarbeiterschaft in der Landeskirche aus. Viele Kirchengemeinden im altwürttembergischen Raum haben bis heute eine pietistische Prägung.
Kirchenkonvente Die Kirchenkonvente bestanden aus dem Vogt, dem Pfarrer und zwei bis drei Richtern. Sie entwickelten sich zur regelrechten Sittenpolizei. Im 18. Jahrhundert wurden Lichtkerzen, Spielabende, Kegelspiel, außereheliche Schwangerschaften und Fastnachtsbräuche nach kriminalistischen Verhören mit Geld- und Freiheitsstrafen belegt.Monika Spicker-Beck: Die Gemeinden in der Frühen Neuzeit (1534–1805). In: Sigrid Hirbodian, Andreas Schmauder, Manfred Waßner (Hrsg.): Eine Stadt im Wandel der Zeit. Die Geschichte von Meßstetten und seinen Ortsteilen Hartheim, Heinstetten, Hossingen, Oberdigisheim, Unterdigisheim und Tieringen (= Gemeinde im Wandel. Eine Schriftenreihe des Instituts für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Universität Tübingen, Band 19). Stadt Meßstetten, Meßstetten 2019, ISBN 978-3-00-064226-5, S. 126–179, hier S. 172.
Anlass für eine Dauerklage war das weitverbreitete Überfeldlaufen der Dorfbewohner.Gerhard Pfeiffer: Das Ringen um die Parität in der Reichsstadt Biberach. In: Blätter für württembergische Kirchengeschichte, Jg. 56 (1956), S. 3–75, hier S. 45. Oft besuchten ganze Gruppen von Lutheranern die Feste in katholischen Dörfern. Der Fasnetstanz verlockte Mitte des 17. Jahrhunderts die Bewohner benachbarter evangelischer Dörfer; die Ermahnungen, den Lustbarkeiten um der Reinhaltung des Glaubens willen fernzubleiben, blieben ergebnislos.
Im Königreich Württemberg Das Herzogtum Württemberg war ein rein evangelisches Gebiet. Erst als Württemberg 1806 zu einem Königreich erhoben wurde und von Napoleons Gnaden große katholische Gebiete (Oberschwaben) zugeschlagen bekam, endete diese einheitliche religiöse Struktur. In den bisher römisch-katholischen Gebieten (Süd-)Württembergs entstanden im 19. Jahrhundert evangelische Gemeinden.
Königsfeld im Schwarzwald ist eine planmäßige Siedlung der Herrnhuter Brüdergemeine aus dem Jahr 1806. Königsfeld wurde somit die erste Siedlungsgründung im Gebiet des heutigen Baden-Württemberg der 1727 in Herrnhut durch Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf ins Leben gerufenen protestantisch-pietistischen Brüdergemeine. Die Gründungsurkunde König Friedrichs I. von Württemberg datiert auf den 12. August 1806.
mini|Siegelmarke der Evangelischen Konsistoriums zu Stuttgart
Zur Verwaltung der kirchlichen Angelegenheiten wurde innerhalb des Kultministeriums in Württemberg (heute Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg) eine Abteilung eingerichtet, welche die Bezeichnung Konsistorium erhielt. An seiner Spitze stand der Konsistorialpräsident.
20. Jahrhundert Am Ende des Ersten Weltkriegs musste der König von Württemberg abdanken. Die Kirche hatte somit formal kein Oberhaupt mehr. Daher übernahmen zunächst die führenden Geistlichen der Kirche (Prälaten) und der Konsistorialpräsident die Kirchenleitung. 1923/1924 gab sich die Württembergische Landeskirche eine Verfassung und setzte einen Kirchenpräsidenten als Oberhaupt der Kirche ein, der ab 1933 den Titel Landesbischof erhielt.
Leitung mini|Evangelischer Oberkirchenrat Stuttgart An der Spitze der Evangelischen Landeskirche in Württemberg steht der Landesbischof (bis 1933 Kirchenpräsident). Er wird von der Landessynode mit einer Zweidrittelmehrheit gewählt. Seine Amtszeit währte ursprünglich auf Lebenszeit und endete spätestens mit Vollendung des 68. Lebensjahres. In der Regel geht er jedoch bereits nach Vollendung seines 65. Lebensjahres in den Ruhestand, so dass dann ein neuer Landesbischof gewählt werden muss. Die Landessynode im Herbst 2006 beschloss die Begrenzung der Amtszeit auf zehn Jahre.
Dem Landesbischof kommt die oberste Leitung der Landeskirche zu. Er hat das Recht, in allen gottesdienstlichen Räumen der Landeskirche das Wort Gottes zu verkündigen. Durch diesen Verkündigungsdienst wird die Kirche geistlich geleitet. Unterstützt wird er darin von den Prälatinnen und Prälaten sowie den Dekaninnen und Dekanen. Der Landesbischof sitzt dem Kollegium des Oberkirchenrats vor und vertritt die Landeskirche nach außen. (Begriffsbestimmung in der Landeskirche)
Seit 2022 hat Ernst-Wilhelm Gohl dieses Amt inne. Der Landesbischof hat einen theologischen und einen juristischen Vertreter. Theologischer Vertreter ist der dienstälteste der insgesamt vier Prälaten (Regionalbischöfe). Juristischer Vertreter ist der Direktor des Oberkirchenrats, früher zeitweise als Vizepräsident bezeichnet. Gegenwärtig ist die theologische Stellvertreterin des Landesbischofs Prälatin Gabriele Wulz.
Frühere Leitung Nach Einführung der Reformation in Württemberg 1534 wurden die kirchlichen Angelegenheiten ab 1553 gemeinsam vom Konsistorium (geistliche Angelegenheiten) und vom Kirchenrat (Verwaltung) getätigt. Das Leitungsgremium bestand aus der Vorstandschaft (Obersuperattendenz und Direktion) und den ordentlichen Mitgliedern. 1698 wurden Konsistorium und Kirchenrat getrennt. Das Konsistorium wurde dann von einem Präsidenten geleitet, dem ein Vizepräsident zur Seite stand. Dem Konsistorium gehörten mehrere Konsistorialräte geistlichen und weltlichen Standes an. Dem Kirchenrat stand ein Direktor vor, dem ein Vizedirektor zur Seite stand. Der Kirchenrat hatte mehrere Expeditionsräte.