mini|Leonhard Paul Birnbaum, ca. 1913; aus dem Album amicorum mit Glückwünschen zum 70. Geburtstag von Rudolf MosseAlbum amicorum mit Glückwünschen von Politikern, Gelehrten, Künstlern und Literaten zum 70. Geburtstag von Rudolf Mosse, 1913, als Digitalisat bei der Staatsbibliothek zu Berlin (Web-Ressource) Leonhard Paul Birnbaum (* 13. Mai 1880Geburtenregister des Standesamtes Berlin II P Rep. 801 Nr. 615/1880 Leonhard Paul Birnbaum; landesarchiv-berlin.de (PDF; 78 MB) in Berlin; † 14. Oktober 1933Sterberegister des Standesamtes Berlin-Schöneberg II P Rep. 161 Nr. 725/1933 Leonhard Paul Birnbaum; landesarchiv-berlin.de (PDF; 466 MB) ebenda) war ein deutscher Journalist, Redakteur und Schriftsteller. Er war den größten Teil seines Berufslebens journalistisch tätig.

Leben und Wirken Birnbaum war der Sohn des in Langenschwalbach praktizierenden Badearztes Rudolph Raphael Birnbaum (1843–1881Sterberegister des Standesamtes Berlin IVa P Rep. 500 Nr. 28/1881 Rudolph Raphael Birnbaum; landesarchiv-berlin.de (PDF; 205 MB)) und dessen Ehefrau Agathe Leopoldine Isabella Birnbaum,Heiratsregister des Standesamtes Berlin III P Rep. 804 Nr. 145/1875 Heirat von Rudolph Raphael Birnbaum und Agathe Leopoldine Isabella Lehmann am 17. April 1875 in Berlin; landesarchiv-berlin.de (PDF; 63 MB) geborene Lehmann (1842–1927Sterberegister des Standesamtes Charlottenburg I P Rep. 551 Nr. 891/1927 Agathe Leopoldine Isabella Birnbaum, geb. Lehmann; landesarchiv-berlin.de (PDF; 446 MB)Todesanzeige für Agathe Leopoldine Isabella Birnbaum. In: Berliner Tageblatt, 14. Dezember 1927, Morgenausgabe; staatsbibliothek-berlin.de), einer Tochter von Joseph Lehmann. Seine Eltern waren jüdischer Abstammung. Birnbaum wurde noch im Jahr seiner Geburt in Langenschwalbach evangelisch getauft. Nachdem sein Vater infolge einer schweren Erkrankung 1881 verstorben war, übersiedelte die Mutter nach Berlin, wo sie zusammen mit ihrer Schwester Franziska eine Wohnung in der Voßstraße 16 bezog. Die Schwestern pflegten dort ein reges gesellschaftliches Leben mit Lesungen und auch kleineren Theater- und Musikaufführungen, so dass Birnbaum im Umfeld vieler Künstler aufwuchs, so u. a. dem Schwager seiner Mutter und Maler Paul Friedrich Meyerheim, dem Schriftsteller Friedrich Spielhagen, dem Theaterkritiker und -direktor Paul Schlenther und dessen Frau, der Schauspielerin Paula Conrad, dem Chorleiter und Komponisten Siegfried Ochs oder dem Schriftsteller Hermann Sudermann.

Birnbaum erhielt zunächst Privatunterricht und besuchte dann das Königliche Wilhelms-Gymnasium und das Gymnasium zu Steglitz, wo er 1899 das AbiturJahresbericht der Gymnasiums zu Steglitz über das Schuljahr 1899/1900. ub.uni-duesseldorf.de ablegte. Anschließend begann er sein Studium, zunächst ein Semester Philosophie und dann Jury an der Universität Leipzig und wurde dort auch Mitglied der Leipziger Universitäts-Sängerschaft zu St. Pauli in Mainz.Alphabetisches Gesamtverzeichnis (Findliste). Universitäts-Sängerschaft St. Pauli Leipzig; paulinerkirche.org Birnbaum setzte seine Studien an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu BerlinVerzeichnis des Personals und der Studierenden der Königlich Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. WS 1900/1901. S. 57. edoc-Server der Humboldt-Universität. sowie an der Königlich-Preußischen Universität Marburg fort.Verzeichnis des Personals und der Studierenden auf der Königlich Preußischen Universität Marburg. SS 1901 – WS 1901/1902. Archiv der Philipps-Universität Marburg, 1904 erfolgte seine Promotion zum Dr. jur. an der Universität Heidelberg „cum laude“.Verzeichnis der an der Universität Heidelberg vom 23. November 1903 bis zum 22. November 1904 Promovierten. In: Pamphlets on phonetics: Ueber die Einigung der deutschen Aussprache. W. Braune, 1904; books.google.com

Durch Vermittlung seines Onkels Felix Samuel Lehmann (1851–1914Sterberegister des Standesamtes Steglitz P Rep. 700 Nr. 626/1914 Felix Samuel Lehmann; landesarchiv-berlin.de (PDF; 249 MB)Todesanzeige für Felix Samuel Lehmann. In: Berliner Tageblatt, 6. Dezember 1914, Morgenausgab; staatsbibliothek-berlin.de), Verleger und späterer Direktor des Cotta- und Union-Verlags, nahm Birnbaum ab Januar 1905 eine Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter bei der Deutschen Lloyd Transport-Versicherungs-AG in Berlin auf und wechselte ein Jahr später als Privatsekretär zu dem national-liberalen Reichstagsabgeordneten Karl Albrecht Patzig. Im Anschluss an diese Tätigkeit war er die überwiegende Zeit seines weiteren Berufslebens journalistisch tätig. Am Ersten Weltkrieg nahm Birnbaum – vermutlich aus gesundheitlichen Gründen – wohl nicht teil.

Neben seiner Tätigkeit als Journalist war Birnbaum auch sozialpolitisch engagiert. Aus dem Jahr 1915 findet sich in der Zeitschrift für Säuglingsschutz, VII. Jahrgang, Heft 5/6 ein Hinweis auf „Dr. Leonhard Birnbaum, Redakteur“.Unterzeichnung einer Petition. In: Zeitschrift für Kleinkinder- und Säuglingsschutz, Organ des Kaiserin Auguste-Victoria Hauses und der Deutschen Vereinigung für Säuglingsschutz, Band 7, 1915; google.de/books Dort abgedruckt ist eine Petition an den damaligen Reichskanzler mit der Bitte um Vorlage und Beschlussfassung im Bundesrat. In dieser Petition geht es um eine Verbesserung der Unterstützungsleistungen für Mütter vor, im Zusammenhang mit und nach einer Entbindung. Birnbaum hatte diese Petition mit den Mitgliedern des Vorstands der „Gesellschaft für Mutter- und Kindesrecht e. V., Berlin“ unterschrieben. Die unterzeichnete Petition findet sich auch in dem Buch Die Einwirkungen des Krieges auf die Säuglingssterblichkeit und die Säuglingsschutzpolitik von Fritz Rott aus dem Jahr 1915.Unterzeichnete Petition. In: Fritz Rott: Die Einwirkungen des Krieges auf die Säuglingssterblichkeit und die Säuglingsschutzpolitik. 1915; google.de/books

Im Verlauf seines Lebens wurde Birnbaum ein Anhänger der Christlichen Wissenschaft.Archivsignatur R58/11156 mit Korrespondenz des Christian Science Veröffentlichungs-Ausschuss mit u. a. Leonhard Birnbaum. bundesarchiv.de mini|Grab von Leonhard Paul Birnbaum auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf bei Berlin (2020) Am 14. Oktober 1933 starb Leonhard Paul Birnbaum – gemäß seiner Sterbeurkunde um 13.00 Uhr auf dem U-Bahnhof „Innsbrucker Platz“ – an einem Schlaganfall. Die Grabstätten von Leonhard Paul Birnbaum und seiner Mutter Agathe Birnbaum befinden sich auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf bei Berlin, die Grabstätte des Vaters Rudolf Birnbaum auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee.

Privates Am 21. März 1907 heiratete Birnbaum in Berlin Ella („Elli“) FriedländerHeiratsregister des Standesamtes Berlin Xa P Rep. 808 Nr. 199/1907 Leonhard Paul Birnbaum/Ella Friedländer; landesarchiv-berlin.de (PDF; 97 MB) (1883Geburtenregister des Standesamtes Berlin IX P Rep. 806 Nr. 979/1883 Ella Friedländer; landesarchiv-berlin.de (PDF; 129 MB) –1963), die Tochter des jüdischen Kaufmanns Simon Friedländer (1838–1906Sterberegister des Standesamtes Berlin Xa P Rep. 808 Nr. 1085/1906 Simon Friedländer; landesarchiv-berlin.de (PDF; 98 MB)Todesanzeige für Simon Friedländer. In: Berliner Tageblatt, 8. November 1906, Morgenausgabe; staatsbibliothek-berlin.de) und dessen Ehefrau Adelheid, geborene Gerson (1854–1922),Sterberegister des Standesamtes Berlin VIII P Rep. 523 Nr. 949/1922 Adelheid Friedländer, geb. Gerson; landesarchiv-berlin.de (PDF; 214 MB) die beide auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee beigesetzt wurden. Aus der Ehe stammte der Sohn Heinz Rudolf (1908Geburtsanzeige: Heinz Rudolf Birnbaum. In: Berliner Tageblatt, 28. Oktober 1908; staatsbibliothek-berlin.de–1980).

Nach Leonhard Birnbaums Tod emigrierten seine Frau und sein Sohn im Jahr 1934 nach Südafrika.Bestandssignatur Rep. 36 A als Akte A 385/15 und A 385/17. Archivplansuche Rep. 36 A Devisenstelle. Brandenburgisches Landeshauptarchiv. In Kapstadt führte seine Frau viele Jahre eine Pension. Heinz Birnbaum, der zunächst als kaufmännischer Angestellter und später in einer Buchhandlung arbeitete, heiratete in Kapstadt Heather Olive Mary Louw, geborene Ellis (1902–1991), die Ehe blieb kinderlos.

Journalistisches Wirken

Birnbaum war einerseits als selbständiger Journalist tätig, andererseits arbeitete er viele Jahre als Redakteur für das Berliner Tageblatt von Rudolf Mosse.

Als selbständiger Journalist Für das Jahr 1907 ist ein Beitrag Birnbaums mit dem Titel „Die akademische Auskunftsstelle der Universität Berlin“ in der Zeitschrift Die Deutsche Hochschule, Nr. 13/14, belegt.Die akademische Auskunftsstelle der Universität Berlin. In: Bernhard vom Brocke: Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftspolitik im Industriezeitalter. 1991; google.de/books In seinem Aufsatz stellte Birnbaum die 1904 nach dem Vorbild einer ähnlichen Einrichtung an der Pariser Universität gegründete Berliner Auskunftsstelle der Universität und ihre einzelnen Abteilungen vor.

Aus dem Jahr 1909 können zwei Artikel von Leonhard Birnbaum nachgewiesen werden, beide in der Münchner Allgemeine Zeitung. Unter der Rubrik „Von unseren Hochschulen“ erschien Birnbaums Artikel Der „neue Student“.Der „neue Student“. In: Allgemeine Zeitung (München), 5. Juni 1909; digitale-sammlungen.de Birnbaum sprach sich hierin für eine Erneuerung studentischer Ideale im freiheitlich-liberalen Sinn aus, die seiner Meinung nach aus der Studentenschaft selbst herauskommen müsse. Ferner plädierte er dafür, dass die Studentenschaft eine stärkere Anteilnahme an allen großen Themen des gesellschaftlichen Lebens anstreben müsse. In derselben Rubrik erschien am 4. September 1909 der Artikel „Die Vorbildung der Juristen“,Die Vorbildung der Juristen. In: Allgemeine Zeitung (München), 4. September 1909; digitale-sammlungen.de worin Birnbaum die Forderungen des Bonner Jura-Professors Ernst Zitelmann nach einer Reform der Juristenausbildung hin zu größerer Praxisnähe unterstützte, die Zitelmann in einer ebenfalls im Jahr 1909 herausgegebenen Broschüre mit gleichem Titel erhoben hatte.

Aus dem Jahr 1912 findet sich in dem anlässlich des 25-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Wilhelm II. durch Paul Klebinder herausgegebenen Buch Der Deutsche Kaiser im Film ein Beitrag mit dem Titel Die Kulturmission des Kinematographen von Birnbaum. Er beschrieb hierin die vielfältigen Möglichkeiten des Mediums Film als Bewegtbilddarstellung photographisch aufgenommener Bilder, ging dabei bis hin zu einer Einbeziehung von Filmtechniken in den Bereich der medizinischen Ausbildung und bezog sich auf zeitgleiche Anregungen des Augenarztes an der Berliner Universitäts-Augenklinik Wilhelm Meisner. Auch die Möglichkeiten des Einsatzes von Filmtechniken zu Trainings- und Ausbildungszwecken, die heutzutage mit digital erzeugten Bildern und Simulationstechniken realisiert werden, sprach Birnbaum in seinem Beitrag bereits an. Der genannte Beitrag findet sich auch in einer englischen Übersetzung in dem Buch The Promise of Cinema – German Film Theory 1907–1933, herausgegeben 2016 von A. Kaes, N. Baer und M. Cowan. Das Buch von Paul Klebinder wird außerdem mit Nennung des Namens von Leonhard Birnbaum erwähnt in der Chronik des deutschen Films 1895–1994, von Hans Helmut Prinzler aus dem Jahr 1995.

Im Jahr 1921 erschien bei der UFA in der Reihe „UFA-Blätter – Programm-Zeitschrift der Theater des UFA-Konzerns“ ein von Birnbaum verfasstes Heft mit dem Titel Massenszenen im Film. Birnbaum befasste sich darin anhand von Beispielen aus zeitgenössischen Filmen mit den Möglichkeiten der Filmregisseure, beim Dreh – im Gegensatz zu Aufführungen in Theatern – große Menschenmassen einzusetzen. Das UFA-Heft befindet sich im Archiv der Deutschen Kinemathek. Es wurde u. a. in dem 1947 erschienenen Buch von Siegfried Kracauer From Caligari to Hitler – A Psychological History of the German Film zitiert.